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Jüdische Korrespondenz · 1918-06-13 · 20 (13.6.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
20 (13.6.1918)
Date
1918-06-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite >i Jüdische Korrespondenz. Nr. 20 Berechtigung hinwegkommen könnte"; dem Herrn Rabbiner möchten wir zum Abschied noch zurufim: Wenn die religiös fortschrittlichen Inden einmal zum Selbstbewußtsein gekommen sind, werden sie wohl nicht ins Ghetto zurückkehren, letzten Endes aber sich der frommen Orthodoxie anschließen wollen, um eben geistig-religiös nicht verkümmern zu müssen. M. M a n d t. Eduard und Paula Deutsch laden höflichst alle Freunde und Bekannten zur H3ar-WizwcrH ihres Sohnes Fr i tz, tvelche, f. G. w., Samstag, den l 5. Juni, 0 Uhr früh, im Bethanse, VI., Stump erg asse 42, stattfindet. Empfang iBar»Mizwah - Vortrag): Nachmittag 5Uhr, Vit., Neubaugasse 10. Streiflichter. (Die „Nordd. Allg. Zeitung" über die Durchführung der Gleichstellung der rumänischen Juden.) Das offiziöse Organ des Auswärtigen Amtes in Berlin, die „Nordd. Allg. Zeitung", bringt einen Artikel, „Völkerbefreier", aus dem folgender Passus hier wiedergegeben zu werden verdient: „Und als Befreier haben die Heere und die Diplomatie der Mittelmächte auch in Rumänien gewirkt. Der Artikel 44 des Berliner Vertrages vom Jahre 1878, der die Unterschrift des Fürsten Bismarck trägt, wird nunmehr eine Wahrheit werden. Der bezeichnete Arükel brachte der Gesamtheit der Bevölkerung Rumäniens ohne Unterschied der Konfession die politische und rechtliche Gleichstellung in jeder Beziehung. Diese Gleichheit ist leider niemals zur Durchführung gelangt, und insbesondere die Juden in Rumänien haben niemals die politischen Bürgerrechte erlangt. Sie wurden wirtschaftlich überdies schwer benachteiligt und auch ihr Schulwesen wurde bedauerlicherweise in enge Fesseln gelegt. Jetzt, wo es Deutschland und den Mittelmächten möglich ist, auf die Durchführung des Artikels 44 des Berliner Vertrages zu dringen, ist dies nicht versäumt worden. Deutschland wird daraus halten, daß die Bestimmungen des Artikels in vollem Umfange zur Durchführung gelangen. Ein Vertrag, der Deutschlands Unterschrift trägt, soll nicht ein toter Buchstabe sein, und jene Entwicklung, der wir damit die Wege ebnen, wird nicht allein ein Segen für die rumänischen Juden sein, sondern zugleich für den rumänischen Staat, der innere aufreizende Kämpfe somit beendigt und Bevölkernngsschichten für die Mitarbeit am Wieverausbau des Staates gewinnt, die sich als Soldaten im Dienste des rumänischen Staates bewährt haben, obgleich dieser Staat ihnen ein gütiges Vaterland, das sie mit ihrem Blute verteidigten, nicht gewesen ist. Wenn jetzt Rumänien in neue Bahnen einlenkt, so wird das dem Staate und der Gesamtheit seiner Bewohner zweifellos nutzbringend sein." (Ein Bischof über das Judentum.) In Tebreezen überreichte eine Abordnung der Budapester Judcnschast dem reformierten Bischof Dr. Desider Baltazür feierlich den für Zwecke der Ausbildung reformierter Geistlichen gesammelten Betrag von 25.000 Kronen. Sprecher der Deputation war Ernst Mezey; er würdigte den nationerhaltenden Berns der reformierten Kirche und die geschichtliche Bedeutung des Auftretens des Bischofs Baltazür. „Der Ruf wahrhaft christlicher Liebe ertönt nicht in Szekesfehervnr", sagte er, „sondern in der großen Kirche zu Debreczen. Hier wird die wahre Menschenliebe gelehrt." Dr. Eduard Neumann pries die seltenen Eigenschaften des Bischofs als Seelenhirt und Mensch. Bischof Baltazür erwiderte folgendes: „Die religiösen Leidenschaften hat auch der Krieg nicht zu besänftigen vermocht. Der Antisemitismus beginnt im Trüben nach den Juden zu fischen. Gehässigkeit und Jntolleranz der Unfähigkeit gegenüber dem geistigen und materiellen Können anderer Rassen bilden die Weltanschauung einer sinkenden Gesellschaft. Nach dem Untergang seines Landes, trotz Inquisitionen, trotz des gelben und roten Fleckes hat das Judentum zweitausend Jahre hindurch auch unter der Fuchtel von Hohn und Geringschätzung seinen Glauben bewahrt und war das Ferment des Weltgeschehens. Hiezu bedarf es eines beispiellosen Heroismus. Im edlen Wettkampf der Gesellschaft können wir die Werte nicht missen, die die geistige, wirtschaftliche, künstlerische und literarische Kultur des Judentums angehäuft hat. Die Stiftung soll der Fortpflanzung dieser Ansichten dienen." Die Versammlung, die eine Reihe von führenden Männern der reformierten Welt und der Judeuschaft umfaßte, nahm die Antwort des Bischofs mit minutenlangem Beifall auf. (Die englische Regierung zur rumänischen Jüdenfrage.) Aus eine Anfrage im englischen Unterhause, ob der Protest Englands gegen den Friedensvertrag mit Rumänien sich auch auf die in diesem Vertrage enthaltene Klausel wegen der Gleichberechtigung der rumänischen Juden beziehe, antwortete Lord Robert Cecil, „diese Klausel solle Deutschland nur die Möglichkeit geben, sich dauernd in die inneren Verhältnisse Rumäniens einzumischen". Diese Auslegung der Bestimmung des Bukarester Friedensvertrages, durch welche die Mittelmächte den seit Jahrzehnten entrechteten rumänischen Inden die Gleichberechtigung zu erwirken strebten, ist für die innere Haltung der englischen Politik zur Judenfrage sehr charakteristisch. Denn England würde diese „Einmischung in die inneren Verhältnisse Rumäniens" zugunsten der rumänischen Juden allerdings nicht unternommen haben, denn Lord Robert Cecil selbst hat, vor Jahresfrist etwa, als er im Unterhaus wegen der rumänischen Judenfrage interpelliert wurde, erklärt, diese Frage sei eine innere Angelegenheit Rumäniens, die England nichts angehe. Auf die „Judenfteundlichkeit" der englischen Regierung, die sie in letzter Zeit so demonstrativ an den Tag zu legen versucht, werfen die beiden Erklärungen Lord Cecils ein bezeichnendes Licht. (Noch einBewerber »mPalästina.) In der in Paris erscheinenden „Lg Revue beige" schreibt ein G. Petitjean u. a., daß Belgien mehr Kolonien erhalten soll, und zwar neben dem Kongo auch Palästina. Palästina muß belgisch werden, die Türken heraus und die Juden nicht hinein; „Belgien hat das Recht und die Pflicht, das Werk Gottfrieds von Bouillon fortzusetzen, dessen Standbild auf dem Königsplatz in Brüssel, prangt". Was sagt England zu diesen Schwärmereien seiner Verbündeten? (Arabischer Protest gegen einen Judenstaat in Palästina.) Man würde es kaum glauben und dennoch berichtet es der Korrespondent des I. P. Z. in London und weist auch auf die „Morning Post" hin, wo ebenfalls dasselbe berichtet wurde, ' daß die Mohammedaner in England sich an Mr. Balsour gewandt haben mit der folgenden Erklärung: In den letzten 1800 Jahren hätten die Juden keinen Staat in Palästina besessen so daß sie politisch keine Beziehungen zum Lande haben. Dagegen führten dort seit 1300 Jahren die Türken und Araber eine Regierung, mit welcher auch alle Nichtmohammedaner zufrieden waren, insbesondere aber die Juden selbst, sie, die Araber, wollten daher nicht, daß man die politische Leitung den Juden übergebe, weil die Juden die anderen Völker exploitieren würden und es dadurch nur zu Reibungen kommen müßte. Das Entsprechendste für Palästina sei ein mohammedanisches, autonomes Staatswesen, mit Jerusalem als Hauptstadt, wobei die Juden auch an der Verwaltung teilnehmen könnten, ebenso wie Christen nach dem Proporzsystem. Daß sogar in England selbst die Mohammedaner zu einer solchen Deklaration sich vereinigt haben, macht diesen Protest umso auffallender; er scheint vielen Kreisen sehr gelegen zu kommen, um ihnen eine Handhabe gegen die Regierungserklärung in der Palästinasache zu bieten. (Die Verhältnisse in Jerusalem.) (I. P. Z.) Aus einem Jerusalemer Brief: Der politische Druck ist seit dem Abzug der Türken gewichen. Dagegen ist die materielle Not gestiegen, denn die Teuerung ist riesengroß und sie wird noch dadurch vergrößert, daß das türkische Geld, insbesondere das türkische Papiergeld fast wertlos ist, und wer in diesem Gelde zahlen muß, fast das zehnfache des Preises tatsächlich zahlt. Außerdem kostet ein Drei-Kilogramm-Schwarzbrot 4 Shilling, ein Ei 7—8 Pence, ein Liter Milch ein Sixpence, wobei auch zu diesen Preisen die Nahrungsmittel in Wirklichkeit kaum zu haben sind. Für die immer arme Bevölkerung von Jerusalem sind dies direkt unerschwingliche Preise. Kein Wunder, daß Krankheiten sich verbreiten und die zwei jüdischen Spitäler kaum die Kranken aufnehmeu können. Unterdessen setzt eine antisemitische, eigentlich antijüdische Bewegung der Christen und Araber gegen die Juden ein, und sie beschuldigen die jüdischen Kleinhändler, daß sie Preise unmäßig und unbegründet vergrößern. Wenn auch die englischen Behörden sich immer wieder überzeugen, daß die Klagen unbegründet sind, so kommen dennoch die Juden dadurch bei diesen in Verruf. Als der City-Mayor von Jerusalem, ein Mohammedaner, der die Stadt den Engländern übergeben hatte, plötzlich starb, setzten die Engländer einen Christen in dieses Amt ein, obwohl ein solches doch den Juden schon nach ihrer Anzahl und sonstigen anderen Verhältnissen zukommen sollte. Sowohl der hervorragende sephardische Vorsteher Jzchok Elischer wie auch der aschkenasesische Jzchock Scharion wurden bei dieser Ernennung zum City-Mayor von Jerusalem übergangen. Dem City-Mayor wurden noch sechs Herren zur Seite gestellt.

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