Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 26 (22.8.1918)
- Date
- 1918-08-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 kurdistanischer Fürsten, die Russen und Engländer von der persischen Grenzprovinz Aserbeitschan zu vertreiben. Einer dieser Fürsten, Abdur Resak, hielt sich in der Zeit des Abdul Hamid in Konstantinopel auf, wo er sich zu einem Europäer entwickelte und sich mit einem jüdischen Mädchen, einer Dentistin namens Hornig, verheiratete. Nun kommt Abdnr Resak auf beit kurdistanischen Thron, denn Kurdistan soll ein selbständiges Reich werden, und zusammen mit ihm wird als Fürstin dieses Reiches seine Frau, aus einem jüdischen Hause stammend, das neue Reich regieren. (Regierungsmatznahmcn gegen die Pogrompropaganda in Rußland.) Das Jüdische Prestbureau in Stockholm meldet: Die außerordentliche Kommission zum Kampfe gegen die Kontrerevolution veröffentlicht aus Anlaß der antisemitischen Propaganda, die sich in Moskau verstärkt hat, eine Warnung an das Publikum. In dem Ausrnsc wird daraus hingewiesen, daß jede Verhetzung einer 'Ration gegen die andere die Konsiskation des gesamten Vermögens und Gefängnisstrafe zur Folge haben werde. Die Äuteilnehmer an Pogromen werden erschossen werden. (Eine Jahrzeit-Stiftung für einen preußischen König) verwaltet die Berliner jüdische Gemeinde. Am Todestage des hochseligen Königs Friedrich Wilhelm III. erhalten zwei würdige, bedürftige Talmudisten für die Verrichtung des für Hingeschiedene üblichen rituellen Kadischgebetes die Zinsen des Kapitals, welches (im Betrage von 500 Talern) dem Vorstande aus dem Vermächtnisse des verstorbenen Königs zuteil geworden ist. Die Verwendung der Zinsen für eine Jahrzeitfeier wurde durch Gemeindebeschluß schon 1640 angeordnet. Die Stiftung ist noch heute in Kraft, jährlich sagen in der Heidereutergasse, dem ältesten jüdischen Bethause Berlins, zwei arme Talmudisten Kaddisch für König Friedrich Wilhelm III. OBarmizwah.) Rabbiner Dr. Kanter (Zwittau) feierte am 17. August l. I. die Barmizwah seines jüngsten Sohnes Kurt. Die Furcht vor dem Jiddischen. Eine seltsame Kunde kommt aus Amerika, dem sogenannten Lande der Freiheit: dem Jiddischen in dort der Kamps erklärt worden! Dieselbe Regierung, die als erste diese Sprache einst anerkannte, will sie jetzt um der darin enthaltenen deutschen Bestandteile willen ausgerüstet sehen, Namentlich in den östlichen Staaten hat man gegen das Jiddisch mobil gemacht, und man lägt Port selbst das Volk die sofortige Ausschaltung dieser „mit dem Deutschtum sympathisierenden", gefährlichen Sprache aus der Oeffentlichkeit der Vereinigten Staaten verlangen. Was dieser dem Jiddischen angesagte Kampf für die Ostjuden in Amerika, namentlich für die in den Großstädten, bedeutet, kann man ermessen, wenn man sich vor Augen hält, daß, wie wir kürzlich erst berichteten, in New 'Jork allein 1,350.000 Juden leben, und daß von diesen gut dreiviertel sich nur auf Jiddisch zu verständigen vermögen. Im ganzen wohnen in den Vereinigten Staaten etwa vier Millionen solcher Juden, die sich unter den elendesten Umständen emporarbeitcn mußten, gewöhnlich als Hausierer anfingen und sich dann gehobeneren Berufen zuwendcten. Sie werden Zahnärzte, Bankiers, Makler usrm und machen sich alS Theateragenten, Filmleute, Schauspieler, Literaten und Gelehrte einen Namen, besonders im Osten, wo fast die Hälfte der Jntelligenzberufe in Händen der Abkömmlinge von Ostjuden ist. Es gibt zwei Rassen unter ihnen, die wirklichen Juden und die sogenannten „Keriks", ein kleiner, dicker Menschenschlag, offenbar Abkömmlinge jener Tataren, die im Mittelalter zum Judentum überrraten. Alle hält aber das Jiddische zusammen, das wir in Aufschriften der Straßenbahn oder in Spitälern neben der englischen Bezeichnung vertreten finden, und die ungeheure Wohltätigkeit, die ehemalige deutsche Juden, wie Kahn, Schiff, Strauß und andere für ihre armen ostjüdijchen Brüder entfalten. Amerika war in Geiahr! Um es zu retten, mußte mau dem Jiddischen zu ücibe gehen. Geschichten vom „Lriedenslieber". Von C h a i m Bloch, lTclatyn). Rabbi Mendel von Konow, ein hervorragendes Chassidimoberhauvi, starb 1820, Verfasser des Buches „Friedensliebe", ein von höchster Ethik und zum Herzen dringender Allegorik mit tiefen psychologischen Geistesblitzen. 1. Wie man Rabbi wird. 'Rach dem Tode des Rabbi Zwi-Hirsch von Nadivorna begab fich Rabbi Mendel nach Ezarna- Ostrog zu Rabbi Wolf, da er ihm nabetreteu und sein Schüler werden wollte. Ta er ganz mittellos war und kein Geld für die Reise hatte, ging er den fernen Weg zu Fuß. Er wunderte von Stadt zu Stadt und von Torf zu Dorf und kam eines Abends zu einem jüdischen Dorswirte, der ihn gastfreundlich ausnahm, ihm Essen gab und eine Ruhestätte zuwies. Nachts vernahm er ein schweres Seufzen. Er horchte auf und erfuhr, daß sein Gastgeber der Seufzer sei. lind Rabbi Mendel befragte den Juden mitleidsvoll: „Warum seufzet Ihr so bitter?" Dieser erwiderte: „Wie soll ich Nicht seufzen, da ich vom Schicksal so hart betroffen wurde? Ich war auch reich und begütert, bis sich das Glücksrad umdrehte, ich wurde arm und von schweren 'Nahrungssorgen bedrückt. Seil einigen Jahren bin ich Pächter dieses Wirtshauses, hübe mich zwar nur kümmerlich ernähren können, aber Gott sei es gedankt, daß ich die Jahrespachtrate zu zahlen vermochtet daß ich und meine Familie nie und da fasteten, nahmen wir vorlieb. Doch heute hat meine Not den Höhepnntl erreicht. Heute ist die Pachtrate fällig gewesen und ich habe keinen Groschen, weil das Geschäft im letzten Jahre nicht gut ertragen hatte. Wenn ich binnen einigen Tagen die Rate nicht bezahle, dann werde ich mit Weib und Kindern in den Kerker wandern. O weh, was wird ans uns werden? Freunde oder Verwandte, die sich meiner annehmen würden, und keine vorhanden " Rabbi Mendel war über die Rot des Juden sehr betrübt; er sagte mit weicher Stimme: „Seufze nicht, Bruder, liniere Weisen lehrten, daß, wenn sogar die Schürfe eines Schwertes auf dom Halse läge, der Mensch nicht verzweifeln und noch immer auf Erbarmen hoffen soll, daher vertraue, daß dich der Ewige nicht verlassen werde." Als es Morgen ward, stand Rabbi Mendel auf und, nachdem er das Gebet verrichtet hatte, verabschiedete er sich vom Juden und segnete ihn, daß ihm bald geholfen werden soll. Als er schon ziemlich vom Torfe entfernt war, erreichte ihn ein herrschaftlicher Wagen, in tvelchem ein vornehmer und reicher Mann saß. Der Mann ließ den Wagen stehen bleiben, fragte Rabbi Mendel, wohin er gehe, und da er sein Reiseziel erfuhr, lud er ihn ein, mit ihm zu fahren, da auch er nach Czarna-Ostrvg reise. Rabbi Mendel aber sprach: „Wenn du wirklich ein Menschenfreund bist und zu den Chasndim Rabbi Wvlts gehörst, dann bitte ich dich, einem Juden im Augenblicke seiner Not zu helfen!" Er schilderte dem Manne die Lage des Dorfwirtes, indem er ausführte: „Auch er war vornehm und reich, hatte Wohltat geübt, und es ist deine Pflicht, ihni zu helfen." Als aber der Mann hörte, um welchen Betrag es sich handelte, war er über Rabbi Mendels Anmaßung empört, ließ ihn stehen und fuhr seines Weges. Doch, da er fromm und gut war, war er unruhig, daß er sich seines Genoffen nicht annehme, er blieb stehen, und als nach einer hübschen Weile Rabbi Mendel, der ihn indessen erreichte, anlangte, wendete er sich an ihn: „Warum verlangt ihr von einem Einzelnen eine io hohe Summe? Ich gebe euch die Hälfte und die andere Hälfte sammelt unter anderen Juden." Rabbi Mendel entgegnete: „Es ist nicht die Zeit, zu sammeln, bedenke welches Verdienst dir bevorstehe, wenn du den Inden mit Weib und Kindern retten wirst, da gilt das Wort der Wessen: .Es gibt so manchen, Vcr sich in einem Augenblicks das Paradies erwirbt.'" Endlich entschloß'sich der Mann, den Betrag zu erlegen. Rabbi Mendels Antlitz leuchtete vor Freude. Nun bat er den Wohltäter, umz»kehren, damit er mit eigenen Händen dem Juden seine Hilfe reichen soll. Da sie im Hause des Toriwines waren, sprach Rabbi Mendel zu ihm: „Sagte ich dir nicht, daß dich der Schöpfer nicht verlassen werde?" Alsdann reisten die Beiden. Rabbi Mendel und der Wohltäter, nach Czarna-Oitrog. Rabbi äüoli empfing sie sehr freudig, da die Wohltat, welche die beiden Männer gemeinschaftlich erfüllten, auf ihren Antlitzen leuchtete. Ta sprach Rabbi Wolf zu Rabbi Mendel: „Ihr seid zu mir gekommen) um von mir belehr! zu werden? Ihr benötlgl keinen Lehrer niehr und könnt schon selbst zuin Lehrer werden." Auch der Wohltäter erhielt den Segen. Als Rabbi Mendel wieder in die Heimat kam, ward er bald zum Rabbiner von Kossüw berufen und nach kurzer Zeit von einer großen Gemeinde umgeben. 2. Der hochmütige Ehassid. Einst kam zu Rabbi Mendel ein reicher Chassid, um bei ihm über Sabbat zu bleiben. Ta man bei der Tafel faß. richtete der Rabbi plötzlich die Frage an den Ebassid: „Sage mir, wie geht's Cdajim, dein Kinderlehrer?" Der Anhänger erwiderte: „Wie soll ich wissen, wie es einem armen Kinderlehrer ergeht?" Ta sprach der Rabbi ganz entrüstet: „Er ist aber dein Genosse, denn er ist ebenso mein Anhänger als du, und da ist für dich genug beschämend, daß du nicht wissen willst, wie es deinem Genossen ergeht, ob er nicht etwa deine Hilfe bciiötigi. Weißt du denn nicht, daß Gott die Hochmütigen erniedrigt und die Demütigen erhöht? Daher trachte, voil nun an für deine armen Genossen zu sorgen, damit Gott nicht zürnen müssen soll." Der Rabbi dachte dann eine Weile nach und sprach sodann: Die beiden Verse: ,.Mi chomoch u huelim — ini ch o m cichu riendor baliu« desch“ (2. Buch Mos., Kap. l5, Vers II) und .Weuhawtu l'Beachu c homoc h u‘ (3. Buch Mos., Kap. 19, Bors 3 S> erklärte Rabbi Mendel folgendermaßen: Als die Kinder Israels trockenen Fußes mitten durch das Rote Meer zogen, sangen sie: „Mi cliunuic )i „ huelim — mi chonioehu neoilor baksdeseh" 'Wer ist dir gleich unter den Göttern?,Wer ist dir gleich, der so mächtig und so heilig sei). Als der Unendliche im Herzen der Juden die Menschenliebe anpflanzen wollte, da ließ er ihnen sagen: „Weuhawtu l’Rcachu u hörn o eh u“: mit derselben Begeisterung, da du damals chomochu gesungen hast, ebenso sollst du deinen Nächsten lieben." Dringend ersuchen wir diejenigen unserer geehrten Abonnenten, deren Abonnement avgekaufe« ilt oder die mit demselben im Rückstände find, um umgehende Einsendung des entfallenden Betrages. Die Administration. Spendenansweis für die Schulen der „Agudas Iisroel", Wien, II-, Große Wsarrgaste 23 für Wonat Ab 5678/ Großrabbiner Friedmann. Czortkow K 20'—; Großrabbiner Rabmowicz. Stole K 72-—; Seidel Kommet, Baden K 500'—; gesammelt aus Hochzeit Kommet, Baden K 156'—; Aron Kober, Breslau K 117'18; Rabbiner Dr. Kohn, Basel X 65-15; Stolzberg, Kolomea K 25 —. Je K 12*—: Kümmel, Kalusz: Korn, Stanislau; Rosenblatt. Skallst, Bränider, Schmire, Brody; Biberstein, Silberwasser, Rabbiner Lerner, Radziwil K 10 92. Je K 8*—: Schütz, Haller, Kleinfeld, Harz, Nadwürna; Sammet, Kalusz; Reich, Kalusz; Sicinberg, Belz; Testier, Czernowitz; Obstseld,