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Jüdische Korrespondenz · 1918-05-16 · 16-17 (16.5.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
16-17 (16.5.1918)
Date
1918-05-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 dem Hause der Knechte/' seid ihr vielleicht in Aegypten geknechtet gewesen und als Freie «ns Aegypten gezogen, daß ihr der Thora bedürfet? Es steht geschrieben (das. V. Hi „Du sollst keine anderen Götter haben/ gibt es Götzendienst unter euch, daß ihr der Thora bedürfet? Es steht geschrieben (das. V. 7) : /Du sollst nicht aussprechen den Namen des Ewigen, deines Gottes, zum Falschen/ gibt es Handel und Wandel (eig. Nehmen und Geben) unter euch, daß ihr der Thora betreffs des Schwures bedürfet? Es steht geschrieben (das- V. 8): „Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen/ gibt es vielleicht Arbeit unter euch, daß ihr der Thora bedürfet? Es Kt geschrieben (das. V. 12): „Ehre deinen ier und deine Mutter," habt ihr vielleicht Vater und Mutter, daß ihr der Thora bedürfet? Es steht geschrieben (das. 13): „Du füllst nicht morden," gibt es vielleicht Blutvergießen unter euch, daß ihr der Thora bedürfet? Es steht geschrieben (das.): „Du sollst nicht ehebrechen," gibt es vielleicht Weiber unter euch, daß ihr der Thora bedürfet? Es steht geschrieben (das.): „Du sollst nicht stehlen," gibt es vielleicht Geld im Raki'a, daß ihr der Thora bedürfet? Es heißt (das.): „Du sollst nicht zeugen wider deinen Nächsten als falscher Zeuge," gibt es vielleicht falsches Zeugnis unter euch, daß ihr der Thora bedürfet? ES steht geschrieben (das. V. 14): „Laß dich nicht gelüsten nach dem Hause deines Nächsten," gibt es vielleicht Häuser, Felder und Weinberge unter euch, daß ihr der Thora bedürfet? Sofort kehrten alle Dienstengel um und erkannten die Worte des Heiligen, geb. sei er! an und sprachen: „Ewiger, unser Herr, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde! Du, dessen Hoheit man über den Himmeln verkündet" (Ps. 8, 2). Der Heilige, geb. sei er! kehrte Mose die ganze Thora in 40 Tagen. Als er sich anschickte, herabzusteigen und den Schrecken der Engel sah, Scharen von Engeln des Schreckens, von Engeln des Zitterns, von Engeln des Bebens und von Engeln des Entsetzens, da erfaßte ihn sofort Beben und Vergessenheit in einer Stunde. Da rief der Heilige, geb. sei er! den Jophjaphja, dem Fürsten der Thora, und übergab ihm die Thora „wohlgeordnet in allem und bewahrt," und alle Dienstengel wurden seine Freunde und ein jeder einzelne übergab ihm ein Heilmittel und das Geheimnis der Namen, wie solche aus jedem Abschnitte (Parascha) hervorgehen, und alle ihre Anwendungen. Denn so heißt es (Ps. 68, 19): „Du stiegst zur Höhe, führtest Gefangene hinweg, nahmst Geschenke unter Menschen." Selbst der Todesengel übergab ihm rin Mittel, denn so heißt es (Num. 17, 12): „Da legte er Räucherwerk auf und sühnte das Volk." Dies ist die herrliche Anwendung, die ihm die Engel durch Jophjaphja, dem Fürsten der Thora, und durch Metatron, dem Fürsten der Angesichte, übergaben. Mose überlieferte sie dem Ele'azar und Ele'azar dem Pinchas, seinem Sohne, welcher Elia, der große und würdevolle Priester ist, dessen zum Guten gedacht sei! Amen. (Der kleine stark kabalistisch gefärbte Midrasch, welcher Moses Begegnung mit verschiedenen Engeln im Himmel vor der Gesetzgebung mit dramatischer Lebendigkeit schildert, ist aller Wahrscheinlichkeit nach für das Schabuotfest bestimmt. Er ist ver-. J&dische Korrespondenz, - ~ ~ Nr. ie/17 schieden- Male gedruckt worden, so Ben. 1601, Krakau 1648 und Korez 1784 Seinem Inhalte nach gehört der Midrasch zu den „Hechaloth", denen er nach Jellinek, Bet Ha-Midrasch 1, S. XVIfl, schon frühzeitig im 12. Jahrhundert entnommen worden ist. — Aus Wünsche, „Aus Israel Lehrstellen". I. 2.1 _ Zchabuoth. Frühlingssonne! Lebenswonne! Steig' empor aus dunkler Meeresnacht; Daß in Fülle Sich enthülle Deines Lichtes, deiner Farben Pracht! Denn es harrt auf ihren tausend Wegen Deinem Strahle eine Welt entgegen. Geistumnachtet, Eingeschachtet In des Irrwahns ewig finsterer Gruft, Bis zur Stunde, Wo die Kunde Seines Daseins Gott zur Erde ruft, War die Welt. Doch seht, es kam die Sonne Und mit ihr des Lebens Licht und Wonne. Deiner Warheit Ew'ge Klarheit Goß sich aus auf Israels Geschlecht; Deinen Willen Zu erfüllen, Wurde Juda dein erwählter Knecht. terr, dein Volk, das du zum Licht erkoren, eine Wahrheit hat es nie verloren. freudig bebet, tolz erhebet Sich mein Herz im innersten Gemüt: Der Erwählten, Gottbeseelten Einer bin ich, und mein Auge sieht f ell und glänzend noch die rein bewahrte ichte Flamme, die er offenbarte. Und den Meinen Soll es scheinen, Spricht der Herr, der ew'gen Wahrheit Licht, Bis die Sonnen Sind verronnen, Und sein Strahl der Erde Nacht durchbricht. Dann will ich euch zu den Völkern senden, Meines Glaubens Segenslicht zu spenden. Nicht zerstreuet, Nein, geweihet Für die Wahrheit heil'ges Priestertum, Nicht verloren, Nein, erkoren Ueberall zu künden Gottes Ruhm Sind wir zu den Völkern all gekommen, Und die Welt hat Gottes Wort vernommen. terr, wir tragen ander Klagen Deine Leuchte schweigend durch die Welt; terr, wir leiden, och mit Freuden, Denn du hast zu Knechten uns bestellt, Bis die Nacht vom ganzen Erdenball schwindet Und dein Wort ist aller Welt verkündet. Max Emanuel Stern. Rabbi Amram. (Einer alten jüdischen Legende nacherzählt.) Bon Dora Marie, Wiesbaden. Es war zu Mainz, um die Zeit, da die Juden schwer unter harter Bedrückung zu leiden hatten, als eines Tages eine Kunde wie ein Lauffeuer die Stadt durchfuhr, die die gesamte Einwohnerschaft in große Auf- Kgung versetzte. Ein Boot, so hieß es, mit einem Sarg darin, schwimme den Rhein herauf, dem Mainzer Ufer zu, doch weder Fährmann noch sonst ein lebendes Menschenwefen sei darauf zu sehen. Da strömte das Volk in Scharen hinaus an den Rhein, um sich selbst von diesem Wundergu überzeugen. Dicht gedrängt stand die Menge, Kopf an Kopf, und aller Augen blickten gespannt auf die selffame Erscheinung hin. Den« es war wirklich so, wie die Meldung lauMe. In schaudernder Erwartung stand, das Volk; ei« Flüstern ging durch die Reihen, uud einer raunte es dem anderen zu: „Kein Zweifel, es muß ein Heiliger sein." Man sandte Boten an den Bischof, ihn von dem Vorkommnis zu unterrichten. Inzwischen wagten sich auch einige Juden an den Strand. Und siehe, als hätte das Fahrzeug nur darauf gewartet, glitt es jetzt in eiligem Lauf an jene Uferstelle, wo die Juden standen, und blieb hier ruhig liegen. Doch welch ein neues Wunder folgte! — Kaum, däß ein Christ hinzutrat, entfloh das Boot weit in den Strom hinaus. Und so oft man es versuchte, stets das Gleiche: es ging und kam, je nachdem Jude oder Christ sich nahte. Unleugbar war's, es strebte zu den Juden hin. Der Bischof gab hierauf Befehl, nachzusehen, was der Sarg enthalte. Sie hoben den Deckel ab und sahen in dem Sarge einen toten Mann in Sterbekleidern und obenauf ein Schreiben, in welchem stand: „Gelobt sei Gott auf immerdar! Seid mir gegrüßt, Ihr lieben Brüder, Ihr Juden zu Mainz! Ich starb zu Köln am Rhein, nach Gottes Wort, und möchte von Euch, an meiner Eltern Ort, begraben werden. Gott segne Euch und gebe Euch Glück und Frieden. Amram." * * * Den berühmten, hochgelehrten Rabbi Amram kannten und verehrten alle, Mt und Jung, die jüdischen Glaubens waren. Er war, einem an ihn ergangenen Rufe folgend, vor Jahren von Mainz nach Köln am Rhein gezogen. Und kaum, daß es im Lande kund geworden, der weise Rabbi Amram sei gekommen, als schon von allen Seiten die Schar der lernbegierigen Jugend zu des Weisen Lehrstuhl eilte. Und in Begeisterung saßen sie zu seinen Füßen und lauschten seinen Worten. Kein Rabbi in der Stadt war je so verehrt wie er. Deshalb kannte die Trauer keine Grenzen, als Rabbi Amram eines Tages schwer erkrankte und sein Ende nahe fühlte. Von seinen Lieblingsjüngern umgeben, raffte er sich mühsam auf und sprach mit schwacher Stimme: „Ich weiß, daß ihr mich ehrt und liebt und gern meine letzte Bitte erfüllen werdet. So höret denn: ich möchte zu Mainz bei meinen Eltern ruhen. Bringt mich dorthin und sorget, daß es geschehe, wie ich wünsche." „Wie gern, o Rabbi," erwiderten die Jünger in tiefer Traurigkeit, „geschähe von uns alles nach Deinem hohen Willen, und wäre es noch so schwierig, aber niemals wird man uns erlauben, Dich nach Mainz zum guten Ort zu bringen." „Ihr habt wohl Recht," sah der Sterbende mit Wehmut ein. „Es wird nicht gehen. So legt mich, wenn ich gestorben bin, nach der 'Väter Brauch in einen Sarg, stellt diesen in ein Boot und legt dies Schreiben obenauf. Laßt dann dem Fahrzeug freien Lauf, und Er, der alles zum Guten führet, der führt auch mich auf meinem letzten Weg. Gelobt sei Gott!" * * *

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