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Jüdische Korrespondenz · 1918-07-11 · 23 (11.7.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
23 (11.7.1918)
Date
1918-07-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23 Jüdische Korrespondenz. Seite 3 mit den Nahrungsmitteln keinen Wucher trieben. Zu diesem Ende wurde auch hier ein Aufkäufen von Nahrungsmitteln durch zwei oder drei Personen, die dann den Lebensmittelmarkt in die Hände bekommen hätten, strengstens untersagt. Ebenso war die Höhe des Gewinnes genau festgesetzt. Dieser durste bei den Großhändlern nicht mehr als ein Sechstel betragen, und bei den Kleinhändlern außer einem Sechstel nur noch die Umsatzkosten des Detaillisten enthalten. Bei Uebertretung dieses festgesetzten Gewinnsatzes traten drei verschiedene Strafen ein. Zuerst erfolgte eine Geldstrafe, dann die öffentliche Nennung des betreffenden Spekulanten in öffentlichen Versammlungen — die seinerzeit einzig mögliche Weise der Publizierung von Verbrechen —, und wenn auch dies erfolglos blieb, eine öffentliche körperliche Züchtigung (Joma 83 a; Baba b 89 a; Baba mez. 50 b). _(Schluß folgt.) Line Erklärung des Großrabbiners von Lzortkorv- Aus Warschau wird uns geschrieben: Bor einiger Zeit wurden in Polen Briefe und Aufrufe verbreitet, die angeblich ini Namen der Großrabbiner Galiziens die Orthodoxie aufforderten, sich der „Misrachi"-Organisation anzuschließen. Unter den Unterfertigten tvar auch der Großrabbiner von Czortkow. Die orthodoxen Kreise haben sich daraufhin an den Großrabbiner mit der Anfrage gewendet, ob dessen Unterschrift authentisch ist. Sie erhielten darauf folgende Antwort: „In Beantwortung Euerer Anfrage beeile ich mich, mitzuteilen, daß weder der Großrabbinen" von Czortkow noch dessen Söhne hiebei beteiligt sind und daß alles ohne deren Wissen geschehen ist. Ich ermächtige Euch, diese Erklärung zu veröffentlichen. Im Aufträge des Großrabbiners: Zwi Hirsch Rappoport, Sekretär." (Die Sache steht im Zusammenhänge mit dem Verein „Jischub-Erez-Jisroel", der jüngst unter der Aegide des Rabbi Schapira-Drvhobyc gegründet wurde und der in orthodoxen Kreisen zu vielfacher Auseinandersetzung Anlaß gegeben hat. D. R.) Jüdische Erklärungen im polnischen Aaatsrat. In der Eröffnungssitzung des polnischen Staatsrates wurde unter anderem Einlaus auch ein Begrüßungstelegramm der jüdischen Ratsmänner des Petrikauer Stadtrates folgenden Inhaltes verlesen: „Namens unserer Wähler übersenden wir dem Staatsrat die herzlichsten Glückwünsche und die besten Wünsche auf erfolgreiches Wirken. Wir sind überzeugt, daß der Staatsrat die gegen die Juden in Polen bestehenden Rechtsbeschrünkungen abschasien und die volle Gleichberechtigung der Juden als Bürger des zu neuem Leben erstandenen Landes anerkennen wird. Die Juden haben eine tausendjährige Tradition, und Geschichte, die eng verbunden sind mit der Geschichte ihres Landes." Der Lodzer Deputierte Dr. Rosenblatt hält eine längere Rede, in welcher er darauf hinweist, daß die Regierung passive Politik treibe. Er selbst sei gegen den resignierten Ton, der aus der Deklaration der Regierung vernehmlich sei. In weiterer Ausführung erklärt Dr. Rosenblatt, daß der Staatsrat nicht der wirkliche Vertreter des Volkes sei, es müsse vielmehr eine Konstituante auf Grund allgemeiner, direkter, geheimer, gleicher und Proportioneller Wahlen einberufen werden. In ihr werden dann alle Völker, auch die Minderheiten, vertreten sein. Namens der orthodoxen Juden in Polen gibt der Deputierte Moses Pfeffer die folgende Erklärung ab: „Wir orthodoxen polnischen Juden geben hiemit unserer Treue und Hingebung für den wiederausgebauten polnischen Staat Ausdruck. Wir drücken unseren innigsten und heißen Wunsch aus, daß die große historisch bedeutungsvolle Arbeit, welche durch den hohen Staatsrat durchgesührt wurde, die schönsten segensreichen Früchte für die Zukunft des polnischen Staates tragen und zum Wohlstand aller Bürger des Landes ohne Unterschied des Glaubens führen möge. Unser Grundsatz wird sein, Hand in Hand mit der ganzen polnischen Gesellschaft zu gehen und würdige, nützliche Bürger des Landes zu werden. Wir haben den festen Glauben, daß der neuerbaute polnische Staat in gleicher Weise alle Gruppen der Gesellschaft, demnach auch die jüdische Bevölkerung, beschützen werde. Diesem Glauben huldigen wir ini Namen der besten Traditionen des alten Polen, welches den Juden die Gleichberechtigung und die religiöse Toleranz zugesichert hat." Im Namen der Jüdischen Bolkspartei gab der Deputierte Prilutzky (Warschau) eine Erklärung ab, in welchen er für die Juden nationale Rechte forderte. Deputierter Eiger verlas eine Erklärung im Namen der jüdischen Assimilanten. „Adaß Jisroel" (Ichifischulj. Die „Adaß Jisroel" (Schiffschul) hat das neben dem bisherigen Bethause gelegene Haus, II., Große Schiffgasse 10, angekauft. Hiemit ist in den Vorarbeiten zu dem so dringenden Umbau der Schiffschul ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen. Es steht nun zu wünschen, daß nun weiterhin die Beschaffung der Mittel zum Bau in ein rasches Tempo gelangen. Dem Rechenschaftsberichte der „AdaßJisroel", der der Generalversammlung vorgelegt wurde (siehe „Jüd. Korr." Nr. 20), sei hier nachträglich folgendes entnommen: HerrWolfPappenheim bespricht die einzelnen Zweige der Vereinstätigkeit. Zunächst ermähnt er die durch die Kriegsverhältnisse notwendig gewordene Hilfstätigkeit. Zur Unterstützung der durch Einberufung der Ernährer in wirtschaftliche Bedrängnis geratenen Familien wurde ein Hilfskomitee unten Leitung des seither verstorbenen Herrn Julius Leittier gebildet, das bis zum ischlusse 1917 mehr als K 34.000'— teils als regelmäßige, teils als gelegentliche Aushilfen auszahlte. Ten Kriegsflüchtlingen aus Galizien wurde zunächst, solange es anging, durch Beistcllttng von Unterkunft erste Hilfe geleistet. Der Verein Tomech Ewjonim hatte es für uns übernommen, täglich 1600 Flüchtlingen warmes Frühstück, Tee und bis zur Einführung der Brotkarte auch Brot, zu liefern. Dank der Opferbereitschaft einzelner Mitglieder war der Rabbiner der „Adaß Jisroel" in der Lage, allmonatlich bis K ltXK)'— und darüber an würdige Flüchtlinge ausznbezahlcn. Es wurde im Lokale der „Jescde Thorah" ein Betlokal eingerichtet und den Flüchtlingen zur unentgeltlichen Benützung zugewiesen. Weiters bespricht der Berichterstatter die einzelnen Zweige der Bereinsaufgaben bezüglich der Approvisionierung und Versorgung mit Koscher-Lebensmitteln, >vas mit stets wachsenden Schwierigkeiten verbunden war. Durch Einberufung unter den Hilfsrabbinern und Lehrern wurde die Tätigkeit des Vereines in die bedenklichsten Schwierigkeiten gebracht. Dank der Opferwilligkeit einzelner Mitglieder konnten die Unterrichtsanstalten ansrecht gehalten werden, und durch die Bildung eines Vereines im Rahmen der „Adaß Jisroel" hoffen wir dieselbe auszugestalten und zu neuer Blüte zu bringen. Die große Aufgabe, die uns schon seit Jahren beschäftigt, die Vorarbeiten für den Umbau unseres Bethauses, hat neue Forderungen erfahren. Es wurde ein großes Komitee für die Durchführung der Vorarbeiten eingesetzt und die Sammlung der Spenden ergab am Schlüsse des Jahres 1917 den Betrag von mehr als K 62.000'—. lieber die Kassagebarung berichtet Herr Jakob Stern: Die Zunahme des Umfanges der Vereinstütigkeit wird augenfällig, wenn man den Ziffernbericht des vorliegenden Abschlusses mit dem zuletzt erschienenen vergleicht. Das Jahr 1917 schließt mit einer Gesamteinnahme vonU 260.000'—, gegen K 65.000"— im Jahre 1913. — Die Ausgaben konnten nur erfüllt werden durch die beispiellose Opfersreudigkeit der Mitglieder, die sich in den einzelnen Posten ausdrückt. So sind an Beihausspenden ini Jahre 1916 K 32.330'-—, im Jahre 1917 K 80.847'—, gegen K 16.546'. im Jahre 1913, eingcgnngen. Es haben selbstverständlich sämtliche Posten für Ausgaben namhafte Steigerungen erfahren, wie Koschermilchbcschafsung, Pcssachbeteilung rc. Ein besonderes Anwachsen ist bei der Post für Remunerationen und außerordentliche Aushilfen K 21.000'— (gegen zirka K 7000 - im Jahre 1913) zu verzeichnen. Die Forderungen der jüdischen Laujleute. Der Krakauer kaufmännische Verein hat au den Bezirksvorstehcr Dr. Blaset in Wieit fol gende Zuschrift gerichtet: „Mit größtem Vergnügen leseit wir in allen Berichten, daß Sie geehrter Herr Bczirksvorstchcr, Verfechter des freien Handels ftub. Wir speziell, die reelle Kaufmannschaft in Galizien, leiden ungemein unter den Zuständen der jetzigen Kriegswirtschaft. Dem Kaufnianne in Galizien ist das Geschäft direkt umnöglich gemacht worden. Dort, wo voti dem Kausmanne in strenger Form Bezugsscheine und Ausnahme des ganzen Warenstandes verlangt wird, entstanden, der Kriegsverordnung entgegen, unzählige Gesellschaften unter der Leitung von Postbeamten, Geistlichkeit und Leuten aus dem Beamtenstande, die aus der Provinz mit gleichen Rechten wie die Zentralen walten und schalten. Bei diesen Genossenschaften, welche zum Schutze der armen Bevölkerung

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