Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 23 (11.7.1918)
- Date
- 1918-07-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Qrgafeies Vereines Jeschurur ORGANISATION für die thoratreue Jugend Wiens. Alle Zuschriften und Anfragen sind zu richten an: ,,Jeschurun‘'-Pre(lkomitee, Wien, I., Salztorgasse 2, Jeschurun Nr, 23. — 1918. Beiblatt der „Jüdischen Korrespondenz“. ABONNEMENTS sind zu beziehen mittelst Postkarte durch das: Preßkomitee des Vereines .Jeschurun1 Wien, I., Salztorgasse 2. Oer ewige Friede. Von Dr. I. W o h l g e nt ü t h. (Forlsetzung.) m. Gibt es nun für das jüdische Empfinden gar keinen Ausweg aus diesem Wirrsal? 1. Die einzige Möglichkeit zur Klärung der Frage ist hier, wie so oft, uns gegeben, wenn wir den Gesamtgeist des Judentums befragen. Wenn wir nicht einzelne Stellen heranziehen, aus einzelnen Begebenheiten schließen, sondern aus der Summe alles dessen, was an Lehren ausgesprochen und an Anschauungen sich kundgibt, gleichsam das Mittel ziehen. Da ist das eine: Der Grundzug des jüdischen Lebens wird im friedlichen Wirken gesehen. Das gilt nicht bloß für die Jahrtausende des Exils, in denen man nach dem eben mitgeteilten Urteil vielleicht aus der Not eine Tugend machte. Daß Jakobs Waffe das Gebet und Esaus das Schwert, das bleibt immer der Grundton, der uns auch aus der Bibel entgegenklingt. Von den beiden Söhnen Abrahams ist Jsmael der Bogenschütze, der Wilde, dessen Hand gegen alle erhoben ist, und Isaak das erwählte Opferlamm, den höchsten Grad der Selbstentäußerung erringend. Und von Isaaks Söhnen ist Esau der Jäger, dem es auch für alle fernere Zeit bestimmt wixd, von. feinem Schwerse zu leben, und Jakob der schlichte Zeltenbewohner, welcher der Segnungen des Friedens auch in Zukunft teilhaftig werden soll. In den Verkündigungen an die Stammväter wird nie auf die kriegerische Eroberung Nachdruck gelegt. Eine Sklavenhorde zieht aus Aegypten, und nur wunderbare Hilfe, der Engel, der vorauszieht, soll die Völker aus dem gelobten Lande vertreiben. In der Eroberung und Besiedelung des Landes, in allen Kämpfen gegen bie_ umgebenden Völker, in dem ganzen Verlauf der politischen Geschichte tritt Israel niemals als ein vorwiegend kriegerisches Volk auf mit dem Anspruch, sein Reich ins Unbegrenzte zu dehnen, ein Weltreich zu gründen. Der Heldensang der Deborah, das Klagelied Davids auf den Tod Sauls und Jonathans, sie gelten den Rettern und Befteiern von fremdländischem Druck. In dem „Segen Jakobs“, in den „Bileamsliedern“ ist bei allen Schilderungen des Heldentums, der Herrschertugend das Grundmotiv die Verherrlichung des idyllischen Friedens. Wir wissen wohl, daß man außerordentlich viele Stellen anführen kann, die auf den Grundton gestimmt sind: „Gepriesen sei det Ewige, mein Fels, der meine Hände gelehrig macht für den Krieg und meine Finger für die Schlacht.“ Aber wir appellieren an alle, welche die heilige Schrift als Ganzes kennen und aus ihr das jüdische Gesamtempfinden abzulesen imstande sind, ob nicht diese Laute übertönt werden von den anderen: Daß „nicht die Heeresmacht und nicht die Kraft, sondern der Geist Gottes“ den Sieg bringen soll, daß „diese mit Wagen und jene mft Rossen, wir aber den Namen Gottes anrufen sollen". Wie könnte auch „für das kleinste unter allen Völkern“ der Krieg an sich erstrebenswert erscheinen. Ebensowenig darf aus dem Umstand, daß die Thora Vorschriften für das Verhalten im Kriege gegeben, geschlossen werden, daß sie den Krieg als etwas an sich Edles ansieht, als eine wohltätige Funktion des Volkskörpers. Dann könnte man auch aus dem Gesetze über den Sklaven schließen, daß der Thora das Ideal des Universalismus, der Gedanke, daß alle Menschen vor Gott gleich sein sollen, fremd gewesen. Das Gesetz der Thora gibt Normen für die Verhältnisse, wie sie in Wirklichkeit sind, für den Menschen wie er ist. Da im Leben der Völker die Sklaverei eine so bedeutsame Rolle spielte, so konnte diese Institution nicht einseitig im jüdischen Staatsleben aufgehoben werden. Da Kriege notwendig waren, so mußten für das Verhalten im Kriege bestimmte Normen aufgestellt werden. Der Krieg ist ein Unglück, ein Fluch, der über ein Land kommt, das ist jüdische Anschauung und das wird das Urteil eines jeden sein, der alle in Betracht kommenden Faktoren gleichmäßig berücksichtigt. Die Herrlichkeit des Krieges Preisen die Kriegshetzer und die von ihnen Irregeleiteten, bevor sie die furchtbaren Leiden des Krieges wahrgenommen. Es rühmen ihn die späteren Generationen, die diese Leiden bereits vergessen. Und endlich die „Heimkrieger“, die sich an den Kriegsnachrichten berauschen oder die, selbst wenn sie in irgend einer Weise in den Organismus der Kriegführung eingereiht sind, nicht die Gelegenheit haben, das Grausige der Einzelheiten wahrzunehmen. Sie würden zu einer anderen Anschauung sich bekehren, wenn die Möglichkeit vorhanden wäre, daß jeder von ihnen Zeuge würde des millionenfachen Leids, in dem der ganzen Menschheit Jammer sich kundgibt. Wenn sie selber das tagelange Schreien der Russen gehört hätten, als diese in den Sümpfen Masurens versanken und nicht leben noch sterben konnten. Wenn man sie in die Lazarette führte, dorthin, wo nicht die Leichtverwundeten freundlich lächelnd sich ergehen, sondern wo in wilden Schmerzenslauten die Sterbenden sich auf ihrem Lager wälzen. Wenn sie die Blinden besuchten und in die Irrenhäuser gingen und sähen, wieviel menschlicher Geist hier für immer zerstört worden. Wenn sie bei jeder der Mütter wären in dem Augenblick, als diese die Nachricht empfing, daß der dritte oder gar der vierte Sohn gefallen. Wenn sie zu den Frauen gingen, die, von einer Schar kleiner Kinder umgeben, verzweifelt die Hände rangen und hoffnungslos ins Leere starrten. Daß der Krieg, wie wir oben ausgeführt, auch nach jüdischer Auffassung aus dem Leben der Völker nicht getilgt werden kann, daß er, wie von den'Gegnern der Friedensbewegung betont wird, oft die segensreichsten Folgen hat, hindert nicht, daß er an und für sich ein furchtbares Unglück, ein schwerer Fluch ist. Beim Sündenfall wird dem ersten Menschen verkündet: Im Schweiße deines Angesichts sollst du Brot essen. Nie konnte es zweifelhaft sein, daß diese Bestimmung die Vor- . ^. H bedingung für jeden Fortschritt des Menschen ist, wenigstens in einer Welt, wie sie jetzt von Gott geordnet ist. Ist diese Verkündigung in der Bibel darum nicht als Fluch gedacht? Goll sie nicht eine Strafe sein?! Welche Gestaltung die Entwickelung des Menschengeschlechts ohne den Sündenfall angenommen, wie der Mensch die ihm von Gott gestellte Aufgabe im Laufe der Zeiten erfüllt hätte, das wissen wir nicht. (Fortsetzung folgt.) „Linder aufs Land." Donnerstag, den 4. Juli, sind 150 Kinder, 125 Knaben und 25 Mädchen, zum vierwöchentlichen Aufenthalt in unsere Ferienkolonie nach Pomüs abgereist. Dank dem besonderen Entgegenkommen der österreichischen und ungarischen Behörden haben wir die entsprechenden Lebensmittel zugewiesen erhalten, die Schulräume wurden zur bequemen Unterkunft hergerichtet. Wir wollen all denen, die uns in diesen Vorarbeiten unterstützten, auch an dieser Stelle unseren tiefgefühlten Dank zum Ausdruck bringen. Die Leitung der Ferienkolonie hat unser Vorstandsmitglied Herr Lehrer Müller in selbstloser Weise übernommen. Nur der aufopfernden Tätigkeit dieses Herrn ist es zuzuschreiben, daß in kurzer Zeit die Verwirklichung unserer Aktion durchgesührt werden konnte. Die Dankbarkeit 300 froher Kinderherzen ist der schönste Lohn für diese unbeschreibliche Mühe, Arbeit und Sorge, die eine solche Leistung in der schwierigen Jetztzeit erheischt. Anfangs August sollen weitere 150 Kinder in unserer Ferienkolonie Pomüs Aufnahme finden. Unser Budget ist jedoch noch nicht gedeckt. Wir bitten daher unsere Freunde, uns zur Aufbringung der notwendigen Mittel durch Propaganda behilflich zu sein. Im Nachstehenden bringen wir den Spendenausweis dieser Woche. K Bernhard Hofbauer. 500- Dr. Sam. Bondi. 500- Baron Leopold Pollak v. Varneaa . 300-— Mar Glückselig. 300 - Richard Grünwald. 250'- Leopold Selmeczi. 200- S. Erber. 100'— David Lemberger. 200-— Bernhard Goldberq . 100- Elsa Breuer Weil. 100 — Simon Kohn. 100- Juda Landau. 100' — Siegmund Hofbauer. .„ 100- Israel Siegel. 100- Camilla Cohn. 100- Schwarz k Meisner. 100‘— Elias Karnitz er ...... 100 — I. M. Jäqerndorf. 100' — Emanuel Lamm. 100- Adolf Bernfeld. 50 — Ignatz Adler, Graz. 50- F. R. 50'- Oskar Tonello. 50- Kaiser!. Rat Alois Lemberger . . . 50- Gustav Schlesinger....... 50'— 3.750'- Bisheriges Ergebnis . 41.811- Gesamtergebnis . 45.561 - „Das Kind dem Kinde." k Erika Alfred Hofbauer. 50'— Bisheriges Ergebnis . 800 — Gesamtergebnis . 850 —