Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 21 (20.6.1918)
- Date
- 1918-06-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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»= Organ des Vereines „Jeschurun“ ORGANISATION für die thoratreue Jugend Wiens. Alle Zuschriften und Anfragen sind zu richten an: „Jescimn“'Preßk0mitee, Wien,Salztorgasse 2. Jeschurun Nr. 21. 1918. Beiblatt der „Jüdischen Korrespondenz", ABONNEMENTS sind zu beziehen mittelst Postkarte durch das: Preßkomitee des Vereines „Jeschurun1 Wien, IM Salztorgasse 2. Der ewige Friede. Von Dr. I. W o h l g e m ü t h. (Forlietzimg.) Sie hat auch hier eine verschiedenartige Beantwortung gefunden. Die Vorläufer der Aufklärungsperiode bis zu ihrem größten Vertreter und Ueberwinder, bis Kant verherrlichen den Universalismus, das Ideal der Humanität, sehen in der Gesamtmenschheit das Objekt des ethischen Handelns auch des einzelnen und verkünden darum den ewigen Frieden als ein Ideal, dem wir nachzustreben haben. Ihnen pflichten namhafte Vertreter der Sozialethik bei, die von anderen philosophischen Grundgedanken ausgehend, zu dem gleichen Resultat gelangen. Ebenso verfechten bekannte ethische Werke der neueren Zeit, wie die von Höffding, Runze und Wundt die Forderung des ewigen Friedens als eines sittlichen Endziels. Ihnen tritt eine andere Gruppe entgegen, die sich aus den verschiedenartigsten Elementen zusammensetzt. Nach Hegel ist der Krieg eine notwendige Einrichtung der Weltvernunft, nach Lasson ein Kampf geistiger Mächte. Die Staaten kämpfen um Ideen, um überindividuelle Güter. Der Krieg ist eine Wirkung geistiger Regungen und ebenso Ursache sittlicher Gesamtentwicklung. Und Lasson — für den Kenner seiner Weltanschauung ein sehr merkwürdiges Bild — geht hier Arm in Arm mit den Ethikern aus der Schule Darwins, für die der Friede Stillstand bedeutet und die nur aus dem Kriege die Erfüllung der Bestimmung des Menschengeschlechts erhoffen. Diese Bestimmung ist Re Höherentwicklung der wertvollen Glieder der Menschheit. Sie kann sich nur durchsetzen und muß daher erfolgen durch Ausmerzung der schwachen Völker und den Sieg der starken. Der Unwert des ewigen Friedens und die Bedeutung des Krieges wird von allen diesen Ethikern natürlich durch eine ganze Fülle noch anderer Argumente bewiesen, und diese Argumente werden je nach ihren Grundanschaüungen anders formuliert. Gemeinsam ist ihnen allen, daß sie den Krieg an sich als eine Stütze in das Gebäude ihrer Sittenlehre ausnehmen und den ewigen Frieden als Ziel der Ethik nicht anerkennen. 3. Angenommen nun, wir entscheiden uns für die erste Anschauung, daß der ewige Friede eine sittliche Forderung sei, so erhebt sich die dritte Frage: Ist die Verwirklichung dieser Idee denkbar. Ist irgendwie Hoffnung vorhanden, daß innerhalb der Gesamtmenschheit ein dauernder Friede herrschen wird, der nie gebrochen wird. Nun auch hier stehen sich die Anschauungen schroff gegenüber. Man vergißt jetzt, wo wir mitten im Weltkrieg stehen, daß cs eine schier unübersehbare Literatur gibt, deren Schöpfer in dem ewigen Frieden nicht etne_ Illusion, eine phantastische Hoffnung, ein in weiter Ferne winkendes Ziel sahen, sondern die der unerschütterlichen Ueberzeugung waren, daß unser oder eines der nächsten kommenden Geschlechter den Anbeginn dieser glücklichen Zeit schauen würde. Und hören wir auch nicht jetzt von besonnenen Schriftstellern, Politikern, Gelehrten und Dichtern die Meinung äußern, daß sie das Grauen dieses Krieges nur tragen könnten, weil sie der Erwartung leben, daß dieser Krieg der letzte aller Kriege sein würde. So seltsam uns jetzt die Lektüre der Aussätze und Schriften, die aus der Friedensbewegung entsprungen sind, berührt, so wunderlich uns die Argumente erscheinen, die dort beigebracht werden und die doch durch die Ereignisse unserer Zeit so völlig Lügen gestraft werden — es gibt verständige und unterrichtete Menschen, die an ihre Beweiskraft gtauben. Ist es nötig, die entgegengesetzte Anschauung hier noch näher auseinanderzusetzen? Wer gewöhnt ist, den Dinge» näher auf den Grund zu gehen, hat die Schriften' Bertha von Suttners nie anders genommen als gutgemeinte Dichtungen. Und eS ist nur nicht zu begreife», daß eine so kluge Denkerin, die dem Redensartlichen und der Oberflächlichkeit der Durchschnittsmenschen so abhold war, die sie so prachtvoll in ihrem Werke „Die Tiesinnersten" verspottet hat, keinen Blick hatte für die geringe Tiefe ihrer eigenen Ausführungen in ihrer Hauptschrist „Die Waffen nieder". Daß sie so sehr den Anlaß der Kriege mit der Ursache verwechselte und aus der verhältnismäßig geringfügigen Bedeutung des jemaligen letzten Anstoßes das Beweismaterial beibringt für die Vermeidbarkeit der Kriege. Aber auch die Vorkämpfer der Friedensbewegung, die diesen ersten Fehler vermeiden und die Verständnis haben für die tiefer liegenden Ursachen der Kriege, erweisen sich als Schwärmer, wenn sie die Meinung verfechten, die Entwickelung würde dahin führen, daß die Kriege immer seltener würden und zuletzt ganz aushörtcn, und man könne die Weltgeschichte durch die Förderung der Friedensbewegung im wesentlichen beeinflussen. Man mag die Ursachen der großen Kriege aus der Rivalität der Dynastien, aus dem innerpolitischen Interesse absolutistisch regierter Reiche, aus dem mangelnden Verantwortlichkeitsgefühl der Leiter von Republiken, aus nationalistisch aufgewühlten Leidenschaften, aus entscheidenden Wirtschaftssragen ableiten — immer bleibt das eine bestehen, daß die Völker als Ganzes nicht besser ats die Individuen sind. Und wie irgend eine größere Gemeinschaft vor Rechtsverletzungen nur durch die mit entsprechender Macht ausgestatteie Staatsgewalt geschützt werden kann, so die Menschheit vor der Anzettelung eines Krieges nur dann, wenn alle Völker eine Einheit bilden und aus sich organisch eine Institution geschaffen haben, die jeden Eingriff des einen Volkes in die Interessensphäre des anderen straft. Was sagen wir Interessensphäre? Es dürste keine Habgier, kein Neid, keine Rachsucht, keine Rauflust irgend eines dieser Völker befallen. Denn gerade unsere Zeit hat es gelehrt, daß nicht letzte Lebensintereffen, sondern Leidenschaften der Völker einen Weltkrieg zu entflammen vermögen. So würde, selbst die törichte Illusion angenommen, es gelänge, einen Staatenbund zu organisieren, der alle Völker umfaßte, über kurz oder lang ein Bürgerkrieg ausbrechen, in dem sich die Glieder des geschaffenen Ganzen gegenseitig j & zerfleischten. Nein, der ewige Friede kann nur wirklich werden, wenn das Bose aus der Welt getilgt ist. Eine Wett aber, in der das Böse, das moralische liebe! fehlt, kan» nicht als Stätte menschlichen Wirkens vorgestellt werde». i Fortsetzung folgt.) „Kinder aufs Land/' Wie ans dem dieswöchentlichen Spcndenausweis ersichtlich, sind für unsere Aktion wieder namhafte Beträge eingegangen, wofür wir nicht nur den hochherzigen Spendern sondern auch all denen danke», die durch unermüdliche Propaganda das Interesse der Wohltäter weckten. Trotz dieser eifrigen Sammeltätigkeit und der rühmenswerten Opscrfrcudigkeit ist das Budget von K 60.000 noch nicht erreicht und dadurch konnten bisher die eingclaufcnen Gesuche um Aufnahme i» die einzige strengrituelle Ferienkolonie nicht erledigt werden. Nur noch eine kurze Spanne Zeit fehlt bis zu jenem Zeitpunkt, in welchem die so sehr erholungsbedürftigen Kinder die Fahrt zum frohen Sommerausenthalt antreten sotten; wir bitten daher alle jene, welche bisher sich unserer Aktion noch nicht angeschlossen haben, zur Förderung unseres Zieles das Ihrige beizutragen. Tie internen Vorarbeiten zur klaglosen Abwicklung unseres Programines schreiten dank der unermüdlichen Tätigkeit unserer Vorstandsmitglieder rüstig weiter, und die Spender können überzeugt sein, daß alles geschieht, um den uns anvertrauten Rindern eine genußreiche Erholung zu schaffen. An Spenden sind uns weiters zugekommen: K Samnielbogen Fleischmann & Gansl . 1.055' — Julius Hofbauer. »oir— Julius BischarSwerder ...... 50n — David Bischofswerder. 500-— Samuel Goldmann. 5oo_. Hermann Feldhcim. 500-— N. N. . .. r,oo — Ben Zwi. 500 — B Schreiber. OOir M. Gottesmann-Schenker ..... »00 — Simon Tinor. 3oo- — Simon Rubel. 3oo-— S. Kahn. 250 — Götz Hofbauer. 250 — Bernhard Golvslein. 2o0 — Ehewra Kadischa. 200— Brüder Dohan. 2»0— N. N. 200.- Jofef Schlesinger. 2oo-— Nathan Hoibaner. 20o - Kolomatt Steiner. 2oo— Holland, Funk A Grünhu! .... 200 — Anonmn. 2oo- Gesammelt durch Herrn Aron Weit . Mo - „ „ Frl. Hilda Stroh . 120 — Brüder Schön. 100-— Mont; Nasch. 100-. Ignatz Klein. 10o- Ignatz Back. ioic- 9.421' — Bisheriges Ergebnis ■ 28.8-"'— Gesamtergebnis . oB.ooi-_ „D a s Kind dem Kind e." K Bisheriges Ergebnis . noo-— Ruth Bischofswerder.50--- Paul Bilchofsiverder. 50 — Fritz Deutsch, anlätzt. seiner Bar-Mizwah loo — Ernst! Sternfeld.50 — Edith Holzer.. . 50 — Gesamtergebnis . nk; —