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Jüdische Korrespondenz · 1918-05-16 · 16-17 (16.5.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
16-17 (16.5.1918)
Date
1918-05-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz. Nr. 16/17 rechnen, daß nur ein kleiner Teil der Juden tatsächlich imstande sein wird, die nötigen amtlichen Belege beizubringen, und daß anderseits dieser Umstand den rumänischen Behörden Gelegenheit zu Erpressungen und Schikanierungen geben dürfte. Diese Bedenken sind wohl ziemlich ernster Natur — aber gewissermaßen wird ihnen die Spitze damit abgebrochen, daß eine weitere Bestimmung all den Juden das Bürgerrecht zusichert, die während des gegenwärtigen Krieges, sei es aktiven Militärdirvst, sei es Hilfsdienst geleistet haben. Da nun bei einer allgemeinen Mobilisation, wie sie der jetzige Weltkrieg mit sich brachte, überall fast die gesamte auch nur halbwegs in Betracht kommende männliche Bevölkerung zum Militär- und Hilfsdienst herangezogen wurde, so dürfte auf diesem Wege fast all denjenigen, die auf Grund der sonstigen Bestimmungen nicht in den Besitz des Bürgerrechtes gelangen könnten, dasselbe ohnehin zugesichert u. zw. sowohl ihnen, als auch ihren Ehefrauen, Witwen und minderjährigen Kindern. Es dürfte wohl noch immerhin ein gewisser Teil der Juden in Rumänien ohne Staatsbürgerschaft bleiben. Allein, im Laufe der Zeit dürfte diese Zahl nach und nach verringert werden und schließlich ganz verschwinden. Man kann annehmen, daß die Judenfrage in Rumänien in ihrer bisherigen Form in den allernächsten Jahrzehnten gänzlich verschwinden wird. Es ist dies wohl noch nicht alles — aber ziemlich viel und sicherlich alles, was erreicht werden konnte. Man kann versichert sein, daß die Vertr et er des Vierbund es, daß besonders GrafCzernin und Graf Burian, die diesbezüglich so feierliche Versprechungen gemacht haben, ihren ganzen Einfluß geltend machten, um das Erreichte zu erwirken. Sie haben sich keineswegs von den rumänischen Versicherungen irgendwie täuschen lassen. Beweis dafür die weitere Bestimmung, auf welche in dem früher zitierten offiziösen Kommentar besonders hingewiesen wird, daß die Vierbundmächte darauf beharren werden, daß die rumänische Regierung vor der Ratifizierung des Friedensvertrages das bezügliche Gesetz in Rechtskraft erwachsen lassen sollte. Rumänische Versprechungen werden nicht alle hoch eingeschätzt. Nur greifbare Taten werden als genügend erachtet. Der Friedensvertrag bildet ein ganzes, einheitliches Instrument. Nur die restlose Erfüllung aller seiner Bestimmungen wird als befriedigend gelten können. Die neuen Herren in Rumänien werden es sich im eigenen Interesse angelegen lassen müssen, auch die Regelung der Judenfrage im Sinne der übernommenen Verpflichtungen restlos durchzuführen. Wenn noch darauf hingewiesen wird, daß die rumänischen Behörden es weiterhin in der Hand haben werden, die Juden zu schikanieren, indem sie ihnen die Ausfertigung der Matrikcnauszüge und den Soldaten die amtlichen Bescheinigungen über den geleisteten Dienst verweigern dürften, — so möge darauf verwiesen werden, daß die Vertreter des Vierbundes noch für eine längere Zeit im Lande bleiben und Gelegenheit haben werden, die Durchführung der Vertragsbestimmungen zu kontrollieren. Die Durchführung der Bestimmungen der Artikel 27-28 des Vertrages dürfte übrigens noch in einem besonderen Annex geregelt werden und die Vertragsmächte werden dann die Gelegenheit haben, all den Bedenken Rechnung zu tragen, die heute geltend gemacht werden. Wir habe« auch von maßgebender Stelle die Ikerücherung erhalten, daß die k. u. k. Vertreter in Änmänie» gemeinsam mit den Vertretern der Bundesgenossen mit allem ßifer die strenge Durchführung dieser Bestimmungen überwachen und kontrollieren werde». Ueber das Schicksal Bessarabiens ist in dem Friedensvertrage von Bukarest keine Entscheidung getroffen worden. Es hängt von dem künftigen Verhalten Rumäniens den Mittelmächten gegenüber ab, ob diese mit der Vereinigung Bessarabiens mit Rumänien sich einverstanden erklären werden. Damit ist auch das Schicksal der Juden in Bessarabien in Schwebe gelassen. Wird Rumänien die tatsächliche Erfüllung feiner bessarabischen Aspirationen anstreben, so wird es sich nicht bloß den Mittelmächten gegenüber loyal verhalten, sondern auch im eigenen Interesse die Judenftage zufriedenstellend bereinigen müssen. Damit ist eine weitere Gewähr dafür gegeben, daß Rumänien diesmal es nicht wagen werde, die frühere Taktik in der Judenfrage zu befolgen. Die Mittelyiächte ihrerseits werden ein Mittel kn der Hand haben, um die Rumänen zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen den Juden gegenüber zu verhalten. Werden sie Schwierigkeiten machen, dann wird man ihnen das Schicksal der 300.000 Juden in Bessarabien kaum anvertrauen wollen und können. Mit der Lösung der Judenfrage in Rumänien, wie sie im Friedensvertrag von Bukarest vorgenommen wurde, haben sich die Mittelmächte ein unvergängliches Verdienst erworben. Sie haben ein Erlösnngs- und Befreiungswerk vollbracht, das ihnen den Dank und die Anerkennung der Gesamtjudenheit sichert. Wir^können zu den Staatsmännern, die in Rumänien dem Rechte, der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit zum Siege verholfen haben, das vollste Vertrauen hegen, daß sie es sich angelegen sein lassen werden, dieses Werk zu vollenden und es vor jeder Finesse der Rumänen zu beschützen. Der Friede von Bukarest wird unseren Glaubensbrüdern in Rumänien hoffentlich Glück und Heil in ihrem inneren Leben und hinsichtlich ihrer Stellung nach außen bringen. Oie Kämpfe in Palästina. In den letzten Wochen haben die Engländer wiederholt Offensive - Versuche in Palästina unternommen, sie haben sich aber stets schwere Niederlage» geholt. Zusammen mit den Türken kämpften dort Deutsche, sowie österr.-ung. Truppen. Ueber die Kämpfe schreibt ein militärischer Fachmann in der „Köln. Zeitung": Vergeblich hatten die Engländer versucht, die türkische Stellung im Bergland beiderseit der Straße Jerusalem—Nablus zu durchbrechen, auch der linke Flügel bis zum Mittelmeer kam nicht vorwärts, und so entschloß sich die britische Heeresleitung nach Osten auszugreifen, um an der Hedschasbahn entlang nach Norden die Türken zu umfassen. Im untern Jordantal war Jericho, das heutige Er Riha, besetzt, eine unbedeutende, von bettelnden Fellachen bewohnte Siedlung, die für den Pilgerverkehr einige Gasthäuser und ein russisches Hospiz aufweist. 250 m unter dem Meeresspiegel gelegen, zeigt das von Gebirgsmauern überhöhte, zu einer Ebene geweitete Tal, eine subtropische Pflanzenwelt, und bis zum Zusammenbruch der Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Lande wurden Zuckerrohr, Hanf, Balsam und andere Gewächse angebaut, von deren Ueppigkeit die mittelalterlichen Chrdnisten viel erzählen. Noch 150 m senkt sich das Gelände bis zum Toten Meer; ruhig und glatt zieht in ihm der Jordan hinab, gelblich gefärbt von dem mitgerissenen Erdreich und eingerahmt von einem dichten Streifen von Gesträuch, über das Pappeln und Weiden sich erheben. Nördlich der Stelle, wo seit langen Jahrhunderten die christlichen Pilger zur Osterzeit in den Fluß tauchen, führte ftüher eine merkwürdige Holzbrücke über den Jordan, von der aus man durch ansteigendes Bergland am Wadi Rimrin in etwa acht Stunden nach Es Salt ritt. Wahrscheinlich ist der vor dem Kriege etwa 15.000 Einwohner zählende Ort das alte Gadara. Englische und französische Kirchen, Schulen und Hospitäler bildeten den Mittelpunkt der eingeborenen 400 Protestanten und 900 Katholiken, außerdem hatten sich rund 3000 Griechisch-Orthodoxe angesiedelt. Die Stadt hatte ihre Bedeutung als Markt für die streifenden Beduinen. Sie liegt zum größten Teil am Hang eines Berges, den eine Burgruine krönt. In etwa sechs Stunden gelangt man von dort nach Amman, einer der schönsten Ruinenstädtc des Ostjordanlandes. Das Rabbat Amman der Bibel, das Davids Feldherr Joab eroberte und Philadelphus von Aegypten ausbaute. Eine Zitadelle aus drei Stufen beherrscht die Stadt mit ihren alten Bädern, einer Säulenstraße, einem großen Theater und Grabdenkmälern. Auch schöne mohammedanische Bauten sind erhalten. Jetzt ist Amman an den Weltverkehr angeschlossen durch die von Damaskus kommende Hedschasbahn, die hier den Ausstieg auf die Hochebene des Südens gewinnt. Im Besitz von Amman konnten die Engländer den Anschluß an die Streitkräfte des sogenannten Königs des Hedschas gewinnen, den ihr Gold zur Erhebung gegen den Padischah bewogen hatte. Schon vor Monatsfrist hatten sie vergeblich den Stoß auf Es Salt und Amman versucht, den sie Ende April mit starkem Einsatz wiederholten. In überraschendem Angriff scheinen sie auch in Es Salt eingedrungen zu sein, während im Jordantal eine verstärke Kavalleriedivision bis Ed Damije als Flankendeckung vorgeschoben wurde. Beiderseit von Es Salt hielten die Türken unter Oberst Ali Fund Bei den schweren feindlichen Stößen stand, bis Verstärkungen herankamen. Die englische

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