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Jüdische Korrespondenz · 1918-05-16 · 16-17 (16.5.1918) · page 10

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
16-17 (16.5.1918)
Date
1918-05-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Jüdische Korrespdndenz. Nr. 16/17 aufgebung die Erwachsenen für verloren zu ballen, soll doch die junge Saat, die Gewinnung und Bepflanzung des neuen Bodens, unsere oberste Sorge sein. Galt es einst als Grundsatz unter uns, durch die Eltern die Kinder zu bestimmen, so muß heute umgekehrt die Losung lauten: Von den Kindern zu den Eltern! Es handelt sich hier um ein Werk, bei dem die Arbeit bereits Ertrag ist und jeder Spatenstich als Erfolg gelten muß. Wir haben keine Zeit zu verlieren; Bedenklichkeit und Saumseligkeit arbeiten hier dem Vorfall in die Hände. Wie viele dabei zu erobern sind, das ist eine Erwägung, die später kommt, keineswegs aber die Tatkraft und die Schaffenslust nehmen darf. — Wer eine Seele in Israel. erhält, so lehren die Rabbiner, der hat eine ganze Welt erhalten. Was einst das Elternhaus und die Umgebung, mit einem Worte, das Leben leistete, das soll heute die Schule allein zu stände bringen. Erwartungsvoll richtet sich hiebei unser Auge vor allem auf die Segnungen des verstärkten Unterrichts im Hebräischen. Wenn wir in etwas das Vorbild der Vergangenheit übertreffen können, so wäre cs die erhöhte Unterweisung des weiblichen Geschlechtes im Hebräischen. Statt in selbstmörderischer Verblendung das Hebräische und seine Pflege auS unseren Schulen zu verbannen, müßte es vielmehr mit aller Kraft und Innigkeit durch die breitesten Schichten unserer Kinderwelt, ohne Unterschied des Geschlechtes, verbreitet werden. Die Zeit, die hiesür erforderlich ist, wäre mit Leichtigkeit zu gewinnen, wenn auf so manches Blinderwertige, Ueberstüssige, ja sogar Schädliche verzichtet würde. — Es wäre hoch an der Zeit, unsere Kinder der Mutterbrust des Judentums, seiner heiligen Sprache, zurückzugeben, und die Flaschen hinwegzuräumen, aus deren abgeschmackten und wässerigen Inhalt man unsere nach Milch lechzenden Kleinen nähren zu können vermeint. Ein fester Schatz innerlich anqeeigneten hebräischen Sprachgntcs dieser Muttersprache der Religion, müßte das Mädchen beim Verlassen der Schule ins Leben hinausbegleiten. Es dürste unter leinen Umständen darauf verzichtet werden, daß selbst den dürftig Begabten der Kern der Stammgebete und Glaubenslehren in der Ursprache geläufig und vertraut werde. Diese Forderung ist ja kein unerreichbares Ideal. Weit und breit sind Beispiele dafür zu finden, daß die Aufgabe zu lösen ist; es gilt nur, sie allgemeiner zu stellen und durchzuführen. Wo daher jüdische Schulen bereits mit Erfolg bemüht find, diesem Ziele zuzustreben, da müßten sie unterstützt und gehoben. werden, wo sie noch fehlen, ins Leben treten. Es wäre die Aufgabe von Schulvereinen oder Gemeindcverbindungen, kleinere Gemeinschaften durch Zuführung von Mitteln, zu deren Opferung sie selbst zu schwach sind, mit allen Kräften zu fördern. Die kleineren Gemeinden verdienen bei diesem Erziehungswerke ganz besondere Rücksicht, da sie für die größeren gewissermaßen die Baumschule bilden, deren Setzlinge einst in ihrem Boden verpflanzt werden sollen. Prämien für ausgezeichnete Leistungen von Lehrern so gut :vie von Schülern sollten den Eifer heben. Ter Besuch von zum Zwecke von Prüfungen und Aufmunterungen ausgesandten Rabbinern und Aufsehern würde dem Unterrichte Antrieb und Sporn verleihen. Die Verteilung von Büchern aus dem Kreise des hebräischen und jüdischen Schrifttums an befonders eifrige Schülerinnen müßte in der kleinsten wie in der größten Schule allgemein eingeführt sein, um nicht den erweckten Eifer auzufachen und zu erhalten, sondern auch das Interesse an der eigenen Literatur fürs Leben zu erziehen und zu zeitigen. Die Fortbildung in der religiösen Erziehung müßte über die Jahre der Volksschule hinaus durch regelmäßige Kurse gepflegt und u einem Gegenstände der öffentlichen Sorgalt erhoben werden. Es wäre ein Leichtes und durch die geringsten Opfer zu erzielen, daß der Schule entwachsene Mädchen in geeigneten Stunden in die wirkliche Kenntnis der heiligen Schrift und unseres so erziehlichen Schrifttums eingeführt würden. — Es könnte sich daraus ein Vereinigungspunkt förderlichster Wirksamkeit herausbilden, der bald allgemeiner Anerkennung und Teilnahme sich erfreuen würde. Mit der Zeit könnte es nicht fehlen, daß daran gesellige Vereinigungen sich fchlvssen, deren Ziel und Inhalt im besten Sinnefudisch wären, wo Mädchen abwechselnd unter sich vor einander dafür Zeugnis ablegten, wie tief und innig sie in den Gedauken- und Gesühlsinhalt des Judentums sich versenkt haben, wie viel ihnen von der Hoheit und Reinheit wahren jüdischen Lebens aufgegangen ist. Es tväre an der Zeit, daß es auch einmal den Ehrgeiz eines jüdischen Mädchens reizte, für seine Religion und feine Geschichte Begeisterung zu bekunden und in dem Kreise sich vertraut zu zeigen, auf dem Abstammung und Ueberlieferung, Vergangenheit und Gegenwart gleich gebieterisch uns Hinweisen. Hand in Hand mit diesem hebräischen Vermerken-Unterrichte soll eine kräftigere Heranziehung des weiblichen Geschlechtes zum öffentlichen Gottesdienst einhergehen. — Es sollte den Müttern empfohlen werden, auch die Mädchen früh daran zu gewöhnen, daß sie an dem Gottesdienste der Gemeinde, befonders an den Sabbaih- und Feiertagen teilnehmen. Wo Lehrerinnen an jüdischen Schulen wirken, müßte es ihnen zur unablässigen Pflicht gemacht werden, mit ihren Schülerinnen beim Gebete der Gemeinde an Sabbath- und Festtagen im Gotteshause zu erscheinen. Die Befestigung in der Kenntnis der Liturgie und des jüdischen Gebens die vertieftere Aneignung des in der Schule Gelehrten und Geübten, die Hebung des Zusammengehörigkeitsgefühls, die Weckung des Anteiles am Gemeindeleben und den öffentlichen jüdischen Interessen, das wären so einige von den Wirkungen, die ungesucht als Frucht dieser Institution sich ergeben würden. Statt den Kultus nach den dem Judentume innerlich fremd gewordenen und abgestorbenen Formen ummodeln zu wollen und das Lebendige für das Tode zu opfern, würde so das weibliche Geschlecht für den Kultus erzogen und vorbereitet und eine Belebung des Gottesdienstes bewerkstelligt, dem mit Verständnis und innerem Anteil gefolgt würde, an den nicht länger die unerfüllbare Forderung gestellt würde, daß er Solchen, die Nichts mitbringen, bieten solle, während doch auch im Kultus wie überall, dort nur nehmen kann, der — gibt. Kaiser Kari-wohisahrts-werk: „Kinder aufs Land". In Angelegenheit der Unterbringung jüdischer Kinder im Rahmen obiger Aktion fand am 9. Mai im Präsidialbureau der Kultusgemeinde eine Sitzung statt, zu der auch Delegierte unseres Vereines eingeladen wurden und teilgenommen haben. Auch alle Vereine, deren Aufgabe es ist, Ferienheime zu erhalten, waren erschienen. Es haben sich viertausend jüdische Kinder gemeldet, welche nach Ansicht von Schule und Haus dieser Wohltat bedürftig erscheinen. Mehr wie dreihundert Kinder reflektieren auf streng rituelle Verpflegung. Die Vertreter der Ferienheime haben es offen erklärt, daß die rituelle Küche, Wweit man überhaupt von einer solchen sprechen konnte, in der Kriegszeit gar nicht beobachtet wird und meinen, daß diese Frage ganz in den Hintergrund trete, weil Hunger und Not mächtiger sind als religiöse Gefühle und Empfindungen. Selbst reügiöse Eltern haben um Aufnahme ihrer Kinder angesucht, weil sie keinen Weg und keinen Ausweg finden. Erst in dieser Sitzung ist es uns so recht klar geworden, welche Wichtigkeit es für das gesetzestreue Judentum bedeutet, wenn auch für diese dreifach armen Menschenkinder die Wohltat nicht zur Plage werden soll. Die offizielle Wohlfahrtsaktion kann nur jedem Kind einen Zuschuß von K 12*— per Woche gewähren, alles übrige muß durch Spenden, aufgebracht werden. Die Vertreter des Fortschrittsjudentum behaupt«! die andere Hälfte der Bundestafeln, die Pflichten gegm die Nebenmenschen zu üben, während das gesetzestreue Judentum seine Beftiedigung in der Pflichterfüllung gegen Gott sucht und findet. Das konservative Judentum hält die Zeremonien und vergißt den Geist des Judentums tätiger Nächstenliebe. Vergebens suchen wir orthodox geleitete Kinderheime, orthodoxe Ferienkolonien oder orthodoxe Versorgungshäuser. Zeigen wir bei dieser Aktion, daß auch wir das Herz am rechten Platz haben, daß wir nicht zurückstehen, wenn es gilt unseren armen jüdischen -Kindern zu helfen. Es ist hier Pflicht jedes Einzelnen mehr zu tun als er gewohnt ist, der Kaiser rief und Alle kamen. Jeder gute Jude, jeder Patriot, jeder Kinderfreund, diese Begriffe verschmelzen nach unserer Auffassung in einem, helfe dieses Werk der Nächstenliebe zu fördern! „Jeschurun". Org. f. d. thoratrme Jugend. Vereinsnachrichten.. Aktiv« „Müder a«fs Saud": An Spenden sind uns weiter zugekommen: B. Schiffs Söhne, Wien, K 2000 — Josef Weißkops, „ „ 1000 — Michael Sternseld, „ „ 500 —. In Anbetracht der -vorgeschrittenen Zeit bitten wir dringend um weitere Zuwendungen, um das uns gesteckte Ziel erreichen zu können. MUr bitten diejenigen, welche unser Blatt bisher erhalten haben, um Einsendung des Nhonnementsbetrages, da sonst die weitere Lusendung unterbleiben mWte. Dreh Komitee des „Aescburun", i., Salzthorgasse 2.

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