Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 9 (14.3.1918)
- Date
- 1918-03-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 Bundesgenossen. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn der Ausschuß seine Tätigkeit im gegebenen Rahmen auch den lebenden Gefangenen zuwenden würde. (Keine Rekrutierung russischer Juden.) Die englische Regierung sieht infolge Protestes der russischen Regierung von der weiteren Rekrutierung russischer Untertanen in England ab. Die Northcliffe- Presse benutzt diese Gelegenheit zu aufhetzenden Artikeln gegen die russischen Juden in England. (Die Juden in Serbien.) Aus Belgrad wird dem „Israelit" geschrieben: Ueber die hiesigen religiösen Verhältnisse wurden Ihre Leser schon mehrfach unterrichtet. Es dürfte denselben also bekannt sein, daß hier zwei Gemeinden bestehen, von denen die größere die sephardische (spagniolische) ist, während die israelitisch-aschkenasische eine kleinere Seelenzahl hat. Letztere hieß früher deutschisraelitische Gemeinde. Als die politischen Verhältnisse sich zuspitzten, entschloß man sich, die Namensänderung vorzunchmen, um das ominöse „deutsch" zu eliminieren. Im Tempel hängt noch ein Dankschreiben an die „deutschisraelitische Gemeinde" anläßlich einer Loyalitätskundgebung für weiland Kaiser Franz Josef, gefertigt vom damaligen Generalkonsul Kallay, dem nachmaligen Lenker der österr.- ungar. Politik. Es muß der Wahrheit die Ehre gegeben werden, daß die serbische Regierung den jüdischen Genieinden ihre finanzielle Beihilfe weitgehendst gewährte. Die deutsch-israelitische Gemeinde hat aber von dem Entgegenkommen der serbischen Regierung diesbezüglich keinen Gebrauch gemacht. Sowohl in Fragen des Kaschruth, der sabbatrnhe als auch .der Mikwah herrschte vollständige Interesselosigkeit. Nicht viel besser war es aber in dieser Hinsicht bei den Sephardim. Sie haben ihren Prunktempel, dessen Grundsteinlegung und Einweihung durch den König Peter erfolgte, sie haben aber auch noch eine „alte Schul", die fleißiger besucht wird — doch Schomre-Schabboth waren unter ihnen gleichfalls nicht zu finden. Seit einigen Wochen haben einige Männer sich entschlossen, am Schabbos die Geschäfte zu schließen und auch andere zu veranlassen, das gleiche zu tun. Es hat auch eine beträchtliche Zahl Folge geleistet. Es gibt wohl Nörgler, die meinen, daß diese sich nur deshalb willig zeigten, weil die jetzigen Verhältnisse es leichter gestatten, am Schabbos die Geschäfte zu sperren. Doch wir wollen mit Befriedigung wahrnehmen, daß in „Belgrad" eine Anzahl von Geschäften Schabbos gesperrt hat. Ein rühriger Mann könnte noch andere Uebelstände beseitigen, die noch immer in Bezug auf Schmirath Schabbos in den Häusern selbst bestehen. Ein solcher Mann wäre der seit einiger Zeit hier amtierende Feldrabbiner, wenn ihm noch die Zeit bliebe, sich auch der jüdischen Zivilbevölkerung zuzuwenden. Korrespondenzen. Strakonitz. Welch wohltuenden Einfluß ein von seinen Amtspflichten erfüllter Seelsorger aus seine Gemeinde auszuüben vermag, davon gibt unsere Kultusqemeinde ein treffliches Zeugnis. Seitdem Herr Dr. Ezechiel Landau das Rabbinat in unserer Gemeinde versieht, kehrt allmählich wieder echtes jüdisches Leben in dieselbe ein. lieber seine Anregung wurde auch der hiesige Jugendbund gegründet, der nicht nur für die regelmäßige Abhaltung wissenschaftlicher, das Judentum betreffende Vorlräge, sondern auch für das gesellige Leben innerhalb der Kultusgemeinde sorgt und es sich angelegen sein läßt, die religiösen Freudenfeste in würdiger Weise zu begehe». So fand auch anläßlich des Purimfestes eine äußerst gelungene Feier statt, welche am 3. März in den vom Herrn Direktor Schmeichler in liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellten Räumen des Kinderheimes der österreichischen Fezfabriken abgehalten wurde. Die geschmackvolle Auslchmückung des Saales und die Herstellung der geräumigen Bühne lag in den bewährten Händen des stets bereitwilligen Herrn Direktors Julius Nehammer. Das Fest wurde mit einer Ansprache der Präsidentin des Jugendbundes, Frau Emma Brock, eingeleitet, die nach kurzem Hinweise auf die Gründe, welche den Jugendbund zur Veranstaltung der Feier veraniaßten, die erschienenen Gäste,' unter denen sich auch viele auswärtige befanden, begrüßte. Daran schloß sich ein von Fräulein Mizzi Brock vorgetragener Prolog an, dessen Inhalt in dem Gedanken gipfelte, bat? die Zukunft des jüdischen Volkes in den Händen der Mütter liege, und daß es deren heilige Pflicht sei, dahin zu wirken, ihre Söhne und Töchter zu würdigen Nachfolgern ihrer Vorfahren zu erziehen. Hierauf wurde eine Reihe von Gedichten religiösen und patriotischen Inhaltes von Schulkindern in hebräischer, böhmischer und deutscher Sprache vorgctragen, welche sämtlich sehr gut in den Rahmen der Feier paßten. Dazwischen wurde ein Solospiel und vier Einakter aufgeführt und von Fräuiein Grete Schnieichler das Gedicht „Der jüdische Soldat" zum Vortrage gebracht. Alle Darstellerinnen entzückten durch anmutiges Spiel und schönen Bortrag die zahlreichen Zuhörer. Die Regie und das Einstudieren der einzelnen Vortragsstücke leitete in unermüdlicher und glänzender Weise Seine Ehrwürden Herr Dr. Ezechiel Landau. Alle Mitwirkendcn, insbesondere die Fräulein Marie Adler, Mizzi Brock, Irma Kafka, Laura Schimko, Grete Schmeichler und Anna Winkler, taten zur schönen Gestaltung des Festes ihr Möglichstes Fräulein Laura Schimko und Fräulein Anna Winkler scheuten die groben Beschwerden der Reisen von Wollin nach Srrakonitz nicht, um an den einzelnen Proben tciizunehmcn und in hervorragender Weise an dem Feste mitzuwirken. Außer der Präsidentin Frau Emma Brock hatten auch die übrigen Damen des Vorstandes: Frau Rosa Schmeichler, Frau Helene Drucker und Frau Emma Kafka au dem glänzenden Ausgange des Festes großen Anteil. Nach Abwicklung des Programmes hielt Herr Dr. E. Landau eine zündende Rede, in der er die Bedeutung der Feier unter lebhaftem Beifall der Anwesenden besprach. Das Hauptverdienst an dem so großartigen Gelingen des Festes gebührt vor allem Herrn Dr. Ezechiel Landau, wofür ihm auch an dieser Stelle der innigste Dank aller ausgesprochen wird. bl. B. Briefkasten. Mazzothansgabe. Wie«. Sicherlich wäre es die Pflicht der'Kultusgemeinde, alle wichtigen Kundmachungen, die für die breite Oeffentlichkeit von Interesse sind, in allen jüdischen Lokalblättern zu veröffentlichen, da doch die Kultusgemeiude keine Parteiinstüution ist. Aber was läßt sich dagegen tun, wenn das Sekretariat anderer Meinung zu sein scheint. Wir haben bei der Gründung unseres Blattes das Sekretariat ersucht, uns alle für die Oeffentlichkeit bestimmten Kundmachungen und Mitteilungen zukommen zu jassen. Eine Zeitlang ist dies geschehen und wir haben dieselben im Rahmen unseres Blattes unentgeltlich veröffentlicht. Plötzlich wurde die Zusendung sistiert. Wir urgierten, erhielten daraufhin noch ein e i n z i g e s m a l ein Kommunität, dann hörte die Zusendung wteder auf. Wir mußten ajso annehmen, daß da jemand, dem die Veröffentlichung in unserem Blatte aus irgend einem Grunde nicht paßt, die Hand im Spiels hat und es widerstrebte uns, fortgesetzt zu urgieren. Wie«. Lembery. Sie werden uns doch nicht zumuten, uns mit >edem elenden Kläffer in eine Polemik einzulassen. Der betreffende Herr scheint die Zeit vergessen zu haben, da er sich dem „Tag" anbiedern wojlte, ohne freilich Gegenliebe gefunden zu haben. Damals konnte er nicht genug scharf die Politik der Stand und Genossen verurteilen. Heute ist er als „reuiger Sünder" zur Krippe ihres Blättchens zurückgekehrr und derartige „Bale Teschuwa" sind gewöhnlich übereifrig. Daher sein Bestreben, mil einer gewissen periodischen Regelmäßigkeit ein Gekläff gegen Kreppe! loszulassen. Er will sich wahrscheinlich die Gunst seiner Brotgeber mit dieser Speichelleckerei erhallen. Mit dem Titel „Chefredakteur", den nicht einmal sein Vorgänger offiziell erhielt, ist er dafür schon belehnt worden. Der „Orden zum kläffenden Hunde" wird folgen, sobald der Parteichef inebbich!, . . . Minister werden wird. Daß ein solches Treiben nur anekeln, aber zu keiner Erwiderung veranlassen kann, dürfte wohl begreiflich sein. Derartige Kreaturen läßt man' laufen. Da gilt das Talmudwort: „Schowkej lerawje. demimclo nofil!" — Daß die Darstellung des Jneidente bei der Konferenz der Orthodoxie gehässig gefälscht ist, braucht nicht einmal besonders betont zu werden. Der Skribler mag nur recht saftig schimpfe», er wird dafür bezahlt. Gelegentlich wird er schon den verdienten Fußtritt erhalten. Plaketten des Kaisers undderKaiserin. Kaisertreue hat in diesem Kriege mannigfache Ausdrucksformell erfolgreich gesucht. Zu den populärsten Massen - Symbolen'zählen die ausgezeichneten Plaketten des Kaiser Karl und der Kaiserin Zita, die namentlich in der Armee Eingang gefunden haben und die Kappen der Offiziere wie des einfachen Wehrmannes aus deni Volke zu Hunderttausenden zieren. Der wohltätige Zweck, dem die Veräußerung dieser Abzeichen gewidmet ist, sichert ihnen aber auch in den breitesten Schichten der Zivilbevölkerung stärkstes Interesse. Der Verkauf der Plaketten, Meisterwerke der Kleinplastik, von der Künstlerhand des Professors Rudolf Marschall modelliert und vom Kaiser als offizielle Abzeichen erklärt, dient gleichfalls dazu, den „Kaiser und König Karl Kriegsfürsvrgesonds" zu kräftigen, der sich bekanntlich die Fürsorge für die Soldaten im Felde, die Unterstützung von Witwen und Waiten Gefallener, die Verbesserung des Jnvaliden- Loses und insbesondere die Errichtung von Heilansiaiten zur segensreiche» Ausgabe gesetzt hat. Jeden einzelnen dieser Zweige und sie alle insgesamt fördert jeder durch sein Schärflein, der die Plaketten des Kaiser-Paares erwirbt. Das Abzeichen kostet eine Krone. Kein Zweifel, daß der Verkauf der Plaketten, der sozusagen einen Kaiser- Kronen-Fonds darstellt, aus die werktätige und begeisterte Anteilnahme der großen Massen der kaisertreuen Bevölkerung zählen darf. Spendenauswcis für die Schulen der „Agudas Iifroel", Wien, II., Grolre Ofarrgaffe Wr. 23, für den Monat Ader »678. Großrabbiner Friedmann, Czortküw, K 1313; Großrabbiner David Mansohn, Brody, k* 110 —; Zolmann, Krakau, K 10'—; Dudel, Haluszewier, K 10'—; Neulinger, Wien, K 10 —. Je L 6—: Bursztyn, Brody; Rosenstreich, Wien; Krum, Wien; Läufer, Wien; Spira, Zwozyc, K 4'—. Je K 3 — : Marder, Wien; Leinwand, Przemrfflany; Rostoker, Nadwürna; Bcrol, Czernowitz; Gerner, Stanislau; Harmik, Czortkow; Aufrichtig, Rohatyn; Witlin, Kamionka: Retter, Sadagüra; Günsberg, Jazlowitz; Ebenstcin, Jazlowitz; Lerner, Czernowitz; Stryffower, Bursztyn; Scheier, Kolomea; Kraus, Czernowitz; Drimmer, Zalcszczyki; Weissteiu, Brzezany; Haber, Podheice; Bein, Wiznitz; Weinstock, Sadagüra; Bergmann, Halicz; Hager, Zabtotüw; Goldmarck, Stanislau; Spitz, Przemy-l; Weissteiu, PrzemyAany; Eigen, Rohatyn; Nnssenbau, Grzymaww; Seiger, Waschkautz; Lehrer, Radautz; Marder, Stoisch; Grund, Krakowitz; Zornberg, Husiatyn; Roms, Wien; Kesten; Kay, Waschkautz; Rainer, Krakau; Kappeller, Husiatyii; Groß; Kupferschmidt; Buxbaum, Kolomea; Sobel, Delatyn; Reinhold, Brody; Ellenberg, Wiznitz; Weinlds, Bursztyn; Sammler, Nadwürna; Reinhold; Jung; Potoker; Fingerhut; Schwarz, Lemberg; Gelber, Nililszyk' Backenrot, Görlitz; Perl, Bolszowce; Ostermann, Narajüw; Heilpern, Pamarzany; Nemet, Jezupol; Lauber, Kolomea; Gelbtuch, Ölest; Fischer, Kolomea; Reiser, Brzezany; Pitichanik; Edelstein; Schaff, Narol; Schütz; Goldberg, Potok-Zioty : Herich, Brzezany; Turner, Stryj; Wilß, Nililschik; Sonnenschein, Husiatyn.