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Jüdische Korrespondenz · 1918-05-30 · 19 (30.5.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
19 (30.5.1918)
Date
1918-05-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz. durch Zerreißungen herzustellen. Hören wir ihn selbst reden: „1. Wir dürfen nicht konservativ mit orthodox verwechseln. 2. Es ist ein Unterschied zwischen religiös und fromm. 3. Dem Frommen ist die Religion göttlich und nichts davon ist Irdisches. Dem Religiösen ist nur die Lehre göttlich, die äußere Betätigung der Religion ist ein menschlicher Ausdruck." Das sind die Voraussetzungen für die Antwort — und dem Fragesteller steht es jetzt frei, ob er den Frommen oder Religiösen beigerechnet werden kann. Und nun setzt der Herr Rabbiner seine Erklärungen mit dem ihm eigenen Pathos fort: „Der Verein will ein orthodoxer sein, er ist auch ein Kartellverein der orthodoxen Vereinigungen und scheut sich nur, sich auch in Böhnie», wo die allermeisten Juden von der Orthodoxie nichts wissen wollen, als orthodox zu bezeichnen. Er nennt sich konservativ, weil dies weniger aggressiv klingt." 9J£it Verlaub, Herr Rabbiner, die papierene Scheideivand, die Sie zwischen orthodox und konservativ zu errichten versuchen, hat ein Loch! Für uns gibt cs nur einen einzigen Begriff, der alles beinhaltet: gesetzestreu. Wir bekennen uns stolz zum orthodoxen Judentum und wählten nur deshalb die in Böhmen herkömmliche Bezcichnitng k o »s e r v a t i v, weil sich hierzulande einige Rabbiner als konservativ bezeichnen, die cs in Wirklichkeit nicht sind und die große Menge, die jetzt mehr denn je das Religiöse sucht, durch Irrlehren verführen: diese will der „Sinai" ivarneu, belehren — und darum wahrscheinlich nennen Die uns aggressiv, das mag uns wohl einlenchten! Doch gestatten Sie eine kleine Beweisführung für unsere Behauptung. Die von Dr. Hildesheimer in Berlin vor einem halben Jahrhundert begründete „Indische Presse" erscheint noch heute als „konservative Wochenschrift". Dr. H. ist sicherlich auch in Ihren Äugen einwandfrei orthodox, dem gleich uns konservativ gleichbedeutend ist mit orthodox. (Schluß folgt.) M. Mandl. Line kaufmännische Konferenz in Krakau. Aus Krakau wird uns geschrieben: Am 19. und 20. d. M. fand hier eine vom hiesigen Kauimannisäien Vereine einberufenc Konferenz der galizischen Kauflcute statt. Die Beteiligung war eine sehr rege, aus der Provinz find über 50 Delegierte eingetroffen und die Krakauer jüdische Kaufmannschaft war sehr zahlreich vertreten. Tie Konferenz wurde durch den Vizepräsidenten des hiesigen Kaufmännischen Vereines. Herrn S. Schächter, eröffnet, der die Ziele und Bestrebungen der Kaufmannschaft in Galizien erläuterte und die Nottvendigkeit einer strammen Organisation nachdrücklichst betonte. Hierauf wurde Herr A. Statter (Neu-Saiidez) zum Vorsitzenden gctvählt. Die eigentlichen Beratungen wurden durch die Referate der Herren Lcistiier, Schenker und Dteiner eingelötet. Herr Leistner referierte über Organisation und Presse. Der Referent hob hervor, wie dringend die Schaffung einer Kaufmännischen Organisation fei, da nur eine solche die jüdische Handelswelt in Galizien vor dem Ruin schützen könnte. Er betonte auch die Notwendigkeit, ein eigenes kaufmännisches Organ ins Leben zu rufen, das dazu bestimmt sein sollte, die Interessen der Kaufmannschaft nach innen und außen zu vertreten. Herr Schenker referierte über die Zentralen und deren Rückwirkungen auf die Handelswelt und vertrat den Standpunkt, daß der freie Handel sobald als möglich wieder hergestellt werden soll. Herr Steiner erörterte den Konkurrenzkampf innerhalb der Kaufmannschaft, der die Gesamtheit schädigt und nach Tunlichkeit vermieden werden sollte. Es entwickelte sich hierauf eine sehr eingehende Debatte, in deren Verlauf die verschiedensten Gesichtspunkte zum Ausdruck gelangen. Im allgemeinen wurden jedoch die Anträge der Referenten gebilligt. Am zweiten Konferenztage referierte Vereinsprüsident Herr D. Spira über das Gesetz vom 24. Mürz 1918 und konstatierte die Notwendigkeit, dasselbe entsprechend zu modifizieren. In der Diskussion ergriffen auch Abg. Dr. Groß und Handelskanimcrpräsident Epstein das Wort und ertlarten ihre Zustimmung zu den Ausführungen des Referenten. Es tvurden hierauf im Sinne der Referate mehrere Beschlüsse gefaßt und der Präsident Herr Spira konnte die Konferenz mit dem Ausdruck der Zuversicht schließen, daß die Grundlage zu einer kaufmännischen Organisation in Galizien nunmehr geschaffen sei. Aus der Ukraine. Aus Kiew wird geschrieben: Flüchtlinge aus Poltawa erzählen gräßliche Dinge von den Leiden der Juden in dieser Stadt in den letzten Tagen der russischen Herrschaft. Die Einzelheiten erinnern an die Oktoberpogrome 1905. In Berditschem kommt das jüdische Leben, das während der Uebergangskämpfe ganz still gestanden hatte, jetzt unter der deutschen Herrschaft mählich wieder in Fluß. Die bevorstehenden Wahlen für die jüdische Gemeinde beschäftigen alle Parteien und Richtungen auf das Lebhafteste. Als Gouvernement-Kommissär (Gouverneur) von Berditschem unterzeichnet alle amtlichen Verordnungen ein Jude namens Margolies. Alle russischen Schilder sind von der Straße verschwunden und durch solche in deutscher und ukrainischer Sprache abgelöst. Leider grassiert der Flecktyphus in der Gegend von Berditschem und fordert zahlreiche Opfer. In Schitomir staut sich der Strom der Heimlosen, die infolge der Epidemien und der unsicheren Lage noch keinen Reisepaß nach der Heimat erhalten können. Auch hier rüstet man sich für die nahe bevorstehenden Gemeindewahlen. Aus Dubno kommen unerfreuliche Nachrichten. Die Bevölkerung des Kreises, die durch den Krieg furchtbar gelitten hat, hungert. Krankheiten nehmen überhand und es herrscht großer Mangel an Lebensmitteln. Aus Jekaterinoslaw traf eine Deputation in Kiew ein, die die Regierung um Hilfe für die Stadt, in der es in wirtschaftlicher Beziehung nicht am besten bestellt ist, ansucht. Die Ruhe und Sicherheit in der Stadt seien, dank dem Eingreifen der deutschen Kommandantur, vollkommen wieder hergestellt. In Kiew ist die Gründung eines jüdischen Lehrerseminars beschlossen und von der kleinen Rada genehmigt worden. Die Unterrichtssprache in diesem Seminar war Anlaß einer lebhaften Debatte im Parlamente, doch gelang es den Volkisten, Jiddisch als Unterrichtssprache durchzusetzen. Rundschau. (Adaß Jisroel (Schiffschul).) Die Adaß Jisroel hält Sonntag, den 9. Juni, ‘/24 Uhr nachmittags, im Daale des Beth-Hanidrasch, Gr. Dchiffgasse 8, ihre Generalversammlung ab. Der Rechnungsabschluß geht uns für diese Nummer zu spät zu und werden wir denselben in der nächsten Nummer veröffentlichen. Vorerst sei nur nach flüchtiger Durchsicht konstatiert, daß sich der Verein nach jeder Richtung in lebhaft aufsteigender Richtung bewegt. Die Spenden für die zur Adaß gehörenden zahlreichen Vereine, besonders für Erez Jisroel, sind reichlich geflossen. — Außerdem wurden durch die von der Adaß Jisroel gebildeten Komitees für Flüchtlinge, Kriegsgeschädigte u. dgl. bedeutende Dummen aufgebracht. (Kriegsanleihe - Zeichnnngsverern „Agudas Jisroel".) Wie bei den früheren Kriegsanleihen hat auch diesmal der Kriegsanleihe-Zeichnungsverein „Agudas Jisroel" seine Tätigkeit ausgenommen. Durch diesen Verein kann man Kriegsanleihe zu äußerst günstigen Bedingungen in Anteile n K 25, zahlbar in bequemen Monatsraten, zeichnen. Zeichnungen werden im Vereinslokale, II. Bez., Große Psarrgasse 23, entgegengenommen, wo auch alle näheren Auskünfte erteilt werden. — Es ist zu erwarten, daß die patriotische Werbearbeit dieses Kriegsanleihe-Zeichnungsvereines auch diesmal von großem Erfolg begleitet sein wird. (Die Gemeindewahlen in Warschau.) Aus Warschau wird berichtet: Die nationalen Parteien, die das gelegentliche Zusammengehen der Orthodoxen mit den Assimilanten in Wahlsachen nicht genug brandmarken konnten, haben sich nun selbst bedingungslos der Assimilationspartei ergeben, und ein Block von ganz seltsamer Art, aus Zionisten, Volkisten und Assimilatoren zusammengesetzt, arbeitet nun mit großem Eifer gegen die vereinigte Orthodoxie, die immer schon ihre eigenen Wege gehend, jetzt eine ganz selbständige, auf die Interessen der gesetzestreuen Massen eingestellte Politik führt. Besonders tobt der Kampf um die erste Kurie, aus der man mit vereinigter Kraft die Orthodoxen möglichst herauszumanövrieren sucht. Listen der Wähler in der ersten Kurie von der linken Seite wurden von der Kommission ohne weitere Nachprüfung en bioc genehmigt. Unter diesen „Intelligenten" befanden sich nach Angaben des „Moment" auch solche, die nie eine höhere Schule gesehen haben. Dagegen wurden die Inhaber von Rabbinatsauiorisationen unter allen möglichen Vorwänden so lang hingehalten, bis sie am Ende zum Teil selbst auf dieses Vorrecht verzichteten. Zum Anlaß der Zurückweisung nahm man das Wort „lehoroth" im Diplom, das man aus Ignoranz oder tendenziöser Willkür nicht dem wahren Sinne nach auf das Recht religiöser Entscheidungen bezog, sondern einfach (Fortsetzung auf Seite 6.)

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