Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 14 (25.4.1918)
- Date
- 1918-04-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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»= Organ des Vereines „Jesctiuruif ORGANISATION für die thoratreue Jugend Wiens Alle Zuschriften und Anfragen sind zu richten an: „Jaschurun“-Prenkomitee, Wien, I., Salztorgasse 2. Jeschurun Nr. 13. 1918. Beiblatt der „Jfldischen Korrespondenz“. ABONNEMENTS sind zu beziehen mittelst Postkarte durch das: Preßlcomitee des Vereines „Jeschurun“ Wien, I.. Salztorgasse 2. peflach im Leide. Bon einem unserer Freunde erhielten wir eine Schilderung des Pessachfestes, das er im Felde verbrachte, der wir gerne Raum geben. Als ich hierher an die rumänische Front kam, war der Beginn des von unseren Chachomim angesetzten Termines von 30 Tagen, die Vorbereitungen zum Pessachfeste zu beginnen, schon überschritten. Also hatte ich nicht viel Zeit zur Ueberlegnng; es hieß recht zngreifen, wenn man den jüdischen Frontsoldaten einen richtigen Pessach bereiten wollte, doch vom guten Willen bis zum guten Gelingen ist es ein langer Weg. Hier, um unsere Stellungen, ist der Weg nicht nur lang, sondern auch in hohem Grade gebirgig, bald verschneit und vereist, bald mit bodenlosem Kote bedeckt. Doch all diese Schwierigkeiten haben unsere Kräfte nur angespornt und unseren Willen gestärkt. Es galt also zu beginnen! Es ist schwer, nach einem friedlichen Leben in einer Zivilgenieinde oder im Hinterlandsdienste hier rasch eine Neuorientierung zu gewinnen, um sogleich gut funktionierende Pessachküchen anfznstellen. Auch zu Hause muß der Rabbiner viele Dinge verstehen, >venn er seinen Posten ganz ansfüllen will, allein hier muß er neben den alten noch neue, militärisch gefärbte Eigenschaften sich aneigne». — Er muß neben dem Rabbiner noch ein guter Intendant, geschickter Menagenmeister und ein Generalstäbler sein, der die Karten eifrig studiert und nach den Koten und Berghohen forscht, >uo die Küchen in der Nähe der Regimenter am besten aufzustellen seien. — Neben der örtlichen Lage ist noch die allgemeine Situation ins Auge zu fassen, denn diese beeinflußt natürlicherweise den Dienst, und der Dienst geht ja alleni vor. Heuer hat uns die allgemeine Situation nebst den anderen Schwierigkeiten einen' bösen Streich gespielt. Im Adar war alles zu einem Borstoß bereit, um endlich den Frieden zu erzwingen; da kam der Nissan, der den rumänischen Vorfrieden brachte, und die Situation war plötzlich geändert, Rückbewegung, Verschiebung. Nun mußte man neue Karten holen und rasch umlernen. Doch die neue Situation bringt auch immer neue Menschen, die nian nicht nach Karten studieren kann. Ihre Höhen und Tiefen muß man von Aug' zu Aug', von Mund zu Mund erforschen und ergründen. Ihr Wesen offenbart sich nur im persönlichen Verkehre und auch ans anderen Gründen tut man gut, überall persönlich vorzusprechen. So entschloß ich mich zu Fahrten und Wanderungen, die mich mit allen Faktoren in direkte Berührung brachten. Wie oft traten bei solchen Fußpartien jüdische Soldaten der weit verstreut liegenden Formationen mit der sorgenvollen Frage an mich heran, ob auch für ihren Pessach gesorgt würde; doch die fragten, baten, verlangten mindestens; aber wie oft sah ich auf der Straße Brüder aus Rußland und Rumänien, die nicht den Mut hatten, zu fragen und zu verlangen. Doch sie benötigten nicht der lauten Bitte, aus ihren traurigen jüdischtreuherzigen Augen konnte man es deutlich genug lesen, daß, wenn überhaupt jemand, sie das volle Recht hatten, das Fest der Erlösung aus dem Skiavenjoche Mizrajims zu feiern. Diese Fragen und diese Blicke spornten immer von neuem zu unermüdlicher Tätigkeit an und ließen die klugen und klügelnden Einwendungen der Bequemlichkeit nicht zu Gehör kommen, bis uns allen eine gute rituelle Peffachversorgung gesichert >var. Dank dem Zuvorkomiiicn des Militärs konnte für alles gesorgt werden; wir bekamen einen fromnien Schocket, hatten neue Kochkisten, Eßbestecke und Eßschalen und vorzügliches Essen. An fünf steilen des Divisivnsberciches brodelte am Morgen des Erewjomtauw siedendes Wasser in großen Kessel», um die nötigen Kochgeschirre zu koscher». Bon nn» ab gab es hier nur noch jüdische Gemeinden, Abkömmlinge der Auszügler ans Mizrajim, die tveitab von ihrer Heimat hier ein jüdisches Heim gefunden haben. Hätten die Mütter und Bäter und Brüder von ihren Sedertischen aus einen Blick in unsere Sederbaracken und Unterkünfte werfen können, wo Hunderte ihrer Söhne und Brüder eng znsammengcdrängt, aber mit weitem Herze», in althergebrachter Weise die Hagadah rezitierten, ans dem einen ihrer Äugen wäre wohl eine Freudenträne gefallen, wenn schon das andere von Tränen des Schmerzes feucht war. Bei uns fünvahr war es so; das eine Auge lachte, das andere weinte — aber nur am Beginne beim Kidusch. Dann kam freudige Festesstimmung in die Baracke, wo Offiziere und Mannschaft aller Nationen der Monarchie beisammen saßen. Doch trotz der getvaltigen Unterschiede in Sprache, Tracht und Bildung waren alle eines Sinnes, fühlten sich alle als Brüder, erzählten sie doch einander von picke Aboth. sSprüche der Väter.? (Fornei-un.s. > Nithai der Arbelite sagt: Entferne Dich von einem bösen Nachbar und schließe Dich keinem Gesetzlosen an, und gib die Erwartung vom Strafverhängnis nicht auf. Jehuda, Sohn Tabais, und Schimon, Sohn Schetachs, empfingen von ihnen. Jehuda, Sohn Tabais, sagt: Mache Dich nicht wie Sachwalter der Richter, und so lange die Parteien vor Dir stehen, seien sie wie Schuldige in Deinen Augen, und wenn sie von Dir fortgegangen sind, so seien sie wie Gerechte, wenn sie sich dem Urteil unterworfen haben. Schimon, Sohn Schetachs, sagt: Frage viel die Zeugen ans und sei vorsichtig in deinen Worten, daß sie aus ihnen nicht lernen eine Unwahrheit zu sagen. Schamaja und Abtaljon empfingen von ihnen. Schamaja sagt: Liebe die Arbeit und hasse die Hochstellung und suche nicht mit der Herrschaft bekannt zu werden. Hillel und Schammai empfingen von ihnen. Hillel sagt: Sei von Aharons Schülern, Frieden liebend und nach Frieden strebend, die Geschöpfe liebend und sie näher bringend zur Thora. Er pflegte zu sagen: Wer Namen ihrer geincinsamen Volksvergangenheit, klangen doch alle ihre Stimmen und Herzen indem einen WnnschezusaimneinLeschonohhabohbeijruscholojim — das nächste Jahr in unserer Heimat. Vereinsnachrichten. Kinder aufs Land. Der Verein „Jeschurun", Organisation für vie thoratreue Jugend Wiens, hat es unternommo», inuerhalb des Rahmens der Kaiser Karl Wohlmhrtsaktion „Kinder auis Land" eine Gruppe geietzestrouer jüdischer Kinder in einer Ferienkolonie in Ungarn zu beaufsichtigen und rituell zu verpflegen. Diejenigen Eltern von Volks-, Burger- oder Mittelschüler» (-Schülerinnen), die die Aufnahme ihrer Kinder in erwähnte Ferienkolonie wünschen, mögen folgende Daten an die Adresse des Vereines „Jeschurun", Wie», I., Salzthorgasse 2, s ch r i f t l i ch bis 26. April 1018 bekannlgeben: 1. Name und Alter des Kindes. 2. Wohnort des Kindes. :i. Schale und Klasse des Kindes. 4. Name deS Vaters. Unabhängig von dieser Mitteilung hat die Anmeldung zum Ferienaufenthalte an die von dem Kinde besuchte Schule zu erfolgen, wobei der Wunsch nach ritueller Verpflegung besonders anzugeben ist. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß mit dieser Anmeldung beim Verein „Jeschurun" noch keine Gewähr für die Aufnahme in die rituell verpflegte Ferienkolonie gegeben ist, sondern das; über dieselbe in einem späteren Zeitpunkte entschieden wird. Der B o r st a n d. Druckfehler. In dem voii uns letzthin verösfentlichten Aussätze „Mitleid, ein jüdisch Ding" sind zwei sinnstüreude Setzfehler unlerlaufen, die wir nachstehend berichtigen: Seite 5, Spalte 3, 4. Zeile von unten, soll cs richtig heiüen statt „weniger" „w o n n i g e r". Seite G, Spalte 1, 17. Zeile von oben, statt „All dies ist Mitleid, jedoch nicht" usw, richtig „A l l dies i st Mitleid jedoch nicht, jüdisches" usw. sucht, verliert seinen Namen; wer nicht zunimmt, nimmt ab; wer nicht lernt, ist Todes schuldig; wer sich der Krone bedient, geht dahin. Er pflegte zu sagen: Wenn ich mir nichts bin. wer ist mir! Und wenn ich mir für mich bin, wer bin ich! Und wenn nicht jetzt, lumm dann! Schammai sagt: Mache Dein Thora-Lernen zu etwas fest Bestimmten, versprich wenig und tue viel und empfange einen jeden Menschen mit einem freundlichen Gesichtsausdruck. Nabbai Gamliel sagt: Schaffe Dir einen Lehrer und mache Dich frei vom Zweifel. Sein Lohn Schimon sagt: Mein ganzes Leben bin ich unter Weisen herangewachsen und habe für das. sinnlich Leibliche nichts Besseres als Schweigen gefunden, auch das Forschen ist nicht die Hauptsache, sondern das Tun, und Znviclsprechen bringt Fehl. Rabban Schimon, Sohn Gamliels, sagt: Auf drei Dinge ist der Bestand der Welt gegründet: auf Wahrheit, auf Recht und ans Frieden, denn es ist gesagt: Wahrheit tum Recht des Friedens richtet in euren Toren. Rabbi Chananja, Sohn Akaschsas, sagt: Israel reich begnadigen wollte der Heilige, gesegnet sei er, deshalb hat er ihnen in reichem Maße Lehre und Gesetze verliehen. Denn es heißt: Gott will es um seiner Gerechtigkeit willen, daß er der Lehre immer mehr Größe und Machtherrlichkeit verleiht. JeuMeton