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Jüdische Korrespondenz · 1918-08-22 · 26 (22.8.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
26 (22.8.1918)
Date
1918-08-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz. Nr. 26 richtig zu stellen und zu melden, daß cs sich bloß um eine Grundsteinlegung für ein Univcrsitätsgebäude handelte. Aber auch dieser Akt, vorausgesetzt, daß ein Faktum vorliegt, ist nichts anderes als ein Bluff. Bon dem Bau des Universitätsgebäudes kann ja jetzt gar keine Rede sein. Jetusalem verfügt gegeuunirtif} weder über die Arbeitskräfte, noch über die Materialien hierzu und auch sonst ist die Bauarbeit in einem engeren Kriegsgebiet ein Ding der Unmöglichkeit. Tie Herren Engländer und ihre Trabanten haben somit ganz einfach eine Komödie ausgeführt, an irgend einer Stelle ein paar Steine nicderlegen und erklären lasfen: hier wird einmal ein Gebäude errichtet tverden, das für eine jüdische Universität bestimmt ist. . . Das ist ein billiges Vergnügen — kleine und große Kinder Horen solche Märchen gerne. Das jüdische Volk sollte aber schon ertvachse» genug sein, uni solche Geschichten gehörig einschützen zu können. Oder vielleicht nicht? Schließlich noch eine Nachricht: In London ist eine arabische Deputation eingetroffen, um die arabischen Interessen in Palästina zu schützen. — Blau merke sich nur diese lakonische Meldung. Ohne Zustimmung der Engländer könnte diese Deputation heutzutage kaum die Reise nach London unternehmen. Aber sie ist ja ganz einfach herbeigcrufen worden. Damit den Juden trotz allem nicht der Kamm anschtvelle und sie etwa glauben sollten, die Engländer zur Einhaltung ihrer Versprechungen zu verhalten, wird rechtzeitig eine arabische Deputation herb ei gerufen, die man gelegentlich vorschieben werde, um die Weigerung, das Versprechen cinznlösen, begründen zu können. Daß die Engländer schon jetzt sich den Rückzug decken wollen, dafür spricht das folgende Schreiben, das dem Jüdischen Preßbüro in Zürich aus Holland znkam: „Starken Eindruck machte hier folgender, in der Rottcrdamer Zeitung .Weekblad vorn- Israeliten Hensvezinnen' publizierter Artikel: „Am 14. Juli ist in der .Xieuwe Rotterdamer Courant' ein Reuterbnlletin folgenden Inhalts erschienen: .Bei einem Empfang zu Ehren der militärischen und medizinischen Mission nach Palästina haben die Minister Barnes und Mund ihre Mißbilligung ausgesprochen über das Verlangen der Zionisten, welche auf ein Bionopol über Palästina Anspruch erheben. Es werde nicht ein jüdisches Monopol bezweckt, sondern die Schaffung von Zuständen, welche es den Juden und anderen Völkern in Palästina ermöglichen sollen, in vollkommener Harmonie, Duldsamkeit und gegenseitiger Hilfeleistung zu leben. Die Juden werden nicht als Sieger nach Palästina znrnckkehren, sondern um mit den anderen Völkern zusammenzuarbeiten.' Am anderen Tag brachte die .N. R. C.‘ iup Namen des I. C.-B. die Mitteilung, daß der Bericht dahin abzuändern sei, daß die Minister ihre Mißbilligung ausgesprochen hätten über die Antizionisten, welche den Zionisten die Idee eines Monopols andickteten. Wie könne man meinen, sagten die englischen Minister, daß die Zionisten zu denken wagen an ein jüdisches Monopol in Palästina, so etwas wie einen jüdischen Staat! Nein, es müssen Zustände geschaffen werden, welche es den Juden und anderen Völkern ermöglichen, in vollkommener Harmonie, usw. Es wurde an die Antizionisten gerichtet, aber es war natürlich für die Zionisten bestimmt. Und das wird von Kollegen des Herrn Balfour erklärt bei einem Empfang zu Ehren der medizinischen Mission der amerikanischen Zionisten, welche aus wirklich schöne Weise zeigen will, welche Opfer die Zionisten übrig haben für das ihnen wieder versprochene jüdische Land. Es ist eine vielsagende deutliche Warnung gegen die zu hoch gespannten Erwartungen der Zionisten. Noch vor einigen Tagen meldete das I. C.°B., daß der erste Palästinakongreß der jüdischen Arbeiter Amerikas und Kanadas eine Resolution angenommen hatte, deren erster Satz lautete: -Palästina muß eine international garantierte jüdische Repnblick werden.' Das wird doch wahrlich nicht von Antizionisten verkündet! Es ist ein kalter Wasserstrahl! Was bleibt da nun noch übrig von einem jüdischen Staat unter englischer Oberhoheit? Welchen politischen Wert kann eine jüdische Niederlassung in Palästina haben, wenn die viel zahlreicheren Araber gleiche Rechte, das heißt viel stärkeren Einfluß kriegen? Man weiß nun auch, wofür die jüdischen Legionen in Palästina kämpfen. Sowohl die Idealisten darunter, als die mit Gewalt nach Palästina Geschickten, kämpfen für die Engländer in erster, für die Araber in zweiter, für die Juden in . . . wievielter Reihe? Man sieht, wie gefährlich es ist, in bezug auf Palästina bestimmte Erwartungen zu hegen. Wir müssen abwarten, was Gott aus den Kriegsgeschehnissen für das heilige Land erstehen lasfen wird?' _ Der langen Geschichte kurzer sinn ist: Gewaltpolitik und Heuchelei, das sind die Merkmale der englischen Taktik in der Palästinasrage. Es ist höchste Zeit, diesen Schwindlern die Maske vom Gesicht zu rcissen. Spectator. Religiöses Leben in Palästina. ii. Was die glaubenstreue Judenheit unter der Forderung „religiöses Leben in Palästina" versteht, ist, daß das öffentliche Leben im heiligen Lande unverfälscht jüdisch sein soll. Es handelt sich keineswegs um die Einführung irgend einer religiös-geistigen Inquisition, wie unsere Nationalisten behaupten. Das Privatleben des Einzelnen soll sicherlich unbeeinflußt bleiben und jeder soll die Möglichkeit haben, nach seiner Fasson selig zu werden. Aber das öffentliche Leben, sowohl in der Gemeinde als auch im Lande, insoferne den Juden diesbezüglich eine Jngerenz zustehen sollte, muß im jüdischen Geiste, im Sinne der religiösen Vorschriften, geführt werden. Ebenso müßte dies hinsichtlich aller allgemeinen Institutionen der Fall sein. Der Standpunkt der jüdischen Nationalisten, daß in Palästina die Trennung der „Kirche vom Staate" durchgeführt werden sollte, daß beispielsweise die Gemeinde, analog den politischen Gemeinden in den modernen Staaten, mit der Religion nichts gemein hätte, und daß für die religiösen Angelegenheiten separate Kultusvereine, ähnlich wie die europäischen Kultusgemeinden, zu bilden wären, kann absolut nicht akzeptiert werden. Dies wäre nicht bloß ein Absurdum angesichts des Umstandes, daß der jüdische Nationalismus so eng mit der Religion verknüpft ist, daß man geradezu von einer jüdischen Religionsnation sprechen kann, sondern es hätte auch keinen Sinn, daß beispielsweise die glaubenstreue Judenschaft, die sonst zu allen öffentlichen Lasten herangezogen werde, auch noch die Ausgabe haben sollte, separat die religiösen Institutionen auszuhalten. In der Diaspora ist dies wohl der Fall — eben ein höchst unbequemer Zustand'' — aber in Palästina müßte es anders sein. Die Gemeinde in Palästina, die doch eine Autonomie erhalten soll, müßte aus den allgemeinen Fonds sämtliche religiösen Institutionen und Funktionäre aushalten. Sowohl die Rabbiner, die Schochtim, die Mikweh nsw. usw. In den Gemeindeinstitutionen müßte die Sabbat- und Feiertagsruhe usw. strenge eingeführt sein. Die öffentlichen Anstalten, wie Kranken-, Armen-, Waisen- und Siechenhäuser usw., müßten streng-religiös geleitet werden. Selbstverständlich müßte hiebei der glaubenstreuen Judenschast eine entsprechende Jngerenz und die eigentliche Aufsicht zugestanden bleiben. Daß areligiöse Nationalisten oder sogenannte Fortschrittler, denen die Religion ein Dorn im Auge ist, darüber zu entscheiden hätten, wer Rabbiner, Schochet usw. sein soll, wäre ein Unding. Die unhaltbaren Zustände in den Westlündern haben dies hinlänglich bewiesen. Dasselbe trifft auch hinsichtlich eventueller Landesinstitutioneu, insoferne solche vorhanden sein sollten, zu. Die Sabbat- und Feiertagsruhe müßte auch in allen allgemeinen, wirtschaftlichen und finanziellen Institutionen eingeführt und strenge beobachtet werden. Mit einem Worte: Alles, was aus öffentlichen Fonds erhalten wird, muß, insoweit dies in Betracht kommt, die religiösen Vorschriften zur Richtschnur haben. In seinem Privatunternehmen mag der Einzelne tun, was ihm beliebt, wenn er nicht so viel Takt besitzt, die religiösen Gefühle der Umgebung zu schonen. Handelt es sich aber um allgemeine Anstalten und Unternehmungen, dann muß die Religion entsprechend zur Geltung gelangen. In einer Beziehung wird jedoch eine Ausnahme gemacht, diese Ausnahme würde aber den Freisinnigen ebenso zugute kommen wie der Orthodoxie. Das Erziehungswesen soll der Einflußnahme der Gemeinden und der eventuellen Landesverwaltung entzogen bleiben. Diesbezüglich müßte eine Gemeinsamkeit nur zu Reibungen und zu Mißhelligkeiten führen. Der glaubenstreue Jude will ja seinem Kinde eine andere Erziehung geben als der Fortschrittler. Ein gemeinsamer Schulplan wäre da unmöglich, ebenso wie ein gemeinsames Lehrerpersonal. Da müßten private Schulvereine gebildet werden. Natürlich müßten diese Vereine auch aus eigenen Fonds die Kosten decken. Dies soll sich nicht bloß auf die Volksschulen, sondern auch auf die höheren Erziehungs- und Bildungsanstalten,

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