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Jüdische Korrespondenz · 1918-07-25 · 24 (25.7.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
24 (25.7.1918)
Date
1918-07-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 24 dem Fasten immer vor Donnerstag beginnen, gewöhnlich wurde der Montag dafür gewählt. (Tanith 10a.) Und schließlich wurde bestimmt, daß, wenn Hungersnot oder nur Mangel an Lebensmitteln herrscht, der Alaun getrennt von seiner Frau leben solle, damit keine Kinder erzeugt würden, die die Not des Volkes nur noch vergrößern würden (Tanith 11a). Wenn man bedenkt, daß der Bibel und dem Talmud eine zahlreiche Familie als ein großes jüdisches Ideal erscheint, wenn man ferner die unzähligen diesbezüglichen Ermahnungen und Belehrungen berücksichtigt, besonders den Ausspruch: Wer keine Kinder erzeugen will, der vergießt Blut und vernichtet Leben (Jeb. 63 b), so darf die erwähnte Bestimmung nur so verstanden werden, daß zum Nutzen der Allgemeinheit und zur Erhaltung eines Volkes ein jeder einzelne sein persönliches Wohlergehen und seine individuellen Wünsche und Interessen opfern müsse. Rundschau. (Amtsantritt des Obcrrabbiner- Stellvertreters Professor Dr. H. P. Chajes.) Der neuberufene stellvertretende Oberrabbincr der israelitischen Kultusgemeiude Wien, Professor Dr. H. P. Chajes, wird seine Tätigkeit Samstag, den 3. August l. I., beim Morgengvttesdienste im Stadttempel beginnen. — Nähere Mitteilungen werden folgen. (Plenarsitzung des Kultusvorstand cs.) Freitag, den 26. d. Dl., um halb 4 Uhr nachmittags, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde Wien eine öffentliche Vorstandssitzung statt. Gegenstand: Kundgebung gegen die antisemitische Verhetzung der Bevölkerung. (Ans dem österreichischen Abgeordnetenhauses) Die kurze Session des österreichischen Abgeordnetenhauses sollte nicht vorübergehcn, ohne daß die Judensrage zur Sprache gelangte. Zunächst war es der berüchtigte Jerznbek, der eine Hetzrede vom Stapel ließ. Die Abgeordneten Reizes, Straucher und Dr. Steinhaus kennzeichneten in Zwischenrufen die elende Hetzarbeit dieses „Volksvertreters". Die Zwischenrufe des Abg. Dr. Steinhaus scheinen die Freunde Jerzabeks derart aus dem Häuschen gebracht zu haben, daß sie sich auf den Zwischeurufer stürzten und gewalttätig werden wollten. Nur dem Eingreifen anderer Abgeordneter gelang es, eine Schlägerei zu verhüten. Charakteristisch ist, daß nachher mehrere christlich-soziale Abgeordnete den jüdischen Abgeordneten gegenüber ihre Mißbilligung der Rede Jerzabeks zum Ausdruck gebracht haben. — Abg. Reizes lenkte in einer Anfrage die Aufmerksamkeit der Regierung aus die Hetzarbeit, die die Kuilschak und Genossen in letzterer Zeit betreiben. — Gelegentlich der Rede des Allpolen Glabinski forderte ihn Abg. Dr. Straucher auf, auch etwas über den Pogrom in Krakau zu sagen, der von seinen allpolnischen Freunden angezettelt war. Glabinski brachte so viel Mut auf, um den Pogrom als „Lüge" (?) zu bezeichnen ... Abg. Dr. Groß erwähnte in seiner Rede den Krakauer Pogrom und forderte Abhilfe. (Allerhöchste Auszeichnung.) Herr Simon Feuer, Zimmer- und Dekorationsmaler, Wien, kl., Herminengafse 6, Filiale Baden, Rathausgasse 9, wurde durch die Verleihung des Titels eines k. u. k. Hof-Zimmer- und Dekorationsmalers ausgezeichnet. Der Ausgezeichnete ist durch 42 Jahre in Wien tätig und vermöge seiner in den ersten Häusern Wiens durchgeführten Arbeiten, so z. B. im Kriegsministerium, Hotel Bristol, Dianabad, Pazmanitentempel sowie durch seinen allbekannten Wohltätigkeitssiun sehr angesehen und erfreut sich des besten Rufes. Herr Simon Feuer ist der erste jüdische Zimmer- und Dekorationsmaler, dem diese hohe Auszeichnung zuteil wurde. (Berein „Machsikei Hadast", Scheveningen.) Aus Scheveningen wird uns geschrieben: Der hiesige Berein „Machsikei Hadaß" hat am 1. Tamus d. I. ein Fest veranstaltet anläßlich der Beendigung des Talmuds „Sijum ha 'schaß", welcher am i. Elul vorigen Jahres unter seinen Mitgliedern (meistens junge Leute) in einzelnen Traktaten zum Lernen verteilt worden war, um dieses am oben genannten Tage zu beenden. Beim „Sijum" waren zahlreiche Gäste anwesend, darunter vier Rabbiner, welche alle an der darauffolgenden „Se'udaß Mizwoh" teilgenommen haben. Bei dieser Gelegenheit wurden unter den Anwesenden Talmud-Traktate zum Lernen verteilt, welche voraussichtlich am 15. Swat 5679 beendet werden sollen. (Der Generalgouverneur in Cholm.) Der österreichische Generalgouverneur von Lublin, Polen, hat die Stadt Cholm besucht. Eine jüdische Deputation, geführt vom Rabbiner, übergab dem Generalgouverneur ein Memorandum. Sie bat darin erstens um ein Lokal für die jüdische Volksschule. Der Generalgouverneur befahl dem anwesenden Stadtoberhaupt, die Bitte zu erfüllen; ferner gewährte er die Bitte, daß nur so viel jüdische Geschäfte am Sabbat offen zu halten seien, als für die täglichen Bedürfnisse der Soldaten erforderlich seien. Die besondere, auf einem russischen Gesetze beruhende Krankenhaussteuer für Juden bezeichnete er als unlogisch und ungerecht und schaffte sie ab. (Eine jüdische Abordnung beim Erzbischof.) Während eines Aufenthaltes des Warschauer Erzbischofs in Grojec unterbreitete ihm eine jüdische Abordnung eine Adresse, in der unter anderem folgendes stand: „Es leben wieder auf und verwirklichen sich die herrlichen Bilder der früheren Vergangenheit des Landes. Voll Freude über die Wunder der Vorsehung wenden wir Juden unsere sehnsüchtigen Blicke zu unserer herrlichen Vergangenheit im alten polnischen Reiche und hoffen, daß diese Wiedergeburt auch uns jene Toleranz und jene Einrichtungen der jüdischen Gemeinden bringen werde, durch welche Polen sich immer ausgezeichnet hat." Der Erzbischof sagte unter anderem, er fordere auf, die verschiedenen bisherigen Reibungen zu vergessen. „Eine neue Sonne geht gegenwärtig über Polen auf, und wenn wir Hand in Hand gehen werden, wird uns die Gnade Gottes unterstützen." — Mögen den Worten nun Taten folgen! (Orthodoxe Konferenz in Kiew.) In Kiew fand eine Konferenz der orthodoxen Organisation „Achdus Jisroel" statt. Die Konferenz dauerte sechs Tage. Den größten Teil der Verhandlung nahm die Palästinafrage ein. Es bildete sich ein rechter Flügel, der eine scharfe Grenze zwischen der orthodoxen und zionistischen Tätigkeit in Palästina ziehen wollte. Es wurde jedoch eine Resolution angenommen, in dem Sinne, daß die „Achdus Jisroel" den alten wie den neuen „Jischuw" unterstützen soll. In bezug auf den jüdischen Nationalrat und das Vorparlament wurden ebenfalls bedeutsame Beschlüsse gefaßt. Als Sprache' der jüdischen Gemeinschaft wurde Hebräisch proklamiert. Die Partei wird von nun an nur den Namen „Achdus" (unter Weglassung des „Jisroel") führen. Die Konferenz wählte ein Zentralkomitee von 25 Mitgliedern. (Der Beilis-Prozeß vor dem Revolutionstribunal.) Vor dem Revolutionstribunal in Moskau wird in nächster Zeit eine Reihe von Prozessen gegen die früheren Minister des zaristischen Regimes beginnen. In erster Reihe wird der frühere Justizminister Schtscheglowitow als Angeklagter erscheinen. Die Hauptanschuldigung lautet auf Einwirkung auf die Richter im Kiewer Ritualmordprozetz gegen Beilis. (Die Wahl eines „Stadtmaggid" in Wilna.) Ein beträchtlicher Teil der orthodoxen Bevölkerung Wilnas forderte in mehreren synagogalen Versammlungen die Anstellung eines Stadtpredigers (nicht zu vergleichen mit den sonstigen Predigern in anderen ostjüdischen Städten). In Wilna nahm der „istadtmaggid" von jeher eine bevorzugte und einflußreiche Stellung ein, die an die Autorität eines Oberrabbiners heranreichte. Der letzte berühmte Prediger dieser Art war der später nach New-Iork übergesiedelte Rabbi Jakob Josef, der auch drüben in Amerika in höchstem Ansehen stand und vor einigen Jahren unter dem Trauergeleit von 100.000 russischen Juden zur letzten Ruhe bestattet wurde. Seit dessen Weggang ist die Wilnaer Stadtmaggidstelle verwaist. Die durch die Kriegsverhältnisse entstandene Zerrüttung der religiösen Verhältnisse haben nun den Gedanken aufkommen lassen, dieses wichtige Amt wieder zu besetzen. Als Kandidat steht zurzeit in erster Reihe der Rabbiner Menachem Krakowski aus Nowogrudok, der bereits mehrere religiöse Vorträge hier gehalten hat. Daneben sind Bestrebungen im Gange, den früheren Hauptrabbiner, Rabbi Chaim Oser Grodsinski, der sich zurzeit in Charkow aufhält, zurückzuberufen. (Jüdische Deputation aus Turkestan.) Die Juden von Turkestan haben eine Deputation nach Moskau geschickt, um bei der bolschewistischen Regierung Schutz vor den schrecklichen Mordtaten der Pogromisten zu erbitten. Als sie dem Volkskommissär Tschitscherin vorgestellt wurden, konnten sie sich mit ihm in keiner Sprache verständigen. Da kam der Hilfskommissär Lobkowski herein. Dieser fragte ein Mitglied der Deputation: „Haibri attah (Bist Du ein Hebräer?) Er antwortete: „Leu!" (Ja!) Nun machte Lobkowski den Dolmetscher und sie konnten in der Sprache der Heiligen Schrift ihr so schwer bedrücktes Herz erleichtern. (Englands Rückzug.) Einer Londoner Meldung zufolge haben die Minister Barnes und Mont bei der Begrüßung einer zionistischen militärischen Abteilung und einer ärztlichen Mission für Palästina erklärt, daß die Idee, (Fortsetzung auf Seite 6.)

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