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Jüdische Korrespondenz · 1918-05-16 · 16-17 (16.5.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
16-17 (16.5.1918)
Date
1918-05-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 16/17 weil Balfour an Rotschild geschrieben hat! Sondern, weil vermutlich nach Friedensschluß die Türkei die bisher bestandenen Erschwerungen der Einwanderung in ihrem eigenen wohlvorhandenen Jntereste aufheben dürfte. Alsdann wird die Diöglichkeit gegeben sein, die Besiedelung in großem Maßstabe vor« znnehmen, ohne unverhältnismäßig große Summen auszuwenden, die für dringende Gegenwartsarbeit unentbehrlich sind. P. Professor Dr. Simon Stern in Saaz — ein Konservativer. Motto: „Was bewog Korach, den Klugen, zu dieser Torheit." Die Prager „Selbstwehr" enthält in Nr. 17 einen Briefwechsel über die Vereinigung „Sinai" von Professor Dr. Simon Stern in Saaz, der sich des Langen und Breiten gegen den Verein Sinai und seine Bestrebungen wendet. Es sei Einem gestattet, der auch nicht schlechthin mit dem Sinai übereinstimmt, so kurz und gut er es vermag, darauf zu antworten. Vorerst etwas über das Formale. Zuvörderst der ungeschickt erfundene Anlaß um gegen etwas Mißliebiges vorzugehen. Ein konservativ gesinnter Jude wendet sich ausgerechnet an Herrn Professor Simon Stern in Saaz um Auskunft, ob ein Verein zur Wahrung konservativer Interessen nützlich sein kann und ob er für das Judentum notwendig ist. Diese Art der Fragestellung läßt den konservativ gesinnten Fragesteller wohl als sehr gewissenhaften, aber nicht eben sehr scharffinnigen Mann erkennen, denn es kann etwas auch nützlich, ohne gerade notwendig zu sein. Aber Herr Professor Dr. Stern ist konservativ, und so greift er wohl auf die alte talmudische Regel zurück, nach welcher der Fragesteller gewöhnlich kein großes Kirchenlicht ist, und er findet einen ihm entsprechenden Fragesteller. Herr Professor Dr. Stern ist aber auch sonst konservativ, er wählt nach Art der alten Responsen die Form von Frage und Antwort. Allerdings übersieht er, daß die meisten Responseuvcrfasser die Komplimente und Titel, die ihnen die Fragesteller gaben, soweit möglich, wegließen; er ist eben gewissenhafter und konservativer als diese alten Leuchten der jüdischen Literatur und verzeichnet mit wissenschaftlicher Genauigkeit, daß der Fragesteller in ihm den Herausgeber der (von wenigen beweinten) Jüdischen Chronik und tiefgriindigen Beantworter religiöser Fragen verehrt. Tempi passati! Es war einmal! Denn wenn wir die Antwort des Herrn Professor Dr. Stern noch so oft durchlcsen, wir können weder Gründliches noch Tiefgründiges darin finden. Das Einzige, das sich aus seinen vielspaltigen Ausführungen mit Sicherheit ergibt, ist, daß er sich mit aller Emphase für einen konservativen Juden erklärt. Wir wollen es ihm glauben und wunschgemäß feststcllen, Herr Professor Dr. Simon Stern in Saaz ist konservativ. Und nun „erkläret mir, Graf Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur", warum bekämpft der konservative Professor Dr. Stern einen konservativen Verein? Des Rätsels Dunkel beginnt sich bald zu lichten. Herr Professor Dr. Stern, der an unsere Leichtgläubigkeit die Forderung stellt, ihn für konservativ zu halten, verwandelt wie ein geschickter Taschenspieler den konservativen Verein flugs in einen orthodoxen und schafft so das rote Tuch, zu dem er die nötigen Partner bald zu finden hofft. Gegen Orthodoxie kämpfen ist ein Kinderspiel, zumal wenn man selbst ein patentierter Konservativer ist. Ohne viel Gedanken, dafür aber mit umsomehr Worten und einer Sicherheit, die nur einem Unfehlbaren zusteht, macht sich Herr Professor Dr. Stern daran, turmhohe Scheidewände zwischen konservativ und orthodox, zwischen religiös und fromm zu errichten. Der Religiöse erfüllt die Gebote nur aus Herzensdrang, der Fromme, nur weil er davon ein äußeres Heil erwartet, weil er darin eine Art Zaubermittel sieht, das wie jeder andere Hokuspokus nur wirksam ist, wenn es ganz genau ohne jede Abweichung ausgeführt wird. Dem Religiösen ist nur die Lehre göttlich, die äußere Betätigung menschlich. Nun, wenn er cs sagt, müssen wirs glauben, er ist ja Professor und noch dazu konservativer. Und als Konservativer liegt ihm, wie er beteuert, die Aufrechterhaltung aller Bräuche und Einrichtungen am Herzen, er ist aber immer bereit, bei wichtigen Gründen sich über sie hinwegzusetzen. So müsse beispielsweise der Konservative gegen Leichenverbrennung und für die Chaliza sein; wenn ernste Gründe dafür sprechen, sei aber die Leichenverbrennung zuzulassen, die Chaliza aufzugeben. (Vielleicht ist auch ein gutes Trinkgeld an den betreffenden Rabbiner ein hinreichend ernster Grund, um ohne Chaliza zu trauen oder einen Verbrannten einzusegnen). Aber bei alldem hält er das religiöse Gesetz hoch, der konservative Professor Dr. Stern; er ist bis zu diesem Punkte seiner Ausführungen ein harmloser Haarspalter, der um jeden Preis konservativ sein will und darum den Konservatismus auf seine absonderliche Persönlichkeit zurechtschneidert. Seine weiteren Ausführungen aber zeugen von ebensoviel Unwissenheit als Böswilligkeit. Um die Orthodoxie möglichst schlecht darzustellen, erkühnt er sich den Orthodoxen zu unterstellen, daß sie um das Wort „Du sollst darüber sinnen Tag und Nacht" zu erfüllen, nichts dazu tun, ihr Brot zu verdienen, sondern sich lieber von ihren Weibern ernähren lassen oder betteln gehen, als das Gesetzesstudium zu unterbrechen. So dreist und abgeschmackt diese Behauptung ist, sie wird noch weit in den-Schatten gestellt von der unmittelbar daran anschließenden, daß der Orthodoxe, wenn er nicht gerade reich ist, sich von seinen 14jährigen Kindern ernähren lasse um ihnen damit Gelegenheit zu geben, das Gebot „Ehre Vater und Mutter" zu erfüllen. Für diese Beschimpfung der Orthodoxie und Orthodoxen ist jeder parlamentarische Ausdruck unzureichend. Sie wird den konservativen wie den liberalsten Juden auszeigen, mit welchen Mitteln man arbeitet, um die Orthodoxen in den Augen aller, denen -das Gebot „Ehre Vater und Mutter" heilig ist, und das ist die gesammte gesittete Menschheit, herabzusetzen. Sie wird ihren Zweck erfüllen und wie jede grundlose Beschimpfung auf ihren Urheber zurückfallen, auf den konservativen Professor Dr. Simon Stern. Und damit beantwortet sich auch unsere Mottofrage: Was hat Korach, den klugen Konservativen, zu dieser Torheit bewogen? Prag. _ Hamabit. „Iesodeh-Dathorah" der Zchiffschul. Vor wenigen Wochen wurde die Mitteilung gemacht, daß unter dem Vorsitze des Obmannes, des Herrn Wilhelm Kritzler und in Anwesenheit Sr. Ehrw. des Herrn Rabb. S. Fürst, der „Jesodeh-Hathorah"-Verein eine Sitzung abhielt, in der über die Neubelebung dieser Anstalt beraten wurde, denn der Krieg verschonte auch diese Stätte der Thora nicht. Dank der unermüdlichen Arbeit des Herrn Rabb. Fürst und des Vorstandes ist ein seit langer Zeit gehegter Plan des Herrn Rabb. Fürst, die Erweiterung der Lehrziele der „Jesodeh-Hathorah", um Jünglinge für die Aufnahme in eine Jeschiwo vorzubereiten, in Erfüllung gegangen. Es wurden zu gleicher Zeit zwei Kurse an dieser Schule eröffnet. Der erste Kurs zur Vorbereitung für die Jeschiwoh, in welchem die Jünglinge während des ganzen Tages Unterricht genießen. Der zweite Kurs für solche Knaben, die eine Schule noch frequentieren und folglich täglich, nachmittag zwei Stunden die Anstalt besuchen. Sämtliche Fächer des jüdischen Wissens, wie Bibel und Talmud werden gründlichst durch bestbewährte Kräfte gelehrt. Die Schule wird sehr oft von Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Fürst inspiziert, so daß für fleißiges und zweckmäßiges Lernen, im wahrsten Sinne des Wortes, gebürgt ist. Jüdische Eltern, denen ihr Judentum nicht gleichgültig ist, mögen vertrauensvoll ihre Kinder in die „Jesodeh-Hathorah" schicken. Anmeldungen sind zu richten an Herrn Obmann Wilhelm Kritzler, Wien, I., Augustenstraße 2, _ Zahl und Verteilung der Juden in Rumänien im Jahre In der im Jahre 1917 in Wien erschienenen 2. Auflage des ausgezeichneten Werkes: Rumänien, Landes- und wirtschaftsstatistische sowie topographische Uebersichten, bearbeitet von der Direktion des k. k. österreichischen Handelsmuseums, sind interessante und wichtige Angaben über Zahl und Verteilung der Juden in Rumänien auf Grund der letzten Volkszählung im Jahre 1912 enthalten. Bekanntlich ist im vergangenen Jahrhundert nur einmal eine Volkszählung im eigentlichen Sinne durchgeführt worden, nämlich im Jahre 1899. Im Jahre 1899 wurde lediglich in großen Zügen Zahl und Verteilung der Gesamtbevölkerung und der Hauptbevölkerungsklassen festgestellt. Es ist nun über den Anteil der Juden an der Bevölkerung Rumäniens auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31.Dezember 1912 laut der amtlichen Statistik von 1915 ermittelt worden, daß in den Dorfgemeinden (die neue Dobrudscha nicht mitgerechnet) insgesamt 45.486 jüdische Bewohner (21.641 Männer und 23.816 Frauen) gezählt wurden; in den städtischen Gemeinden, außer Bukarest, 150.829 (72.646 Männerund 78.183 Frauen), in Bukarest 43.652 (20.992 Mtznner und 22.660 Frauen); die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung betrug sohin 239.967 (115.308 Männer und 124.659 Frauen). Eine Gegenüberstellung der Zahlen für die männliche und weibliche Bevölkerung zeigt einen deutlichen Ueberschuß des weiblichen Geschlechts, eine natürliche Folge der starken Abwanderung der Juden aus Rumänien teils nach Oester- (Fortsetzung auf Seite 11.)

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