Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 14 (25.4.1918)
- Date
- 1918-04-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Korrespondenz. (so zum Beispiel Psalm 128). Auch bei Nichtjuden heißt es sprichwörtlich: „Kinder find ein Segen Gottes". Dem Juden aber war allezeit noch etwas wertvoll: je mehr Kinder, desto mehr Bekenner d überhaupt erschaffen. Und müßten nicht die Tausende, Zehnlausende und Hunderttauscnde von Juden ersetzt werden, die dem Haß, dem Fanatismus und der Habsucht der Nichtjuden in den langen Jahrhunderten bis in die Neuzeit (Pogroms!) zum Opfer fielen? Der Wunsch ei,lerzahlreichcn jüdischen Nachkommenschaft sder Berfaffer spricht nicht in seinem, sondern in aller Namen, sar’enu) enthält also nichts Unebenes. Aber Kaspemi, unser Geld! Geld wie Sand am Meere! Ist das nicht entsetzlich materiell? Darf ein Jude so beten? Seit Jakob gebetet hat um lechem leechol uvveged lilboseh (Genesis 28, 20), um Brot zum Etzen und ein Kleid zum Anziehen, also nur um das Notwendige zum Leben, ist dieses Gebet Borbild geblieben. In unserem Hauptgebete, der 8chemone Esre (Achtzehngebet), findet sich kerne einzige Bitte um Geld und Gut; denn die eine um Tau und Regen wird man doch nicht so nennen. Und dennoch Kaspemi? Trotzdem darf man den „Dichter" unseres Hamawdil nicht schelten. Wer die jüdische Geschichte kennt, der weiß, wie die Juden unter allerlei Vorwänden und Namen besteuert wurden, wie sie nur für vieles Geld ein jederzeit kündbares Wohnrecht erhielten, wie viele Bedrängnisse sie nur durch vieles Geld abwenden konnten, Geld und immer wieder Geld sie herbeischaffsn mußten — liegt es da nicht nahe, daß ein Mensch seiner Glaubensgenossenschaft Millionen wünscht? Geld wie Sand am Meere? Er braucht darum noch kein Mammonsanbetcr zu sein. Und nun wollen wir unseren Blick von der fernen Vergangenheit in die uns nähere Gegenwart wenden: der Krieg hat Millionen von Menschen ünd Milliarden an Geld verschlungen. Wie nahe liegt uns allen, der Entente wie den Mittelsiaaten, der Wunsch: 8ar'enu wechuspenu .jarbe kachau!! Und das ist nicht bloß die Losung für jetzt, sondern sie wird es noch lange bleiben, denn die verlorenen Söhne und die Milliardenschulden werden sich noch lange fühlbar machen. Der bescheidene Verfasser (-Jizchak hakoton nennt er sich) hat es sich nicht träumen lassen, daß er eine Formel gefunden, die nicht nur für uns so zeitgemäß (aktuell!) geworden ist, sondern es wohl auch noch für unsere Kinder bleiben wird. Geschichten vom „Jeher". Ausgewählt und bearbeitet von Chain, Bloch, Delatyn. Rabbi Jakob Jizchak von Lublin, bekannt als der „Seher" — starb 1815 — von Polen, war eine der merkwürdigsten und seltsamsten Gestalten der Chassidimsührer. 1 Der Herr «nd der Sklave. Der „Seher" hatte besondere Vorliebe, sich mit seinem Jünger Rabbi Hirsch von Zydaczow zu unterhalten. Als sich Rabbi Hirsch einmal zur Reise in die Heimat bereit machte,, begab er sich zu seinem Meister, dem „Seher", um sich von ihm zu verabschieden und einige Gulden für die Reise zu leihen. Der „Seher" verabschiedete ihn freundlich, lieh ihm den verlangten Betrag und machte hiebei die Bemerkung: Hirschali, nun bist du in meinen Händen, heißt es ja in der heiligen Schrift: „Der Kreditnehmer ist der Sklave des Kreditgebers". Rabbi Hirsch erwiderte: Nein Rabbi, nicht ich bin in euren Händen, sondern ihr seid in meinen, denn es lehrten die Weisen: „Wer sich einen jüdischen Sklaven kauft, der kauft einen Herrn über sich." 2. Ein Zwiegespräch. Zwischen dem „Seher" und seinem Jünger Rabbi Hirsch von Zydaczüw entwickelte sich einmal folgendes Zwiegespräch: „Seher": .Hirschali, solange ich unter den Lebenden weile, werdest du von deiner Stufe nicht hinunterfallen, doch wer weiß, was nach meinem Tode mit dir sein wird?" Zydaczower: „Ich will nicht länger am Leben sein, als unser Meester." jung, ich hingegen bereits e Zydaczower: „Ich werde ewig leben sollt." s,Seher": „Kann denn ein Mensch ewig leben?" Zydaczower: „Unter dem Wort „ewig" verstehe ich 120 Jahre; auch unser erster Lehrer Mose erreichte dieses Alter." „Seher": „Hirschali, was heißt das? Vorher agtest du „civig", nun aber ivandelst du das „ewig" a 120 Jahre um?" Zydaczower: „Ich habe in einem Buch gelesen, daß Moses 120 Jahre lebte, gegen die 120 Jubiläen des Weltbestehens — das heißt 120 X 50 6000 Jahre. Das Jubiläum wird aber in der Bibel kurzwegs „ewig" benannt, wie es aus dem Vers im zweiten Buche Mose 21. 6. hervorgeht, iva es heißt: „Und er sei ein Knecht für ewig", was unsere Weisen erklärten: „ewig — bis zuni Jubiläumsjahr". „Seher": „Wie heißt das Buch, worin sich so in sinnreiches Wort findet?" Zydaczower: „Das Buch heißt: ,Die Krone d 3. Die Heiterkeit im Antlitz, die Traurigkeit im Herzen. Rabbi Mose von Ujhely gehörte vorerst nicht zu den Chassidim, sondern hielt sich haargenau an die religiösen Vorschriften, doch ohne von einer Innigkeit bei deren Eriüllung beseelt zu sein. Als er aber von der neuen Art, wie die Chassidini dem Unendlichen dienen, hörte, wie sie ihre Begierden abiöten und durch Kasleiungen dem bösen Trieb trotzen, da gefiel ihm diese 'Ar! sehr. Nur eines konnte er nicht begreifen: warum die Chassidim immer freudeerfnlll sind, heißt es ja im Schulchan- Aruch: „Jeder Gottesfürchtige soll die Zerstörung des Tempels betrauern." Einmal überkam ihn das Verlangen, nach Lublin zu Rabbi Jizschak Jakob zu reisen. Und da er sich zur Reise bereit machte, betete er zu Gott: „Du, Allwissender, der du meine wahre Absicht kennst, leite mich auf keinen Wegen, daß ich mich verirren könnte." Als er nach mehreren Tagen in Lublin ei» traf und beim Rabbi erschien, war das erste Wort des „Sehers": „Warum ist euer Gesicht so traurig? Wohl heißt cs im Schulchan-Aruch, daß man wegen der Verwüstung des Tempels trauern soll, doch lehrte der Weise: ,Dic täiterteit im Gesichte, die Traurigkeit im Herzen? laubt mir, Rabbi Mose, daß wir die Mitlernachtsklage in tiefer Trauer sprechen, viele Thränen aus unseren Augen fließen und doch alles in Freudigkeit. Das Ist die richtige Art des Chassid: man mutz wie ein kleines Kind in einem Augenblicke lachen und weinen. Die Traurigkeit soll nicht von Innen nach Außen gebracht werden, die Heiterkeit jedoch beginnt beim Aeußerlichen und soll dort hasten bleiben. So lernte ich auch von meinem Meister Rabbi Schmelke von Nikolsburg." Er schloß seine Ausführungen, während welcher Ströme von Thränen aus seinen großen Augen stoffen, mit folgendem Beispiel: „Ein König geriet in Gefangenschaft seiner widerspenstigen Untertanen, sie entführten ihn aus seinem Lande und brachten ihn in ein fremdes Land. In der Fremde, von allen seinen Hofsleuten verbannt, fand er einen alten freund, der ihn zu sich aut eine Mahlzeit einlud. Als dieser Freund den König bewirtete, zerschmolz das Herz in ihm, er weinte bitter, weil sich der König, sein Herr, in der Verbannung befand, doch freute er sich sehr, daß er den König in der Verbannung betreuen und bedienen kann." (Fortsetzung folgt.) Neue Sucher. „Zur WirtschaftSkunde Polens." Beiträge zur Wirtschaftsgeographie des Königreiches Polen von Dr. Hermann Leiter. Generalsekretär der geographischen Gesellschaft (Wirtschaftliche Bücherei, Herausgeber Hofrat Schmid, Kompaßverlag). Preis K?>■—. Polen hat in den letzten Jahrzehnten keine größere Rolle gespielt und wurde daher meist als Teil des russischen Reiches in den einschlägigen * „Die Krone des Hirsches", eines der merkwürdigsten kabbalistischen Werke jener Zeit, es zeigt den Weg zur alten sephardischen (spanischen) kabbalistischen Lehrmethode. Der Zydaczower war selbst Verfasser dieses gigantischen Buches, doch hat er aus Bescheidenheit dies zu zuerst verschwiegen. Werken ebenso kurz als die anderen Gebiete des großen Reiches behandelt. Privatvereinignngen haben an der Erforschung des Landes eifrig gearbeilel. Die dabei erzielten Leistungen werden erst jetzt bei dem großen Interesse, das die Lösung der polnischen Frage weckt, allgemein bekannt. Dr. Hermann Leiter'versucht in seinen 'Ausführungen unter besonderer Berücksichtigung der von Oesterreich-Ungarn besetzten Gebieten eine Vorstellung von dem wirtschaftlichen Werte dieser Gebiete zu ermöglichen. Die leicht faßlich« Broschüre Dr. Leiters ist ein ivillkammcner Behelf zur raschen Information über die wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse im jungen Königreiche. „Der Prozess gegen die Attentäter von Sarajewo" aklenmätzig dargestellt, von Professor Pharos mit einer Einleitung von Prof. Dr. Josef Köhler, betitelt sich eine hochinteressante Broschüre, die soeben bei R. v. Deckers Verlag G. Schcnck, Kgl. Hofbuchhändlcr in Berlin (Preis Mk. 5'—, erschien. Diese stenographischen Protokolle, die noch nirgends veröffentlicht worden sind, können dem spannendsten Kriminalroman ohne weiteres an die Seite gestellt werden. Das Buch ivirkl erschuitcrild und wird als Dokument weltgeschichtlicher Tragik für alle Zeiten an erster Stelle genannt werden, in anderer Beziehung geh! aus der unzweideutig hervor, welch bestimmende, bisher unbekannte Rolle die Frennanrcrlngc „Groß- Oricnt" bei dieser Verschwörung gespielt hat, und wie von dieser alle Fäden anSgingen, die zu dem Attentat führten. Welch bestimmender Einfluß von gewissenlosen grohserbischen Agitatoren auf die jungen Leute 'auSgeubt wurde, ist fast auf jeder Seite zu lesen — es ist die anarchistische Verhetzung Minderjähriger, die dort ihre blutigen Trinmpfe qcfeiert hat. Diese überaus dankenswerte Broschüre, her ivir nicht nur in allen Kreisen Oesterreichs- Ungarn und Deutschlands die größte Verbreitung wünschen, müßte besonders auch in neutralen und feindlicheit Ländern gelesen werden, es ist in ihr bewiesen, daß die Ermordung des österreichischen Thronfolgers unbedingter Ausgangspunkt des Weltkrieges gewesen war. Die verschiedenen Kunstbeilaqen erhöhen den Reiz dieses aufsehenerregenden Originaldokumentes, das gerade jetzt zur denkbar günstigsten Stunde in die Oeffentlichkeit gelangt. Das Gesetz vom 16. Februar 1918, R.-G.-Bl. Nr. 66, betreffend die Kriegssteuer von höheren Geschästserträgniffen und vom Mehreinkommen der Einzelpersonen aus den Jahren 1910 und 1917. Herausgegebc» von Dr. Bohumil Vlasick, Ministerialrat im k. k. Finanzministerium. Preis K 2-40. Im Verlage der Manzichen l. u. k. Hof-, Verlags- und Universitäts-Buchhandlung erschien soeben das Gesetz vom 16. Februar 1918, R.-G.-Bl. Nr. 66, betreffend die Kriegsfleuer von höheren Gcschäflserlrägnissen der Gesellschaften und vom Dlehreinkommen der einzelnen Personen aus den Jahren 1916 und 1917. — Entsprechend ihrenr Zwecke, die interessierten Kreise möglichst schnell, in den Besitz eines übersichtlichen Orientierungsbuches über die neue Kricqsstcuer zu setzen, beschränkt sich die vorliegende Gesetzesausgabe im wesentlichen aus die Wiedergabe des Gesctzeslertes, ohne sich in nähere Erläuterungen der einzelnen Bestimmungen einzulasien. Immerhin versucht sie aber durch die Beifügung der wichtigsten Stellen von parlamentarischen Materialien einerseits die Entstehungsgeschichte einzelner Bestimmungen festzuhalten, andererseits zum besseren Verständnis und zur leichteren Auslegung einzelner Gesetzesstellen bcizutragen. Ferner wird anmerkungsweife auf die bisherigen Bestimmungen über die Kriogsgewinnstcuer (Kaif.-V. vom 16. April 1916, R.-G.-Bl. Nr. 103 aus den Jahren 1914, 1915 und 1916 samt der Durchführungsverordnung Nr. 247 hiezu) Bezug genommen. „Rechtsstellung und innere Verfassung der Juden in Polen." Ein geschichtlicher Rundblick. Von Dr. Moses Scherr, a. o. liniv.-Prof. in Lemberg. Wien, R. Löwit Verlag, 1917. Der Verfasser, der schon manch wichtigen Beitrag zur Geschichte der Juden in Polen geliefert hat, bringt auch in dieser Schrift eine intereffante Arbeit, die sowohl dom Gelehrten, als auch dem Laien Wissenswertes und Belehrendes bietet. Auf Grund eines reichen Quellenmaterials wird die Entwicklung der Rechtsstellung und der inneren Verfassung der Juden in Polen eingehend geschildert. Die Arbeit hat gerade jetzt, da man daran geht, das jüdische Leben in Polen auf new stellen, auch einen realen Wert. re Grundlagen zu