Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 21 (20.6.1918)
- Date
- 1918-06-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3495278-3495381-3495400--0681-3521392- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite i> Jüdische Korrespondenz. Nr. 21 ..Vorwärts", wurde infolge seiner Haltung in Äriegsfragcn wegen des Verdachtes „unpatriotischen Interesses für Deutschland" mit dein Ausschluß vom Postbetrieb bedroht. Dieser Zwangsmaßregel, der bisher etwa achtzig Zeitschriften und Tageszeitungen zum Dpfer gefallen sind, konnte der „Vorwärts" nur durch die schriftlich eingegangene Verpflichtung entgegentreten, in Zukunft keinerlei Diskussion über den Krieg in seinen Spalten zu gestatten. (Die Jude« im amerikanischen Heere.) Louis Marshall, der Präsident der jüdischen Vereinigung in Amerika, hat an den amerikanischen Kriegsminister Baller eine energische Verwahrung gegen die schlechte 'Behandlung der Juden in der Armee der Vereinigten Staaten gerichtet. Marshall wendet sich gegen die Außerachtlassung der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung der Juden und führt aus, daß die jüdischen Soldaten von der durch das schnelle Wachstum der amerikanischen Armee bedingten raschen Beförderung zu Offizieren bisher völlig ausgeschlossei, wurden. Vor kurzem bat auch Präsident Wilson eingreisen müssen, um einen gegen die jüdischen Erkrankten gerichteten Erlaß des amerikanischen Kriegsministeriums aufzuhcbcn. (Jeschiwah der „Agndas Jisroel" in Zürich.') Am 20. April wurde in Zürich durch den Oberrabbiucr Tr. Letveustein die Jeschiwah der „Agudas Jisroel" eröffnet. Er hob in feiner Rede hervor, daß diese seit Jahrzehnten das erste Institut dieser Art im 28esteu sei, denn in ihr werde nur den jüdischen Wissenschaften, vor allem dem Talmud und der Bibel, die ganze Zeit gewidmet. In dieser „Lehranstalt für Talmud und jüdisches Wissen" — wie das Institut geheißen wird — werben täglich (i1/.. Stunden die angeführten ('iegenftiinbe, dazu noch jüdische Geschichte, hebräische Lprache, Grammatik, die Mizwoth, En Jakob usw. gelehrt. Es ist ein besonderes Verdienst des Herrn Mar Mannes, der sich namentlich der finanziellen Seite, und des Herrn Tr. Bä 28. Rapavort, der sich der ideellen Seite widmet, daß die Jeschiwah sich gut entwickelt und nach Ablauf eines Monats noch ein 'Vorbereitungskurs für solche Kinder eröffnet werden konnte, die später, in dem entsprechenden Alter, in die Jeschiwah einzutreten gedenken. Am 20. Mai wurde auch dieser Vorbcrcitungskurs eröffnet, und es tvar für alle frommen Juden eine Freude zu felien, tvie viele Kinder sich zum Lernen der Thora und des Talmuds drängen. („Ehrentafel für Gefallene.") Der diesjährige ..Jüdische Kriegskalender" enthalt eine Ehrentafel für Gefallene. Tic Angehörigen und Freunde werden um Angabe der 'Vor- und Zunamen, Wohnort, Alter, Eharge und Tag des Todes eriucht. Zuschriften und an Herrn Redakteur Mar Hickl, Wien, l ll!.. Lerchcngaffe (in, erbeten. Zeichnet Kriegsanleihe! Bar-Mzwab-Feier. Samstag, den lö. d. Bi., fand die Bar- Mizwah des Sohnes Fritz des Herrn Eduard und der Frau Paula Deutsch statt. In Schul (Synagoge Stumpergassc) zeigte der junge Mann sein Können durch meisterhaften 'Vortrag Aeienen) der Seidrah und Haftarah. Nachmittag fanden sich im Festhause alle Freunde des Hauses, die Synagogengemeinde und zahlreiches Mitglieder der schifsschul ein, um Herrn Deutsch, der Vorsteher der beiden Synagogen ist, ihre Sympathie und 'Verehrung zu bezeugen. Am Nachmittag hielt der Jubilar einen halachischen und "einen agadischen Vortrag. Die 'Vortragsweise laßt mit Bestimmtheit erwarten, daß der Knabe als Mann gründliches jüdisches Wissen und die nötige 'Verve haben wird, um das echte Judentum zu vertreten und, wo nötig, zu verteidigen. Herr Deutsch sowie die ehrwürdigen Herren Rabbiner Flcsch «Wien, VL) und JVHoromitz- Jerusalem, widmeten der schönen Feier zündende Worte. Tie Familie des Herrn Deutsch, die in Budapest zu den Säulen der Drthodorie gehörte, und die überaus zahlreichen Fcttteilnehmer nahmen den Eindruck mit: „Ki lo alman Jisroel". Wenn es in Wien dem vielbeschäftigten Chef eines großen Hauses gelingt, sein Kind in streng jüdischer. Weise zu erziehen; wenn man in Wien einem Mittelschüler so ausgedehnte Kenntnis vom jüdischen Schrifttum mit echter Frömmigkeit gepaart bcibringen kann: können wir der Zukunft ruhig ins Auge schauen. Damit auch der dritte Grundpfeiler Gmilas Cbessed nicht fehle, hat Herr Deutsch, ein bekannter Wohltäter, gelegentlich des Festes bedeutende Betrüge gespendet. Einiges zur Geschichte der Ichrift. Von Rabd. Dr. E. Landau (Strakonitz). Diele Erklärung ist falsch, weil sie die zweifache Schreibung des X gänzlich außer acht läßt. Talmud und Midrasch führen den Ursprung auf die Propheten zuruck. (Labath 14;e) Doch scheint diese Annahme weniger auf historischer Neberlieserung als aus dem in „Min-zotccha" — non deinen Sehern — aufgelösten Merkwort beruhend, und zwar aus dem 'sehr einfachen Grunde nicht, weil die Eristenz der Finalbuchstaben nicht böher heraufgerückl werden' tonne, als die Einführung der Quadratschrm selbst. Wie wenig die Behauptungen der Rabbiner auf eine chronologische Fixierung der Einführung hinziclen, beweist der Ausspruch des Mathja b. Chorasch, nach dem die Finalbuchstaben eine Halache des Moses vom Sinai wären! tj. Meg. 71 ä 3:2'. Die Berufung auf Moies ist, wie in vielen Fällen, keine zeitliche Datierung, sondern eine nachdrückliche Betonung der Wichtigkeit der Sache, ilnd genau so durfte cs sich mit der Zueignung der fraglichen Buchstaben an die Propheten verhalten. Es ist wahrscheinlich, daß die Doppelbuchstaben zwei selbständige Schrimormen darneben, für deren Gebrauch es noch im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung keine feste Norm gab. und daß die Setzung der Finälbuchftaben in der Mitte und am Anfänge des Wortes zu jeder Zeit noch vorkam. Wir haben schon erwähnt, daß nach einer Ansicht die Amoräer durch die atphabetischo Ordnung nicht einhaltende Aneinanderreihung der fünf Buchstaben m. n, z, p, th, zu dem Glauben verleitet worden wären, in den Propheten die Schöpfer der Finalbuchstaben zu sehen. Löw sagt: iGraphische Requisiten und Erzeugnisse VA den Juden ‘o. 65). „Daß diese Reihenfolge nicht aus Min zaufim, sondern dieses aus jener hervorgeganqen. liegt wohl klar vor Augen." Dagegen meint S. Ö. Luzzato (Hebr. Briefe cd. Gräber, Przempsl 1882) in, n, z, v, ff), wäre gewählt worden, um im Volke den Glauben des prophetischen Ursprungs zu erwecken. Eine andere Erklärung des Rätsels, warum die alphabetische kh. m, n, p, z mit m, n, z, v, kh substituiert worden ist, bietet Löw (ibidff Seine Vermutung, die sich sowohl auf die Reihenfolge, als auch auf den Ursprung der Finalbuchstaben bezieht, ist io eigentümlich, daß sie im Auszug nicht gebracht werden kann, wir lassen ne daher im Wortlaut folgen: Da es bei den jüdischen Schreibern, wie bei den griechischen und römischen, Ums war. Wort an Wort zu schreiben und die einzelnen Worte nicht durch Zwischenräume von einander zu trennen, so mochte es geschehen. daß Anfänger einzelne Stellen in den ersten Kapiteln der Genesis aus eine Aergernis erregende Weise lasen, in dem sie die Worte nicht gehörig von einander trennten. Als Fingerzeig, bei welche» dies vorzüglich geschah, kann die talmudische Reihe der pffnalbuchstabeit dienen. Das Mein nimmt den ersten Platz ein. weil mancher Anfänger die Worte Elokim es, im ersten Worte der Genesis so las, daß ines gehört wurde. Das Nun folgt. Das Bedürfnis des Finalnum wurde im 8, Verse des 2. Kapitels fühlbar, wo aus Gan boeden durch ungeschickte Wortabteilung Ganow horausgelesen wurde. Auf Verdoppelung des Zadek konnte man leicht durch den 6. Vers im 3. Kapitel geleitet werden, wo eine ungeschickte Teilung von Hacz Lehaskil eine „Ezal" im Paradiese auftreten ließ. Zur Einführung des Finalen Pe sah man sich bei der Lescübung des vierten Kapitels veranlaßt, wo loscph tett) infolge der Omission des Lamed leicht als cm Wort, und zwar als ein Wort ohne Sinn gelesen werden konnte. Das Khaf biirfte seine Dovpelgestakt durch den Umstand gewonnen haben, daß Baitcha im 1. Verie des 7. Kapitels sich rm Munde manchen Letzers in Baith Kal verwandelte. Die Fmalbuchstaben zollten dazu dienen, den Bibelunterricht zu erleichtern. Daher ivaren die aus den Kapiteln der Genest» geschöpften Erfahrungen maßgebend. Die Einrichtung, den Bibelunterricht mit dem Levilicus zu beginnen, stammt aus späterer Zeit. „Dieter wenhergehoite komplizierte Erklärungsveriuch gewinnt auch dadurch nichts, das; ihm K. Pollak m Gräbers Jahrbuch, Ozar Hasifrath, ,U <1892)^406 znstimmt. Doch befindet sich Löw aut der richtigen Spur, wenn er den Ursprung dieses Merkzeichens in der Schule sucht und Bläu Hatz dieser Spur folgend, unseres Erachtens auch das Richtige gesunden. Er schreibt: (Zur Einleitung!"->). Tie Zeichen (Simanmv waren im allgemeinen in der Schule zu Hause, und ganz besonders m, rtz z, p, kh, welches sich aus eine elementare Schreib, reget beziehen. Daß dies tatsächlich der Fall ist. braucht übrigens gar nicht besonders bewiesen zu werden, da beide Talmuds Schutkinderdeulimgen der Finalbuchstaben und des ganzen Alphabetes Mitteilen und bewandern. Da beim cleinentaren Schreibunterricht keine historischen Angaben, sondern Schreibregeln mitzuteilen ivaren, muß auch in den fraglichen Zeichen eine solche Regel stehen, welche die Eigenschaft dieser als Endbuchstaben anzeigt. Dies ist tatsächlich der Fall, denn wenn wir uns die gleiche Aussprache der beiden Sibilauten Zajin und Samach in Erinnerung bringen, erkennen wir in m, n, z, v, kh ein witziges Mnemonikon für die Finalbuchitaben. d. h. diele Buchstaben sind „Endbuchstaben." vom jüdischen Landwerk im alten Litauen. Seit der Anerkennung Litauens als selbständigen Staat ist das Leben und Treiben unserer dortigen Glaubensgenossen Gegenstand zahlreicher Abhandlungen geworden. Durch sie erst haben wir die litauischen Juden so recht kennen gelernt und von deren schwierigen Lebensverhältnissen einen Begriff bekommen. Heute wollen wir die Leser mit der historischen Entwicklung des litauisch-jüdischen Handwerks bekannt machen, einem Kapitel, das volles Interesse verdient, zumal es als Ausgangspunkt die Stadt Grodno wählt, deren Bevölkerung