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Jüdische Korrespondenz · 1918-09-05 · 27 (5.9.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
27 (5.9.1918)
Date
1918-09-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27 Jüdische Korrespondenz. Seite 3 — Ich bin erfreut, daß die Verhandlungen, die ich mit den Delegierten der verschiedenen jüdischen Organisationen hatte, bereits ein tatsächliches Ergebnis gezeitigt haben. Wir haben den Ae ich kn h gefaßt, alle einschränkenden Maßnahmen abznschaffen nnd den die Einwanderung nnd Niederlassung der Anden in Palästina betreffenden Einschränkungen endgültig ein Ende zu machen. Strengste Befehle sind an die entsprechenden Instanzen ergangen, um der jüdischen Nation in Palästina, gemäß den besten Traditionen der Türkei, wohlwollende Behandlung auf der Grundlage vollkommener chkeichheit mit den anderen Hkcmenten zu sicheren. Was die Frage betrifft, die den Gegenstand meiner Einladung an die jüdische Delegation bildet, so versichere ich sie wiederholt meiner Sympathie für die Schaffung eines jüdischen religiösen Zentrums in Palästina im Wege wohlorganisierter Einwanderung und Kolonisation, da ich fest überzeugt bin von der Nützlichkeit, die die Niederlassung der Juden in Palästina für das Türkische Reich haben kann. Ich bin gewillt, dieses Werk unter den hohen Schutz der türkischen Regierung zu nehmen und es zu fördern mit allen Mitteln, die mit den souveränen Rechten des Türkischen Reiches übereinstimmen, ohne die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung zu beeinträchtigen. Ich hege die feste Hoffnung, daß die Arbeit der Spezialkommission, die zur Ausarbeitung eines detaillierten Projekts entsendet wurde, in Kürze beendigt sein wird, und ich werde dann erfreut sein, die jüdische Delegation hier wieder zu begrüßen, um unsere Besprechungen fortzusetzen. Nach den Ausführungen des Großwesirs begrüßte es der Redner der Delegation mit Genugtuung, daß die türkische Regierung den Beschluß gefaßt habe, alle einschränkenden Maßnahmen aufzuheben und den der jüdischen Bevölkerung in Palästina gemachten Schwierigkeiten ein Ende zu bereiten. Die Delegation sei davon überzeugt, daß die loyale Ausführung der gegebenen Befehle bei der Judenschaft der ganzen Welt einen warmherzigen Empfang finden werde. Mit besonderer Befriedigung werde man erfahren, daß die Spezialkommission beauftragt sei, in kürzester Frist ein detailliertes Projekt ausznarbeiten, welches die jüdischen Wünsche befriedigen könne, die unter türkischer Staatshoheit im Rahmen des Türkischen Reiches, durchaus vereinbart mit den Interessen des türkischen Staates und der Rechte der arabischen Bevölkerung, verwirklicht werden können. Die Verhandlungen der Mission wurden sowohl von dem österreichisch-ungarischen als auch von dem deutschen Boffchafter mit wärmstem Interesse begleitet und in persönlicher Fühlung mit dem Großwesir gefördert. Eine Abordnung der Mission unter Führung des Oberrabbiners Horovicz wurde vom Minister Szilasy — Graf Pallavicini weilte zurzeit nicht in Konstantinopel — und Legationsrat v. Parcher empfangen, die sich eingehend für die Sache interessierten. Auch beim deutschen Botschafter Grafen v. Bernstorfs haben wiederholt Besprechungen stattgefunden. Beide Botschafter haben die Mission auch weiter ihrer wärmsten Sympathien versichert. (Soweit der Bericht der Budapester Korrespondenz. Ob es sich hiebei um eine offiziöse Meldung handelt, ist bisher unbekannt.) Wie die Luden in den Ententeländern behandelt werden! (Die Rekrutierung in Palästina.) Die Baseler „National-Zcitung" schreibt: Eben liest man eine Depesche, wonach sich die Inden im besetzten Palästina freiwillig zum Heeresdienste drängen, so zahlreich, daß es in der Wirkung der allgemeinen Wehrpflicht gleichkommt. Nun ist ein solches Wiedererwachen des Makkabäcrgeistes umso unwahrscheinlicher, als die Juden natürlich wissen, daß ihr Eingreifen in keiner Weise etwas am Ausgange des Weltkrieges zu ändern vermag. Enttveder ist daher jene Nachricht Reuters falsch oder die „Freiwilligkeit" ähnelt jener, mit der Verhaftete in den Kerker gehen. Nehmen wir an, Deutschland hätte in der gleichen Weise an die freiwillige Waffeuhilse der Polen und Ukrainer appelliert, so darf man versichert sein, Reuter hätte über solche hunnische Schändlichkeit Tränen der Empörung vergossen und die ganze Welt zum Zeugen jenes Verbrechens aufgerufen. Wenn aber derartige Legionen für die Engländer gebildet werden, so sind Reuter und Northcliffe höchst begeistert. (Wilson gegen die oppositionellen Judenzcitungen.) „CentralNews" zufolge wurden bei mehreren New-Iorker jüdischen Zeitungen oppositioneller Richtung Hausdurchsuchungen vorgenommen. Gleichzeitig wurden sämtliche jüdische Zeitungen der Vereinigten Staaten unter verschärfte Zensur gestellt, nachdem schon vor längerer Zeit das jüdische Blatt „Vorwärts" wegen angeblicher Deutschsreundlichkeit von den amerikanischen Behörden gemaßregelt worden war. Daniit hat die amerikanische Regierung einen regelrechten Kampf gegen die jüdischen Zeitungen eröffnet, welche die imperialistische Politik Wilsons nicht mitmachen wollen. (Von der jüdischen Legion.) Mit welcher Rücksichtslosigkeit England fremde Völker selbst gegen das Völkerrecht für seine eigenen Interessen in Kampf und Tod zwingt, zeigt folgende Geschichte eines „Freiwilligen". Ein russischer Jude, der seit kurzem in England in einem Hüttenwerk beschäftigt war, erhielt eines Tages vom Rekrutierungsbureau seines Ortes die schriftliche Aufforderung, in das englische Heer einzutreten. Er beantwortete das Schreiben mit „Go to hell" (Schert Euch zum Teufel!), er sei Russe und habe gar keine Veranlassung, sich für England zu schlagen. Die Briefe des Rekrutierungsbureaus wiederholten sich monatlich. Schließlich kam ein Werbeunteroffizier in sein Haus, fragte ihn, ob er sich nun stellen wolle, und als er sich sträubte und äußerte, man könne ihn gerade so gut ins Gefängnis stecken, wurden zwei Polizisten herangeholt, die den Widerspenstigen abführten. Ohne erst noch seine Familie sehen zu dürfen, mußte er zu dem Orte fahren, wo das jüdische Bataillon aufgestellt wurde. Das sind die Werbemethoden des „freien", demokratischen England. (DieantisemitischepoluischeLcgion in Frankreich.) Der „Lokalanzeiger" meldet aus Kopenhagen: Die Pariser „Humamtv" meldet, daß die polnische Legion in Frankreich ausgeprägten antisemitischen Charakter hat. Mau suckn jüdische Freiwillige (?) atu Eintritt z» verhindern. Die schon ein getretenen Inden werden schlecht behandelt und zum Ofsiziersavancemeut nicht zngelasfen. (Pogrome in Bagdad.) Das Provisional Zionist Committee in Amerika hat den Bericht eines Korrespondenten erhalten, der die britischen Truppen nach Mesopotamien begleitet hat. Diesem Bericht zufolge haben die Juden in Bagdad ihr gesamtes Gold- und Silbergeld ausliefern müssen nnd Papiernoten dafür erhalten, deren Wert so zurückging, daß sie nach kurzer Zeit völlig wertlos waren, wodurch der Handel lalungelegt wurde. Tic Lokalbehörden griffen zu einem eigentümlichen Mittel, um die Verantwortung von sich abzuwälzen. Sie brachten nämlich eines Nachts eine Anzahl reicher Inden auf die Polizei und beschuldigten sie, mit den Nvien gehandelt und dadurch die Valuta geschädigt zu haben, sic wurden gefoltert, ermordet und in den T igris geworfen, der später einige der Leichen ans Land spülte. Oer Dienst der jüdischen Soldaten an den hohen Feiertagen. Das Militärkommando in Wien hat mit Befehl Nr. lL4 vom Nt. August 1918 bezüglich des Neujahrsnnd Bersöhnungsfestes verfügt: Am Freitag, den 6. September 19!«, um 6 Uhr nachmittags beginnt das jüdische Neujahrsfest und endet Sonntag, den 8. September 1918, um 8»„ Uhr nachmittags. Am Sonntag, den 15. September 1918. um 4 Uhr nachmittags beginnt das Versöhnungssest, das am Montag, den 16 September 1918, um «' 2 Uhr nachmittags endet. An diesen Festtagen werden in allen Stat.. in welchen sich Gotteshäuser befinden, Gottesdienste abgedalten werden; wo keine vorhanden sind, ist den jüdischen Soldaten Gelegenheit zu geben, sich zu gemeinsamen Andachten zu versammeln. Die Gottesdienste finden wie folgt statt: Freitag, den 6. Sepiembcr 19t8, von 6 Uhr nachmittags dis 8Hz, Uhr nachmittags. Samstag, den 7. September 1918, von 7 Uhr vormittags bis 12 Uhr vorinittags und von 6 Uhr nachmittags bis 8'; Uhr nachmittags. Sonntag, den 8. September 1918, von 7 Uhr vormittags bis 12 Uhr vormittags. Sonntag, den 15. September 1918, von 5 Uhr nachmittags bis 9 Uhr nachmittags. Montag, den 16. September 1918, von 7 Uhr vormittags bis 8> „ Uhr nachmittags (den ganzen Tag ohne Unterbrechung,. Da das Neujahrsfest und der Versöhnungstag die heiligsten jüdischen Feste sind, der Goties'dien» den grünten Teil der Feit ansmllt, sind alle indischen Soldaten, irne auch die lanSsinrinpflichtigen Zivilarbeirer in Betrieben unter militärischer Peilung, wenn es der Dienst nicht unbevingt unmöglich erscheinen läßt, an diesen Tagen, das ist am 7. und 8. September, ferner ain Nachmittag des 15. September und insbesondere am 16. September, dem Veriöhnungsiage, dienstfrei, beziehungsweise stationsfrei zu belasten. Am Veriübnungstage, der ein strenger, von jedem gläubigen Juden beobachteter Fasttag ist, darf der jüdischen Mannschaft die Menage nicht mittags, sondern erst nach Beendigung des Festes verabfolgt werden. Diese Verordnung findet auch sinngemäße Anwendung auf die Kriegsgefangenen in den Kriegsgefangenenlagern und an den Arbeitsstellen außerhalb der Lager und ans die Professionisten jüdischer Konfession des Austanschkaders.

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