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Jüdische Korrespondenz · 1918-08-22 · 26 (22.8.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
26 (22.8.1918)
Date
1918-08-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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maische Korrespondenz Bezugspreis: Ganzjährig K8, halbjährig K4, vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 Heller. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion u. Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Np. 26, Wien, 22. August 1918. IV. Jahrgang. Patriotische Aufklärungsarbeit jüdifch-galizifcher Soldaten. Das k. u. k. Kriegspressequartier veröffentlichte dieser Tage einen Bericht, der nicht verfehlen dürfte, überall großes Aufsehen zu erregen. Bon berufener Stelle wird da die patriotische Gesinnung der galizischen Juden — der sonst so oft geschmähten und geringgeschätzten — ins richtige Licht gerückt, und zwar so ohne jeder speziellen Absicht und nebenbei, daß selbst unsere Feinde kaum umhin können, der Wahrheit die Ehre zu geben. Der erwähnte Bericht schilderte die Bemühungen der Italiener, unter den österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen polnischer Nationalität Verräter zum Eintritt in die „slawische Legion" zu werben — ein Bemühen, das freilich von wenig Erfolg begleitet war. In dem Bericht heißt es dann: 300 gakizifche Juden in diesem Lager solle« durch ihre Ansklärungsaröeit viel dazu veigetragen Halle«, daß die Polnische« Wannschafte« sich nicht kö- "** " ’ - "f (■ **.>*.£ «» «, *w>( , Wer nur halbwegs die Lage der Kriegsgefangenen kennt, der weiß es zur Genüge, welchen Schickanierungen und Drangsalierungen sie ausgesetzt sein müssen, wenn sie es wagen, die Pläne ihrer Zeitweiligen „Herren" zu durchkreuzen. Gar mancher setzt hiebei ganz einfach sein Leben aufs Spiel. Schon der passive Widerstand gegenüber der allerhand Verlockungen, die besonders in den Ententelnndern seitens ruchloser Agitatoren und Lockspitzel praktiziert werden, bringt große Unannehmlichkeiten und Gefahren. Die galizisch-jüdischen Soldaten, die als Gefangene in Feindeshand gerieten, begnügen sich aber nicht damit, ihrerseits passiven Widerstand zu leisten und ihrem Vaterlande auch unter den Drohungen der Feinde treu zu bleiben, sondern sie entwickelten auch eine patriotische Aufklärungsarbeit midies gelang ihnen, auch die Kameraden zur Standhaftigkeit zu veranlassen. Diese Aufklärungsarbeit muß sicherlich eine sehr intensive gewesen sein, wenn die maßgebenden Stellen es als angebracht erachtet haben, davon speziell Kenntnis zu geben. Sicherlich haben die jüdischen Soldaten nur ihre Pflicht erfüllt, und wir sind fern davon, für sie irgendwelchen Extraruhm und Extrabelohnung in Anspruch zu nehmen. Aber angesichts der Verleumdungskampagne, die seitens unserer Feinde speziell gegen die galizischen Inden geführt wird, sehen wir uns veranlaßt, bei dieser Gelegenheit die sicherlich rühmenswerte Tat dieser Inden besonders zu unterstreichen. Wenn es an Beweisen für die unentwegte patriotische Gesinnung dieser Inden gefehlt hatte, so sind diese nunmehr in eklatantester Form erbracht. Der offizielle Bericht des k. u. k. Kriegspressequarticrs, das sicherlich nicht zugunsten der galizischen Juden voreingenommen ist, wirkt — um ein talmudisches Wort zu gebrauchen — wie ein „Pfeil in den Augen unserer Verleumder", deren satanische Hetze nun verstummen möge. Den galizischjüdischen Kriegsgefangenen in Italien gebührt auch unsererseits Dank und Anerkennung. Ihre Haltung bedeutet einen „Kidusch haschem", sie haben dem Namen ihres Volkes Ehre verschafft. Englische Gewaltpolitik und Leuchelei. Wieder einmal liegt eine Reihe von Nachrichten und Tatsachen vor, die von der englischen Gewaltpolitik und von der englischen Heuchelei hinsichtlich der Palästiuasache Zeugnis ablegen. Man muß angesichts dieser Tatsachen wahrlich staunen, daß es noch immer Juden gibt, die die englischen Erklärungen und Versicherungen ernst nehmen und John Bull aus den Leim gehen. WMchst'Meldet' Rester' —- also -für England sicherlich eine verläßliche Quelle —, daß England unter den Juden in Palästina eine Rekrutierung vornehm e. Man merke sich die Sache genau: es handelt sich hier keineswegs um eine „freiwillige" Werbung für die „jüdische Legion", — die sich seinerzeit unter englischem Kommando aus Gallipoli verblutete, — sondern ganz einfach um eine Rekrutierung.. . Dieses Vorgehen widerspricht nun zunächst kraß den völkerrechtlichen Bestimmungen, und bisher hat sich keine kriegführende Macht so etwas erlaubt. Palästina gehört heute völkerrechtlich noch immer der Türkei, mag auch ein Teil des Landes von den Engländern okkupiert sein. Diese haben somit kein Recht, dort Rekrutierungen vorzunehmen. Aber abgesehen davon, ist es sicherlich sehr auffallend, daß Reuter bloß von einer Rekrutierung unter den Juden zu melden weiß, nicht aber auch von einer solchen unter den Arabern und Christen. Ja, warum denn das? — Schließlich kommt noch eine weitere Erwägung in Betracht. Die Zahl der Juden in Palästina belief sich bei Kriegsausbruch aus etwa 80.000. Davon war ein großer Teil älterer Leute, die kaum für den Militärdienst in Betracht kommen. Unter englischer Okkupation befindet sich bloß ein Teil des Landes und auch von dort wurde ein wesentlicher Teil der Inden vor und gelegentlich des türkischen Rückzuges evakuiert. Man geht demnach kaum fehl, wenn man annimmt, daß sich in dem von den Engländern besetzten Teile Palästinas höchstens 20—30.000 Juden befinden, hiewon nur ein kleiner Bruchteil im militärsähigen Alter. Im äußersten Falle könnte eine Rekrutierung etwa ein bis zwei Bataillone ergeben, eine Zahl, die im heutigen Massenkrieg kaum in Betracht käme. Die Rekrutierung kann daher keinen tvic immer gearteten realen Effekt ergeben. Und doch verübt England diese Gewalttat und zwingt fremde Untertanen zum Dienst unter seinen Fahnen, als Kanonenfutter. Welcher Zweck wird damit verfolgt? — Ganz einfach: es handelt sich zunächst John Bull darum, zwischen den Juden und der Türkei Mißtrauen zu säen, um eine Einigung in der Palästinasrage, wie sie jüngst angebahnt wurde, unmöglich zu machen. Anderseits um fortgesetzt sich damit brüsten zu können, daß die Juden unter den englischen Fahnen kämpfen und damit den „Beweis" zu erbringen, daß die „Gesamtjudenheit" im Lager der Entente sich befindet. .. Um dieses löbliche Ziel zu erreichen, wird eine krasse Gewalttat verübt und die Juden der Gefahr ausgesetzt, seitens der Türkei als Verräter behandelt zu werden, ohne zu bedenken, wie es ihnen ergehen könnte, --ffküs-die-MieMage.-sich änLernutndPälWina wieder unter türkische Herrschaft gelangen würde. Ganz merkwürdig ist hiebei die Haltung der sogenannten zionistischen Kommission in Palästina, unter Leitung des berühmten Doktor Weizmann, über den gelegentlich no ch ein Wörtchen zu sagen wäre. Geschieht der geschilderte Gewaltakt ohne Wissen und ohne Zustimmung dieser Kommission, dann ergibt sich, daß diese nur zur Parade da ist, um die englische Herrschsucht zu bemänteln. Hat diese Kommission aber der Rekrutierung zugestimmt, dann wäre dies eine Ungeheuerlichkeit, die nicht scharf genug gebrandmarkt werden könnte, und die wiederum den Beweis liefern würde, daß diese angeblich jüdische Kommission nichts anderes als ein Werkzeug der englischen Politik ist, und kein Recht hat, als eine Repräsentanz des jüdischen Volkes aufzutreten. — Wir sind nur neugierig, was die Leitung der zionistischen Organisation hierzu sagen wird. Oder werden sich die Herren wieder einmal in Schweigen hüllen, wie so oft, sobald eine etwas unangenehme Asfaire auftaucht. Die englische Heuchelei widerspiegelt sich wiederum allzu kraß in der Universitätsfrage. Wie wir bereits in voriger Nummer erwähnt haben, mußte es sich hinsichtlich der Nachricht, daß in Jerusalem eine hebräische Universität eröffnet wurde, um einen Bluff handeln, da die Verhältnisse, der Mangel an nötigen Lokalitäten, an Lehrern und Hörern, die Eröffnung einer Hochschule hart hinter der Feuerlinie ganz einfach unmöglich machen. Tatsächlich haben sich die englischen Preßlakaien nachträglich veranlaßt gesehen, die Nachricht

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