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Jüdische Korrespondenz · 1918-04-25 · 14 (25.4.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
14 (25.4.1918)
Date
1918-04-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz. der amtsführende Obmann des Polenklubs Stapinski und die Abgeordneten Vizepräsident Hofrat German, Dr. Ad. Groß, Dr. Kolischer, Rauch und Dr. Steinhaus mit dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in Krakau Dr. Dilles am 20. d. zum Ministerpräsidenten Dr. R. v. Seidler. Der Ministe r- Präsident versprach, das Notwendige zu veranlassen, um derartigen Exzessen in Hinkunst vorzubeugen. Zur Iudensrage in Rumänien. In der „Neuen Züricher-Zeitung" veröffentlicht Dr. A. B. ein Gespräch mit dem rumänischen Gesandten in der Schweiz bezüglich der bessarabischen Frage. Hiebei wurde auch die Judenfrage berührt. Dr. A. B. berichtet hierüber folgendermaßen: Auf unsere Frage über das Schicksal der andersartigen Volksstämme, die sich neben den Rumänen in der Provinz befinden, erklärte der Gesandte: Es versteht sich von selbst und braucht auch eigentlich nicht erst betont zu werden, daß alle Teile der Bevölkerung ohne Unterschied der Religion oder der Nation gleiche politische, zivile und kulturelle Rechte genießen werden wie die rumänische Bevölkerung selbst. Es steht außer jeder Frage, daß alle nationalen Minderheiten (Ukrainer, Juden, Russen, mohammedanische Stämme usw.) ihr Recht auf freies Ausleben haben werden. In diesem Zusammenhänge betonte der Minister ganz besonders, daß die Judenverfolgungen, die in früheren Jahren sozusagen epidemische Krankheit in Bessarabien waren und zu wiederholten Malen blutige Exzesse hervorriesen, nunmehr ein für allemal ein Endes?) nehmen werden. „Wir werden den Juden in Bessarabien vollste Gleichberechtigung geben und ihrer freien Entwicklung im Rahmen der Landesgesetzc keinerlei Hindernisse in den Weg stellen." Bei dieser Gelegenheit betonte der Gesandte, daß auch die Juden des eigentlichen Rumänien nunmehr ihre Rechte bekommen würden. Die rumänische Judenfrage sei erst in den letzten Jahrzehnten zu einer Plage für das Land und für die jüdische Bevölkerung geworden, doch sei sie keine religiöse, sondern mehr eine sozialpolitische gewesen. Der Minister ist weit davon entfernt, den heutigen Stand der Judenfrage als befriedigend zu bezeichnen, doch hofft er, daß diese heikle Angelegenheit sich nunmehr zur Zufriedenheit aller regeln und dem Lande von nun an Unannehmlichkeiten ersparen wird. Eine endgültige Lösung der rumänischen Judenfrage ist um so weniger zu umgehen, als ja den bessarabischen Juden wie allen übrigen Bewohnern die Gleichberechtigung erteilt werden wird, und da können doch die einheimischen Juden nicht länger rechtlos sein. (Die Juden Bessarabiens sind aber nicht so vertrauensselig und auch die Judenfrage in Rumänien erfährt eine ganz andere Lösung, als die rumänischen Politiker dies eigentlich wünschen möchten.) Rumänische Wirtschaft inBeffarabien. Die Nachrichten, die aus dem von den Rumänen okkupierten Teil Beßarabiens kommen, rollen ein fürchterliches Bild auf. Die ersten Schritte der Rumänen im eroberten Lande waren: die Errungenschaften der russischen Revolution zu vernichten, das öffentliche politische Leben zu unterbinden, die Gesellschaften und Vereine aufzuheben, die Bauern- und Arbeiterorganisationen aufzulvsen. Als Zeichen der Vernichtung der revolutionären Spuren wurden die Denkmäler des russischen Zaren, die während der Revolutionszeit von den Bauern mit Brettern vernagelt wurden, unter dem Jubel des rumänischen Militärs sreigemacht. Zusammen damit wurde auch mit der Verpflanzung der rumänischen Judenpolitik ins eroberte Land begonnen. In Kischinew wurde die jüdische Militärorganisation aufgelöst, die jüdische Sebstschutz-Organisation aufgehoben und deren Führer Weinschelbaum zusammen mit anderen 73 jungen Inden verhaftet. Das jüdische Mitglied des Stadtrates Margulies wurde verhaftet. Menschen wurden auf den Straßen überfallen, geschlagen und ins Gefängnis geschleppt, und dort solange festgehalten bis es ihnen zu beweisen gelang, daß sie keine Juden seien. Achuliche Nachrichten kommen auch aus Tiraspoli, Soroki, Bjelzi. „Es ist viel schlimmer als zur Zeit Nikolaus kl.", schließt der Bericht aus Kischinew, der sich an die Odessaer Judenheit um Hilfe wandte und um Fürsprache beim englischen Konsul in Odessa bat. Oie englischen Inden und der Iudenstaat. Man glaubt vielfach, daß alle englischen Juden begeistert für einen „Judenstaat" in Palästina eintreten. Das ist ein schwerer Irrtum. Auf den Enthusiasmus, den die Erklärung Balsours ausgelöst hat, ist das Erwachen zur Wirklichkeit erfolgt. Die britische Regierung verpflichtet sich, Palästina als „nationales Heim" für die Juden zu gestalten, fügt aber hinzu, daß dies die Staatsbürgerschaft derjenigen unserer Glaubensgenossen, die davon keinen Gebrauch machen wollen, nicht beeinträchtigen soll. Kaum war eine Woche verflossen, da wurde die „Liga der britischen Juden" gegründet und zwar unter der Führung der leitenden Häupter, wie Major Lionel de Rothschild, M. P. Lord Swaithling, Sir Philip Magnus, M. P. Rektor der Universität London, Sir Marcus Samuel, ein Ex-Lord-Mayor von London usw. Diese Liga steht in scharfem Gegensatz zu den Zionisten und erklärt, daß ihre Mitglieder „britische Staatsangehörige sind, die sich zum jüdischen Glauben bekennen" und die nur bereit seien, anderen Glaubensgenossen, welche Palästina zu ihrer Wohnstätte erwählen wollen, behilflich zu sein. In einem, unter dem Vorsitz von M. A. Kirschbaum am 3. Februar in der Toynbeehall von der „mile end literary and social Union“ abgehaltenen, sehr stark besuchten Meeting hielt Major Laurie Magnus eine demselben Zweck gewidmete Ansprache, die in weiten Kreisen großes Aufsehen erregte. Er führte darin aus, daß, so lange die geistige Mission Zions in der Welt nicht erfüllt sei, die Juden Palästina nur als eine Station aus dem Wege akzeptieren könnten. Zion dürfe keine Marionette aus dem Sack der Tricks der europäischen Diplomatie sein. Wenn die Juden auch die Offerte der britischen Regierung willkommen hießen und an deren edlen Beweggrund glauben, so müßten sie doch eine Verbesserung der darin enthaltenen Worte „ein nationales Heim" verlangen. Diese Worte kämen der Sprache der messianischen Stellen in unserer Liturgie zu nahe. Die Verbesserung wäre die bloße Weglassung eines kleinen Wortes. Es würde aber jeder Konflikt mit der nationalen Pflicht als Engländer verhindert, »venu es sich nur darum handle, die Besiedlung Palästinas mit solchen Juden, welche wünschen, nach dem Kriege ans Palästina ihr „Heim" zu machen, zu unterstützen. Das sei der Sinn des dritten Hauptpunktes in der Verfassung der neuen Liga. Der Redner wies dann auf die Konfusion zwischen dem geographischen Palästina und dem traditionellen heiligen Lande hin. Dieselbe habe sogar dazu geführt, daß manche Zionisten eine 'Analogie konstruieren wollten zwischen Belgien und Serbien und der Politik, die Mr. Balfonr in seinem Brief an Lord Rothschild skizziert hat. Er glaube nicht, daß die Mission Israels: eine „Nation von Priestern" unter den Völkern zu sein, aufgehört habe. Ein „nationales Heim" für das jüdische Volk, in dem bürgerliche und politische Rechte mit Christen und Mohamedancrn in gleicher Weise zu teilen seien, würde übrigens in nationalem Sinne sich nicht unterscheiden von den Verhältnissen in irgend einem Lande der Emanzipation. Dasselbe wäre eine Einschränkung des weltweiten jüdischen Priesterbernses und würde durch die Betonung des Nationalen dem Antisemitismus in allen Ländern Vorschub leisten. Auf diese antisemitische Gefahr ging dann der Redner ausführlich ein und bezeichnete es als Hauptaufgabe der neuen Liga ihr entgegenznwirken. Der Rede folgte eine längere Diskussion, in der hauptsächlich Mr. B. Brand, Mr. Israel Cohn und Mr. S. Newmann zum Wort Daß die zionistische Presse sowohl gegen obige Rede als überhaupt gegen die Liga scharf macht, ist selbstverständlich. Die „Jemish Chronicle" hat sich zum Verteidiger des entgegengesetzten Lagers gemacht, vertritt also in erster Linie die zionistische Anschauungsweise und alsdann diejenige der ausländischen (?) Juden. Ein heftiger Wortkampf in 'Briefform nimmt in diesem Blatte seinen Verlaus. Unter anderem wird gefragt, wie man sich denn zu den Juden in Feindesland stellen würde und ob denn die Tore zu Palästina anstandslos geöffnet würden? Die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in den polnischen Städten. Ueber die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Warschau und den übrigen polnischen Städten bringt die „Godzina Polska" von der Warschauer statistischen Abteilung bearbeitetes Material, dem wir folgendes entnehmen: Im letzten Jahrzehnt des 18?Jahrhunderts wohnten in Warschau annähernd 7700 Juden, im Jahre 1803 10.666, im Jahre 1816 15.579, im Jahre 1832 31.910, im Jahre 1850 40.922, im Jahre 1882 127.917, im Jahre 1914 337.074. Zu dieser Veröffentlichung der „Godzina Polska" bietet die regelmäßige Veröffentlichung über die Bevölkerungsbewegung eine wertvolle Ergänzung. Sie beruht auf amtlichem Material. In 24 Berichtswochen des zweiten Halbjahres 1917 wurden der 60 Proz. des Ge-

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