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Jüdische Korrespondenz · 1918-05-16 · 16-17 (16.5.1918) · page 11

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
16-17 (16.5.1918)
Date
1918-05-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 16/17 Jüdische Korrespondenz. Seite 11 reich, teils in die Vereinigten Staaten. Die Folge hiervon sowie des gleichzeitigen Geburtenrückganges war eine absolute Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Rumänien seit 1899. Ende des Jahres 1912 stellte die jüdische Bevölkerung 3'4 % von der Gesamtbevölkerung des Landes dar.. Gegenüber dem Jahre 1899 zeigt dies einen nicht unerheblichen Rückgang. Im Jahre 1899 belief sich nämlich die jüdische Bevölkerung auf 266.652 Seelen oder 4°5 % der Gesamtbevölkeruug, während sie im Jahre 1912 aus 3°4 % der Gesamtbevölkerung zurückgegangen war. Die absolute Abnahme betrug 26.685, die Prozentuale 10 %, d. h. also durchschnittlich im Jahr 1 %. Von der aus dem Lande in den Dorfgemeinden lebenden jüdischen Bevölkerung entfielen auf die Walachei 910, d. i. 0'03 %, yltenia 226, d. i. 002 %, Moldau 44103, d. i. 2°52 %, Dobrudscha (alt) 247, d. i. 009 a/g der Gesamtbevölkerung. Gegenüber dem Staude zu Ende 1899 war auch rücksichtlich der jüdischen Dorseinwohner ein ansehnlicher Rückgang (8600, d. i. 18°8 %) zu verzeichnen. NlmLschau. (Zur Gemeiudebundfrage). Vorrigen Sonntag fand in Wien eine Konferenz der Westösterreichischeu Kultusgemeinden statt, welche sich mit der Gemeiudebundfrage befaßte. Die Gemeindeverbände für Niederösterreich und den Alpenländern haben sich konstituiert. — Die Konferenz befaßte sich auch mit den bekannten zionistischen Forderungen zur Versassungsreform und sprach sich nach einer lebhaften Debatte entschieden gegen die Errichtung einer jüdisch-nationalen Kurie in Oestexreich aus. Das Präsidium wird den diesbezüglichen Beschluß der Regierung zur Kenntnis bringen. (Die Stellung der Orthodoxie zur Gemeiudebundfrage ist bekannt und wir haben keine Veranlassung, darüber nochmals viel Worte zu verlieren. Die Zionisten waren aber seit jeher große Anhänger des Bundgedankens, vielleicht in der Meinung, es werde ihnen dann eher gelingen, die Herrschaft in den Gemeinden zu erlangen. Heute sehen sie sich veranlaßt, gegen die Beschlüsse der Konferenz anss Heftigste zu demonstrieren — sie scheinen also eines Besseren belehrt worden zu sein....) (Rikolaj Nikolajewitsch — gefangen!) Eine Nachricht aus der Krim besagt, daß in der Nähe von Jalta die Ex- Zarin-Mutter Maria Fevdorowna, der Ex- Großfürst Nikvlaj Nikolajewitsch und noch einige Mitglieder der Ex-Zarenfamilie, die dort unter Bewachung von Matrosen sich befanden und von der übrigen Welt völlig obgeschnitten waren, den Deutschen^ als Gefangene in die Hände gefallen sind. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, dann wird dies der höchste Triumph der rächenden Gerechtigkeit sein. Der bestialisch-wilde Ex- Großfürst, einer der Hauptschuldigen am Kriegsausbrüche, der den Juden gegenüber die Rolle eines zweiten Haman spielte und auf dessen Befehl Tausende und Abertausende von Heim und Herd verjagt und nach Sibirien als „Geiseln" verschleppt wurden — dieser Unmensch muß nun selbst in die Gefangenschaft wandern. Für jeden Fall ist er für Kriegsdauer unschädlich gemacht. .. . (Ein Beschluß des Polenklnbs über die Krakauer Ausschreitungen.) In der letzten Sitzung des Polenklubs wurde folgender Antrag des Abg. Dr. Adolf Groß angenommen: „Der Polenklub verurteilt die Krakauer Exzesse und drückt sein Bedauern darüber aus, daß die Polizeidirektion in Krakau der polnischen öffentlichen Meinung, die sofort die Exzesse verurteilt hat, unmöglich gemacht hat, sich in dieser Richtung auszusprechen, denn cs wurden die Veröffentlichung des in diesem Sinne gehaltenen Aufrufes des Stadtpräsidiums und des Hirtenbriefes des Fürstbischofs Fürsten Sapieha und beruhigende Artikel der Presse verboten. Der Poleuklub verurteilt die Versuche, die Bevölkerung gegeneinander anszuhetzen, und wendet sich an dieBevölkerung und die Presse mit der eindringlichen Aufforderung, daß alles aufgeboten werde, damit in Hinkunft derart i g e F ä l l e s i ch n i ch t w i c d e r h o l e n." (Auflösung des jüdischen Ministeriums iu der Ukraine.) Die neue Regierung in der Ukraine hat die Ministerien für Polen, Großrussen und Juden als nicht zeitgemäß aufgelöst. (Gemeindewahle» in Warschau.) Aus Warschau wird gemeldet: Die Bewegung zu den Kultusgememdewahlen hat in den letzten Tagen ziemlich stark eingesetzt. Charakteristisch sind hiebei zwei Momente: 1. das orthodoxe Wahlkomitee hat mehr Wähler anmelden können, als alle anderen Wahlkomitees zusammen, womit das Uebergewicht der Orthodoxie evident ist; 2. in der ersten (Intelligenz-) Kurie gehen die Zionisten und Nationalisten mit den extremsten Asstmilanten Hand in Hand, um die orthodoxen Wahlberechtigten zu verdrängen — auch eine Illustration zum Kampf der Nationalisten gegen die Assimilation.. .. (Vernichtung der alte« Tempelbibkiothek in Belgrad.) Am i. Mai frühmorgens brach in dem ehemaligen jüdischen Tempel iu der Mojsijcvagasse in Belgrad, in dem die Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde nntergcbracht war, ein Brand aus, der das gesamte Gebäude und die darin aufbewahrten historisch wertvollen Bücher vollständig, vernichtete. Der Brand kam, wie wir den „Belgr. Nachr." entnehmen, schon den Abend vorher zum Ausbruch, wurde jedoch vom Tempeldiener ungenügend gelöscht, so daß das Feuer nun neuerlich in heftigster Weise aufflammte und, ehe noch seine Weiterverbreitung bemerkt wurde, das ganze Haus ergriff. Erst als die Flammen zum Dache hiuausschlugen, kam die Feuerwehr heran, die jedoch das Gebäude und die Bibliothek nicht mehr retten konnte. Es gelang ihr nur, das Uebergreifeu des Brandes auf die umliegenden Häuser zu verhüten. Der Schaden, der am Gebäude und an der Tempeleinrichtung angerichtet wurde, fällt, wie gesagt, nicht so sehr ins Gewicht im Vergleiche mit dem durch die Vernichtung der unersetzlichen Bücher verursachten Schaden. In dem Gebäude befanden sich namentlich die in die Jahrhunderte zurückreichenden alten Bücher über die Einwanderung der Juden in Serbien, beziehungsweise in Belgrad; sie repräsentierten neben ihrem Seltenheits-, auch einen hohen Altertumswert. Einzelne von ihnen sind überhaupt in gar keiner Weise mehr ersetzbar. Korrespondenten. Prag. Am Lag-Beaumer unternahm der hiesig« „Sinai, Verein zur Förderung des konservativen Judentums", einen größeren Gesollschastsausflug mit Separatschiff. Zweck dieses Ausfluges war cs diesen Gedenktag würdig zu feiern und auch gleichzeitig die Vereinsmüglicder nach Möglichkeit einander bekanntzumachen. Pünktlich 2 llhr ging es mit Volldampf Moldauaufwäris; am Schiff selbst wurde mit einem Prolog — ausdrucksvoll gesprochen von Frl. Edith Beck— der Reigen der Darbietungen eröffnet. Unter anderem tanzten vier kleine Kinder, darstellend die vier Jahreszeiten, nach Aussagen je eines Spruches, eiuen Reigen, der Hellen Beifall auslöste. Nach eineinhalbftündlger Fahrt langten wir in Königssaal-Zavist an. In der erstgenannten Station stiegen die Herren aus und würden vom Gesamtvorstandeckwr israelitischen Kultusgemeinde Künigssaai herzlichst willkommen geheißen und in den dortigen Tempel zum Minchah- Gebete geleitet. Nach Beendigung desselben hielt Herr Oberrabbiner Dr. H. B r o dp eine Ansprache. Er dankte dem Vorstande für den freundlichen Empfang und knüpfte daran die Hoffnung, daß die altchrwürdige Gemeinde Königssaa! sich der „Sinai"-Bewegung anschließen und durch Anstreben eines religiösen Levens in Zukunft nicht nur jüdische Gemeinde heißen, sondern auch sein wird. Zu Fuß ging es hierauf nach Zaviil, wo sich inzwischen die Damen in der Veranda häuslich niedergelassen hatten. Leider ging ein schweres Gewitter tun starkem Regen nieder, so daß ein geplanter Waldspaziergang entfallen mußte Doch ließen sich die fröhlich heiteren Lag-Bcaumer-Ausflügler durchaus nichi beeinträchügen, zumal das Programm weiter abgewickelt ivurde. Frl. Edith Beck trug mit Schwung und Eifer, dem gesprochenen Worte richtige Geltung zu verleihen, mehrere Gedichte vor. Aus „Stimmen des Jordan und Euphrat" las Frau Profeffor Dr. Klotz mit Elan mehreres, wofür ihr alle Zuhörer lauten Beifall zollten. Den Schluß des Programms bildeten liturgische Gesangsvorträge, die" von Oberkantvr Guttmann mit gewohnter musikalischer Sicherheit zu Gehör gebracht wurden. In bester Stimmung verließen die Teilnehmer sichtlich bensiedigt die Restauration und begaben sich aufs Schiff, wo wegen des fortdauernden Regens die Kajüten besetzt wurde». Nach einstüudiger Rückfahrt langten alle Ausflügler ivohibehalten hier an. Ein anerkennensivertes Verdienst um das Zustandekommen und Gelingen des Ausfluges hat sich der Vorstand und ganz besonders Herr Markus Ungar erworben, der nebst Beistellung von Erfrischungen verschiedener Art immer dort war, wo es am meisten zu tun gab. - B. M. Danksagung. Wohlg. Herrn Dr. Mar Prager, Hof- und Gcrichisadvokat Wien, 1, Zclinkagasse 11. Euer Hochwohlgeboren! Der gefertigte Vorstand der Landesorganisation „Agudas Jisroel" hat mit großer Befriedigung von dem Inhalte Ihres geschätzten Briefes Kenntnis genomntsii, miltejsl ivelchcm E. W. Ihren löblichen Entschluß bekanntgaben, beu Gesamtbetrag Ihrer Rechnung für die der „Agudas Jisroel" während der letzten drei Jahre geleisteten Rechtshllse in der Summe von K 2135'— für die Zwecke der Organisationen zur Verfügung zu stellen. Euer Wohlgeboren haben somit in wahrlich selbstloser Weise der guten Sache große Dienste geleistet, der die Tätigkeit der „Agüoas Jisroel" geividmet ist und sich damit ein unvergängliches Verdienst erwarben. Wir gedenken dankbar des Eifers, mit welchem E. W. sich stets der Sache des glaubcnstreuen Judentums angenommen haii« und der Erfolge, die dieses Eintreten bei wiederholten Gelegenheiten aufweisen konnte. Der gefertigte Vorstand beschjoß in seiner jüngsten Sitzung, die hochherzige Widmung E, W. dankbar zur Kenntnis zu nehmen und E. W. protokollarisch den aufrichtigsten Dank auszusprechen, dessen Dolmetsch das gegenwärtige Schreiben sein möge. Die hochherzige Handlungsweise E. W. wird in unserem Kreise in steter dankbarer Erinnerung bleiben. Genehmigen E. W. nochmals den Ausdruck unseres aufrichtigen Dankes und unserer unwandelbaren Wertschätzung und Hochachtung. Vorstand der lAgudas Jisroel" ' Wien, II., Gr. Pfarrgasse 23.

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