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Jüdische Korrespondenz · 1918-04-25 · 14 (25.4.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
14 (25.4.1918)
Date
1918-04-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz. Nr. 14 zügige Geldsannnlung der Newyorker Judenheit zugunsten der jüdischen Kriegsleidenden Ende Dezember 11*17 hat, wie man weiß, ein hohes Ergebnis: fünf Millionen Dollars gezeitigt. Die Seele dieser Hilfsaktion war Jakob'H. Schiff, der allein mit einer «spende von 250.000 Dollars voranging. In einer Zuschrift an den „American Hebrew" gibt Schiff seiner Freude über den überraschenden Erfolg der Sammlung in folgenden Worten Ausdruck: „Ich befinde mich in diesem Lande nahezu 53 Jahre. Noch keinmal habe ich einen solch herrlichen Augenblick erlebt. Als ich nach Amerika kam, hätte ich nicht glauben können, die Gesamtjudenheit sei imstande, solche Geldsumme aufznbringen, wie sie jetzt die Newyorker Juden allein aufgesammelt haben. Schauet, wie weit uns Einigkeit und Organisation bringt." ( Die Juden in Grusien.) Im Verein „Gesellschaft der Freunde der hebräischen Sprache" in Moskau schilderte Rabbiner Baasow aus Lni (Grnsien) ausführlich die Geschichte der Juden in Grusien, die nach den Landesüberlieferungen nach der Zerstörung deS Tempels in das Land einwanderten und durch Jahrhunderte hindurch sehr lebhafte Beziehungen mit Palästina und Babylonien unterhielten. Im Mittelalter sollen durch die Judenmission, die von einem getauften jüdischen Mädchen, der „heiligen 9iina" ein« geleitet wurde, 50.000 (?) Juden znm Christentum übcrgetreten sein. Allmählich sind die Juden in Grusien, in Sklaven der Landessürsteu verwandelt worden. Trotz aller Verfolgungen ist der größte Teil der Juden ihrem Glauben treu geblieben und treu ihrer nie erlöschenden Anhänglichkeit zu Palästina. Gegenwärtig sei die Zahl der Juden in Grusien ans 50—60.000 zu schätzen, die in den verschiedenen Orten des Kaukasus wohnen. Bedauerlichenoeise sei die Zahl der jüdischen Analphabeten unter ihnen sehr groß. DerReferent appellierte an das befreite russische Judentum, das Schicksal der entfernten Brüder in ihre Hand zu nehmen, um die grusinischen Juden einer glücklichen Zukunft entgegcnznführen. Line Varmizwahfeter. Aus Prag wird uns geschrieben: Weit über das gewöhnliche Mab einer Barmizwahfeier ragt der würdige und eindrucksvolle Verlauf des am 20. April stattgefundenen, überaus schönen Barmizwahfestes des Gymnasiasten Hugo, Sohn des Herrn Rudolf und Kamilla Stransky, eines Vorstandsmitgliedes des ,,Sinai"-Vereines. Diese Feier erhielt auch dadurch eine erhöhte Weihe, da gleichzeitig zwei neue Sifre Thoroth mit den dazugehörigen goldgezierten Mäntelchen und dem prachtvollen Silberschmuck der Kele-Kodesch, die Herr Stransky, der sich durch seine aufrichtige Glaubenstreue und seine schlichte, unvergleichliche Mildtätigkeit auszeichnet, anläßlich der Barmizwah feines Sohnes ansertigen ließ, dem heiligen Dienste übergeben wurden. In der reich ausgeschmückten „Knabenwaisenhaussynagoge" fand sich ein zahlreiches Publikum zur Beteiligung ein, unter dem sich S. E. Herr Oberrabbiner Dr. B r o d y, Rabb. Prof. Dr. Thioberger, Rabb. Prof. Dr. Weiner, Dr. K o h n e r, Dr. I. und Dr. B. Jeiteles, Prof. Dr. Hugo und Prof. Dr. E. Lieben u. a. befanden. Zunächst wurden die neue Sefre Thora dadurch am würdigsten eingeweiht, daß der Barmizwahjunge daraus mit staunenswerter Gewandtheit und genauer, melodischer Betonung die beiden Sidroth vorlas. Hierauf hielt Herr Rabb. Prof. Dr. Thiebergcr eine Ansprache, worin er in agadischen Ausführungen unter anderem die vorbildlichen Tugenden, den unermüdlichen Fleiß und Eifer und die erworbenen Kenntnisse in Bibel und Talmud des Barmizwah, wie auch die werktätige Menschenliebe des Herrn und der Frau Stransky hervorhob und die Versicherung aussprach, daß der Barmizwah noch einst ein großer Mann in Israel sein werde. Nach dem Gottesdienste fand in der Wohnung vor den vielen versammelten Gästen die Fortsetzung statt. Mit meisterhafter Rednerkunst hielt der junge Stransky vorerst eine deutsche Rede. In deren Einleitung wies der Barmizwah auf die Bedeutung des Tages und auf die mannigfachen Gefühle hin, die ihn in der Scheideftunde übermannen. Er schildert seine glücklich verlaufene Vergangenheit und bleibt bange vor der dunklen Zukunft stehen. Aber mit Hinblick auf die ihm in seinem Elternhaus« eingeschärften Lehren unserer heiligen Thora kann ihm die ihn beschleichende Bangigkeit und Zagheit nichts anhaben. In den Bahnen der heiligen Thora, die ihm in ihrer Urschrift an diesem Tage seine Eltern in ihrer beispiellosen Opferfreudigkeit „als treues Vermächtnis auf den weiten Lebensweg" mitgeben, hofft er sicher und fest seinem Lebensziele entgcgenschreiten zu können. Schließlich sprach er seinen 'Eltern mit tiefgerührtem Herzen den heißen Dank aus für die zahllosen Beweise ihrer Liede und für das sinnreiche Barmizwahgeschenk und erflehte zuletzt mit rührenden Worten Gottes Segen. Es waren dies Worte, die aus dem tiefsten Herzen kamen und in den Herzen Aller einen tiefen, nachhaltigen Eindruck hinterließen. Sodann hörte man von dem jugendlichen Munde Worte der Alten. Es folgte ein halachischer Bortrag. Kaum konnte mau seinen Ohren trauen, daß dies in Prag in so jugendlichem Alter möglich ist. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die Talmudkundigen der in alter Weise vorgetragenen, klaren Darlegungen. Lauter „Jascher-Koach" folgte den schönen Ausführungen und nicht enden wollten die Segenswünsche, die man dem begabten Knaben darbrachte. Man entfernte sich mit dem erhebenden Gefühle, in Prag einmal eine echt jüdische Simcho miterlebt zu haßen. J Sar’enuwechaspenujarbekachaul. In dem „H. Jsr. Familienblatt" schreibt Prof. Kuttner (Frankfurt a. M.): Die folgende Plauderei mag man ernst oder scherzhaft nehmen, ich habe gegen beides nichts einzuwenden. Der furchtbare Weltkrieg hat manches Urteil umqestoßcn, manches Verkannte zu Ehren gebracht, manches in Bibel und Gebetbuch in neue Beleuchtung gerückt und ihm zu gerechterer Beurteilung und Würdigung verholten. Das ist so bekannt, daß es sich erübrigt, Beispiele anzuführen. Nur an eines scheint noch keiner gedacht zu haben, an das Uamavürl-Liedchen für den Sabbatausgang, in dessen Anfangsworten es heißt: Sar’enu wechaspenu jarbe liachaul, zu deutsch: „Unsere Kinder und unser Geld mehre Gott wie den Sand am Meere und wie die Sterne am nächtlichen Himmel-" Dieser so materialistische Wunsch ist wohl der Grund, weshalb das Liedchen nicht gerade hoch geschätzt wird, so daß es in manchen Siddurim schon fehlt und eine Ueberfetzung gar vergebens gesucht wird. Professor H. Steinthal (Ueber Juden und Judentum, Berlin, Poppelauer, Seite 276) sagt: „Auch ein jüdisches Wiegenlied: Hamawdil, habe ich meinem Kinde, zumal wenn es krank darnieder lag, vorgesungen und es damit eingeschläfert. Statt safena wekaspeau habe ich gesungen: bunellll ubnosenu" (unsere Söhne und Töchter). Also der Anstoß ist kaspenu! Und doch möchte ich den Verfasser dieses kleinen Piut (wie es in der Rödelsheimer Tefilloh genannt wird) ein wenig in Schutz nehmen. Was zunächst der Wunsch einer zahlreichen Nachkommenschaft anlangt, so weih man ja, daß schon unseren Erzvätern eine solche verheißen wurde: zahlreich wie der Sand am Meere und wie die Sterne am Himmel". Darum galt eine zahlreiche Kinderschar immer als ein Segen Gottes II. Rabbi sagt: Welches ist der gerade Weg, den der Mensch wählen soll? Jeder, der an sich dem, der ihn vollbringt, zur Ehre gereicht und ihm auch vor den Menschen Ehre bringt; und sei achtsam auf ein leichtes Gebot wie auf das schwere, denn du kennst nicht die Lohngewährung der Gebote; und rechne die Einbuße eines Gebotes gegen seinen Lohn und den Lohn einer Sünde gegen ihre Einbuße. Betrachte drei Dinge, so kommst du nicht in die Gewalt einer 'Sünde; wisse, was über dir ist: ein schauendes Auge, ein hörendes Ohr, und daß alle deine Handlungen in das Buch geschrieben werden. Rabban Gamliel, Sohn des Rabbi Jehuda Hanassi, sagt: Schön ist Thorastudium mit bürgerlicher Geschäftstätigkeit, denn die Beschäftigung mit beiden läßt sündige Gedanken nicht aufkommen, und jedes Thoralernen, mit welchem keine Arbeit verbunden ist, hört endlich auf und führt Sünde herbei. Und alle, die sich mit der Gemeinde beschäftigen, sollen sich mit ihr nur um Gotteswillen beschäftigen, denn das Verdienst ihrer Väter steht ihnen bei und auch ihre Pflichttreue besteht für immer, euch aber rechne ich reichen Lohn an, als hättet ihr es geleistet. Seiet vorsichtig mit Machthabern, sie lassen den Menschen nur näher zu sich in ihrem eigenen Interesse, scheinen wie Freunde zur Zeit ihres Nutzens und stehen dem Menschen nicht bei zur Zeit seiner Bedrängnisse. Er pflegte zu sagen: Erfülle Seinen Willen wie deinen Willen, dann wird er deinen Willen wie Seinen Willen erfüllen. Versage dir deinen Willen wegen Seines Willens, dann wird er den Willen anderer versagen wegen deines Willens. Hillet sagt: Sondere dich nicht von der Gemeinde; setze keine Zuversicht in dich bis zu deiner Sterbestunde. Fälle kein Urteil über deinen Nächsten bis du an seine Stelle gekommen; sage auch von keinem Worte, es sei nicht möglich, daß es gehört werde, denn es gelangt doch endlich dahin, daß ihm Gehör wird. Sage auch nicht, wenn ich Muße haben werde, werde ich lernen, vielleicht wird dir keine Muße. Er pflegte zu sagen: Ein Unwissender wird nicht sündenscheu, ein Uunnterrichteter nicht fromm, ein Schüchterner lernt nicht, ein Heftiger lehrt nicht, und >ver sich zu viel dem Geschäfte hingibt, nimmt nicht an Weisheit zu, und wo es an Männern fehlt, da bemühe dich, ein Mann zu sein. Rabbi Jochanan, Sohn Sakkais, empfing von Hillel und Schammai. Er pflegte zu sagen: Hast du viel Thora gelernt, so tue dir darauf nichts zu gute; denn dazu wurdest du gebildet. Er hatte fünf Schüler. Er pflegte ihre Vorzüge aufzuzählen: Rabbi Elieser, Sohn Horkenos ist eine gekalkte Zisterne, die keinen Tropfen verliert. Rabbi Jehoschna, Sohn Chananjas: Heil, die ihn geboren! Rabbi Joßi, der Kohen, ist ein Chaßid; Rabbi Schimon, Sohn Neßanels, ist sündenscheu; Rabbi Elasar, Sohn Arachs, ist wie ein stets stärker fließender Quell. Er sagte zu ihnen: Geht einmal hin und sehet, welches ist der gute Weg, an dem sich der Mensch festhalten soll. Rabbi Elieser sagt: ein gutes Auge. Rabbi Jehoschna sagt: ein guter Genosse. Rabbi Joßi sagt: ein guter Nachbar. Rabbi Schimon sagt: der bie Folgen bedenkt. Rabbi Elasar sagt: ein gutes Herz. Er sagte ihnen: Mir leuchten Rabbi Elasar, Sohn Arachs Worte mehr ein, als eure Worte, denn in seinen Worten sind eure Worte mit enthalten. (Fortsetzung folgt.)

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