Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 15 (2.5.1918)
- Date
- 1918-05-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 15 derWissenschnstdesJudenkiims bleiben, »och daß zeitweise einzelne Gelebrle unterstützt werden. Von verschiedene» Zeiten ivnrde daher schon seit gerannter Zeit dem Gedankctt Ramn gegeben, daß etwas Neues geschehen müsse, nm das Leben der jüdischen Wissenschaft und dadurch das der Religion selbst vor der sonst unvermeidlichen Erstarrung zu schütze». Blatt nahm wiederum zu dem Gedanken der Fakultät seine Zuflucht, aber es war schon sehr verräterisch, daß man sogar mit einer jüdischen Professur an einer Universität vorlieb nehmen wollte. Wie sollte man aber mit einer solchen Einzelprosessur, wie sollte man sogar mit einer Fakultät auszukvmmen hoffen, uu-utt als das Problem nicht sowohl das Abstraktum der jüdischen Wissenschaft erkannt ivnrde, sondern das konkrete Lebensproblcm einer jüdische» Gelehrtenwelt' 1. Es ist nun das Verdienst des jungen Historikers und Philosophen, des Dr. Franz Rosen,ziveig, der mit heiligem Glaubenseiser von seinem Fclddienst aus in seiner Abhandlung „Zeit ist's" den Aufruf an die deutsche Jndcnheit richtete, der sicherlich von den Inden der gesamten Knltnnvelt anfgenommen werden wird: der größte Mangel und der tiefste Notstand, unter dem tvir leiden, besteht in diesem Personenmangel an jüdischen Gelehrten. Hierin liegt der Grund unserer Ohmnacht/ unserer Unzulänglichkeit auch gegenüber den Verlockungen unserer Gegner, die uns vernichten wollen. Die Anzahl unserer Rabbiner, und wenn sie noch so Treffliches leisten, sie reicht nicht ans, um alle die verschlungenen geistigen Fragen zur Lösung und Schlichtung zu bringen, welche Geist und Gemüt des Juden auf der Schule und auf der Universität bestürmen, um ihn von der religiösen Isolierung abwendig zu machen und für die scheinbar einheitliche moderne Kultur ihn zu gewinnen. Schon ans dem apologetischen Gesichtspunkte bleibt die Anzahl der' Rabbiner unzulänglich, nm den Geist des Judentums gegenüber der Mannigfaltigkeit der modernen Kultur zu vertreten. Die lebendige Religion, als Änltnrreligion, erfordert für ihre Behauptung und Fortbildung den freien Geist der Wissenschaft und demgemäß Männer der gelehrten Forschung, welche nicht zugleich die Träger des geistlichen Amtes sind. Der Unterschied der neu zu begründenden Akadeinie von allen bisherigen wissenschaftlichen Organisationen und die Ergänzung, welche sie ihnen allen darzubieten strebt, besteht sonach schlechthin darin: daß sie die Personen berbeiznichaffen sucht, welche jene, sei cs als Lehrer, sei es als Forscher, für die herauszngebenden Werke erfordern. Wie die Lehranstalten, so wird auch die Gesellschaft zur Forderung asm. von dem Vertrauen getragen, daß ans dem Rabbinerstande heraus Kräfte zur Uebcrnahme der wissenschaftlichen Aufgaben sich bereit finden werden. Daher kann aber die Anzahl dieser disponibeln Kräfte nur eben spärlich sein und ihre Auswahl nur ebenso schwierig, wie die der Lehrkräfte ist. (Schluß folgt.) Streiflichter. Neue Literaten znr rumänischen Judenfrage. Anläßlich der durch die Verhandlungen in Bukarest bevorstehenden Neuordnung der rumänischen Jndenfrage erschienen mehrere das einschlägige Material znsammenfassende und das bisherige Verhalten der rumänischen Regierung gegenüber den Juden darstellende Schriften, die angesichts der Aktualität dieser Frage die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit beanspruchen. Eine wuchtige Anklageschrift gegen die Beschränkungen und Verfolgungen der rumänischen Inden durch die rumänische Regierung stellt das in deutscher, englischer und französischer Sprache erscheinende, vom Kopcnhagcncr Büro der Zionistischen Organisation hcransgegebene Buch „Die Jndenpolitik der rumänischen Regierung" von Tr. S. Bernstein dar, dessen deutsche Airsgabe bereits vorliegt (Kopenhagen 19!8). Die fast 200 Seiten starke Schrift, die die Leidensgeschichte der Inden in Rnmünien im 19. Jahrhundert und besonders die Bestimmungen des Berliner Vertrags und ihre unausgesetzte Verletzung durch die rumänische Regierung eingehend behandelt, ist durch das reiche Quellenmatcrinl, besonders in dem die Lage der rumänischen Inden seit Ausbruch des Weltkrieges behandelnden Teil, der die in russischen und anderen Zeitungen zerstreuten Originalberichte von Augenzeugen enthält, von höchster Aktualität. — Als Heft 21 der int Verlag (5. A. Schwctschkc Sohn erscheinenden „Kriegspolitischen Einzelschritten" erschien „Die Jndenfrage in Rumänien" von C. M. Eargher, die ebenfalls wertvolles Material zu dieser Frage sammelt und es znsammenfasfend behandelt. — Im „Nibetungcn-Verlag" erschien von Dr. Bcnfamin Segel, vielfach erweitert und ergänzt, die von ihm in der Zeitschrift „Oft und West" in zahlreichen Forlsetzitngcn unter denn Pseudonym Dr. S. Schiffer veröffentlichte gründliche Arbeit über die rumänische Jndenfrage unter dem Titel „Rumänien und seine Inden". — Die vom Schweizer Komitee Pro Causa Judaica (Zürich 1918) heransgegebene Schrift „Die Juden in Rumänien" sammelt eine große Anzahl der von der rumänischen Regierung feit 1879 erlassenen Beschränkungen der Rechte der rumänischen Juden. — Alle diese Schriften treten für die sofortige und vollkominene Durchführung der Gleichberechtigung der rumänischen Inden ein. Italienische Stimme zur Palästinafrage. Das südische Pressebüro in Zürich meldet aus Rom: In einem Artikel, betitelt „Unsere. Zukunft" in der römischen Zeitung „Israel" äußerte der bekannte italienische Rabbiner Dr. Arthum gewisse Bedenken gegen die Errichtung eines selbständigen jüdischen Staates in Palästina. Die an der wpitzc der Bewegung stehenden Persönlichkeiten scheinen ihm nicht genug Gewähr zu leisten, daß die Probleme, welche aus diesem Akt sich ergeben werden, in jüdischem Geiste ihre Lösung finden werden. Er schreibt u. a.: „Nicht allein einer politisch-autonomen jüdischen Einheit, die nichts anderes wäre als einer der unzähligen modernen Staaten der Welt, ist ohne Vergleich die Fortdauer unseres exilischen Lebens vorzuziehen, sondern, wenn uns auch unser Land mit der Versicherung der politischen Unabhängigkeit angeboten würde, wir uns aber nicht fähig genug fühlten, aus unserem Staat einen wahren jüdischen Staat zu bilden, so würden wir dem Judentum einen besonderen Dienst erweisen, wenn wir dieses Angebot ablehnen. Wenn nur alle so dächten wie wir, dann wäre freilich jede Gefahr beschworen, denn der südische Staat würde entweder als wahrer jüdischer Staat sich konsolidieren oder er würde überhaupt nicht gegründet werden. In Wirklichkeit verhält sich aber die Sache ganz anders. Nicht mir sind viele unter uns, die sich nach einem jüdischen L-taate sehnen, wenn er auch nichts anderes sein soll als jeder andere moderne Staat, sondern die Tatsache, daß diejenigen jüdischen Persönlichkeiten, welche das größte Ansehen genießen, sich sicherlich nicht durch das Bestreben, an der jüdischen Lebensweise festzuhalten, anszeichnen, berechtigen uns zu der Befürchtung, daß diese Männer — in deren Hände die Leitung des Staates geraten wird — ihn vielleicht von rein politischem und administrativem Standpunkte gut leiten werden, aber sicherlich schlecht vom jüdischen Standpunkt aus gesehen . . " „Das ist es, so schließt der Artikel, was jeder wahre Jude zu vermeiden suchen muß, als eines der größten Unglücke, die dem jüdischen Volke heute zustoßen können." Rundschau. (Ernennungen.) Der Kaiser ernannte den a. o. Professor an der Wiener Universität, Dr. S. Ehrmann, zum ordentlichen P r o s e s s o r. — Der Unterrichtsminister hat den Rabbineru Dr. Bach in Wien und Dr. Thieberger in Prag den Profeffortitel verliehen. (Sabbatrnhe in den Militärkanzleicn.) Das k. u. k. Militärkommando in Wien hat aus Grund des KM.-Erlaffes, Abt. X, Nr. 9551 vom 23. März 1918, folgendes verfügt: Allen bei militärischen Stellen in Dienstverwendnng stehenden weiblichen Hilfskräften ist, wenn sie darum bitten, der Sabbat (Samstag) als dienstfreier Tag zu bewilligen. Dafür sind derlei Hilfskräfte verpflichtet, an allen Sonntagen normal Dienst zu leisten. Ebenso haben sie auf die im KM.-Erlaß, Abt. IX, Nr. 2885 von 1918, festgesetzten Kriegsfeiertage als dienstfreie Tage Anspruch. Diese Verfügung hat auch auf die aufgenommenen, nicht mehr wehrpflichtigen männlichen Hilfskräfte Anwendung zu finden. (Die Fleischfrage in Wien.) Der Vorstand der Wiener Kultüsgemeinde erhielt vom k. k. Volksernährungsamt folgende Zuschrift: „In Erledigung der Eingabe vom 10. April l. I., Z. 1329/18, wird eröffnet, daß zufolge der bereits in den Wiener Tagesblättern vom 21. d. M. verlautbarten und am 27. April l. I. in Kraft tretenden Neuregelung der Fleischabgabe an Mindestbemittelte auch den Inhabern der farbigen amtlichen Einkaufsscheine nach vorheriger Abstempelung dieser Scheine bei der Brvtkvmmission der Bezug vonRindfleisch möglich sein wird." (Nach den Ereigniffen in Krakan.) Laut Informationen von authentischer Seite hat die Regierung die strengsten Maßnahmen angeordnet, um eine Wiederholung der Exzesse inKrakau hintanzuhalten. Tatsächlich ist dort die Ruhe wiedergekehrt und nach den letzten Auf- (Fortsetzung auf Seite 6.)