Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 16-17 (16.5.1918)
- Date
- 1918-05-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3495278-3495381-3495396--0640-3521337- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SCH ABUOTH-B L ATT. Mose empfängt die Thora. (Nach dem Midrasch.) In der Stunde, da Mose zur Höhe emporstieg (um die Thora in Empfang zu nehmen), kam eine Wolke und lagerte sich vor ihm, und Mose, unser Lehrer, wußte nicht, ob er auf ihr reiten, oder ob er sich an ihr sesthalten sollte. Sogleich tat die Wolke ihren Mund auf, und Mose ging in dieselbe hinein und ging am Raki'a (am Himmelsdamm) einher wie ein Mensch, welcher auf Erden einhergeht, denn so steht geschrieben in der Thora (Ex. 24,18): „Und er ging hinein in die Wolke." Da begegnete ihm Kemucl, der Pförtner der Engel, der über 12000 verderbenbritigende Engel gefetzt ist, die an den Toren des Raki'a stehen. Er fuhr Mose an und sprach zu ihm: Wozu kommst du, ben 'Amram, hier an den Ort der Feuerengel? Ich komme nicht von mir selbst, sondern mit Erlaubnis des Heiligen, geb. sei er! um die Thora zu empfangen und sie den Israeliten hinabznbringen. Da er Mose nicht gehen lassen wollte, schlug dieser ihm eine Wunde und er verschwand aus der Welt. Mose setzte feinen Weg am Raki'a fort, bis er zum Engel Hedarniel stieß. Vom Engel Hedarniel geht die Sage, er sei um 60 Myriaden Parasangen höher als sein Genosse, und mit jedem Worte, das aus seinem Munde hervorgeht, fahren zugleich 12000 Feuerblitze hervor. Als er Mose sah, fuhr er ihn an und sprach: Was willst du, ben 'Amram, hier am Orte der höchsten Heiligen? Als Mose seine Stimme hörte, erschrack er vor ihm, seine Augen zerflossen in Tränen und er wollte schon aus der Wolke fallen. Sofort regte sich das Erbarmen des Heiligen, geb. sei er! über Mose und er sprach zu Hedarniel: Ihr seid seit dem Tage, daß ich euch erschaffen habe, streitsüchtig. Im Anfänge, da ich den ersten Menschen erschaffen wollte, machtet ihr den Ankläger vor mir (Pf. 8, 6): „Was ist der Mensch, daß du an ihn denkest" usw. und es entbrannte mein Zorn und ich verbrannte euch scharenweise mit meinem kleinen Finger, und jetzt fangt ihr Streit an mit dem Treuen meines Hauses, den ich habe heraufkommcn lassen hierher, um die Thora zu empfangen und sie den Kindern meiner Wahl hinabznbringen, denn wenn die Thora nicht wäre, welche die Israeliten empfangen sollen, hättet ihr keine Stätte im Raki'a. Als Hedarniel dies hörte, beeilte er sich sofort vor dem Heiligen, geb. sei er! und sprach: Herr der Welt, offenbar und bekannt ist es vor dir, daß ich nicht gewußt habe, daß er mit deiner Erlaubnis hieher gekommen ist, jetzt werde ich sem Bote sein und will vor ihm hergehen wie ein Schüler vor seinem Lehrer. Sofort lief Hedarniel und beugte sich und ging vor Mose her wie ein Schüler vor seinem Lehrer, bis er das Feuer des Sandalpon erreichte. Hedarniel sprach zu Mose: Geh, kehre um, denn ich kann mich hier vor dem Feuer des Sandalpon nicht aufhalten, daß es mich nicht verbrennt. Als Mose den Sandalpon sah, erschrack er sofort und war, bestürzt, daß er beinahe aus der Wolke gefallen wäre, seine Augen zerflossen in Thronen und er bat um Erbarmen vor dem Heiligen, geb. sei er! und fand Gehör bei i§n. In der Fülle seiner Liebe zu Israel stieg der Heilige, geb. sei er! selbst von dem! Throne seiner Herrlichkeit und stellte sich vor Mose, bis er vor dem Feuer des Sandalpon vorübergegangen war. lieber diese Stunde heißt es in der Thora (Ex. 34, 6): „Und der Ewige ging vorüber vor seinem Angesichte." Vom Sandalpon geht die Sage, daß er höher als sein Genosse ist, und zwar um eine Reise von 500 Jahren, und von ihm heißt es (Ezech. 1, 15): „Und siehe, da stand ein Rad auf der Erde neben den Tieren." Damit ist der Sandalpon gemeint, der hinter der Merkaba steht und Kronen für seinen Eigner bindet. Wie kann dir aber in den Sinn kommen, daß die Dienstengel wissen, wo der Heilige, geb. sei er! wohnt, es heißt doch (Ezech. 3, 12): Gepriesen sei die Herrlichkeit des Ewigen von seinem Orte aus!" „bimkauma" an seinem Orte heißt es nicht, sondern „mimkaumau" von seinem Orte aus. Daraus geht hervor, daß sie den Ort des Heiligen, geb, sei er! nicht kennen, sondern Sandalpon beschwört die Krone, mit der man den Ort des Heiligen, geb. sei er! durch Heiligungen krönt, und die Krone erhebt sich von selbst und läßt sich auf das Haupt seines Herrn nieder. Sofort kreisen und schreien die Heere der Höhe, die heiligen Tiere brummen und die heiligen Seraphim knurren wie ein Löwe und stimmen an und sprechen: „Heilig, heilig, heilig ist der Ewige Zebaoth, voll ist die ganze Erde seiner Herrlichkeit." (Erklärung: heilig bei den Oberen, heilig bei den Unteren, heilig in allen Welten, der unaussprechliche Name, geheiligt im Rate der Scharen Israels.) In der Stunde, wo die Krone an den Thron der Herrlichkeit gelangt, setzen sich sofort die Räder der Merkaba in Bewegung und es erbeben die Gestelle ^des Fußschemmels und alle Himmelsfesten werden von Zittern und Schrecken erfaßt. In dem Augenblicke, wo die Krone am Throne der Herrlichkeit voriibcrgeht, um sich auf ihrem Platze niederzulassen, brechen alle Gottesheere ihren Mund auf und sprechen: „Gepriesen sei die Herrlichkeit des Ewigen von seinem Orte aus." Komm und sieh das Lob des Heiligen, geb. sei er! In dem Augenblicke, wo die Krone sein Haupt berührt, macht der Ewige sein Haupt stark, um die Krone von seinen Dienern zu empfangen, und alle Chajjoth und Seraphim, die Räder der Merkaba, der Thron der Herrlichkeit, die Heere der Höhe, die Glanzerze und Kerube machen sich groß und vereinigen sich und erheben sich und geben ihm Majestät und Pracht und alle erkennen ihn als König an und sprechen mit einem Munde: Der Ewige ist König, der Ewige war König, der Ewige wird König sein in! alle Ewigkeit. (Erklärung: Der Ewige war König, bevor er die Welt erschuf, der Ewige ist König, seitdem er die Welt erschaffen hat, der Ewige wird König in der Welt sein bis in die künftige Welt.) Auch der Heilige, geb. sei er! gerühmt sei sein Name! stimmt mit ihnen ein und spricht: „König wird sein der Ewige in Ewigkeit, dein Gott, Zion, von Geschlecht zu Geschlecht. Halleluja!" (Ps. 146,10.) Als Mose an den Sandalpon vorübergezogen war, stieß er auf den Rigjon, einen Fcuerstrom, dessen Kohlen die Dienstengel verbrennen, sie tauchen sich alle in ihn und erneuern sich jeden Morgen, wie es heißt (Thren. 3, 23): „Neu sind sie an jeglichem Morgen, groß ist deine Treue." Und so wird j es durch Daniel (Kap. 7, 10) erklärt: „Ein Strom von Feuer ziehet hin und ergießt sich vor ihm, Tausend mal Tausend dienen ihm und Myriaden von Myriaden stehen vor ihm; man sitzt zu Gericht und die Bücher sind aufgeschlagen." (Erklärung: Der Feuerstrom, der Rigjon heißt, führt brennende Kohlen mit sich und geht vom Heiligen, geb. sei er! unterhalb Ves Thrones der Herrlichkeit hervor, und ist gemacht vom Schweiße der vier Chajjoth, die sich unter dem Throne der Herrlichkeit befinden, und vom Schweiße des Feuers und von dem Schrecken des Heiligen, geb. sei er!) Und von diesem Schweiße des Feuers entstand jener Strom, und der Heilige, geb. sei er! sitzt auf dem Throne des Rechts und richtet selbst die Dienstengel, wie es heißt (Hi. 4, 18): „Siehe, seinen Dienern traut er nicht, und seine Engel zeihet er der Schlaffheit," ferner (das. 15, 15): „Siehe, seinen Heiligen traut er nicht, und die Himmel sind nicht lauter in seinen Augen." Und wenn die Dienstengel zu Gericht kommen, so erneuern sie sich utib tauchen sich in den Feuerstrom. Wenn schon die Dienstengel sich in den Feuerstrom untertauchen, um wie viel mehr sollten es die Menschenkinder tun! Nachdem ihn der Heilige,^ geb. sei er! von da vorübergeführt hatte, stieß er sofort auf den Gallizur, der auch den Beinamen Raziel hat. Von ihm heißt es (Thren. 3, 38): „Aus dem Munde des Höchsten geht nicht das Böse und das Gute hervor." Warum heißt er Gallizur? Er offenbart die Gründe des Schöpfers. Raziel heißt er, weil er hinter dem Vorhänge hört, was beschlossen ist, daß es geschehe, und es in der Welt bekannt inacht, und Elia, sein Andenken sei zum Segen! steht auf dem Berge Horeb und hört die Stimnie der Verkündigung aus seinem Munde und geht und macht die Stimme in der Welt bekannt. So heißt es (Koh. 10, 20): „Denn der Vogel des Himmels führt die Stimme weiter." Das geht auf Raziel, „und der Beschwingte verkündet das Wort," das geht auf Elia. Bon Gallizur geht die Sage, daß er vor dem Throne steht und seine Flügel sind ausgebreitet, um den Hauch aus dem Munde der Chajjoth aufzunehmen, denn wenn das nicht der Fall wäre, würden alle Dienstengel von dem Hauche der Münder der Chajjoth verbrannt werden. Doch der Gallizur hat noch eine andere Eigenschaft. Er nimmt wie eine Art eiserne Pfanne, die von Feuer ist, und empfängt darauf Feuerkohlen aus dem Strome Rigjon und stellt sie vor Könige, Fürsten und Große der Welt, damit ihr Glanz sich erhalte und ihr Schrecken in die Welt falle. Als Mose ihn sah, erbebte er, doch der Heilige, geb. sei er I nahm ihn sogleich (bei der Hand) und führte ihn von da hinweg. Jetzt stieß auf ihn eine Schar von .Engeln des Schreckens, die den Thron der Herrlichkeit umgeben. Sie sind die stärksten und mächtigsten unter allen Engeln und wollten ihn mit dem Hauche ihres Mundes verbrennen. Der Heilige, geb. sei er! breitete sogleich den Glanz seiner Herrlichkeit über ihn, und sprach zu Mose: Gib ihnen eine Antwort. Mose, unser Lehrer, sprach zu ihnen: In der Thora steht geschrieben (Ex. 20, 2): „Ich bin der Ewige, dein Gott, der ich dich aus dem Lande Aegypten geführt habe, aus