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Jüdische Korrespondenz · 1918-07-25 · 24 (25.7.1918) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
24 (25.7.1918)
Date
1918-07-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Organ des Vereines „Jesclwrun" ORGANISATION für die thoratreue Jugend Wiens. Alle Zuschriften und Anfragen sind zu richten an: „Jesctiurun“-Preßkomitee, Wien. I..Salztorgasse 2. Jeschurun Nr. 24. — 1918. Beiblatt der „Jüdischen Korrespondenz“. ABONNEMENTS sind zu beziehen mittelst Postkarte durch das: Preßkomitee des Vereines „Jeschurun“ Wien, I., Salztorgasse 2. - - ---- W Religion und Krieg. Unklarheit, Unwissenheit, Verwirrung, falsche Auffassung, Mißverständnisse bei der Materie, bei Begriffen und Schlagworten, sie sind die Ursachen, welche den Verfasser dieser Zeilen zur Feder greisen ließen. Aufklärung, Belehrung, Reinigung und Trennung, Unterscheidung zwischen Glaube und Aberglaube sind die Aufgaben dieser Arbeit. Aus den Tiefen der Finsternis empor zum ewigen Licht der Wahrheit, logisches Denken, klares Erfassen verworrener Begriffe, Prüfung der Schlagworte sind die Ziele dieser Schrift. Nicht das Volk rufe ich, das unmündige, das jederzeit nachbetet und jederzeit von einem Schlagwort betört in Massen dorthin folgt, wohin der Führer oder Verführer, der Verkünder neuer Weisheiten seine Schritte lenkt — ich weiß es, daß Schriften nicht ins Volk dringen — nur das gesprochene Wort im Verein mit der schriftlichen Propaganda. — Euch Männer rufe ich, lehrt gerades Denken, befreit aber Euch selbst zuerst vor falschen Begriffen, vor Unduldsamkeit. Seid sachlich, meidet jeden Chauvinismus, seid Menschen und betrachtet alles vom Standpunkt des Reinmenschlichen und Reinnatürlichen! Wenn der kleine Schuljunge mit seinem 10 Zentimeter langen Maßftab die Höhe eines Meters messen will, muß er zehnmal anlegen, wenn er durch einen kleinen Ausschnitt durch die Fenstertafel eine große Landschaft sieht, glaubt er sie wirklich im Rahmen dieser Tafel fassen zu können. Er begreift die optische Täuschung nicht, er kann nicht verstehen, wieso die x-mal kleinere Tafel das große Bild der Landschaft auffangen kann, wie diese wenigen Quadratzentimeter so viele Quadratkilometer in den Rahmen einspannen können. In die Landschaft hinaustretend gewahrt er, wie verschwindend klein die durchsichtige Tafel eigentlich ist, auch gegen ganz kleine Einzelpartien der großen Landschaft. Sind doch ganze Häuser da mit Fenstern, größer als seine Fenstertafel, durch die er vorhin all das gesehen. Landstraßen, zu beiden Seitn weitgestreckte Felder und Wälder, Bäche usw. alles hat er durch das kleine Fenster gesehen, das 30 ein hoch und 20 ein breit ist. Zu Beginn des Krieges 1914, der als der größte aller bisherigen Kriege bezeichnet werden muß, in bezug auf seine räumliche Ausdehnung, auf die Zahl der beteiligten Krieger, auf die Opfer, die er fordert, aber auch in bezug auf die rohen Instinkte, die er geweckt, auf die Grausamkeit, mit der er geführt wird und auch alle nicht unmittelbar Beteiligten in Mitleidenschaft zieht, auf die Resultate wissenschaftlicher Forschung, die er sich dienstbar gemacht und endlich in bezug auf die ebenfalls durch die Forschung errungenen Behelfe zur Heilung der Wunden und Krankheiten, zur Verhinderung und Bekämpfung der Epidemien — diesen treuen Gefährten des Krieges. — Also zu Beginn des Krieges war gar vieles anders, als es jetzt geworden, nach nahezu vierjähriger Dauer. Die allgemeine Begeisterung hat allgemeiner Resignation Platz gemacht, der Kriegslärm sich in ein Schweigen der Erschöpfung gewandelt, das die Trauer verursacht hat. Im Anfang Hoffnung uud Siegesrausch, ein Schwelgen im Ueberfluß, ich erinnere an die vielen in kurzen Strecken sich wiederholenden Labestationen für die zum Kampf und Sieg ausziehenden Krieger. — Und heute? Es ist überflüssig zu schildern, was jeder Einzelne vom Säugling bis zum Greis fühlt und miterlebt. Einen Krieg wie diesen, der die ganze Welt in Mitleidenschaft zieht, hat es zu keiner Zeit gegeben. Die Menschen aller Länder haben die gleiche Sehnsucht, der allgemeine Wunsch ist Friede, herausznkommen aus dem Nebel, der sich über die Menschen gebreitet hat, um sich an der Sonne des Friedens zu erwärmen. — Und die Tiere und Pflanzen bleiben von der Grausamkeit der Menschenwut nicht verschont. Verminderte Nahrung! verminderte Säfte des Bodens! verminderte Arbeitskraft! Und dafür ein auf Raub, Blutgier und Vernichtnngssucht anfgebautes Heldentum. Laß deinen bösen Trieben freien Lauf, töte, bezwinge, vernichte — je größer der Kreis der Verwüstung, den du ziehst, desto größer der Sieg — desto erhabener dein Heldentum, desto leuchtender dein Name, desto größer deine Auszeichnung. Und als der große Krieg begann, die kleine Zeit sich in eine große wandelte, da waren die Menschen alle kurzsichtig, drei Monate galt als längste Dauer, welche man dem Völkerringen in Aussicht stellte. Erfahrene Männer, Politiker, Techniker, ja selbst die höchsten Militärpersonen — die Eingeweihten meinten, ein solcher Krieg, mit solch verheerenden Mitteln könne sechs Wochen, aber keinesfalls mehr denn drei Monate dauern. Wer hätte es gewagt dem zu widersprechen? Wir haben kein Metall — wir wollen den Krieg'wcitersühren. Und wenn später sich eine Stimme meldete und vom Aushungern redete, da gab's ein ironisches Lächeln — Unsinn, ein Land kann man nicht aushungern — es kann keine Hungersnot geben. (Fortsetzung folgt.) Der ewige Friede. Von Dr. I. W o h l g e m ü t h. tForNctzmig.) Daß er nicht für immer in dem Stillstand paradiesischen Glücks verharrt wäre, ist wahrscheinlich. Ein solch dauerndes Glück ohne innere Bewegung ist für uns auch.unvorstellbar. Aber in welchen Formen diese Bewegung sich vollzogen hätte, das auszudenken ist für uns unmöglich. Und endlich auch der von Gott gebotene Krieg, der gegen ein Volk sich richtet, ist wie der Kampf, den der Einzelne mit dem Schlechten auszufechten hat, zwar eine Notwendigkeit, aber eine bittere Notwendigkeit. „Krieg führt Gott gegen Amalek in allen Geschlechtern“. Aber daß Amalek lebt, daß er als Amalek lebt und seine Ueberwindung die unendlichen Opfer fordert, das schafft weder Freude noch kann es als Glück empfunden werden. 2. Darum wird die Zeit, „da die Völker ihre Schwerter zu Sicheln umfchmieden werden und ihre Lanzen zu Rebenmessern“ mit Recht als eine Zeit des Glückes gepriesen. Sie herbeiznführen muß das unausgesetzte Streben des Menschengeschlechts sein. Nur der Weg, den die Völker in neuerer Zeit eingeschlagen haben, um das Ziel zu erreichen, ist ein Irrweg. Sie glauben diesem Ziele an sich znstreben zu können. Aber das Glück des ewigen Friedens ist nur der Lohn, welcher der Menschheit zuteil wird, wenn sie das Hochziel der Ethik, — der an den Lehren des überlieferten Glaubens Orientierte, sagt: der Religion, erreicht hat. Am Ende der Tage, wenn ein neuer Geist die Menschen beseelt und ein neues Herz in ihnen lebt, dann ist diese Zeit der Seligkeit gekommen. Dann ist das Böse geschwunden und der Zustand wiedergekehrt, wie er an der Wiege des Menschengeschlechts gegeben war. Wie dann der Fortschritt der Menschheit, das Ringen nach immer größerer Vollkommenheit möglich sein sollte, nachdem der Kampf mit den feindlichen Mächten ausgcschaltet ist, das überläßt der Gläubige der Vorsehung, die dann der Menschheit neue Ziele zeigen und die Wege weisen wird, die sie zu diesem Ziele führen. Wer den ewigen Frieden in diesem Lichte sieht, der wird auch die rechte Stellung zu allen Theorien und Bestrebungen der Pazifisten einnehmen. Fern sei es von uns, diese Bestrebungen an sich verächtlich zn machen. Eine große Summe idealer und selbstloser Arbeit im Dienste der allgemeinen Menschenliebe ist hier zutage getreten. Und wenn sie noch so wenig von Erfolg begleitet ist: es ist schon ein nicht zu unterschätzender Gewinn, daß sie den Kräften, die irgendwo zum Kriege trieben, ihre Wühlereien erschwert, den Krieg hier oder dort hinausgeschoben, die Menschen auf die Schrecken und Leiden der Kriege hingewiesen hat. Aber der Lehre, daß der ewige Friede durch Abmachungen, Verträge, Kongresse oder Verbünde hcrbcigeführt werden könnte, muß gerade von dem, der es mit dem letzten Ziel der Menschheit ernst nimmt, entgegengctreten werden. Sie gaukelt uns ein Phantasiegebilde vor von dem Wesen der Menschennatur, das mit der Wirklichkeit in schärfstem Widerspruch steht, und verführt uns dazu, die Kraft, die wir für die Veredelung der Menschen aufznwenden haben, in der Arbeit für ein Phantom zu verzetteln. (Fortsetzung folgt.) „Kinder aufs Land." An Spenden sind uns weiters zugekommon: K Talmud Thoraschule. 2500'— Samuel Schein .. 300 — Elly Pappenheim gesammelt .... 200'— Elitz Pappenheim. 50'— Vilmos Krausz & Co.. Nyitra. . . . 100-— Aron Weil gesammelt. 70 — Josef Strauß. 100 — Brüder Bondtz. 100 — Ziwebe. 50 — Brüder Preis. 50 — Dr. Mar Ticho. 50 — Hilda Hochberg. 50'— Geschwister Brunner. 40-— Max Grünhut .. 50 — Friedrich Krausz. 50'— Tobias Kahan.. . . 60 — 3.810'— Bisheriges Ergebnis . 45.561' — Gesamtergebnis . 48.37T—

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