Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 9 (14.3.1918)
- Date
- 1918-03-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz. Nr. 9 die zu schaffende Organisationsform sicherlich leichter wird finden lassen. — Das Konferenzreferat wurde mit großem Interesse angehört und entsprachen die mit viel Wärme vorgetragcnen Berichte unserer Delegierten in der Hauptsache vollkommen der eingehenden Schilderung des Verlauses der erfolgreichen Beratungen der Konferenz in diesen Blättern. — Den Delegierten unseres „Sinai", die als Vertreter der Orthodoxie sich der mühseligen Ausgabe einer Reise zur Konferenz bereitwilligst unterzogen haben, gebührt seitens der hiesigen konservativen Kreise voller Dank, der übrigens in dem glänzenden Verlauf der letzten Versammlung hellen Ausdruck fand. Zu wünschen wäre nur noch, daß die hier vor dem Kriege schon bestandenen populären Schiurim, die der „Sinai" nunmehr reaktivieren ivill und deren vielvcrheißendes Programm der rührige Schiurleiter bei dieser Versammlung bekannt gab, jetzt wieder geöffnet — und die Bücher der bestehenden kleinen Schiurbibliothek durch jene Werke der jüdischen Literatur bereichert werden mögen, die vom Herrn Referenten namentlich angeführt und warm empfohlen wurden, damit die immer großer werdende Schar der Sinaianhüuger recht bald in die Lage kominc, sich die .Kenntnisse des Judentums und s c i u e r F o r d e r u n g c n gründlich erwerben zu können. Lehrer M. Blau dl. Von anderer Seite wird uns über die „Sinai"-Versammluug berichtet: Tie dritte Mitgliederversammlung des Vereines „Sinai", Vereines zur Wahrung der Interessen des konservativen Judentums in Prag, vereinigte in dem großen Saale der Chewra Kadischa ein zahlreiches Publikum. Herr Oberrabbiner Dr. Brody sprach in eindrucksvoller, stellenweise zündender Rede über das Thema: „Wie erwirbt man sich die Kenntnis des Judentums und seiner Forderungen?" und gab die Hilfsmittel an, die auch den „modernen" Menschen zur Thora zu führen vermögen. Eine gedruckte Liste der empfehlenswertesten Bücher wurde an die Teilnehmer mitgegeben. — Dr. Berth. Jeiteles gab jedem ein Programm der vom „Sinai" geplanten Lehrkurse und Vorträge. — Aus dem nun folgenden Berichte des Obmannes Dr. Jsid. Jeiteles über die bisherige Tätigkeit des Vereines geht hervor, daß der Verein in der kurzen Zeit seines Bestandes bereits eine tüchtige Arbeit geleistet hat. Während die großen Mitgliederversammlungen dazu bestimmt sind, die breite Oeffcntlichkeit mit unserer Gedankenwelt vertraut zu machen, ist der Vorstand in stillem Wirken bemüht, den Mitgliedern die Schwierigkeiten der rituellen Lebensführung nach Möglichkeit zu erleichten. — In der nächsten Zeit soll in Prag wie in der Provinz — wo die Gründung von Zweigvereinen in Aussicht genommen ist — eine erhöhte Werbetätigkeit einsetzen. — Zum Schlüsse erstattete Herr Ungar sein Referat über die Wiener Konferenz der österreichischen Orthodoxie. Ein Ausblick aus eine hoffnungsreiche Zukunft krönte seine fesselnden Ausführungen. — In lebhafter Wechselrede wurde noch im Anschlüsse daran die Frage der Gemeindeorganisation erörtert. Rundschau. (Die Geburt eines Sohnes des Kaiserpaares.) Anläßlich der glücklichen Geburt eines Sohnes des Kaiserpaares fanden in mehreren jüdischen Bethäusern Dankgottesdienste statt. An die Kaiserliche Kabinettskauzlei sind Gratulations-undHuldigungstelegramme übermittelt worden. Samstag wird in sämtlichen Wiener Bethäusern dem neugeborenen Habsburgersprossen ein „Mi-Scheberach" gemacht werden. Gemeinsam mit allen Völkern der Monarchie nehmen die Juden lebhaften Anteil an dem freudigen Ereignis im Kaiserhause und wetteifern in den Beweisen ihrer Anhänglichkeit au die glorreiche Dynastie. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat der Frau Anitta Müller in Wien das Kriegskrenz für Zivilverdieuste II. Klasse verliehen. Frau Anitta Müller hat ihre außerordentliche organisatorische Begabung in erster Linie in den Dienst der Flüchtlingsfürsorge gestellt, und die von ihr gegründeten Suppen- und Teeanstalten, Wöchuerinuen- und Säuglingsheime, Nähstuben nsw. können geradezu als vorbildlich bezeichnet werden. In den Nähstuben wurden Frauen und Mädchen zu nützlicher Betätigung angelcitet, und die wiederholten Ausstellungen „Die Kunst der Radel" bewiesen, welche Erfolge die Lehrmeisterin erzielte. Wenn je eine Auszeichnung voll und ganz verdient war, so ist es die, welche Frau Müller zuteil wurde. (Rituelle Kost in den Kinderheimen.) Dank dem Entgegenkommen des Leiters derFlüchtliugszcntrale,Herrn Dr. Ritter v. Schwarz-Hiller, hat die Aktion des Verbandes der orthodoxen Rabbiner Galiziens und der Bukowina hinsichtlich Einrichtung und Beaufsichtigung ritueller Kuchen in den diversen Kinderheimen, einen vollen Erfolg gebracht. Dem Wunsche des Verbandes wurde stattgegeben und schon für das bevorstehende Pessachfest werden in diesen Heimen rituelle Küchen und entsprechendes Geschirr eingerichtet. (Das Budget der Wiener Kultusgemeinde pro LSI8.) Bei der am 3. d. M. stattgefundenen Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes gelangte der Voranschlag pro 1918 zur Verhandlung. Nach dem Referate des Vizepräsidenten Dr. L. Kohn werden die Einnahmen mitL4,966.106'28 und die Ausgaben mit X 5,869.175'20 veranschlagt. Das Defizit beträgt somit K 890.368 92. — In der darauf abgeführten Debatte befaßten sich mehrere Redner mit der Frage der religiösen Erziehung — im Geiste des Wiener Kültusvorstandes natürlich — was aber immerhin als ein Zeichen der Zeit registriert werden soll. Das Budget ist daraufhin fast einstimmig angenommen worden. _ Kaufmännische Konferenz in Krakau.) Der Krakauer Kaufmämisiche Verein beruft für die ersten Apriltage eine Konferenz der jüdischen Kaufleute in Galizien ein. In dem diesbezüglichen Aufruf wird auf die prekäre Lage der jüdischen Handelswelt hingewiesen, die infolge der Kriegsereignisse noch wesentlich verschlimmert wurde, und der Gedanke einer strammen Organisation, die nur allein Abhilfe schaffen könnte, propagiert. (Empfang rumänischer Juden dnrch Präsident Wilson.) Atnerikanische Zeitungen berichten: Eine Abordnung der American Union of Rumanian Jews wurde vom Präsidenten Wilson am 11. Dezember im Weißen Hause empfangen. Das Komitee bestand aus den Herren: Dr. P. A. Siegelstein, Leo Wolfson, Edward Herbert, A. B. Goldenburg aus Philadelphia und R. Fink aus Washington. Die Absicht des Komitees war, an den Präsidenten zu appellieren, daß er seine guten Beziehungen zur rumänischen Regierung benutzen möchte, um dieVerfolgungen der rumänischen Juden zu beseitigen und ihnen Gleichberechtigungzuverschaffen. Der Präsident nahm lebhaftes Interesse an den Mitteilungen des Komitees und stellte eine Reihe von Fragen bezüglich der Lage der Juden in Rumänien. Er wünschte zu wissen, ob ihre Lage schlechter sei, als die Lage der russischen Juden unter dem alten Regime war. Das Komitee überreichte als Antwort eine Anzahl vonDokumenten, die sich auf die jüdische Frage in Rumänien bezogen. Der Präsident hat sein außerordentlich starkes Interesse für die Lage der rumänischen Juden ausgedrückt uud versichert, daß er in jeder Hinsicht volle Sympathie für sie empfinde. (Aber getan hat er für sie — nichts!) (DieBolschcwikigegendiejüdifchen Sozialisten.) Dem ' „Temps" wird aus Petersburg gemeldet: Die Maximalisten haben ein neues Volkskommissariat gegründet, das sich besonders damit beschäftigen soll, die Bestrebungen der jüdischen Sozialisten zu unterdrücken, die die Theorien der Bolschewiki verwerfen. Der neue Volkskommissär hat den bevorstehenden allgemeinen jüdischen russischen Kongreß als gegenrevolutionäre Zusammenkunft erklärt. (Eine Million Mark für die kriegsbeschädigten Juden.) Aus dem Bericht über die Tätigkeit der deutschen Landesorganisation der „Agudas Jisroel" entnehmen wir, daß diese Landesorganisation über eine Million Mark während des Krieges für Unterstützung der Juden im Osten verausgabte, fowie 80 Paten für Kriegswaifen gewinnen konnte. (Ein jüdisches Jnformationsburea« in Bukarest.) Mit Erlaubnis der deutschen Militärverwaltung für Rumänien hat sich in Bukarest ein Jnformationsbureau gebildet, das sich zur Aufgabe gemacht hat, zuverlässige Angaben über die in Rumänien aks Internierte oder Kriegsgefangene verstorbenen Juden sowohl aus Rumänien selbst wie aus den Ländern der Zentralmächte zu beschaffen. Die erforderlichen Unterlagen sollen mit Hilfe der rumänischen Gemeinden gesammelt werden. Den Vorständen der jüdischen Gemeinden in Rumänien ist ans Herz gelegt worden, nur solche Daten zu übermitteln, die entsprechend den religiösen Vorschriften mit Hilfe eines Rabbinats ausgenommen worden sind. Das Komitee will alle Ermittlungsergebnisse, welche die jüdischen Soldaten oder Internierte aus den Ländern der Zentralmächte betreffen, den jüdischen Heimatgemeinden zur Verfügung stellen. Als Gegendienst erbittet das Komitee genaue Angaben über die aus Rumänien stammenden Glaubensgenossen, die in den Ländern der Zentralmächte als Internierte oder Kriegsgefangene gestorben sind. Das Vorgehen des rumänischen Komitees, das für seine Arbeiten das Interesse der deutschen Behörden gefunden hat, verdient die erbetene Förderung bei uns und unfern