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Jüdische Korrespondenz · 1918-08-22 · 26 (22.8.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
26 (22.8.1918)
Date
1918-08-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 26 Jüdische Korrespondenz. Seite 3 bis zur Universität und Jeschiwa beziehen. Kompromisse sind da unzulässig, ebensowenig wie hinsichtlich der Bethäuser. Inwiefern das Erziehungswesen aus den allgemeinen Fonds gedeckt, respektive subventioniert werden sollte, so müßte dies aus der Grundlage vollster Parität geschehen. Um Konflikte und Eifersüchteleien zu vermeiden, wäre es ratsam, dies überhaupt zu unterlassen. Keine allgemeinen Schulsteuern und keine Subventionen oder Anshaltungen. Daß es sich hiebei um keine Extravaganz der Orthodoxie handelt, sondern daß diese Forderungen vielmehr nur zu begründet sind, geht schon daraus hervor, daß andernfalls die glaubenstreue Judeuschast von der Teilnahme an dem öffentlichen Leben vielfach ausgeschaltet sein müßte. Wenn beispielsweise in der Gemeinde, in den öffentlichen Institutionen wirtschaftlicher, finanzieller und verkehrstechnischer Natur keine Sabbatruhc eingesührt sein sollte, so könnte kein religiöser Jude eine öffentliche Stelle bekleiden. Tie gesamte Beamtenschaft müßte sich aus Fortschrittlern rekrutieren. Kein Mensch kann die Behauptung wagen, daß dies ein haltbarer Zustand wäre. Diese Beispiele, die noch vielfach vermehrt werden könnten, geben ein Bild davon, was die Orthodoxie unter religiösem Leben in Palästina versteht. Jeder Unvoreingenommene kann es auch begreifen, warum die Orthodoxie nach dieser Hinsicht kein Vertrauen zu den Nationalisten hat und weshalb ein Zusammengehen dieser beiden Gruppen bis auf weiteres unmöglich ist. Wer die Bcrhültnisse in Palästina, in Tel-Awiw, in gewissen Kolonien, wie sie sich in den letzten Jahren herausgebildet haben, näher kennt, der muß ohne weiteres zugeben, daß das Mißtrauen der Orthodoxie nur allzu gerechtfertigt ist. Wenn unsere Nationalisten das Heil in dem „Nationalismus ohne Religion" erblicken, wenn selbst die anerkannten Führer der Zionisten die Parole ausgegeben haben: „Religion sei Privatsache", so null die Orthodoxie mit ihnen nicht weiter darüber rechten. Aber Palästina ist keine Partei fache, sondern eine Sache des ganzen jüdischen Volkes. Was sich die Zionisten als Partei — zu ihrem eigenen Schaden wohl — erlauben durften, das ist in Palästina, das dem jüdischen Volke als Gesamtheit zurückgegeben werden sollte, unzulässig. Darüber müßte man sich einmal im zionistischen Lager klar werden und besonders im Lager jener „Auch- Orthodoxie", die der Ansicht huldigt, unter der Fahne des „Misrachi" oder ähnlicher Bildungen, wie solche in jüngster Zeit entstehen und vielfach den Namen der Orthodoxie mißbrauchen, die religiösen Interessen wahren zu können. In religiösen Dingen kann es keine Halbheiten geben. Der neue Jischuw in Palästina, mögen dessen Rahmen enger oder breiter sein, mag welche politische Macht dahinterstehen, kann nur dann blühen und gedeihen, wenn das ganze jüdische Volk sich daran beteiligen wird. Die Orthodoxie bildet noch immer die überwiegende Majorität des jüdischen Volkes. Sie hat demgemäß das Recht, hiebei ein entscheidendes Wort mitzureden. Was die politische Seite der Sache anbetrifft, so ist es klar, daß nur ein wirklich jüdisches Palästina dazu berufen sein kann, ein jüdisches Geisteszcntrnm zu bilden, um keinem äußeren Faktor Gelegenheit zu bieten, sich in die inneren Angelegenheiten desselben hineinzumengen. Ein Palästina, das der sogenannten europäischen „Kultur" nachjagen wurde, müßte über kurz oder lang der Schauplatz innerer Reibungen sein. Fremde „Einflußsphären" werden sich bilde» und das Land zuni Spielball fremdpolitischer Interessen herabwürdigen. Ein ausgesprochen jüdisches Palästina, ivie die glaubenstrcuc Judcnschaft sich ein solches vorstellt, würde es eher verstehen, fremde Einflüsse von sich fernzubalten. Was an dieser sogenannten modernen Kultur gut und nützlich ist, soll ja keineswegs ausgeschlossen werden. Aber die Ausivüchse dieser Kultur, wie wir sie schon heute in manchen orientalischen Ländern, sogar in der Nachbarschaft von Palästina, sehen und kennen lernen, sollen das jüdische Palästina unberührt lassen. Nur ein religiöses Palästina wird davor bewahrt werden können. (Ein weirercr Artikel folgt.) Tisza und Wekerle über den Antisemitismus. Bei der Verhandlung des Militärversorgungsgesetzes brachten mehrere Abgeordnete auch die Stellung des Judentums im Weltkriege zur Sprache, was sowohl den Führer der Mehrheitspartei, Grafen Tisza, als auch den Ministerpräfisenten Wekerle veranlaßtc, sich in dieser Frage zu äußern. Graf Tisza erklärte, er halte jede wie immer geartete Zuspitzung dieser Frage für verfehlt, der ^Antisemitismus sei ungerechtfertigt, weil Handlungen Einzelner nicht nach der Konfession oder Rasse beurteilt werden dürften. In seinem Regiment hätten im Vorjahre zwei Indische bis' zur Tollkühnheit tapfere brave Offiziere gedient, die die glänzendsten Eigenschaften des ungarischen Soldaten ^repräsentierten. Ter Honvedminister Baron Sznrmay, der bekanntlich an der Verteidigung der Karpathen hervorragenden Anteil hatte, rief dazwischen: „Auch unter meinem Kommando haben sich zahlreiche jüdische Offiziere und Soldaten glänzend bewährt." Graf Tisza bezeichnete es als im höchsten Maße ungerecht, wegen des Verhaltens einzelner über alle jüdischen Mitbürger den Stab zu brechen. Das Uebel liege in Ungarn darin, daß die Beschäftigungszweige, bei denen in Verbindung mit dem Kriege Mißbräuche am meisten vorkämen, zum größten Teil in jüdischen Händen seien. Die Mißbräuche würden daher zum großen Teile von Juden verübt. Man stehe der Gefahr gegenüber, daß die berechtigte Entrüstung und Verbitterung über diese Handlungen einen konfessionellen Charakter annehmen könne. Man müsse das Volk aufklären, darin nicht konfessionelle oder Rassensymptome zu erblicken. An dieser Arbeit müsse das Judentum werktätigen Anteil nehmen, und die Verfolgung einzelner Strafhandlungen dürfe im Judentum nicht der Auffassung begegnen, als ob sie einen antisemitischen Charakter trüge. Mißbräuche müßten schärfer geahndet werden, denn es seien illusorische Maßnahmen, wenn man reiche Budapester Kaufleute wegen Preistreiberei zu 50 oder 100 Kronen Geldstrafe verurteile. Auch bei den Enthebungen und der Einteilung der Soldaten in den Marschkompagnien müßten die Verkehrtheiten anfhoren. Unter Mithilfe der Juden werde es sodann gelingen, der Oiefahr des Antisemitismus zu begegnen. Ministerpräsident Wekerle schloß sich den Darlegungen Tiszas an und betonte, die Regierung sei bestrebt, aus die öffentliche Meinung den entspreäienden Einfluß ausznüben, damit diese wegen Handlungen Einzelner nicht Konfessionen verantivortlich mache. Ans die Verschärfung der Strafen könne die Regierung wohl keinen unmittelbaren Einfluß ansüben, allein die Verwaltungsbehörden feien angewiesen worden, die größte Strenge zu entfalten. Bedauerlicherweise müsse der Redner feststellcn, daß einzelne Behörden gerade aus konfessionellen Gesichtspunkten heraus allzuweit gegangen seien und sich zu Schritten hinreißen ließen, die in einem Rechtsstaat«: nicht geduldet werden dürften. Die Zustande in Galizien ermöglichten die Rückbeförderung der geflüchteten Bevölksrung, doch werde die Regierung dabei leine Uebergriffe dulden. Es würden aber außerordentliche Maßnahmen getroffen werden, um die durch die Galizier in Ungarn erzielten Gewinne besonders zu besteuern. Zur Lösung der Iudensrage in Rumänien. Tic Landeskanzlei der nngarlündischcn Israeliten hat an den Minister des Äenßcrn, Grafen Bnrian, folgende Denkschrift gerichtet: Das im Verfolge der auf die Gleichbercchtignng der rumänischen Inden bezüglichen Bestimmungen des mit Rumänien gcschloffenen Friedens bis zur Ratifizierung dieses Vertrages nach den Intentionen der Mittelmächte zu schaffende (besetz gibt zu der berechtigten Erwartung Anlaß, daß die nach dem Berliner Vertrag entstandenen Zustände eine gründliche Aendcrung erfahren werden, und daß die in der Verteidigung der Menschenrechte stets entfaltete Tätigkeit unserer auswärtigen Regierung auch in dieser Frage von vollem Erfolg gekrönt fein wird. Tie ungarische Judenschaft, welche diese Frage nicht nur ans dem engeren Gesichtspunkt der Glanbcnsverwandtschaft, sondern auch aus den der geographische» Lage entspringenden, weiteren kulturellen und volkswirtschaftlichen Rücksichten im zu oberst stehenden Interesse des Landes gewürdigt hat, anerkennt mit tiefem Dank den durch den ans das Inkrafttreten dieses Punktes des Friedens- Vertrages ausgeübten maßgebenden Einfluß Eurer Exzellenz erzielten, und für die Monarchie auch im allgemeinen segensreichen Erfolg. Aus diesem, alle wahren Anhänger der Entwicklung der Menschenrechte durchdringenden Dankgefühl heraus, begrüßen mir Euer Exzellenz gelegentlich des Friedensschlusses mit Rumänien aus. das wärmste und gestatten wir uns im Namen der ungarischen Jndenschaft für Hochdcren, im Interesse der Gleichberechtigung der rumänischen Juden ausgeübten maßgebenden Einfluß, für die erfolgreiche und auch aus internationalem Gesichtspunkte weitleuchtende Tätigkeit mit dem ergebenen Ersuchen, unseren wärmsten Tank auszusprechen, die Wirksamkeit derselben durch die Kontrolle des Inhaltes des bis zur Ratifizierung des Friedensvertrages zu schaffenden rumänischen Gesetzes vervollständigen und un-

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