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Jüdische Korrespondenz · 1918-08-08 · 25 (8.8.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
25 (8.8.1918)
Date
1918-08-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Jüdische Korrespondenz. Suite 7 endlich das zu geben, was ihr zukommt und was wir ihr leider! so lange vorenthalten haben: eine gründliche religiöse Erziehung im jüdischen Geiste. Es sind treffliche Worte, welche die „Freie Jüdische Lehrerstimme", Nummer 3 und 4, Jahrgang 1918, in dem Aufsatze „Konfessionalismus" von Dr. Felix Goldmanu-Leipzig bringt: „Zu den schweren Kämpfen der Zukunft brauchen wir in sich gefestigte Persönlichkeiten, die jüdisches Wissen mit jüdischem Sinn und mit Liebe zum Glauben der Väter verbinden. Der Weg ist klar, und unabhängig von der religiösen Parteirichtung muß er beschritten werden. Ob einer orthodox oder konservativ oder liberal ist, bedeutet in dieser rein politischen Frage wenig. Sofern er nur an einer Zukunft des Judentums kraftvoll Mitarbeiten will, kann er sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß unter den heutigen Umständen nur die jüdische Volksschule jene Werte sichert, die jede ernsthafte Parteirichtung im Judentume erhalten wissen will. Die Gesundung so vieler Gebrechen am Körper des Judentums hängt davon ab, daß das auf so vielen Gebieten bereits erfolgreiche Prinzip des Konsessionalismus sich überall dort durchsetzt, wo das Interesse der Judenheit es erfordert. Die Kultur der Menschheit — heute fühlen wir es mehr denn je — ist eng verknüpft mit dem Siege der Religion. Jenen Völkern gehört die Zukunft, die in ihr die Grundlage alles Denkens und Handelns erblicken und solchen Grundsätzen durch die Tat folgen." Adolf Fried. Gberrabbinev Dr. Gü bemann s. A Die Wiener jüdische Gemeinde und das österreichische Judentum überhaupt haben einen schweren Verlust erlitten. Montag, den 5. August, ist Oberrabbincr Dr. Moritz Güdemann im Alter von 83 Jahren in Baden verschieden. Oberrabbiner Dr. Güdemann war in Wien über ein halbes Jahrhundert tätig, zuerst als Rabbiner in der Leopoldstadt, dann in der Inneren Stadt, wo ex als Nachfolger des berühmten Predigers Jellinek Oberrabbiner wurde. Als solcher hatte er ebenso durch sein tiefes theologisches Wissen, wie durch seine Predigten, sich einen hervorragenden Ruf verschafft. Seit langem herzkrank, fühlte sich Oberrabbiner Dr. Güdemann in letzter Zeit verhältnismäßig besser und intervenierte noch bei der Einsetzung seines Stellvertreters. Auch an der vor kurzem veröffentlichten Abwehrkundgebung der israelitischen Kultusgemeinde hatte sich Oberrabbiner Dr. Güdemann eifrig betätigt. Zuletzt trat zum Leiden Güdemanns eine Lungenentzündung dazu, die dem Leben des Oberrabbiners der Wiener israelitischen Kultusgemeinde ein Ende bereitete. Kaiser Franz Joseph hatte Dr. Güdemann durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph- Ordens, Kaiser Karl durch das Kriegskreuz für Zivilverdienste zweiter Klasse ausgezeichnet. Mit Dr. Güdemann ist eine der markantesten Erscheinungen aus dem weitgespannten Kreise der hiesigen Kultusgemeinde aus dem Leben geschieden. Jeder, der seine kraftvollpatriarchalische Gestalt mit dem weißen, wallenden Vollbart aus der Kanzel sah und ihn sprechen hörte, stand unter dem Eindruck dieser Persönlichkeit, in der sich höchster Ernst mit würdevollem Wesen in seltenem Maße vereinigte. Keiner der Dutzendredner, die ihre Redegabe bei jeder Alltagsgelegenheit verschwenden, erhob er sich zur stärksten und tief bewegenden Wirkung, wenn es galt, vor seinen Zuhörern in der Entwicklung von Grundsätzen und in der Forderung von Rechten seine führende, richtunggebende Stimme vernehmen zu lassen. Bei solchen Anlässen, an denen es, wie man weiß, in den letzten Jahrzehnten nicht fehlte, gestalteten sich seine Reden zu Kundgebungen, die vollendet waren in Form wie im inneren Gehalte und vermöge welcher er mit Recht unter die bedeutendsten Kanzelrednern neuerer Zeit gezählt wurde. Erinnert sei hier namentlich an die von ihm gelegentlich des Hilsnerprozesses gehaltene Rede, sowie au jene andere, in welcher er sich seinerzeit gegen die Zeichnung der russischen Anleihe seitens österreichisch-ungarischer Bürger wandte. Was er damals zur Kennzeichnung des zaristischen Rußland sagte, und wie er ihm sein Schicksal voranssagte, das gab Zeugnis auch für seinen weit vorausschauenden Blick. Oberrabbiner Dr. Güdemann wurde am 19. Februar 1835 in Hildesheim in Hannover geboren. Im Februar 1866 wurde er aus Magdeburg, wo er als Rabbiner und Prediger fungiert hatte, nach Wien berufen und zunächst dem Tempel in der Leopoldstadt zugeteilt. Zwei Jahre später übernahm er zuerst provisorisch und bald darauf definitiv das hiesige Rabbinat. 1892 wurde ihm der Oberrabbinertitel verliehen und 1894 übernahm er nach dem das Jahr vorher verstorbenen Dr- Adolf Jellinek das Amt im Stadttempel. Dr. Güdemann war auch vielfach wissenschaftlich tätig. Außer vielen gelehrten Arbeiten in verschiedenen wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichte er das große Werk „Religiöse Studien" (1876), dann das Werk „Jüdisches Erziehungswesen während der spanisch-arabischen Periode" (1873), das dreibändige Werk „Geschichte des Erziehungswescns und der Kultur der abendländischen Juden" (1880), die „Quellenschriften zur Geschichte des Unterrichtes und der Erziehung bei den deutschen Juden" (1891), „Das National-Judentum" (1897), „Die Apologetik des Judentums" rc. Die Leiche des Verstorbenen ist nach Wien überführt worden, woselbst das Leichenbegängnis am Freitag stattfinden wird. Rundschau. (Amtsantritt des neuen Oberrabbiners.) Samstag, den 3. August, hat der neue Oberrabbiner von Wien, Prof. Dr. Zwi C h a j e s, sein Amt angetreten. Im Tempel Seitenstettengafse versammelte sich zum Morgengottesdienstc ein zahlreiches, festlich gekleidetes Publikum. Im großen Zeremoniensaale begrüßte Kultuspräsident Dr. Stern den neuen Oberrabbiner, der dann seine Programmrede hielt. Oberrabbiner Dr. Chajes entwickelte ein umfassendes Tätigkeitsprogramm, erklärte, eine ganz besondere Aufmerksamkeit dem Religionsunterrichte und der Hebung des religiösen Lebens zu widmen, woran er sich durch keine wie immer gearteten Widerstände wird stören lassen. Er kündigte auch einen ernsten Kampf gegen den inneren und äußeren Abfall vom Judentum an, der in letzter Zeit sehr stark überhand nahm. In seiner ersten Predigt, die der neue Oberrabbiner hieraus hielt, brachte er ähnliche Gedanken zum Ausdrucke. (Englischer Bluff.) Ententeblütter melden: Die israelitische Universität in Jerusalem wurde in Gegenwart des englischen Generals Allenby und des französischen Konsuls Coulondre feierlich eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt Dr. Weitzmann, Begrüßungsschreiben sandten Balsour und Pichon. Alle Ansprachen wurden ins Hebräische übersetzt. (Es handelt sich da offenbar um einen neuen Bluff. So von heute auf morgen kann keine Universität eröffnet werden, noch dazu in einem Kriegsgebiete, das kaum wenige Kilometer hinter der Front liegt... Wo sind die Lehrer, die Hörer, die Einrichtung hergenommen worden? Höchstens könnte es sich um eine Grundsteinlegung für ein angebliches Universitätsgebäude handeln. Ohne Bluff geht es aber bei den Herren der Entente und bei ihren Soldschreibern nicht.) (Die Engländer in Palästina.) Aus Stockholm wird berichtet: An den Führer des jüdischnationalen Arbeiterbundes „PoaleZion", Kaplanski, in Amsterdam lief über Stockholm ein dringendes Ersuchen um moralische und finanzielle Unterstützung aus jenem Teile Palästinas ein, der gegenwärtig von der Entente besetzt gehalten wird. In diesem Hilferuf der palästinensischen Juden wird betont, daß sie seit der Okkupation des Landes durch die Engländer keine Arbeit mehr finden können. Diese Nachricht, die angesichts der zahlreichen Berichte über judensrenndliche Maßnahmen der Entente in Palästina um so peinlicheres Aussehen erregt und vor allem in den Kreisen der „Poale Zion" Unwillen hervorgerusen hat, beweist, was man von der Ruhmredigkeit der Entente zu halten hat. (Bom jüdischen Leben in Japan.) Zu den merkwürdigsten Bevölkerungsverschiebungen des Weltkrieges gehört die Bildung von jüdischen Gemeinden in Japan. Infolge der Sperrung der europäischen Wege geht seit vier Jahren der Weg von Amerika nach Rußland und zurück zumeist über Japan, wobei es unausbleiblich ist, daß viele Juden in den japanischen Hafen- und Handelsstädten von ihren Geschäften für längere Zeit oder sogar dauernd zurückgehalten wurden. So entstand eine ansehnliche jüdische Gemeinschaft in Aokohama, die auch Wesentliches auf dem Gebiete der Emigrantenhilfe leistet. In Kobe hatten sich kurz vor den hohen Feiertagen des vorigen Jahres die wenigen frommen Juden zusammengetan und einen Saal zur Abhaltung von öffentlichen Gottesdiensten gemietet. Der Betsaal wurde aber dann weiter bcibehalten und dient jetzt 70 Mitgliedern zu religiösen und zu geselligen Zusammenkünften. < 3jjgc jüdische Einwanderung in Slwnifa.) Trotz der schwierigen Zeitverhältnisse ist die jüdische Einwanderung in San Francisco in ständigem Wachsen" begriffen. Jüdische Frauen und Kinder, die sich aus den russischen Wirren flüchten, kommen mit fast jedem Orientdampfer in San Francisco au. Der Zuwachs der Einwanderung geht aus einem Bericht der Jüdischen Schutz- und Einwanderer-Hilssgescllschast hervor, der von 300 Einwanderern im ersten Vierteljahr 1918 berichtet. Nur wenige der Ankömmlinge bleiben in San Francisco; den meisten werden die Mittel gewährt, zu ihren Verwandten in den verschiedensten Teilen der Bereinigten Staaten zu reisen.

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