Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 23 (11.7.1918)
- Date
- 1918-07-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 23 diverse, vom freien Handel gänzlich ausgeschlossene Waren zu teuersten Preisen im Kettenhandel einkaufen und lveiter veräußern, und dazu mit beträchtlichem Nutzen, werden gar keine Revisionen vorgenommen, da selbe unter dem Patronate der Beamtenschaft stehen, was ungemein den ganzen Kaufmannstand schädigt. Daß die Wirtschaft der Zentralen die Preise ins Unendliche gesteigert hat und das Beschaffen von Ware unmöglich macht, braucht nicht erwähnt zu werden. Somit schließt sich auch die Krakauer Kaufmannschaft, Hochgeehrter Herr Bezirksvorsteher, Ihren so osten Protesten an, und hat zu diesem Zwecke im Mai d. I. einen westgalizischen Kaufmannstag nach Krakau einberufen, welcher unter anderem den Punkt der Tagesordnung: „Die Zentralen und die Kaufmannschaft" beraten hat. Rach einem Referate unseres Vereinssekretärs, des Herrn Heinrich Schenkers, wurde auf Antrag des Referenten folgende Resolution einstimmig angenommen: 1. Die Kriegswirtschaft durch Einführung von diversen Zentralen in ihrer jetzigen Form kann unbedingt in derselben Weise nicht tveiter bestehen und ist mit dem Abbau derselben zu beginnen. 2. Dem reellen legitimen Handel ist im Rahmen seiner Befugnisse freie Bahn zu lassen. 3. Im Interesse des allgemeinen Wohles und zur Bewachung des Warenhandels, bei Beratung und Lösung wirtschaftlicher Fragen, mögen Kaufleute des Groß- und Kleinhandels, die Agenten und Konsumenten aus dem Kronlandc Galizien, von der Regierung gebührend herangezogen werden, und dem Kaufmannsstande sein entsprechendes Urteil eingeräumt werden. 4. Personen und Unternehmungen, die sich, wie beispielsweise Banken, Geistlichkeit, Beamte re. ihrer eigentlichen Bestimmung gemäß, nicht mit Warenhaudel zu befassen haben, ist der Warenhandel jeder Art zu untersagen. 5. Es wird insbesonders protestiert gegen nicht rechtmäßiges Konfiszieren von Waren, welche im freien Handel erlaubt sind, bei Kaufleuten in offenen Geschäften und während des Transportes. 6. Die Wahl der handelswirtschaftlichen Beiräte möge frei den Handels- und Gewerbekammern, die sich mit bereits bestehenden kaufmännischen Organisationen ins Einvernehmen setzen müssen, überlassen werden." Krakauer kaufmännischer Verein: Sekretär: Präsident: H. Schenker. Samuel Spira. Rundschau. (Zum Ablebe« des Sultans.) Anläßlich des Ablebens des Sultans Mehmed V. veranstaltete die türkisch-israelitische Gemeinde in Wien am Samstag eine Trauerandacht im türkischen Tempel, welcher der Tempelvorstand und zahlreiche türkische Israeliten beiwohnten. (Rabbiuerkonferenz.) In Warschau fand vorige Woche eine Konferenz des Rabbinerverbandes in Polen statt. Es wurden mannigfache Angelegenheiten, die das religiöse Leben berühren, besprochen und diesbezügliche Beschlüsse gefaßt. Besonders wurde die Errichtung einer „Melamdim - Lehranstalt" beschlossen, sowie eine Intervention bei der Regierung zwecks Befreiung der jüdischen Volksschüler und -Schülerinnen vom Schulbesuch am Samstag und Feiertag. (Zur Paläftinafrage.) In Konstantinopel sind Vertreter diverser jüdischer Organisationen, darunter Dr. Jacobsohn und Dr. Hantle von dem E. A. C. der Zionistischen Organisation, Dr. Paul Nathan, Dr. Bernhard Kahn und Professor Sobernheim vom Hilfsverein der Deutschen Juden und dem Komitee für den Osten und andere Leiter großer jüdischer Organisationen Deutschlands und Oesterreichs, sowie Vertreter der „Agudas Jisroel" eingetroffen. Sie sollen vom Großvezier überaus wichtige Erklärungen bezüglich der Palästinakolonisation entgegennehmen. (Grofte Spende für die Aktion zur Rettung verlassener Kinder Galiziens.) „Ungenannt: In memoriam E. L. K 200.000." Mit dieser Widmung hat, wie bereits kurz gemeldet, ein hochherziger Stifter zur Erinnerung an einen gefallenen Helden dem Verein zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina in Wien, IX. Bezirk, Universitätsstraße Nr. 4, weitere X 200.000 nach früheren Spenden von X 20.000 als Baustein für ein vom Verein zu errichtendesKriegswaisenheimübcrgeben. Bezeichnend für die Gesinnung des Stifters sind die Begleitworte, mit denen er dem Vereinspräsidium seine Entschließung bekanntgab. Der Verein — das sind seine Worte — versorgt bisher über 6000 Kinder, davon 1000 in neugegründeten Heimen und über 5000 in Familienpflege. Das ist großzügige Arbeit, aber nur ein Anfang. Die 6000 Kinder müssen durch Jahre weiter verpflegt, gekleidet, erzogen werden. Weitere 4000 Kinder müssen in den verwüsteten Städten verhungern, verkommen, wenn sie nicht bald gerettet werden. Dazu, und um das bisher Geschaffene zu erhalten und fortzuführen, genügen aber zwei Millionen nicht, die mit der letzten Bekleidungsaktion schon ganz verbraucht sind — dazu sind zehn Millionen dringend nötig. Ich fordere pflichtbewußte Gesinnungsgenossen, jeden, der nicht herzlos ist, auf, diese'Summe für die große, wichtige Kulturaufgabe sofort aufbringen zu helfen! (Millionenstiftnug der Pester Chevra Kadifcha.) Die nunmehr schon das zehnte Jahr unter der aufopferungsvollen Leitung ihres Präsidenten, des Hofrates Julius Winterberg stehende Pester Chevra Kadifcha hat in ihrer Generalversammlung vom 26. Mai beschlossen, den gesamten materiellen Erfolg der diesjährigen Mitgliederaufnahme: eine Million Kronen einer Stiftung für den Schutz und die Erziehung der Kriegswaisen zuzuführen. Aus dieser Stiftung sollen jene Waisen, die nicht in Waifenanstalten untergebracht sind, taikrästigst unterstützt werden. Die Stiftung tritt bereits im Jahre 1919 in Kraft. (Jüdische Preisträger der ungarischen AkademiedcrWissenschaften.) Die ungarische Akademie der Wissenschaften hat den diesjährigen großen Preis für Mathematik und Naturwissenschaften dem jüdischen Mathematiker Ladislaus Feier, den Roszapreis dem Juden Dr. Ladislaus Berczeller zugeteilt und die jüdischen Fachgelehrten Alfred Haar und Marzell Rieß zu korrespondierenden Mitgliedern vorgeschlagen. (Kriegsschädenerhebnug in der Bukowina.) Von der Bukowinaer Landesregierung wird uns mitgeteilt: Das Ministerium für Landesverteidigung hat die Aufnahme der Kriegsschäden in der Bukowina angeordnet. Diese Aktion hat nur den Zweck, den Umfang aller an Privateigentum ungerichteten Schäden in zuverlässiger Weise festzustellen und begründet noch keinen Anspruch auf Ersatz dieser Schäden aus Staatsmitteln. Erhoben werden: 1. Sachliche Leistungen an den Feind und die durch den Feind verursachten Sachschäden, sofern sie nicht schon vergütet wurden; 2. durch eigene oder verbündete Truppen verursachte Operationsschäden; 3. Schäden durch ^zesse und Plünderungen. Indirekte Schäden, wie entgangener Gewinn, Schädigung bloßer Vermögensinteressen, Erwerbsmöglichkeiteu und dergleichen Können nicht angemeldet werden. Die Anmeldung hat ausschließlich nur unter Benützung der amtlich ausgegebenen Vordrucke zu erfolgen, welche bei der Gemeindevorstehung des Aufenthaltsortes in der Bukowina kostenlos erhältlich sind. Flüchtlinge, welche sich außerhalb der Bukowina in oder außerhalb von Flüchtlingslagern aufhalten, haben, wie alle übrigen, die Vordrucke gleichfalls bei jetier Gemeindevorstehung in der Bukowina kostenlos anzufordern, welche zur Einbringung der Schadensanmeldung zuständig sind. Anmeldungen ohne Benützung der amtlich ausgegebenen Vordrucke werden nicht berüch'ichtigt und den Parteien zurückgestellt. Die Anmeldung von Kriegsschäden hat bis 31. Oktober 1918 zu erfolgen. (Jüdische Professorinnen.) Die Universität Genf hat einer Jüdin, Frl. S. Stern, gebürtig aus Libau, den Professorentitel verliehen. Frl. Stern ist die vierte Jüdin, der dieser Titel gewährt wurde. Die drei übrigen jüdischen Professorinnen sind Dr. Lydia Rabinowitsch am Bakteriologischen Institut in Berlin, Dr. Tumarkin in Bern und Dr. Hirsch, eine Enkeltochter von Samson Raphael Hirsch, die gleichfalls ihre Tätigkeit in Berlin ausübt. (A. M. Lnncz s. A.) Aus Jerusalem kommt die Nachricht von dem Ableben des bekannten Gelehrten und Palästinaforschers Abraham Moses Luncz. Der Verstorbene hat sich um die Palästinaforschung und die judaistische Literatur große Verdienste erworben. Seine letzte Arbeit war eine neue Ausgabe des Talmud-Jeruschalmi, die er nicht mehr zu Ende führen konnte. (Die Rabbiner in Italien.) Der Vorstand des italienischen Rabbinerverbandes erstattet Bericht über seine bisherige Tätigkeit. 1. Bei der Besetzung Jerusalems durch die englischen Truppen erging an den Oberrabbiner in England ein Telegramm. 2. Die Rabbiner und andere Persönlichkeiten werden ersucht, sich zur Abhaltung von Vorträgen über Geschichte und Wissenschaft des Judentums zur Verfügung zu stellen. 3. In den Städten, in welchen noch keine Gemeinde besteht, sollen Maßnahmen getroffen werden, das jüdische Leben zu heben. 4. Die Vorstände der Gemeinden werden ermahnt, keinesfalls Gemeinde und Synagoge zu verlassen, wie es infolge der Kriegsgefahren in mehreren Städten Venetiens vorkam. 5. Der Verband protestiert gegen die Anordnung der griechischen (Fortsetzung auf Sette 6.)