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Jüdische Korrespondenz · 1918-07-25 · 24 (25.7.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
24 (25.7.1918)
Date
1918-07-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 Jüdische Korrespondenz. Kinder während der Ferien in der Tbhut der Schule behalten und vor den Gefahren der Straße bewahren zu können, besteht in der Schule, wie in den vergangenen Jahren, ein Jugendhort. Die Kinder werden von ihren Lehrern in Gottes freie Natur geführt, wo sie spielen oder sonst nützlich beschäftigt werden. Trotz der schwierigen Beschaffung und der oft minderen Qualität der Lebensmittel erhalten sie eine ausreichende, wohlschmeckende Kost. Das Werk verdient allseitige, kräftige Förderung und Unterstützung; hier ist für Freunde der Jugend ein reiches Feld der Betätigung. Möge jeder sein Scherflein beitragen zum Wahle und Heile unserer Kinder, der Zukunft unseres Volkes. Wer Interesse für die Sache hat, möge kommen und selbst sehen. verband der Angestellten der wiener israelitischen Kultusgemeinde. Ein schon feit langem gchegler Wunsch der Angestellten der Wiener Äuliusgcmeinde ist durch die vor kurzem ersolgte Gründung des „Verband der Angestellten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" in Erfüllung gegangen. Im Sinne der von der Statthalterei genehmigten Staturen ist diese Organisation dazu berufen, die sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Angestellten der Kultusgemeinde zu wahren und zu fördern. Die gewählte Berbandsleitung hat im Einvernehmen mit den einzelnen Sektionsleitungen bereits ein ausführliches Arbeitsprogramm ausgearbeitet, dessen Durchführung geeignet erscheint, viele bisher bestehende Mängel in den Existenzbedingungen der Beamtenschaft zu beseitigen. Zu dem -veiler unten folgenden Ergebnisse der Wahlen in die Verbandsleitung sei bemerkt, daß zum Obmanne der Verbandsleitung Herr Rabbiner Dr. Grunwald gewählt worden war, daß dieser jedoch die Delegierten ersuchte, von seiner Wahl abzusehen, worauf dann über seinen Vorschlag die weiterhin angeführten Personen in das Präsidium des Verbandes gewählt wurden. — In die Verbandsleitung wurden folgende Funktionäre gewählt: a) aus der Sektion der Beamten: Adjunkt Jakob Krausz, Adjunkt Oskar Mautner, Oberoffizial Heinrich Holzer, Oberosfizial Moritz Ungar; b) aus der Sektion der Religionslehrer: Benjamin ^uchs, Hermann Ascher. Oberlehrer; c) aus der Sektion der Synagogensänger: Dr. Leo Lemport; d) aus der Sektion der Diener: Markus Lichtenfiern, Elias Springer; e> aus der Sektion der Rabbiner: Dr. Mar Grunwald; th aus der Sektion der Kantoren: I. Kantor Matthias Mathyas; g) aus der Sektion der Schächter und Fleischbankaufseher: Bernhard Weiß. Das Präsidium des Vereines setzt sich wie folgt zusammen: Obmann: Jakob Krausz; I. Obmann-Stellvertreter: Dr. Mar Grunwald; II. Obmann-Stellvertreter: Benjamin Fuchs; Kassaverwalter: Oberosfizial Heinrich Holzer; Schriftführer: Oberoffizial Moritz Ungar; Rechnungsrevisoren: Oberoffizial Salo Lembergcr, Offizial Richard Kaiser. _ Die Herkunft der Minden. In der „Boss. Zeitung" schreibt Dr. I. F.: Die Geschichte der „Aschkonasim". wie die osteuropäischen Juden sich nennen, ist in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt. Das biblische Aschkenas deutet auf einen Volksstamm bin. der in der Nähe Arineniens gewohnt haben muß., Merkwürdigerweise aber wird von den Juden seit dem Mittelalter dieser Name auf Deutschland bezogen.^Weik rätselhafter ist es, wie die osteuropäische,^ Juden zu dem „Laschon Aschkenas", der deutschen Sprache, wie sie das Jüdisch-Deutsche nennen, dessen sie sich wahrscheinlich schon seit dem Beginn der Neuzeit als Muttersprache bedienen, gekommen find. Nach der bis in die neueste Zeit herrschenden Auffassung wäre nach der Zerstörung des zweiten Tempels ein Teil der palästinischen Juden nach dem Weströmischen Reiche ausgewandert und über Südfrankreich, das im Mittelalter tatsächlich große jüdische Gemeinden aufwies, nach Deutschland gelangt. Im Verlaufe eines mehr als tausend Jahre währenden Aufenthaltes hätten sie hier die deutsche Sprache angenommen. Infolge des immer stärker werdenden Druckes zur Auswanderung gezwungen, hätten sie sich um die Wende der 'Neuzeit nach dem Osten gewandt, um hier bis in die Gegenwart die einmal augcnommcnc Sprache treu zu bewahren. In neuester Zeit machten sich jedoch gegen diese Auffassung gewichtige Zweifel geltend. Unter den rund 12 Millionen Juden, die nach den Volkszählungen von 1891 bis 1909 gegenwärtig existieren, sind über 10 Millionen aschkenasischen Ursprungs. Die überwiegende Mehrzahl, zu der die russischen, österreichischen und ungarischen, rumänischen und amerikanischen Juden gehören!SZ-2-s-o-3Z-2 Millionen-, spricht noch jetzt Jüdisch-Deutsch. Die übrigen, zu denen die deutschen und schweizerischen und ein Teil der italienischen, französischen, niederländischen, englischen und türkischen Jude» gehören, haben es bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gesprochen. Wir härten es hier somit mit der unerklärlichen Erscheinung zu tun, Saß nahezu das ganze jüdische Volk einst nach Tcmschland ausgewandert ist und sich auf dem verhältnismäßig geringen Raum des Obcrrheins zusammengeballr hat. Gegen diese schon au sich unwahrscheinliche Annahme traten noch andere Bedenken hinzu. Seit dem achten vorchristlichen Jahrhundert sind die Juden bekanntlich massenweise aus Palästina nach den Ländern jenseits des Euphrat ausgeivandcrt. Man deute an die Vertreibung der zehn Stämme durch die Assyrer und an das gleiche Schicksal, das der Stamm Juda durch die Babylonier erlitten hat. Wohl stellten ihnen später die Perser die Rückkehr frei. Soviel aber aus den Berichten zu ersehen ist, hat nur ein geringer Teil von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht. Die meisten blieben in ihrem neuen Heimailande. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels erhielten sie sogar noch einen starken Zuzug aus Palästina. Erst nach dem Auitrelcn Mohammeds scheinen diese Massen wieder in Bewegung geraten zu sein, wie strömten dem Südrande der Mitlelmecrküfte entlang und gelangten so bis zur Pyrenäenhalbinsel, dem biblischen „Setarad". Man geht deshalb kaum fehl, wenn man annimmr, daß die nach dem Weströmischen Reiche nusgewanderten Juden im Verhältnis zu ihnen einen verschwindend geringen Bruchteil gebildet haben. Die Annahme, daß die osteuropäischen Juden sich mit fremden Elementen vermischt hatten, die sich bei diesen Erwägungen und Beobachtungen geradezu aufdrängte, schien bei der Berücksichtigung eines andern geschichtlichen Vorganges sich" zur Gewißheit zu verdichten. Im achtest nachchristlichen Jahrhundert hatten sich die Chasaren, ein am Nordabhange des armenischen Hochgebirges, zwischen dem Kaspischen und Schwarzen Meere wohnender finnisch-ungarischer Volksstämn, zum Judentum Hekehrt. Von Len Russen bedrängt, wanderten sie im zehnten und elften Jahrhundert nach dem Norden aus und sollen bis Kiew vorgedrungen sein. Seither sind sie spurlos verschwunden. Was lag nun näher, als den Schluß zu ziehen, daß sie auf ihrer Wanderung bei ehren osteuropäischen Glaubensgenossen Anschluß geiucht und gesunden haben? Mil Hilfe dieser Hypothese, zu der allerdings noch eine andere horangezogen werden mußte, glaubte Frhr. v. Kutschera in icmeiu Buche „Die Chasaren" nicht blaß die starke Zunahme der Juden im allgemeinen und die große Anzahl und den nichlsemitischen Typus der osteuropäischen Juden im boionderen, sondern auch den Grund, warum die Juden Deutschland nur „Aschkenas" bezeichnen und wie sie zur deutschen Sprache gekommen sind, einleuchtend erklären zu können. Das biblische „Aschkenas", meinte er, wäre niemand anders als der Chasarcnstamm, der ja tatsächlich in der 'Nähe Armeniens gewohnt hat. Ungefähr zur selben Zeit, als diese" juüaistencu Mongolen nach Polen gekommen wären, hätte Mieczyslaw II. (1325—35) deutsche Kolonisten nach Polen berufen. Diese wären in den folgenden Jahrhunderten auf vier Millionen angewachsen und hätten eine Macht erlangt, die die polnische Nationalität bedrohte. Sie sollen die Städte beherrscht und den Handel und die Industrie in Händen gehabt haben. Unter diesen Umständen, meint Kutschera, konnte es nicht ausblciben, daß die eingewanderten Chasaren, die schon von Hause aus Stadtbewohner gewesen waren und deshalb sich auch in Polen vornehmlich in den Städten niedergelassen haben mußten, von den Deutschen die Sprache annahmen. In der Folgezeit, so schließt Kutschera, hätten die osteuropäischest Juden, Seite 7 die sich mit den Chasaren verschmolzen, von ihnen die deutsche Sprache übernommen und sie mul: ihnen „üaichon Aschkenas" genannt. «o geistreich und bestechend aber auch diese Hiwotbeseu find, criueiien sic sich doch bei näherer Prüfung als unhaltbar. Die Vermischung der Cbasarcu mit den osteuropäischen Juden* sollte doch vor allein die aussallende Zunahme der letzteren erklären. Diese Verschmelzung könnte aber nur unmittelbar, nachdem die Cbasarcii ihre Heimat verlassen hatten, stattgesundeu haben. Nun haben wir aber gesehen, daß im 17. Jahrhundert, also lange nachdem die Vermischung statlgcsundcn haben mußte, die Gesamtzahl der "Inden auf eine Million zusammeiigeichrumpst ivar. Wer die Scheu der Juden vor einer Ranenverunreinigung kennt, wird es überhaupt für ansgeschlosseii "halten, daß sie. wenigstens in den letzten zwei Jahrtausenden, fremde Elemente in einem erheblichen Maße freiwillig aufgenomnien hätten. Aber selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eingetreten wäre, daß die osteuropäischen Inden einen gaiizen fremden Voltsstamm in sich ausgenommen, hätte-! sich doch irgendwelche Spuren davon erhalicu müssen, z. B. chasarische Nanrcn aus den jüdischen Grabsteinen und in literarischen Notizen, besonders in den Refponien aus jener Zeit. Ferner müßten auch noch jetzt irgendwelche Ueberreste aus der chaianichen Sprache im Jüdisch. Dcmschen und soiistigc Erinnerungen vorhanden sein. Genau betrachtet, wird ivohl durch schriftliche Aufzeichnungen allein, selbst wenn sie tu reichlichem Maße vorhaiideu wären, die Vergaiigenheu der osteuropäischen Juden kaum je beleuchtet werden könne». Ter tote Buchstabe ist eben außerstande. em vollständiges und zweifelfreies Bild von geichichtlicheu Vorgängen zu geben, wenn er nicht durchs lebendige Zeugnisse gestützt wird. In unserem -xalle kann eine solche Stütze in der lebendigen Aussprache des Jüdisch-Deutschen gesunden werden. Ern auf Grund eines solchen Malcrials tauu man an der Hand der schriftlichen Zeugnisse mit Aussicht auf Erfolg an die Beantwortung der Frage herankreten, ob die osteuropäischen Juden zu dieser Sprache uuniitielbar, durch einen Aufenlhull in Deutschland, oder mittelbar, durch deulsche Auswanderer, gelangt sind. Einige Bemerkungen zur Geschichte der Schreiber. Von Rabbiner Tr. C. L a n d a u >" Jdihiu.i Tie Schnellschreibkunst, die sich eigens erfundene!, vom üblichen Alphabet abweichender Zeichen bediente, scheint im Judentum weniger geübt ivordcn zu lei», und wir begegnen ihr nur, wo von nichtjüdischen Schreibern die Rede ist. Die ältcjtc Abbreviatur, die schon in der Bibel vorkommt, ist die verkürzle Schreibung des göttlichen 'Namens. Tie Aufschriften hebräischer Münzen aus der Matkabäerzeit weisen ebenfalls Verkürzungen am Zn Auiauisidicnie die Abbreviatur bloß als Signalur zui Bezeichnung von Personen und Sachen. R. Chisda Unterzeichnete sich mit einem Samcch, Ho-taja mir einem Ajin, ivas umso imeresiantcr ist, weit beide nicht die Anfangsbuchstaben der signierten Namen sind - Gilt. 86 ai. Gesäße, die geheiligte Viktualien enthielten und deren mit Absicht entweihende Berührung man fürchtet!, wurden zur Irreführung bloß mir einem Buchstaben bezeichnet, der auch als der Name des Eigeutiimcrs gedeiirer werden konnte. So gebrauchte man für Kurban (Opfer) die Bezeichnung Kuf. für Maasor 'Zehnt- Mem, für Teruma Taw, für Demai - Dubioses) Taleth iMaasser sehen. 411, Mit Nutrekon bezeichnet!: man auch diejenige Ausleguug der Haggadilten, die ein schwieriger Ausoruck, eine abbreviaturische Abkürzung mehrerer Worte sah und diesen in seine vermemUichen Bestandteile zerlegte. So soll das Wort Leschod -Rum. II, 8) das Notarikon von Lechem und Schemen und Dewosch sein lSifrö Num. 83, 1, 241,:. Die Deutlichkeit und Zuverlässigkeit, die bei Urkunden zu den unerläßlichen Forderungen gehören, machten die volle Ausschreibung jedes Wortes zur 'Notwendigkeit, doch läßt eine Stelle in Ab. 166 6 die eine Deutung zu, nach welcher auch bei Abfassung von Dokumenten Abbreviaturen zulässig waren. Sicher ist dies für die Bezeichnung

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