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Jüdische Korrespondenz · 1918-03-21 · 10-11 (21.3.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
10-11 (21.3.1918)
Date
1918-03-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10/11 Jüdische Korrespondenz. Seite 3 Zeugen der Erscheinung, daß die weitblickenden Kreise der Judenheit diesen Stand der Dinge und dessen Möglichkeiten mit Besorgnis verfolgen, so liegt darin ein Trost, daß man sicherlich nichts unterlassen wird, um derartige und ähnliche Gefahren zu verhüten. Hermetisch abgeschlossen voneinander, wie bisher die Juden Rußlands vom Westen, werden die Juden der Randländer sicherlich nicht sein. Die Grenzpfähle mit ihren drakonischen Zensur- und Aufenthaltsbestimmungen sind endgültig gefallen. Es wird Sache der Juden im Osten sein, trotz der nunmehr verschiedenen Staatszugchörigkeit, das alte Band aufrecht zu erhalten, das sie bisher zusammenhielt, sie untereinander und den Millionen, die noch weiterhin unter der Herrschaft der Petersburger und Moskauer Regierung bleiben. Die gemeinsame Knechtschaft hat sie bisher zusammengehalten, die gleichzeitig errungene Freiheit soll sie weiterhin znsammenhalten. Wie es mit dieser Freiheit bestellt sein wird — darüber läßt sich heute noch nichts bestimmtes sagen. Eines aber scheint sicher zu sein: die Freiheit, nach ihrer Eigenart zu leben und ein menschenwürdiges Dasein zu führen, dürfte ihnen zuteil werden. Ob in dieser oder jener Form — günstiger als bisher wird sich ihr Los gestalten. Die Befreiung der ehemals russischen Randvölker wird auch den dortigen Juden Freiheit und Erlösung bringen. Wird ihr Zusammenhang untereinander auch bis zu einem gewissen Grade erschlvert sein, so werden sie dafür neue Entwicklungs- und Wirkungsmöglichkeiten erhalten. Die Juden Litauens und der baltischen Provinzen werden eine viel leichtere Verbindung mit dem Westen erhalten und imstande sein, das jüdische Leben in Westen zu befruchten. Die Juden Galiziens und Polens dürsten eine Konzentration von etwa drei Millionen bilden, was ebenfalls unübersehbare Möglichkeiten bieten könnte. Es wäre immerhin verfehlt, die Komplikation der Ostjudenfragen, wie sie die neue Ordnung der Dinge in diesen Gebieten mit sich bringt, verkennen zu wollen. Aber die Freude ob deren Freiheit und Erlösung darf dadurch nicht getrübt werden. Beim Anszuge der Juden aus Aegypten ging die physische Befreiung der geistigen voran. Die geistige Freiheit ist wohl die Krönung des Erlösungswerkes, aber mir ein von physischen Fesseln freies Volk kann der geistigen Erlösung zustreben. Werden die Ostjuden einmal politisch frei sein, dann werden sie erst die Gelegenheit erhalten, ihr ganzes geistiges Können zu entfalten. Zur Iudenfrage in Rumänien- Aus Berlin wird gemeldet: Der Reichskanzler empfing die Vorstandsmitglieder der neugegründeten Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands zur Wahrung der Rechte der Juden des Ostens Dr. James Simon und Geheimen Justizrat Dr. Kassel, welche die Wünsche der deutschen Juden wegen einer Regelung der rumänischen Judenftage im Zusammenhang mit den Friedensverhandlungen in Bukarest vortrugen. Nach Anhörung der eingehenden Darlegungen der Herren erklärte der Reichskanzler, daß die kaiserliche Regierung an einer befriedigenden Regelung der rumänischen Judenfrage Interesse nehme und sie bereits zum Gegenstand von Besprechungen im Rahmen der in Bukarest stattfindenden Verhandlungen gemacht habe. Wie die „Reue Züricher Zeitung" an zuständiger rumänischer Stelle erführt, ist die Regierung in Jassy fest entschlossen, ihre Pflicht gegenüber der jüdischen Bevölkerung in Rumänien zu erfüllen und ihr die Gleichberechtigung zu gewähren. Es ist zweifellos, daß die rumänische Regierung möglicherweise noch in diesen Tagen oder unmittelbar nach dem Abschluß des Friedens mit den Mittelmächten die Gleichberechtigung der Juden proklamieren wird. Tie hiezu notwendige gesetzliche Gutheißung durch die Kammer kann allerdings erst nach den Neuwahlen geschehen, da die gegenwärtige Kammer für die einzige Ausgabe, die Agrar- und Wahlrechtsfrage zu lösen, gewählt worden war und sich gleich nach Friedensschluß auflösen wird. lLiegt nicht da wieder eine Spekulation vor?) Die sozialdemokratischen Mitglieder der österreichischen Delegation, Dr. Ellenbogen, Glöckel und Pittoni, und Abgeordneter Grigorovici begaben sich zum Ministerpräsidenten Dr. Ritter v. Seidler, um mit ihm in der Angelegenheit des rumänischen Friedens zu sprechen. Sie vermiesen u. a. aus die bisherige Handhabung der sogenannten Fremdengesctze durch Rumänien. Eine Reihe von rumänischen Sozialdemokraten seien unter diesem Titel nach Oesterreich ausgewiescn worden und es sei nicht ausgeschlossen, daß von den 250.000 Juden, die sich gegenwärtig dort befinden und nach dem rumänischen Gesetze als Fremde gelten, ein großer Teil dem Schicksal der Ausweisung nach Oesterreich verfallen könnte. Da die Regelung dieser Frage bereits auf dem Berliner Kongreß vereinbart wurde, sei es unabweislich, daß auch Oesterreich bei den Friedensverhandlungen im Sinne einer Lösung der rumänischen Judenftage interveniere. Die Warschauer Zeitungen „Hajnt", „Bioment" und „Jüdisches Wort" vom 25. Februar bringen eine jüdische Proteststimme gegen eine Vereinigung Bessarabiens mit Rumänien. Rumänien habe trotz aller Versuche von außen niemals die Bestimmungen des Berliner Vertrages über die Gleichberechtigung der Juden durchgeführt, sondern die Juden zu absoluter Rechtlosigkeit verurteilt. Jetzt sollten sich alle Juden an die Zentralmächte wenden, damit bei einem zweiten Ausbau Rumäniens dieses himmelschreiende Unrecht beseitigt werde. Es sollte unter den Friedensbedingungen die sofortige und vollständige Gleichberechtigung der Juden gefordert werden. Dies sei die Genugtuung, die die Zentralmächte für die schweren Blutopser, die die Juden gebracht haben, gewähren können. Das Kopenhagens Bureau der Zionistischen Organisation gibt ein Buch „Die Judenpolitik der rumänischen Regierung" von Dr. S. Bernstein in deutscher, französischer und englischer Sprache heraus. Die Schrift behandelt den Vernichtungskampf, den die rumänische Regierung seit 50 Jahren gegen die jüdische Bevölkerung Rumäniens führt und bringt eine Fülle, in der großen Oeffentlichkeit bisher unbekannten Materials. Die Arbeit zerfällt in drei Hauptabschnitte, die Epoche bis zum Berliner Vertrag von 1878, vom Jahre 1878 bis zum Balkankrieg 1913, von 1913 bis zur Gegenwart. Mit besonderer Ausführlichkeit ist das traurige Kapitel über die Behandlung der rumänischen Juden während des Weltkrieges geschrieben, in dein auf Grund größtenteils noch unveröffentlichter, authentischer Berichte die furchtbaren Gewalttaten der rumänischen Machthaber gegen die Juden an der Hand von Dokumenten und Protokollen geschildert werden. Das Buch ist eine schwere Anklage schrist gegen die rumänische Regierung und Null die Aufmerksamkeit der Regierungen und Völker in allen Kultnrstaaten ans die Tragödie der rumänischen Judenheit lenken, die sich in ihrer ganzen Furchtbarkeit noch heute abspielt. Aus Kvnstantinopel wird telegraphiert: Das die Interessen der Inden in der Türkei vertretende Organ „Aurora" erfährt, daß der Großwesir vor seiner Abreise nach Bukarest dem Grvßrabbiner der Türkei Nnhnm erklärt habe, die ottomanische Regierung habe entsprechend ihrer Hochschätzung des jüdischen Elements ihren Abgesandten für die Bukarester Konferenz die Anweisung erteilt, die Frage der Gewährung der bürgerlichen und politischen Rechte an die Inden in Rumänien in Envägnng zu ziehen. Die Kämpfe in Palästina. Die jiingsten Kämpfe in Palästina werden in der „Kölnischen Zcitmcg" sotgendermaßen geschildert: Ans dem Kriegsschauplatz in Palästina ist ein großer englischer Dnrchbruchsversuch ritt lings der Straße von Jernsatcm nach Nablus gescheitert. Tic britische Front zog sich vom Nähr el Audscha, nördlich Jaffa, nach Südwcsten in das Gebirge, das die Senke des Jordantals westlich begleitet und hing also ans dcni rechten Flügel zurück. In der Jvrdanspalte hatten sich englische Truppen Jerichos bemächtigt und waren nach Norden vorgegangen, die Stromschranke und den Ausstieg in das Ostjordanland konnten sie nicht bezwingen. Bon Jerusalem führt eine Knnststraße durch das sehr durchschnittene Gebirge Ephraim nach Nablus, zunächst aus der Hochebene bis zu dem 1.5 Kilometer entfernten Dorf El Birch, und nun in großen Windungen abivärts, überhöht von dem Hügel Jebrud und der Ruine Kasr Berdanit, die von den Kreuzfahrern nach König Balduin benannt wurde. In den Schluchten bergen fick viele Pflanzungen von Oelbäiimen, Wein und Feigen, zwischen denen kunstlos ans Felsbrocken a»fgeführte Türmchen stehen. Ans ihnen Hausen unter Reisigdächcrn die Feldwüchtcr. An der Räuberquelle, Ain Haramijeh vorüber, steigt die Straße wieder auswärts, östlich von ihr dehnt sich über die 1000 Meter Hobe Kuppe von Teil Assur, der Schlüssclpunkt der türkischen Front, den die Engländer vergeblich zu nehmen versuchten. Nach Westen folgen sich von der Straße aus die Dörfer Atava und En Nebi Salih, die ebenfalls von deir türkischen Truppen gehalten wurden. Dagegen konnten die Engländer auf dem linken Flügel zur Küstenebene nördlich des Nähr e! Audscha kleine Fortschritte machen bei Der Ballnt und Medsch del Jaba. Im ganzen steht die osma nische Front unerschüttert. Man kann annehmen, daß die Engländer für die mehrtägige Schlacht sieben Infanteriedivisionen und eine Kavalleriedivision eingesetzt haben. Die immer länger werdenden rückwärtigen Verbindungen nehmen starke Kräfte für den

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