Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 19 (30.5.1918)
- Date
- 1918-05-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz. Nr. 19 Spendeneintauf: Für die Aktion „Kinder aufs Land" sind uns weiters folgende Epeuden zugekommen: Lipe Türkt .V Söhne . ■ K 500 — Restaurant Wie»ca. . . Sandor Adler .... 300 — N. 50»- Trcubund. 500 — Wilhelm Schreiber. . . 25»— Fleischmami & Gansl. . 500-— Fnedrich Facher . . . 300 — p Leuchlmanu .... 400*— Joachim Wosner . . . 200 — Jakob Fuchs «Sj Co. . . 200 — Manfred Adler, Graz. .!». 4t. 100- 10» — All & Kalmar .... 100 — Äicqnutnb Mannheim 100 — C. Ö. Mcisels .... loo'— David Edelstem.... 100 — Elieser Mermelstein . . 100'— Markus Fürst .... 100 — Leopold Schischa . . . 100- — Siegfried Goldschmidt, SovroU'Kereszlur . . . 100 — Diverse kleine Spenden . 330'— .280 — Bisher ausgemiesen . 15 .70(1' — Summe . 20 .980'-- »Das Kind dem Kind e." Hans, Paul u. Rose je K 50 K 150 — Rudolf spuk ..... 50' — Hermann Boudi .... 50' — Bisher ausgcivicseu . 250'— 50 — Summe . 300 — nur „zu lehren" übersetzt. Mehrere Rabbiner von Namen, die dieznrückgewiesenen Rabbinatskandidaten autorisiert hatten und sich durch den Akt der unter Leitung des Herrn Dr. Posnauski stehenden Kommission tief verletzt fühlen, richteten einen geharnischten Protest an die besagte Kommission. Inzwischen geht der Kampf weiter und darf man ans den gesunden Verstand der Wähler das Vertrauen setzen, daß er, all bm Machenschaften znm Trotze, der gerechten Sache der Orthodoxie zum Siege verhelfen wird. (Im heutigen Rußland.) Dr. Max Gvldsarb veröffentlicht im New-Iorker „Vorwärts" einen interessanten Bericht über eine Reise, die er durch Rußland in der letzten Zeit unternommen hat. Goldfarb berichtet, daß in den von Inden stark bewohnten mittleren und kleinen Städten ziemliche Parteizerrissenheit herrsche. Die reichen Juden ersehnten das Ende der Revolution und die Wiederkehr geordneter Zustände. Neben der geiviß vorhandenen Armut sind doch eine sehr große Zahl von Leuten des Mittelstandes reich getvorden und auch die Arbeiter befinden sich in guten ökonomischen Verhältnissen. Die von ihrem alten Wohnsitze Vertriebenen haben sich in überraschend guter Weise in die neuen Verhältnisse eingelebt und sich wirtschaftliche Positionen geschaffen. Allerdings sträubt man sich, irgendwie Geld an weitschauende Unternehmungen zu wagen, »da kein Mensch an den Bestand der gegenwärtigen Ordnung glaubt. (Nekrolog.) Mittwoch, 22. Mai verblich im Alter von 70 Jahren Frau Johanna Lowi, Gattin des Herrn Hermann Löwi. Tochter eines Mannes, der durch mehr als 50 Jahre einer der pflichttreuesten Beamten der Preßburger Kultusgemeinde war, gründete sie mit ihrem Gatten ein echtjüdisches Haus. Ihrer tiefen Frömmigkeit, ihrer stets betätigten Nächstenliebe wurde der schönste Lohn zu teil: sie hatte das Glück zu sehen, daß all ihre Kinder in den Fußstapfen ihrer Väter wandeln und strenge Jehudim und brave Menschen wurden. Die sterbliche Hülle der Verblichenen wurde nach Preßburg überführt. An dem Leichenbegängnisse nahmen teil: Herr Rabbiner Fürst und der Vorstand der Schifsschul sowie eine zahlreiche Frauengemeinde, die bezeugte, daß wir eine wahre Esches Chajid zn betrauern haben. ( Professor Dr. Hermann L.Ltrack,) einer der bekanntesten deutschen Theologen und wohl der vorzüglichste nichtjüdische wissenschaftliche Kenner des nachbiblischen Judentums, vollendete am 6. Mai das 70. Lebensjahr. (Geheimrat Professor Adolf Baginsky gestorben.) In Berlin starb im 75. Lebensjahre Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Adolf Ba ginsky, nachdem er erst vor wenigen Wochen die Leitung des Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinderkrankenhauses nicdergelegt hatte. An dieser seiner großen Schöpfung, die er 1S90 gemeinsam mit Rudolf Virchow ins Leben rief, unterstützt von opferwilligen Wohltätern, hatte er fast 30 Jahre gewirkt. Unter seiner Leitung wurde das Krankenhaus, das in seiner Art einzig war, für die moderne Kinderheilkunde eine praktisch und wissenschaftlich gleich bedeutsame Stätte. Gemeinsam mit Professor Monti begründete er die „Zentralzeitnng für Kinderheilkunde", die später als „Archiv" eine führende Stelle in der fachwissenschaftlichen Journalliteratur errang. Bon größeren Werken haben sein „Lehrbuch der Kinderkrankheiten", das „Handbuch der SchulhUgiene", die „Serumbehandlung der Diphtherie" sowie die „Arbeiten aus dem Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinderkrankenhause" weite Verbreitung gefunden. Er widmete auch seine Arbeitskraft der Säuglingskinderpflege, dem Haltekinderwcsen sowie der Schulhygiene. Daß in seinem Geiste weitergearbeitet Ivird, dafür soll eine gelegentlich des 70. Geburtstages errichtete Stiftung sorgen: sic wird alljährlich einem Assistenten des Kinderkrankenhauses verliehen am 22. Mai, dem Geburtstage Bagiuskys. Er war früher auch Jahre lang Mitglied der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde und wirkte dort im konservativen Sinne. (Jüdische Militärabteilungen in Rußland.) Unter der Leitung des Kapitäns Trumpeldor wurde aus den jüdischen Offizieren und Soldaten der gesamten Petrograder Garnison eine jüdische Militäreinheit gebildet. Es besteht der Plan, derartige Militäreinheiten in ganz Rußland zu begründen. Die jüdischen Armeekongresse, die an den Fronten abgehalten werden, sprechen sich für die Bildung derartiger jüdischer Militärabteilungen aus. Die jüdischen Militärabteilungen sollen eine eigene blau-weiße Fahne haben. (Ein Opfertag der jüdischen Arbeiterschaft New-Porks.) Das Jüdische Preßbureau in Stockholm meldet: Die jüdischen Gewcrkschaftsverbäude Amerikas, deren Zentralen sich in New-Iork befinden, haben den Beschluß gefaßt, den Lohn eines ganzen Arbeitstages aller New-Dorker Mitglieder dem Fond für die jüdischen Kriegsopfer vermittels des Volkshilfskomitees zuzuführen. Zu diesem Zwecke wurde die übliche Arbeitsruhe am 22. Februar, d. h. an Washingtons Geburtstag, dieses Jahr aufgehoben und sämtliche jüdischen Arbeiter anfgefordert, in den Werkstätten zu erscheinen, um den Ertrag der Arbeit dieses Tages den jüdischen Opfern des Krieges in Osteuropa und Palästina zu widmen. Die Arbeitgeber bekundeten ihre Sympathie für die Aktion damit, daß sie die Arbeit des Opfertages als Ueberarbeit zu behandeln und mit dem üblichen Zuschlag von 50, teilweise auch 100 Prozent zu entlohnen versprachen. Die erwartete Einnahme des Opfertages wird auf 1,250.000 Dollar geschätzt. (An das deutsche Volk und seine Führer.) So betitelt sich ein Rundschreiben, das ein Herr, Reinhold Diener, „im Aufträge vieler Christen und Staatsbürger" zu Gunsten des jüdischen Sabbat versendet. Er schreibt u. a.: „Man denke sich, Deutschland durch diesen allgemeinen „Sabbat", welcher dann für Christen und Juden, nach der heiligen Schrift auf den letzten Tag der Woche, den Samstag, gelegt würde, innerlich geeint, welche Harmonie und auch Vorteile würden sich für das deutsche Volk hieraus ergeben! Viele intelligente Juden, welche bisher aus religiösen Bedenken zurückhielten, könnten dann in Fabrik und Staatsbetrieben Verwendung finden und deren geistige Kraft dem Vaterlande dienstbar gemacht werden. Um nun auf möglichst schonende Weise dies zn erreichen, wolle man die Bibel als entscheidendes Gesetzbuch gelten lassen, beziehungsweise hiernach entscheiden, was umso leichter sein wird, da das deutsche Volk nur aus Christen und Juden zusammengesetzt ist. Die Bibel lehrt unztveideutig, „daß der siebente Tag, und nicht der erste Tag der Woche der Ruhetag sein soll. Von diesem Gesetze haben sich die Juden bis auf den heutigen Tag mit Recht nicht abbringen, noch abzwingen lassen. — Gottes Gebot geht über Menschen Gebot." (Ein interessanter Grabstein.) Vor einiger Zeit wurde an der Nordseite des Breslauer Domes im Fundament eines Hauses in der Nähe der Johanneskapelle ein Grabstein mit hebräischer Inschrift aufgefunden. Nach dem Gutachten des Seminardozenten Prof. Dr. Braun unterliegt es keinem Zweifel, daß dieser Grabstein von dem ältesten jüdischen Friedhofe Am Ohlauer Stadtgraben (Klosterstraße-Feldstraße) herstammt. Er betrifft einen am 21. Juli 1223 verstorbenen Mann. Da dieser Stein für die Geschichte der jüdischen Altertümer im allgemeinen und für diejenige der Breslaner Synagogen-Gemeinde im besonderen von Bedeutung ist, hat man das Domkapitel gebeten, den Grabstein der Synagogen-Gemeinde zu Eigentum zu überlassen. Das Domkapitel hat diesem Wunsche entsprochen. Der Grabstein wird auf dem Friedhofe an der Lohestraße in der Mauer eingelassen. Eine Uebersetzung der Inschrift lautet: „Dieser Stein ist ein Denkmal am Grabe des Rabbi David mit lieblicher Stimme, Sohnes des Rabbi Sar Schalom, der eingetan wurde am zweiten Tage der Woche, am 25. Tage des Monats Ab im Jahre viertausend achthundertdreiundachtzig nach Erschaffung der Welt. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."