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Jüdische Korrespondenz · 1918-09-05 · 27 (5.9.1918) · page 8

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
27 (5.9.1918)
Date
1918-09-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seile 8 Jüdisehe Korrespondenz. Nr. 27 schöner Menschenliebe, Hosicn, Bangen und dazwiichen das Geiiihl der Einsamkeit gerade zur Zeit unserer erhabenen Feniagc, Solche 2age geneigerlen Empfindens waren in verstärk!,m Mafic für uns die heiligen Rosch- Hasciipna-Inger Roch sehe ich in der Erinnerung io manches ernste Antlitz. Tränen in de» Augen: Sohne, die das Elternhaus und den Eliernscgen an dnnem Fcsilage besonders schiver vermifii haben, Männer, die für Weib und Kinder und eine glückliche .gemilehr iumgsl geberet haben — ach, so manchen bugt schon Mutter Erde, sie sind dahinaegailgen, den Weg des Heldentums! Und nun nahte der Fom Kippur. Versöhniingstag mitten iw grausamen Kriege, Wo werde ich ihn verbringen, wo eine Gemeinde um mich scharen? Einige Tage vorher war ich nach Thiancoun, und ganz zufällig zu einer der beiden dort wohnenden jüdischen Familien in Quartier gelonnnen. Nach einigen Worten hatte die Frau des Hauses erfrtfULTi,, daß tch pivfi'p isr,-ichte ici. Das erstaunte und er-renie Gesicht der bekümmert dreinschauenden französische» Jiidin werde ich nie vergessen, mit deiii >ie rnich rragte: Ali, vous des u» Raw? Bon dieser Frau erfuhr ich, dafi in dem lothringischen Orte eine alte Synagoge stünde, seit vielen Fahren nicht mehr benutzt, weil die Genieinde nicht mehr existierte. Ein badischer Hosvikar, der unten im Hause einquartiert war. hatte durch einen Anschlag an der Snnagogcntür dalür gesorgt, dafi die Bäume durch Soldaten nicht zum Quartier benugt morden waren. Er geleitete mich hinauf und erkundigte sich eitrig nach einzelnen Fnschriften, die er zum Teil selber schoil entziffert halle, Ain Ereiv Foin Kippur ging ich hinüber sich war indesien nach dem Nachbarorte übergcsiedeli) und sorgte mit Hilfe eines Soldaten für Säuberung der .Räume, bezog die vier Thorarollen mit den vorhandenen weihen Mäntelchen, auch das weiße Poranches kam wieder einmal zu Ehren, weiße Gardnien befandcnFich an den Feirstern und als Borhänge vor der Frauciiabieilung, So war die Synagoge zum Empfange des Jom Kippur bereit, Kol Nidre einsam im Bauernstübchen, Doch nicht allein. Bald füllt sich der Raum mit weißen Gestalten, Schatten, Traumbildern aus der Bergangenheit und Gegenwart, Die herrlichen Gebete mit den wundersamen Melodien umwoben mich, sic sangen in mir und ergriffen mich, als kämen sie heute noch wie cinft von dem in der Milte am Borbctcrpult stehenden Bater lach, seit drei Monaten war er nicht mehr unter den Lebenden!), Wie die Tränen flössen, als aus der Tiefe des Herzens die Worte emporstiegen: Jaäle tacharumemi meerew, und wie sie alle, die stillen Beter, am Schluß mitsangcn: „Tu, meine Zuflucht, mein Panier, mein Kelch, mein Teil, ruf ich zu dir, Fn deine Hand ich stets befehle, schlaf ich und wach ich, meine Seele, Nnd lncincn Leib vertrau ich dir. Ich bange nicht, Gon ist mit mir!" Frilbmorgens wollte ich hinauf zum Nachbarorte, himruf die enge Stiege, hinein in das kleine, traute „t-chülchen", Ihr holden Jugenderimierungeii! In das nicht das alte Gotteshaus aus dem Heimalsiädtchen? Mit den weißen, sandbesticnlen Dielen, den altmodischen, von der Decke herabhängenden Messingleuchtern, mit dem Luach an der Niickivand, dem zchön geschriebenen Psalmveis: Selmvissi liaschem lnegdi szomid vor dem Borbelcrstand, den weiß gestrichenen Bänken, auf denen alte Gebetbücher liegen, und der heiligen Lade, die vor den beiden Tafeln mit den zehn Geboten gekrönt ist, «Merkwürdig, wie auch hier in Frankreich die Löwen, die die zwei Tafeln fest« halten, io heraldisch-unanatomisch geschnitzt sind: mit den nninöglichen Beinverrenkungen, der langheraiisgcstrcckteit Zunge und den wildblickenden Augen,) Und da drüben ist die Franenableilung, durch ein Gitter getrennt — ach, die Mütter und Frauen fehlen diesmal den Betern, Ani dem Schulchan diente als Decke ein sehr schönes Poranches, das vor 7» Fahren von den Frauen der damals noch blühenden Gemeinde „zu Ehren Gottes und zu Ehren der Tbora" gestiftet worden war, Einige Wochen später war ich in der Familie des „Sous-t’ames“ von Lille. Als ich von meinem Jom Kippur erzählte und dem Vorhänge, da entströmten Tränen den schönen Altgcn ineiner Quarliergeberin: ihre Mutter hatte zu den rroiumen Frauen von Thimieourt gehört, die jenen Vorhang gestickt hatten, Fn Ehrfurcht trete ich nun vor Dich: Du altbekannter Schulchan: „O getreuer Gott! König der Könige! Nimm mein Flehen in Gnaden auf! Mögen Dir wohlgefällig sein meines Mundes Worte und meines Herzens Regungen, Ewiger, mein Hort und mein Erlöser!" Und am späten Nachmittag beteten wir: „Nun gehl der Tag zu Ende, die Sonne sinkt zur Wende, wir treten an Dein Himmelsior," Schlaft wohl, Kameraden, den ewigen Schlaf, von Gottes Gnade behütet, Ihr, denen dieses innige Neila-Wort seitdem in anderem Sinne zur Wahrheit geworden ist! Ihr Lieben aber/ die Ihr auch diesen Jom Kippur erlebet, betet das alte, von Tränen getränkte und zu neuem Hoffen rufende Wort, und Gott erfülle auch den Herzenswunsch! Chonnenu liaschem choniien« „Sei uns gnädig, Ewiger, sei uns gnädig! Erhöre uns, Ewiger, erhöre uns! wleh uns bei, Gott unseres Heils! Auf Dich ja stützen wir uns!" Gedankensplitter. Wenn der E! u l (in unsere Tür pocht, so sollen wir unsere Seele öffnen. Wer anderen vergibt, vergibt sich nichts. Es gibt keinen Zufalls jeder Zufall hat ein tiefes Gesetz in sich, das wir Menschen nicht erfassen können, Diejenigen, die an Sabbaten und Feiertagen ihre Gebetbücher ein wickeln, wollen sich s e l b st e i n w i ck e l n, damit man nicht erkennt, daß sie Juden, sind. Israels Volk weint und jammert imm e r, denn auch im höchsten Glück klirren seine Ketten, Erst aus der Entfernung erkennen wir klar, was wir lieben nnd verlieren. In der Politik gibt es Kompromisse, die Seele kennt keine, Rabbiner Dr, Neuhaus-Ostrowo, Neue Löcher. „Simrath-Jah" (Gedichte), „Chesjonoth" (Psychologische Schilderungen), „Bet-Hamidrasch" (Jugenderinnerungen), „Dibure-Haruach" (Gedichte), Von Markus Gottfried (hebräisch), Wien, 1917,18. Selbstverlag. — Die Neuerscheinungen der hebräischen Literatur sind während der Kriegszeit ziemlich selten, „Inter arma silent niu sea". Eine desto größere Genugtuung bieten die vorliegenden Schriften, die gerade in der letzten Zeit der Oeffentlichkeit übergeben wurden. Aber auch inhaltlich haben wir es da mit literarischen Leistungen zu tun, die dem Leser nur eine geistige Freude und ein ästhetisches Vergnügen bereiten. Zunächst sprachlich, Gottfrieds Hebräisch ist stilistisch gewählt, rein und leicht verständlich. Keine übermodernen Kunstbildungen, die leider in letzter Zeit so „beliebt" sind. Inhaltlich haben wir es mit einem riefen psychologischen Gefühl, mit einem klaren Blick über Leben und Menschen zu tun, Gottfrieds Schriften lassen sich auf dem hebräischen Büchermärkte sehen und werten. Der Autor hat allen Grund, mit der Würdigung, die seiner literarischen Arbeit zuteil wird, zufrieden zu sein. Gottfried läßt demnächst eine neue Schrift religiösphilosophischen Inhalts erscheinen, der man mit großem Interesse entgegensetzen darf, „Vom östlichen Judentum". Religiöses, Literarisches, Politisches, Von M. bin Gorien, — „Zwei Generationen". Erzählungen. Von M, bin Gorien. — R. Löwit-Verlag, Berlin-Wien, 1918. — Der Verfasser, der bekannte Literat Berdyczewski, bietet in den vorliegenden Schriften Bilder und Skizzen vom jüdischen Leben im Osten, Nicht ganz objektiv wohl, aber immerhin bis zu einem gewissen Grade lebenstreu. Der „Kulturkampf", wie er in den Erzählungen geschildert wird, würde sicherlich mehr Eindruck machen, wenn die Tendenz weniger kraß hervortreten sollte. Das alte Judentum ist sicherlich nicht bloß von der tragikomischen Seite zu nehmen. Als Bilder einer noch immer nicht ganz verschwundenen Vergangenheit bieten sie immerhin Interesse, besonders für diejenigen, die das Ostjudentum nicht näher kennen. Ata Jisroel;; _ II., Große Schiffgasse 8. _ Gebetstunden in der Zeit vom 29. Elul bis 6. Tischri 5679 (6. bis 13. September), Freitag: Erew-Rosch-Hasehanah. Sabbateingang 710. Samstag: 1. Tag Rosch-Hasehauah, Morgen« gebet 6, Mineha 5, Maariw 7 55. Sonntag: 2. Tag Rosch-Haschanali. Morgengebet 6, Mineha 5. An Wochentagen: Slichot 5'30, Mineha 715. Anmeldungen von Eheaufgeboten, Trauungen und Barmizwah werden während der Kanzleistunden, 9—12 und 3—6 Uhr, entgegengenommen. |®«*® „HELDOLANA“ ®*«®§ 5 Eine neue erprobte Methode, den Gesichts- 8 H teint rein zu erhalten, alle Hautunreiniggj G keiten zu beseitigen und der Haut jenen K H reizenden, verführerischen Hauch zu ver- ® jg leihen. Man benetze Gesicht, Hände. Hals ® K und Körper mit Wasser, bestreiche dann mit K G einer Schichte „HELDOLANA“ und wasche K?? die Haut nach einer Weile ab. Bald wird ® G man von dem frischen, blühenden Aus- H Hj sehen überrascht sein. Selbst Runzeln E und Falten verschwinden nach dieser Projjjjj O zedur und von Sommersprossen, Wim- K 6 merln und sonstigen Hautunreinigkeiten W bleibt keine Spur. Erhältlich in Parfümerien, § i$t Drogerien und Apotheken. Hauptdepot: K ® Kampei, Wien, IX., Nußdorferstraße 4. jg OOOGVPOGK Telephon 14.466. OGEGGGGZ Wien, 1., Seitenstettengasse 5 empfiehlt ihr reichhaltiges Sortiment in: Talmud-, Decisoren- und rabbmiseker Literatur, Bibelu. Kommentarwerke, neuliebräisclie u. jüdische Belletristik, hebräische Lehrbüchern. Grammatiken. Reiches Lager an Judaieis. U. a.: Kleine Bibel, Taschenausgabe, Lemeuband.K 16'— Milon setzel Kiß, hebräisch - deutsches Wörterbuch von Grasowsky . ... , 20'— Marge], Deutsch-hebräisches Wörterbuch „ 20-— Kottek. Geschichte der .luden Dr. 8, Funk, Die Juden in Babylonien Dr. D. Hoftmacn, Levitieus Dr. R. Breuer, Die fünf Megillotb (auch einzeln). Sämtliche Werke von S. R. H i r s c, h, Jul. Hirsch und Mendt Hirsch. Residenz-Atelier für moderne Photographie s RIEH m I.. Fleischmarht 1. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20.

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