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Jüdische Korrespondenz · 1918-03-21 · 10-11 (21.3.1918) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
10-11 (21.3.1918)
Date
1918-03-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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PESS ACH-BLATT. Peflach. (K«s dem Kaw-Kajoschor. *) I. Unsere Weisen gesegneten Andenkens haben gelehrt, daß Israel für folgende vier Berdienste aus Aegypten erlöst worden ist: 1. Für die Verdienste der gottesfürchtigen Frauen. 2. Weil die Israeliten ihre Namen nicht änderten. 3. Weil sie ihre Sprache nicht änderten und nur in der heiligen Sprache redeten und 4. für ihr Gottvertrauen. Und ebenso wie es bei der ersten Erlösung mar, so wird auch die zukünftige Erlösung für die Verdienste gottesfürchtiger Frauen kommen. Darum müssen die Frauen noch sittsamer sein als die Männer, und besonders darauf achten, daß sie durch ihre Kleidung niemand zum Straucheln bringen. Denn die schönen Kleider und der Schmuck vermehren die Sünde, und es ist gar nicht zu sagen, welch große Strafe solche Frauen erwartet. Außerdem fügen solche Frauen viel Böses ihren Männern zu. Wenn der Mann nicht in der Lage ist, seine Frau so zu kleiden, wie sich die andern kleiden, so schimpft die Frau auf den Mann und weint und klagt, bis er hingcht und sündigt: er beraubt seinen Nächsten oder macht betrügerischen Bankerott, um seiner Frau ebenso schöne Kleider kaufen zu können, wie sie die anderen Frauen haben; und dadurch kommt er zu Schimpf und schände. Darum soll jede fromme Frau sich sittsam kleiden, damit sie für ihre frommen Verdienste zur Mutter von Propheten und Gerechten wird. Das dritte Verdienst, für das die Kinder Israels erlöst wurden, war, daß sie ihre Sprache, d. h. die heilige Sprache nicht veränderten. Daraus folgt, daß jedermann seine kleinen Kinder in der heiligen Sprache unterrichten soll. Heute gibt es aber viele Leute, die ihre Kinder nur in der französischen Sprache unterrichten. Und wenn das Kind groß wird, paßt der Vater gar nicht auf, daß es ins Beß-Hamidrosch geht, um zu beten oder zu lernen. Er achtet nur darauf, daß das Kind die andern Sprachen erlernt. Die Mitglieder des sanhedrin, die doch sämtliche siebzig Sprachen verstanden, mußten natürlich diese Sprachen erlernen, aber sie lernten doch vor allen Dingen die Thora. Heute ist es aber umgekehrt: man lernt vorwiegend die Sprachen und nur ab und zu die Thora. Das vierte Verdienst, für das die Kinder Israels aus Aegyten erlöst wurden, ist, daß sie stets auf Gott, gepriesen sei er, vertrauten. Wegen unserer vielen Sünden hat aber heute, wie ich sehe, nur ein Mensch auf tausend wahres Gottvertrauen. Die Meisten vertrauen auf alles Mögliche in der Welt und auf Menschen, was unmöglich helfen kann. Das ist der Grund, warum die armen Leute in großer Not sind und es den Reichen so gut geht. Niemand hat Vertrauen auf Gott, gepriesen sei er, sondern die Menschen schmeicheln den Reichen und hängen ihr Vertrauen * „Kaw-Hajojchor" (Das rechte Maß) heißt ein von R. Zwi Kojdanower verfaßtes, zum ersten Male im Jahre 1705 zu Frankfurt a. M. gedrucktes Erbauungsbuch. auf die Reichen; umsoweniger denken sie an die Verwüstung des Tempels, und niemand tut sein Herz auf, um für die Neuaufrichtung des Heiligtums zu beten. Wenn aber ein Mensch ständig auf Gott vertrauen würde, so wäre er auch immer bedacht, über die Verwüstung des Tempels zu klagen. Darum soll der Mensch sehen, daß er die Erlösung nicht verzögert, und ständig aus Gott, gepriesen sei er, vertrauen. Wer auf die vier Dinge, für die Israel aus Aegypten erlöst wurde, Bedacht nimmt, der wird durch seine Verdienste die Erlösung herbeiführen. Denn die Erlösung wird wegen dieser vier Dinge kommen, bald und in Miseren Tagen. Amen. IL. Es steht in der Schrift: „Ihr sollt hüten die Mazzes". Warum gebraucht die Thora das Wort „hüten" von diesem Gebot, als ob man es vor Räubern oder Dieben hüten müßte? Wisse aber: als Gott sein Volk Israel mit vielen Wundern aus Aegypten führte, stürzte er vor allen Dingen den .Himmelsfürsten des Volkes* und alle Ankläger vom Himmel herab, damit sie das Volk nicht anklagen können. Wenn aber das heilige Pcssachfest kommt, wollen sich die Ankläger gegenuns mit ihren Anklagen erheben und uns Böses tun. Darum hat uns Gott, gepriesen sei er, so streng besohlen, Mazzes zu essen. Denn die Mazzes bezwingen den Satan ** und die Ankläger, so daß sie uns nicht anklagen können. Darum muß der Teig der Mazzes streng gehütet werden, daß kein Chomez hineinkommt, damit die fremden Mächte, daß Gott uns vor ihnen behüte, sich darin nicht sestsetzen können. Das Wort „Chomez" in der Thora weist auf den Satan hin, das Wort „Machmezes" *** aber auf das böse Lilith. Darum geziemt es, in bezug auf die Mazzes das Wort „hüten" anzuwenden. Denn ebenso wie sich der Mensch hüten muß vor Räubern, die zu ihm kommen, um ihn zu ermorden oder zu berauben, so soll er auch die Mazzes vor Chomez hüten. Das ist die größte Unreinheit, und Gott behüte davor, daß diese Unreinheit sich an das Heilige hefte, und sie auch nur so groß ist wie ein Haar. Darum ist der Chomez am Pessach so streng verboten. Man soll diejenigen, die das Chomez- Geschirr reinigen und ausglühen, lehren, daß sie sich während dieser Arbeit sagen: „So soll auch der Herr den bösen Trieb und die Lilith aus der Welt schaffen". Und wir hoffen, daß Gott, gepriesen sei er, sie wirklich aus der Welt schaffen wird. Die Kinder Israels pflegen auch die Tische, Bänke und Wände abzukratzen, für den Fall, daß an diesen Dingen Chomez vorhanden sein könnte. Der Herr, gepriesen sei er, schaut aber herab auf seine geliebte Gemeinde Israel, die sich um die Vernichtung vom Chomez bemüht. Ebenso möge auch Gott, gepriesen sei er, alle Plagen aus der Welt schaffen, die vom Satan und den Anklägern kommen. * Nach der talmudschen Legende ist jedes Volk der Erde durch einen eigenen „Himmelsfürsten" im Himmel vertreten. ** Im Original steht: „Sitro acharoh" — die andere Seite. *** „Chomez" ---- Gesäuertes. „Machmezes" ---- femininum davon. Wenn der Mensch sich etwas für Pessach kauft, so soll er sagen: „Das kaufe ich dem Feste zu Ehren". Auch soll er streng darauf achten, daß er diese Dinge nicht für unrecht erworbenes Geld kauft. Und wenn die Zeit kommt, Mazzewasser zu schöpfen, so soll es niemand, und sei auch es der größte Rabbiner, Gemeindevorsteher oder Richter, für unpassend halten, das Wasser eigenhändig zu schöpfen. Ich habe oft gesehen, daß viele Große in Israel das Mazzewasser mit kleinen Gefäßen schöpften und denn Umgießen aus dem kleinen Gefäß in ein großes alle Buchstaben des hebräischen Alphabets vom Alcpy bis zum wof abzählten, um dem Wasser die Heiligkeit der Lettern, mit denen die Thora geschrieben ist, zu verleihen. Wenn aber jemand alt oder schwach ist, so soll er vor seiner Türe warten; und wenn er sieht, daß man daß Mazzervasser bringt, soll er entgegengellen und das Wasser eigenhändig zu sich ins Hans bringen. Sc> machten es viele Gaonim. Sie befahlen auch, das Wasser an einen reinen Ort zu stellen. Es ist gut, darauf zu achten, daß keine unreine Frau das Wasser anrühre und daß es mit einem sauberen Tuche gut zugedeckt sei, denn was offen stellt, kann durch die Schlange und den Satan verunreinigt werden. Und wenn man das Mazzewasser schöpfen geht und auch wenn man zurückkehrt soll man mit niemandem spreche» außer in der heiligen Sprache. Und vor dem Schöpfen soll man sich die Hände waschen. Ich habe cs durch mündliche Ueberlieferung übernommen, vor dem Verbrennen des Choinez zehn Stückchen Brot an zehn verschiedenen Orten niederznlcgcn, ivas an die zehn ägyptischen Plagen erinnern soll. Und darum wird der Herr, gepriesen sei er, das Land Israel mit zehn Heiligungen heiligen. Man soll den Chomez mit großem Eifer verbrennen, und ebenso wie man den Chomez aus de» Löchern und Spalten beim Lichte einer Wachskerze ausräumt, ebenso wird der Herr, gepriesen sei er, den Satan aus der Welt ausräumen, der sich vor dem Lichte der Gottheit verstecken wird. Dann werden der böse Trieb und alle bösen Mächte ans der Welt geräumt werden und das ganze Land wird geheiligt iverden mit den zclm höchsten Heiligungen. Das geschehe bald und in »nsern Tagen. Amen. Sdsi. Miriams Siegesgekang. Rührt die Zimbel, schlagt die Saiten, Laßt den Hall es tragen weil: Groß der Herr zu allen Zeiten, Heute groß vor aller Zeit. Chor: Groß der Herr zu allen Zeiten, Heute groß vor aller Zeit. Ans Aegypten, vor dem Volke, Wie der Hirt den Stab zur Hut, Zogst du her, dein Stab die Wolke Und dein Arm des Feuers Glut! Chor: Zieh, ein Hirt vor deinem Volke. Stark dein Arm, dein Auge Glut. Und das Meer hört deine Stimme, Tut sich auf dem Zug, wird Land. Scheu des Meeres Ungetüme Schaun durch die kristallne Wand. Chor: Wir vertrauten deiner Stimme, Traten froh ins neue Land,

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