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Jüdische Korrespondenz · 1918-05-23 · 18 (23.5.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
18 (23.5.1918)
Date
1918-05-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 Stellen): Herr M-ll-Dr. Salomon Lieben. Eine Erweiterung dieser Kurse behielt sich der Ausschuß vor. Seit Dezember 1912 erfreut sich die Prager jüdische Gemeinde des Besitzes eines Oberrabbiners, dessen Weltruf als Mann der Wissenschaft, dessen kraftvoll-zielbewußtes Auftreten, verbunden mit inniger Frömmigkeit und aufrichtiger Liebe zum Judentum schon seinerzeit von der großen jüdischen Oeffentlichkeit gewürdigt und anerkannt wurde. Das bisherige verständnisinnige und segensreiche Wirten unseres ehrwürdigen Oberrabbmers Dr. H. Brody als religiös-geistiges Oberhaupt der altehrwürdigen, ersten Gemeinde des Landes übertrifft wohl weit alle seitens der jüdisch-religiösen wie der „liberalen" Kreise in diese hervorragende Persönlichkeit gesetzten Hoffnungen. Wie seine Repräsentation und ersprießliche Tätigkeit im Interesse des Judentums innerhalb und auch außerhalb seines Wirkungskreises beurteilt und bewertet wird, konnte man gestern, am zweiten Tage des Offenbarungsi'estes so recht deutlich sehen.' Ein unseren Herrn Oberrabbiner würdigender Festartikel in der „Schewuoth-Beilage" eines hiesigen jüdischen Blattes, vereitelte zunächst seine bescheidene Absicht, den 8V. Geburtstag in aller Stille zu feiern. So wurde dieser heilige Festtag zu einem doppelten Feste. Getreu der Devise „wekidaschtem es sch'nas hachamischim schonoh", wurde sein Geburtstag nicht nur von seinen Freunden, Verehrern und Berusskollegen von nah und fern freudig begangen, sondern auch die weitesten Kreise der Gemeinde nahmen freudigst Anlaß, den ehrwürdigen Jubilar zu beglückwünschen. Bei dem würdevollen Festgottesdienst« in der altehrwürdigen Pinkas-Synatoge hielt Herr Oberrabbiner eine mit gewohnter lleisterschaft, von echtem Thorageiste getragene Rede, in welcher er auch für die mannigfaltigen Kundgebungen und Ehrungen gerührt dankte. In der Wohnung des Jubilars fanden sich hierauf zahlreiche Gratulanten ein, darunter Abordnungen von Vereinen, Bethausvorstände, Rabbiner, dem Lehrkörper der Talmud-Thorareligionsschule, viele Beamte der Kultusgemeind«, die alle von unserem Jubilar und seiner Familie aufs herzlichste empfangen wurden. Auch zahlreiche schriftliche und telegraphische Glückwünsche liefen ein, welche alle den Beweis für die Hohe Würdigung und Wertschätzung des Jubilars lieferten. Um 4 Uhr nachmittags wurde das Minchahgebet in der geräumigen Stndierftube des Herrn Oberrabbiners, in welcher auch die bekannte, auserlesene Bibliothek untergebracht ist, gemeinsam verrichtet. Hierauf versammelten sich nebst Gästen aus den Kreisen der Flüchtlinge die regelmäßigen Teilnehmer des althergebrachten Talmuo-Schiurs, der hier zweimal wöchentlich stattfindet und unter Vorsitz unseres als gewiegten Talmudisten bekannten Herrn Oberrabbiners hielt Herr Dr. B. Jeiteles einen gehaltvollen cinstündiqen Vortrag aus dem Traktat Keduschin, den eine lebhafte Diskussion recht interessant gestaltete. — So wurde der zweite Tag des heurigen Sinai- Offenbarungsfestes ein wahrer Jubeltag für den verehrten Begründer unseres „Einai"verbandes, deffen vornehmes "Ziel es ist: haabel es hohom wekidaschtem, alle, die sich um den „Sinai" scharen wollen, dem gesetzestreuen Judentume zuzuführen. M. Mandl. Einiges zur Geschichte der Ichrist. Bon Rabb. Dr. E. Landau (Strakonitz). tFortlchun» ) Die Kenntnis der Schrift beschränkte sich nicht auf die hebräischen Lettern allein, denn die Halacha zieht auch die Form der griechischen Buchstaben in den Kreis ihrer Belehrungen und setzt somit dre Kenntnis des griechischen Alphabets wenigstens für einen engen Kreis und für die Zeit, da die griechische Sprache und Bildung in Vorderaffen vorherrschend war, voraus. Die übliche Schriftart war die aus der aramäischen Schrift entstandene Quadratschrist, die in den Schulen gelchrt wurde. Den Lehrern wird eingeschärft, Buchstaben. d,e infolge der gleichen Bussprach« oder der Schrlftähnlichkeit mtt einander leicht verwechselt werden könnten, ihren Schülern besonders einzuscharfen, Der Talmud sttüvst an die einzelnen Buchstaben des Alphabeths sinnige aggadische Bemerkungen, ans welchen wir nicht bl»s über die Aussprache, sonder« auch Aber die Form und Gestalt der emzelnen Schristcharaktere manches erfahren und aus welchen hervorgeht, daß der Talmud immer die auch uns geläufige Quadratschrift vor Augen hat. Manche Buchstaben sind gestreckt (Pschutim) andere gebogen (Kfufim). Eine genaue Analyse der Buchstaben zerlegte sie in (Tauchaus) - Jnnenraunr (Apaim) - Vorderseite, und Schenkeln und Füße. Manche kragen ein Krönchen „Tagu" (Menachoth 29 b). Eine korrekte Schrift wurde „Nitbaschlcm" genannt, und wer eine schöne Hand schrieb, wurde gelobt (ibid). Manche erlangten in der Schrift eine staunenswerte Gewandtheit und brachten es zu einer Virtuosität, die auch unsere Bewunderung verdienen. Bar Kamzai schrieb ein Wort, das aus vier Buchstaben bestand, auf cincinmal nieder, indem er vier Schreibrohre zu gleicher Zeit zwischen seinen Fingern führte. Weil er diese Fertigkeit andere nicht lehren wollte, wird er vom Talmud getadelt (88 dj. Noch mehr bewundert wurden die Leistungen anderer Schreibkünstler, die nicht nur mit der rechten und linken Hand, sondern auch mit dem Handrücken und dem Fuße, mit dem Munde und dem Eibogen schreiben konnten (Sabbath 12,35). Buch die Schreiberfamilie Chagira hat es in der Schrcibkunst zu einer von dem Talmud gerühmten und anerkannten Fertigkeit gebracht (j. Megilla 7t <1). Die Quadratschrist ist auch nach dem Zeugnis des Talmuds nicht die älteste der bei den Juden im Gebrauch gewesenen Schriftarten, sondern gelangte erst später aus der Fremde zu ihnen. Die älteste Nachricht über sie stammt aus dem Munde des Elieser b. Jakob, also aus der Zeit kurz nach der Zerstörung des 2len Tempels. In seinem Namen wird in Zebachim 62 a berichtet. Drei Propheten sind mit dem Exulanten aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrt. Der eine legte Zeugnis ab von dem Altar und von dem Orte, an dem er gestanden, der andere bezeugte, daß man Opfer darbringen dürfe, auch wenn der Tempel nicht bestehe, und der 3te bezeugte, daß die Thora in asiyrischer Schrift zu schreiben sei. Wir müffen nach dem Vorgang von Grätz und Neubauer in dem 3ten Propheten, der über den neuen Schriftduktus berichtet, Esra sehen und können der kritischen Beleuchtung, die die angeführte Talniudstelle durch Blau erfährt, (Zur Einleitung in die Heiligenschrift, Programmschrift der Landesrabbinerschule in Budapest 1894, S. 5 ff.) umsoweniger zustimmen, da auch ein anderer Bericht in Esra ven Permutator sieht und in der von dem babylonischen Talmud gebrachten Fassung folgendermaßen lautete: Die Thora wurde Israel zuerst in hebräischer (althebräischer) Schrift und in der heiligen Sprache gegeben, dann wurde sie ihnen in den Tagen Esras in assyrischer Schrift und in aramäischer Sprache gegeben. Die Israeliten erwählten sich die assyrische Schrift und die heilige Sprache und überließen dem gemeinen Volke („Hedjautaus") die hebräische Schrift und die aramäische Sprache (Sanhedrim 26 a). Der Ausdruck „Hedjautaus", eine sonst für laie Israeliten gebräuchliche Bezeichnung, wird von R Chisdai auf die Kuthäer und Samaritaner bezogen. Unter „Ketab Aschurith" affyrische Schrift, versteht der Talmud, wie dies Löw nachgewiesen hat, nicht die Keilschrift von Assyrien, sondern die syrisch-aramäische Schrift. Mit diesem Teil des talmudischen Berichtes stimmen auch die Resullate der neuesten Forschungen überein, nach welchen die Quadratschrift nicht aus dem allhebräischen, sondern aus der aramäischen Schrift entstanden ist. Die Vermutung G. Hoffmanns, daß die Schrift bei den Israeliten schon Jahrhunderte vorher, wenn auch nicht allgemein verwendet, so doch wenigstens bekannt sein dürfte, erhält eine Unterstützung durch eine Ausstellung des Patriarchen Juda I., nach welcher die assyrischaramäische Schrift bei den Juden die ursprüngliche gewesen und blos zeitweilig durch eine andere ersetzt wurde. Die bezügliche Stelle lautet: In assyrischer Schrift ist die Thora den Israeliten aegeben worden, als sie sündigten, wurde sie in Roeg-Schrift verwandelt und als sie in Esras Zeit sich wieder gebeffert, ist sie wieder in assyrischer (aramäischer! Schrift gegeben worden, denn es heißt: Kehret zurück in die Burg, Ihr »on der Hoffnung gefesselt, auch heute gebe ich dir zurück die vergessene Thora (die Thora in ihrer alten Schrift), (secharja 9>. Die Zeugnisse der Traditionsliteratur weisen alle auf Esra als auf den Einführerder neuenSchriftgattung h i n. Wenn Blau die völlige Wertlosigkeit der talmudischen Ueberlieserungen für die Datierung des Schriftwechsels oder wr die Zurücksührung auf ESra mit dem Hinweis für erwiesen eracht«. daß die Tradente» ihre Behauptungen aus Schriftversen schöpfen und nicht aus der historischen Ueberlieferung, so weisen wir auf die, auch Blau nicht unbekannte Ar! radbinische Berichterstattung hin, auf Tradition beruhende Tatsachen an Schrifiworte anzulehnen, um ihnen so den Grad höherer Glaubwürdigkeit zu verleihen. (Fortsetzung folgt). Lin Badeort mit einer zweitausendjährigen Uederlieserung. Die heißen Quellen von Tibcrias, die in der Umgebung der Stadt am Secufer entspringen, wurden schon in jüdischer Zeit zu Heilzwecken verwendet. Herodes hatte daselbst einen herrlichen Palast, das goldene Haus genannt. Es wurden damals auch Landhäuier zwischen Stadt und Bad, ähnlich wie bei den heißen Bädern von Bajä, erbaut. Während anfangs Fürsten aus der Familie der Herodianer in Tiberias herrschten, kam um das Jahr 100 die Stadt unter bas Szepter Roms. Allmählich vollzog sich aber eine gewaltige Wandlung mit der Residenz jener Herrscher edomitischer Herkunft. Die Stadl, die lange als unrein gegolten hatte, weil ehedem an ihrer Stelle ein Totenfeld gewesen war, erhielt bald ein ausgesprochen jüdisches Gepräge. Hier wurden die Mischna und die Gemara, aus denen sich der Talmud zusammensetzt, gesammelt. Damals lehrte der hochberühmte Rabbi Meir in der Synagoge von Einmaus. Sehr viele Streiiftagen im Talmud knüpfen sich an den Gebrauch von Thermen, denen eine im rituellen Sinne verunreinigende Wirkung zugeschrieben wurde, da sie zu den „weichen Wasiern" gerechnet wurden. Später kam die Stadl unter die Herrschaft der Araber, die ihr nun ihrerseits das mohammedanische Gepräge aufdrückten. Emmaus erhielt in dieser Zeit ein „Fürstenbad", das von einem orientalischen Herrscher für seine Person angelegt worden war, dann aber dem allgemeinen Gebrauche übergeben wurde. Bon allen Seiten strömten damals Gichtbrüchige, Hautkranke, Magenleidende herbei. Späterhin sah es dagegen recht armselig in dem kleinen Badeorte aus, der in neuer Zeit den Namen „El-Hammam" erhielt. Erst im Anfang des 19. Jahrhunderts geschahen durch die Türken Schritte zur Hebung des Bades. Der durch seine Grausamkeit berüchtigte Dschefsar-Pascha ließ an der Hauptquelle ein Bad-haus mit zwei nach den Geschlechtern getrennten Gemächern auistellen, 1833 wurde durch Ibrahim Pascha ein schöneres Gebäude errichtet, das sogar Zimmer mit weißen Marmorplalten besaß. So gehl die Ueberlioferung des Badeortes ununterbrochen durch fast zwei Jahrtausende. Lektüre für die aus Rußland heimkehrenden Krieger. SeitKriegsbeainn werden vom Roten Kreuze den Sanitätsanstalten und Soldaten an der Front Bücher, Zeitschriften und Zeitungen vermittelt, die ihm als Spenden zukommen. Run tritt die Notwendigkeit an uns heran, auch die Lager der aus Rußland heimkehrenden Soldaten mit Lektüre zu versehen. Viele Tausende von ihnen mußten während der Zeit ihrer Gefangenschaft jeglicher geistigen Nahrung entbehren. Um ihnen nun während ihres Aufenthaltes in den Lagern Belehrung und Zerstreuung bieten zu können, wenden wir uns an die Bevölkerung mit der herzlichen Bitte, uns Bücher und Zeitungen in allen Sprachen der Monarchie zu widmen. In Wien werden größere Spenden auf Wunsch abgeholt. Postsendungen sind mit dem Vermerke: „Militär-Unterstützungssache, portofrei" gebührenftei. Bei Bahnsendungen muß der Frachtbrief schon bei der Aufgabe den Vermerk tragen: „Freiwillige Gaben für das Rote Kreuz". Bücher- und Zeitnngsabgabestelle der österr. Gesellschaft vom Roten Kreuze, Wien, I., Milchgasse 1.

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