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Jüdische Korrespondenz · 1918-04-18 · 13 (18.4.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
13 (18.4.1918)
Date
1918-04-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Jüdische Korrespondenz. Seite 3 der Versicherungen unserer heiligen Propheten alle Völker und Nationen bekennen werden. Es kann daher keinem Zweifel unterliegen, daß die Orthodoxie, vor die Frage gestellt, welcher Sprache im jüdischen Lager das Vorrecht gebührt, zugunsten der Hebräischen entscheiden würde. Aber wie soll denn die Sache praktisch durchgeführt werden, da das Jidische tatsächlich die Umgangssprache der breiten Volksmassen ist, die über eine vielhundertjährige Tradition verfügt und die der Volksmund tatsächlich mit dem Prädikat „jüdisch" bedacht hatte? Und wie soll die Sache im Westen zur Entscheidung gelangen, wo es keine Alternative: hebräisch oder jiddisch, gibt, wo aber die Kenntnis des Hebräischen viel geringer als im Osten ist und wo auch die Entwicklungsmöglichkeiten in absehbarer Zukunft viel ungünstiger liegen? Auch diesbezüglich müßte man sich im jüdischen Lager rechtzeitig klar werden, bevor man die Entscheidung der nichtjüdischen Faktoren anruft. Die Forderungen all 3, 4, 5 können in formeller Beziehung unsere vollste Zustimmung finden, obwohl sie nach einer eventuellen Erfüllung der Forderung ad 1 eigentlich überflüssig seien. Sind die Juden einmal als besondere Nationalität anerkannt, dann ist die Durchführung der bürgerlichen Gleichberechtigung sicherlich schon inbegriffen. Immerhin handelt es sich da um Forderungen, die allgemeine Zustimmung finden könnten. Daß manche Details dieser Forderungen etwas kompliziert seien und in vielfacher Beziehung auch prinzipielle Bedenken Hervorrufen müssen, soll hier nur nebenbei angedeutet werden. Unter Umständen ließe sich darüber reden, wenn man schon soweit halten sollte. Hingegen «achten wir es für dringend geboten, zu den Forderungen 2, 6 und 7 schon heute meritorisch Stellung zu nehmen. Wir können absolut nicht umhin, diesbezüglich unsere sehr ernsten Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Spricht man von der Erziehung der Jugend, so muß das religiöse Moment im vollsten Ausmaße gewahrt werden. Nach dieser Richtung könnte die Orthodoxie keine wie immer gearteten Konzessionen machen. D i e j ü d i s ch e Schule, wenn es so weit kommen sollte, muß jüdisch-religiös sein. Da kann keine Verwässerung geduldet werden. Den Nationalismus als Ersatz lehnen wir entschiedenst ab. Die Orthodoxie könnte da nur mittun, wenn ihr diesbezüglich die sichersten Garantien geboten werden sollten. Darüber möge man sich im nasionalen Lager rechtzeitig klar sein. Dasselbe gilt auch bezüglich der Punkte 6 und 7. Die Orthodoxie kann sich dem Plane gegenüber, die jüdische Nation durch Schaffung eines Reichsverbandes (nationale Kammer) zu konstituieren, nur höchst mißtrauisch und entschieden ablehnend verhalten, da ihr diesbezüglich keine Garansie geboten werden kann, vor einer Majorisierung und Vergewalsigung gesichert zu sein. Noch schärfer muß sie sich gegen den Plan eines Reichsverbandes der Kultusgemeinden aussprechen. Diesbezüglich ist der Standpunkt der Orthodoxie hinlänglich bekannt. Sie hat sich bisher dagegen mit aller Energie gewehrt und rechnet es sich als Verdienstau, die dahin gerichteten Bestrebungen und Pläne nivelliert zu haben. Es ist eine bekannte Tatsache, daß auch die glaubenstreue Judenschaft in Ungarn, Preußen, Hessen rc. den Plan einer jüdischen Gesamtorganisation trotz aller mannigfachen Vorteile politischer und materieller Natur perhorresziert, da sie sich in religiöser Hinsicht keiner Vergewaltigung aussetzen will. Es gehört wohl viel Mut dazu, in der gegenwärtigen, so ernsten Zeit sich gegen die sogenannte Einheit im Judentum zu stemmen — aber diese Einheit kann unmöglich aufKosten deswahren unverfälschten Judentums zustande kommen. Deswegen auch muß die österreichische Orthodoxie nach wie vor jedenPlan einer derartigen Gesamtorganisation und eines Gemein debundes auf den bekannten Grundlagen aus das entschiedenste bekämpfen, mögen diese Pläne von welcher Seite immer ausgehen. Die Schaffung eines allgemein-jüdischen Reichsverbandes dürfte eigentlich den Kultusgemeindebund überflüssig machen, da die wichtigsten Agenden desselben bereits durch den Reichsverband erledigt sein würden. Aber für alle Fälle muß die Orthodoxie schon heute nochmals Verwahrung gegen die derartigen Absichten einlegen. All diejenigen, die diesbezügliche Aktionen unternehmen wollen, sollten darauf gefaßt sein, seitens der Orthodoxie auf einen unüberwindlichen Widerstand zu stoßen. Wie bereits eingangs erwähnt, sind wir weit davon entfernt, die Bedeutung der Audienz der Zionistenführer beim Ministerpräsidenten zu überschätzen. Aber die Orthodoxie erachtet es als geboten, ihrerseits schon heute zu den erhobenen Forderungen Stellung zu nehmen und gegen diejenigen Verwahrung einzulegen, die den Traditionen und Interessen des glaubenstreuen Judentums widersprechen. Hoffentlich dürfte der Orthodoxie bald die Gelegenheit geboten werden, ihren Standpunkt an maßgebender Stelle begründen zu dürfen. Jehudi-Chered. Die Wichtigkeit der Abhaltung religiöser Feier für unsere Jugend. Der gegenwärtige Zustand auf dem Gebiete der Jugenderziehung ist unhaltbar und legt uns die heilige Verpflichtung auf, ihm zu steuern. Hier zu schweigen ist ein furchtbares Verbrechen. Die große Kunst des Schweigens hat die Erneuerung des Religiösen nicht hervorgebracht, sondern eine immer schlimmere Verödung und Teilnahmslosigkeit über die Judenheit Böhmens gebracht. Der theoretische Religionsunterricht, der größtmteils von nicht pädagogisch geschulten Lehrern erteilt wird, kann keinen dauernden Einfluß ausüben auf das empfängliche Gemüt der Jugend. Die scheinbare Begeisterung des Kindes für den Religionsunterricht entspringt sehr oft nicht einer aufrichtigen Liebe zum Gegenstände, sondern oft ist es ein persönliches Verdienst des Lehrers, dessen Beredsamkeit in vielen Fällen eine besondere Anziehungskraft ausübt auf die Kinder. Im Elternhause wird das nur oberflächliche und äußerliche Interesse für die Religion — seitens der Eltern verwischt. Unsere Erzieher erzählen sonst mit Stolz von der Frömmigkeit ihrer Vorfahren, welche Opfer sie gebracht, um ihrem Glauben treu zu bleiben. Ihnen aber mangelt es an der zündenden Flamme jüdischer Glaubensinnigkeit und an Feuer der Begeisterung für das Judentum und seine Lehre. Anstatt auf das Judentum stolz zu sein, benehmen sich viele unserer Erzieher feige, sie suchen ihr Judentum zu verbergen und zu verheimlichen. Der schönste und erhabenste Beruf, den der höhere Ideale erstrebende Mensch wählen soll, ist unstreitig der eines Volks- und Jugenderziehers. Wer aber dies göttliche Amt bekleidet, muß andern als Musterbild voranleuchten, er muß vor allem den der Jilgend gezeigten Weg betreten. Der mangelhaft religiöse Sinn, die mangelhafte Beteiligung am Gottesdienste und die grenzenlose Gleichgültigkeit aus religiösem Gebiete, bleiben nicht ohne Einfluß aus unsere Jugend. Das Judentum der Gegenwart will auch äußerlich mit der Religion strahlen und glänzen, es baut moderne Tempel, die geschlickt sind mit kostbaren Gewändern. Und trotz Chor und Orgel, Damensoli und Herrenquartette weisen sie aus Mangel an Bedürfnis nach religiöser Betätigung eine gähnende Leere auf. Nur alte, gebrechliche Leute, die aus Furcht vor dem Tode sich mit Gott aussöhnen wollen und darum ihm ein Gnadengeschenk, das tägliche Gebet, verabreichen, sind die ständigen Besucher moderner Tempel. Manche Eltern verachten und verspotten die Feier religiöser Feste, ohne sie zu verstehen oder sie verstanden zu haben. Tief verletzend wirkt aus unsere Jugend die höhnende Geringschätzung der religiösen Gebräuche seitens mancher Eltern und Erzieher, die ans Lieblosigkeit und Geisteslosigkeit der reinen Seele der Jugend jeglichen Sinn für Tradition rauben. Diese meuchlerische Anschauung ist ein Sumpf, der unser Lebensland der hohen Jveale verseucht. Das boshafte Verhöhnen der Religion vergiftet die jugendliche Seele und lockt sie in den Untergang. Widerstandslos geht die hungernde Seele unter. Die Jugend liegt krank darnieder. Die geistige Unterernährung unserer Jugend zieht böse Folgen nach sich. Die heutige Jugend empfindet die Religion als Last. Das Judentum ist ein Unglück für sie und darum wird es nicht gehalten. Das Judentum darf von unserer Jugend nicht als Unglück, sondern als Glück, als Schutzmittel gelten gegen das süße Gift der sogenannten modernen Weltanschauung. Wie sollte dieser großen Krankheit unserer Zeit tatkräftigst entgegengewirkt werden? Wie sollte der heilige Funke, den Gott in das Herz unserer Jugend gelegt, zur warmen Flamme der Begeisterung für das Judentum werden? Die Religion ist das sicherste Bollwerk der Jugend. Die Religion ist ein Panzer auf der jugendlichen Brust; weder die vergoldeten Pfeile des verführerischen Glückes, noch die vergifteten Geschosse des Unglücks verwunden die Seele eines gut ausgerüsteten Kämpfers. In den frühesten Jugendjahren wird der Grund gelegt für die Welt- und Lebensanschauuna des Heranwachsenden Menschen, die in diesen Jahren empfangenen Eindrücke wirken nachhaltig fort durch das ganze Leben. Wenn die Frühlingssonne einer religiösen Jugend sich über uns erheben und uns bestrahlen wird, dann werden die Widersacher zerstoben, zerschmelzen und fließen in ein

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