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Jüdische Korrespondenz · 1918-08-22 · 26 (22.8.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
26 (22.8.1918)
Date
1918-08-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz. Nr. 26 auch stimmen, und wir Horen nachher auch das Urteil der deutschen Kolonisten über die Judcnkvlonien, das ähnlich lautet: einzelne hätten es zu etwas gebracht, weil sie Liebe zum Land hatten, landivirtschastlicke Fähigkeiten mit streberischem (steift des Borwärtskommcns verbanden, aber die meisten seien keine Ackerbauer und würden es nie, als geschlossene jüdische Bauernkolonie im ganzen konnten die Dörfer nicht Bestand haben. Die Kraft der deutschen Bauernsohne, die, wenn es am Dnjepr nicht geht, lieber nach Sibirien ausivandern, um sich dort Hof und Heim zu begründen, die fehlt jedenfalls den Kindern der jüdischen Ackerbauer fast vollkommen. Aber einsichtige deutsche Kolonisten sprechen damit nicht das letzte Wort über die jüdischen Kolonien, sie halten mit dem Urteil zurück: die Regierung hätte die Leute nicht so sich selbst überlassen dürfen, man wird nicht von heute aus morgen Landwirt, man kann nicht mit ein paar Mustersiedlern eine Gesellschaft von Händlern und Handwerkern in wenigen Jahren zu Bauern umformen; man hätte sie viel straffer beaufsichtigen sollen, bütte sie oder zum mindesten ihre Kinder in Schulen nachlernen lassen sollen, was ihnen an Erfahrung abging. So wie es jetzt ist, wird die Folge nur die sein, daß in der nächsten Generation heit ist der Menschheit verloren gegangen, schenkt ihr diesen Glauben uüeber und sie wird zum Frieden reif. „Der Jugend," rief darum unser Kaiser und König, „der Jugend, die in Leid und Entbehrungen auswächst, zeiget einmal die Segnungen des Friedens, die Segnungen des fruchtbaren Bodens, und fuhrt sie, wenn auch auf kurze Zeit, hinein in das Paradies, das wir vor vier Jahren verloren haben!" Und so ist denn ans den Rnf des Monarchen ein großer Teil der österreichischen Kinder, ohne Unterschied der Konfession, ins gesegnete, herrliche Ungarland gekommen, und sie haben es gesehen und sehen es noch täglich, daß die schöne Gastlichkeit des Ungarvolkes, von der die Lieder melden, auch in dieser herben Zeit nichts eingebüßt hat, daß sie heute noch immer vorhanden ist. Bist ihr wetteifert aber auch die Gastlichkeit dieser schönen (stemeinde, die uns helfend mit Rat und Tat zur Seite steht. Und so schlingen sich denn durch den Ruf unseres Monarchen innige Bande der Liebe und des Friedens von Volk zu Volk, von Land zu Land, Bande, die nicht von Staatsmännern oder Diplomaten geknüpft sind, sondern von Menschen, die einfach menschlich fühlen, die aber um so stärker sind und in eine höhere Zukunft hinein halten werden. Die Jugend aber, die hier im Gebet versammelt steht, soll in diese bessere Zukunft glaubensstark und hoffnnngsfroh hineinwachsen. Unser Herrscher hat ihr das Bild derselben schon jetzt vor die Augen gezaubert, den Genuß dcrselbci, schon jetzt, wenn auch vorübergehend, verschafft. Sie aber, die Jugend, die noch reinen Herzens vor den Thron des Allgütigen hintritt, sie wird in heißem Gebet den Himmel anflehen: „L Gott, beschütze unseren gütigen Kaiser und König Karl, auf daß seine treuen Friedenswünsche zn seinem und zu unserem Heil sich bald erfüllen." „Uwoh lezioun gauel“. doch wieder die Rückwanderung zur Stadt einsctzt, der man durch die Anfiedlungsversuche eben begegnen ivollte. Wir folgen der Einladung, uns ein paar der Wohnhäuser der Kolonisten anzusehen. Aeußerlich machen sie oft einen etwas verwahrlosten Eindruck. Die Leute entschuldigen das damit, daß die Bolschewisten gerade die jüdische Kolonie besonders bedrängten, daß die Einwohner alle viele Tage lang in die Wälder flüchten mußte», tvährend die Roten Garden dann schonungslos in ihrem Eigentum hausten. Ganz scheint aber der äußere Verfall der Häuser, scheinen die Lücken in den Strohdächern und Scheunen doch nicht nur aus diese Tatsache znrückzuführcn zu sein. Dagegen ist es im Innern sauber und reinlich. Die Wände sind frisch gekalkt, die Betten sind sauber überzogen und hoch ansgeschichtet, die Tische und Suchte find gescheuert, es unterscheidet sich hier kaum etwas von den gutgehaltenen Anwesen anderer Bauern, wenn auch an Wohlstand und Ordnung ein beträchtlicher Unterschied zu den deutschen Häusern bleibt. Immerhin ist hier nichts zn finden vom Schmutz städtischer Wohnungen, dieHandwerkcrstuben sehen ordentlich aus, die Ställe sind gut gehalten, der Gcsamteindruck ist nicht eben ungünstig. Rundschau. (Kaisers Geburtstag.) Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers Karl I. sind Samstag, den 17. d. M., in sämtlichen Synagogen und Bethüusern Wiens feierliche Gebete verrichtet worden. — Auch aus der Provinz erhalten wir zahlreiche Nachrichten iiber an diesem Tage in den Gotteshäusern stattgefundene patriotische Kaiserseier. Wie alljährlich haben die Inden Oesterreichs am Geburtstage ihres allgeliebten Monarchen heiße Gebete für das Glück und Wohlergehen Sr. Majestät verrichtet. (Kaiserfeicr.) Im Ferienhort der fünsklassigen Knabenvolksschule mit Oessentlichkeitsrccht, 11-, Malzgasse 16, wurde Freitag, den 16. d. M., eine Kaiserseier veranstaltet. Bormittags, halb neun, begaben sich die Zöglinge in den festlich dekorierten Tunsaal der Anstalt. Hortleiter Fried hielt eine Ansprache; mehrere Zöglinge trugen patriotische Gedichte vor. Hieraus wurde die Bolkshymne gesungen. (Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann.) Anläßlich des Ablebens des Oberrabbiners Tr. Moritz Güdemann ist der Kultusgemeinde nachstehende Depesche von der kaiserlichen Kabinettskanzlei zngekommen: „Reichenau, Annahof. Se. k. u. k. Apostolische Majestät geruhen, der Israelitischen Kultnsgemeinde in Wien Allerhöchst ihre aufrichtige Teilnahme an dem Ableben Ihres verdienten religiösen Oberhauptes Doktor Güdemann bekanntgeben zu lassen. Im Allerhöchsten Aufträge: Kabinettskanzlei." — Unter den zahlreichen Kondolenzen befinden sich solche des Ministerpräsidenten Freiherrn v. Hussarek, des Stadtkommandanten in Wien FML Ritter v. Mossi g, des Bürgermeisters Dr. W e i s k i r ch n e r, des Unterrichtsministers Freiherrn Poray v. Madejski, des Ministers des Innern Ritter v. Gayer, des Ministers für Landesverteidigung FML. Freihcrrn v. Cz app, des k. k. Statthalters Doktor Oktavian Ritter v. Bleyleben, des Polizeipräsidenten Hosrates Schober, des Magi» stratsdirektors Dr. August Nüchter n, namens des sürsterzbischvslichen Ordinariats Kardinal Dr. Piff!, des Präsidenten des evangelischen O bcrkirchenrates Dr. Wolsgang H a a s e, vom Pfarramt der evangelischen Gemeinde H. B. usw. („Hespedim" für den Brisker Raw in BZien.) Ueber Initiative der „Agudas-Jisroel" wurden Sonntag, den 11. August, im Bethause „Eines Wescholem", II., Große Schiffgasse 24, „Hespedim" für den Brisker Raw s. A. gehalten. Die Nachrufe hielten die Oberrabbiner Stcinberg-Brody, Arak-Buczaz, Weidenfeld-Grzymalow und Katz-Borszcpw. Sämtliche Redner schilderten in ergreifenden Worten die große Bedeutung des verblichenen hervorragenden Mannes, der ersten talmudischen Kavazität der Gegenwart, des großen Wohltäters und eifrigen Verfechters aller gesamtjüdischen Interessen. Der große Bethaussaal war übervoll, und die aufmerksamen Zuhörer waren von den Nachrufen, die gleichzeitig geistreiche biblische und talmudische Erklärungen enthielten, tief ergriffen. (Rabbiner Meschulem Salat s. A.) Aus Lemberg wird uns geschrieben: Die hiesige Gemeinde, aber auch das Gesamtjudentum, hat wieder einen sehr schweren Verlust erlitten. Vorigen Samstag, abends, verschied plötzlich der langjährige Rabbinatsasscssor und seit kurzem Rabbiner der Inneren Stadt, Rabbi Meschulem Salat, im 62. Lebensjahre. Der Verblichene, ein sohn des berühmten Gelehrten Uri Wolf Salat s. A., war ein gediegener Gelehrter, ein Mann vieler Tugenden, bescheiden und zuvorkommend für sedermann. ’ Rabbiner Meschulem Salat, der, nebenbei bemerkt, auch über ein reiches modernes Wissen verfügte und mehrere europäische Sprachen beherrschte, erfreute sich in allen Kreisen und schichten der größten Wertschätzung. Sein plötzliches Hinscheiden wirkte überaus erschütternd. — Das Leichenbegängnis fand unter sehr zahlreicher Beteiligung statt. Oberrabbiner Brande, Rabbiner Dr. Guttmann, der Rabbiner Gerstl-Jaryczow usw., widmeten dem Verblichenen tiefempfundene Nachrufe. (Die Hilfsaktion der amerikanischen Juden für die jüdischen Kriegsopfer.) Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet: Das holländische Komitee zur Verteilung der amerikanischen Hilfsgelder sandte bisher 6,487.000 Mark nach Warschau, 614.000 Kronen nach Lublin, 3,963.000 Mark nach Wilna, 670.000 Francs (in Gold) nach Palästina. (Erste jüdisch-orthodoxe parlamentarische Fraktion.) Dem I. P. B. Z. wird berichtet: Im polnischen Staatsrat in Warschau wurde eine jüdisch-orthodoxe Fraktion gebildet, die mit Hilfe einer außerparlamentarischen orthodoxen Kommission für Regelung der religiösen Angelegenheiten sorgen soll. In die Kommission wurden gewählt die Rabbiner aus Kalisch, Lodz und Zawiercie. (Eine jüdische Königin.) Vor kurzem gelang es den Türken, dank der Hilfe zweier

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