Mannheim
Compact Memory

Jüdische Korrespondenz · 1918-05-23 · 18 (23.5.1918) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
18 (23.5.1918)
Date
1918-05-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3495278-3495381-3495397--0654-3521362
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

t Seite 6 Jüdische Korrespondenz. Nr. 18 das er für diesen Zweck aufwenden muß, einen mageren Fünfziger. Vielleicht für jedes seiner Kinder einen, das wird bei unseren kostspieligen Zeiten nicht gar zu stark ins Gewicht fallen. Und nun ruft er seinen Buben oder sein Mädl her und sagt ihm: „Siehst du, Heuer gehst du zu zweit. Denn zugleich mit dir geht ein armes Brüderchen oder Schwester! aufs Land und da darfst die ganze schöne Zeit daran denken, daß sie's auch so gut haben, fast so gut wie du. Und daß du ihm die Freude gemacht hast. Denn deinetwillen und in deinem Namen schicke ich ihm diesen blauen Schein. Gelt, das macht dir doch Vergnügen?" Wie fein wäre das! Man würde damit dem Herzen seines Kindes gerade so nützen wie dem Magen des andern. Und brächte beide, wie sichs nur gehört, aufs Gleiche. Mein Bub soll den Anfang machen. Aber ich wette, die anderen treffens ebenso gut. Nur schnell. Martin Eisler . . X 50'—. Aktion: Linder aufs Land. Mittwoch, den 15. d. M. fand im Restaurant Pinkas eine Sitzung statt, zu der auch zahlreiche Persönlichkeiten geladen waren. Nach Referaten der Herren Neurath und Pappenheim wurde beschlossen, heuer 300 der würdigsten Kinder in Ungarn über den Sommer unter geeigneter Leitung in einer Kolonie unterzubringen und rituell zu verpflegen. Begeistert von dieser schönen Idee, wurde auf Antrag eines der Anwesenden in Aussicht geuNnmen, diese Institution der rituell verpflegten Ferienheime für die Dauer zu erhalten. Die Mittel hiezu sollen durch Spenden und Sammlungen aufgebracht werden. Samstag vormittags widmete Sr. Ehrw. Herr Rabbiner S. Fürst in seiner Predigt in der Schiffschul warme Worte dem Gelingen dieses Unternehmens, und erklärte es als Pflicht jedes einzelnen, diese Aktion nach bestem Können zu fördern, denn, geben wir unserer Jugend die Gesundheit, so haben wir ihr alles gegeben. An weiteren Spenden für diese Aktion sind eingelaufen: Esra Schiff durch Sammlung K 3.000'— Adaß Jisroel. 1.000 — Verein Jeschurun .... „ 1.000'- Ernst A. Engelsrath . . . 500- Leopold Ullmann .... 500 — Jaques Ullmann .... „ 100'— gespendet in der Schiffschul. Oskar Neurath. „ 200'— Ungenannt. 200'— N. N. (Laßt Sonne herein). n 100'— Heinrich Grünhnt .... H 100'— K 6.700 — Letztes Ergebnis . „ 9.000'— Zusammen . K 15.700'- Mir bitten diejenigen» wel«Le unser Matt bisber erbslten baden» um Einsendung des Abonnementsbetrages. da fönst die weitere Lufendung unterbleiben müvte. prevkomilee des „Sefckurun", i-, Sslztborgsfse 2. (Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien.) In der am 6. Mai d. I. stattgefundenen Vereinsleitungssitzung wurde die statutengemäß aus 42 Mitgliedern bestehende, jedoch durch verschiedene Abgänge nicht - mehr vollzählige Vereinsleitung durch nachbenannte Herren ergänzt: Dr. Emil Adler, 1. Sekretär der Israel. Kultusgemeinde Wien; kaiserlicher Rat Moriz Ballek, Fabrikant, Wien; Leopold Blum, Fabrikant, Wien; Leo Brill, Fabrikant, Wien; Samuel Goldmann, Kaufmann, Wien; Dr. Emil Krassny, Hof- und Gerichtsadvokat, Wien; Dr. Emil Parnaß, Advokat, Lemberg und Robert Stricker, Staatsbahnrat. Wien. Bei der darauffolgenden Konstituierung der Vereinslcitung wurden gewählt die Herren: Leopold Soitrie zum Präsidenten, Moriz Sonnenschein zum l. Präsidenten-Stellvertreter, Josef Mandl zum II. Präsidenten- Stellvertreter, Hugo Tugendhat zum Schriftführer, Dr. Edmund Kornfeld zum Schriftführer-Stellvertreter, Direktor Wilhelm Kux zum Zahlmeister, Karl Klemperer zum Zahlmeister-Stellvertreter. Der engere Ausschuß wurde durch die Neuwahl der Herren kaiserl. Rat Moriz Ballek, Leopold Blum und Dr. Emil Krassny ergänzt. (Sonderbestimmuttgen des Kriegsamtes zu gunsten jüdischer Schüler im landwirtschaftlichen Hilfsdienst.) Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" hat die Bitte an das Kriegsministerium gerichtet, bei der Heranziehung von jüdischen Schülern zum landwirtschaftlichen Hilfsdienst auf die Wahrung der Vorschriften bet jüd. Religionsgesetzes Rücksicht zu nehmen. Der Vorschlag der Vereinigung geht dahin, daß die Kriegswirtschaftsämter mit den örtlichen Synagogengemeinden oder Rabbinaten in Verbindung treten, die ihrerseits von der Vereinigung dahin verständigt werden sollen, rechtzeitig die Initiative zu ergreifen. Das Kriegsamt hat die Kriegswirtschaftsämter angewiesen, dem Wunsche der Vereinigung nachzukommen und ganzallgemein darauf hingewiesen, daß die Schüler beim landwirtschaftlichen Hilfsdienst zur Ausübung ihrer religiöfen Pflichten angehalten werden müssen. Die Berücksichtigung dieser Forderungen wird Sache der Führer sein und, wenn solche nicht vorhanden sind, als eine Aufgabe des Arbeitgebers bezeichnet. (Dr. A. Robinsohn.) In Berlin ist Dr. Abraham Robinsohn, 41 Jahre alt, gestorben, der lange Zeit Sekretär von David Wolfsohn gewesen ist. In Brody geboren, studierte er in Zürich Chemie und in London Philosophie. In der Schweiz hat er zu den Hauptbegründern der „Jvriah" gehört. In London war er Redakteur des Hamore. Er war dazu ausersehen, nach dem Kriege Leiter der Nationalbibliothek in Jerusalem zu werden. (Das Grab Sabbatai Zewis.) Der ungarisch-jüdische Historiker Jekutiel Zehuda Grünwald, der zur Zeit Militärdienst in Albanien leistet, ließ sich dort die Forschung nach jüdischen Familien angelegen sein. Er fand im okkupierten. Gebiete Albaniens, wie die „Ungarische Korrespondenz" berichtet, im ganzen drei Juden: einen in Durazzo, zwei in Bera. Bei seinen Forschungen nach alten jüdischen Grabsteinen machte ein Pope ihn daraus aufmerksam, daß in Berat, das die Mohammedaner Araut-Bellgrade nennen, „ein großer jüdischer Prophet" begraben sei. Grün- Wald begab sich unverzüglich nach Berat, wo er das Grab Sabbatai Zewis fand. Ein einfacher Grabstein mit der Inschrift Cepigi Mehemed bezeichnet die Statte, wo der Mann, der die halbe Welt in Bewegung gesetzt hatte, zur ewigen Ruhe gebettet ist. (Antisemitische Proklamationen in Warschau.) In der letzten Sitzung der Warschauer Stadtverordnetenversammlung kamen antisemitische Proklamationen zur Sprache, die hie und da an den Straßenecken ausgeklebt wurden. Nach den Reden sämtlicher Führer der bürgerlichen Parteien wurde folgender Beschluß gefaßt: Die Stadtverordnetenversammlung drückt ihre Empörung aus über die Auftuse, die sich an den Mauern der Stadt gezeigt haben und zu Gewalttaten gegen die Juden ausfordern, und betrachtet sie als von Provokateurs ausgegangen, die außerhalb der polnischen Gesellschaft stehen. Prager Brief. Der Verein zur Wahrung der Interessen des konservativen Judentums in Prag, „Sinai", hielt am Mittwoch, den 8. Mai, um 6>/z Uhr abends, im großen Saale der Chewra-Kadischa, seine erste ordentliche Generalversammlung ab Wir alle wissen, daß die leitenden Männer, die schon vor dem Kriege einen Zusammenschluß des lebendigen, kraftvollen Judentums forderten, jedoch erst im Kriege, wo man veraltete Vorurteile und Anschauungen aus der Welt geschafft wähnte, die dringend gewordene Organisation mit Wer und ehrlichem Wollen ins Leben riefen — in der glücklichen Lage waren, knapp vor Abhaltung der IV. Mitgliederversammlung einen dankenswerten Tätigkeitsbericht zu erstatten. - An der Spitze der Tagesordnung stand der Rechenschaftsbencht. Im Verlaufe von wenigen Monaten hat sich der Verein nicht nur um die geistige Wahrung seiner Mitglieder gesorgt, sondern auch, was heute jedenfalls im Vordergrund steht, um die leibliche durch Besorgung von streng rituellem Fett, Zucker und andere Viktualien für das Pessachfest. Drei Borträge wurden ferner im abgelaufenen Vereinsjahre veranstaltet, an die sich regelmäßig anregende Diskussionen anschloffen. Den ersten hielt Herr Dr. N. L. Kohner über die Hebung des Spnagogenbesuches, den zweiten Herr Dr. Jstdor Jeiteles über - die religöse Erziehung im Hause, den letzten Herr Oberrabbiner Dr. H. Brodq über die Wege und Mittel zur Rückkehr zum religidien Judentum. Hieraus wurde der Kaffa- und Revistonsbericht mit Genugtuung zur Kenntnis genommm. Dm vierten Punkt der Tagesordnung bildete der Antrag des Ausschusses auf Aenderung der Statuten züm Zwecke der Einschaltung und Erweiterung der Propagandakommission und deren Tätigkeit auf dem Lande. Me Wahl der sechs Schiedsrichter zeigt uns der nächste Punkt, während zum Schluffe der Generalversammlung der Antrag des Äusschuffes auf Ernennung eines Ehrenmitgliedes einstimmig angenommen wurde. Ueber Vorschlag und eingehmder Begründung seitens des Herrn Dr. 91.18. Kohner wurde hierauf der verdienstvolle Obmann der hiesigen altehrwürditzen Chewra-Kadischa, Herr David Lieben, anläßlich fernes 78. Geburtstages einstimmig zum Ehrenmitglied« ernannt. Rach kurzer Pause fand sodann die vierte Mitgliederversammlung statt. Herr Dr. B- Jeiteles berichtete in derselben über di« Zweckmäßigkett der geplanten Lehrkurse mtt durchgeistigten, ehrlich gefühlten Worten, die in der regen Beteiligung bei der anschließenden Anmeldung ftir di« Schiurim-Teilnehmer ihren guten Erfolg hatten; ein« Diskussion kam eigentlich nicht zur Entfaltung. Die Schiurim, die gleich nach dem Schewuoth-Feste ihren Anfang nehmen sollen, wurden folgendermaßen festgesetzt: a) Einführung in das hebräisch« Schrifttum: Herr Dr. B. Seiteles (Sonntag 11—12). d) Sprüche der Väter: r. Ehrenwürden Herr Oberrabbiner Dr. H. Brody (Montag VtJ—'liB). e) Jor« Deah (auSgcwählte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.