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Jüdische Korrespondenz · 1918-02-21 · 6 (21.2.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
6 (21.2.1918)
Date
1918-02-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz. Nr. 6 gelegmheiteu maßgebend sein sollen, eine Vereinbarung zu stände, nach der die großen jüdischen Organisationen Deutschlands aller Richtungen sich zusammenschließen zu einer Vereinigung unter dem Namen „Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands zur Wahrung der Rechte der Juden des Ostens". In dieser Vereinigung sind bisher vertreten: 1. Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. 2. Deutsche Vereinigung für die Interessen der osteuropäischen Juden. 3. Deutsch - Israelitischer Gemeindebuud. 4. Großloge für Deutschland. 5. Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M. 6. Hilssverein der deutschen Juden. 7. Komitee für den Osten. 8. Verband der deutschen Juden. 9. Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. 10. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Zum Vorsitzenden wurde gewählt: Dr. James Simon; zu stell». Vorsitzenden: Geh. Justizrat Oscar Cassel Ri. d. A. und Dr. Franz Oppenheimer; zum Schatzmeister: Dir. Paul Mankiewitz; zu ehrenamtlichen Geschäftsführern : Dr. Artur Hantke, Dr. Paul Nathan: zu ehrenamtlichen Sekretären: Dr. Bernhard Kahn und Richard Lichtheim. Das Bureau befindet sich Potsdamerstraße 4l a, II. Die Vereinigung hat sich vor allem die Aufgabe gestellt, den Standpunkt der deutschen Juden gegenüber den deutschen Problemen im Osten und im Orient gemeinsam vor den in Betracht kommenden Instanzen zu vertreten schon während der Dauer des Krieges und dann bei den Friedensverhandlungen. Es ist in Aussicht genommen, auf die Gründung verivaudter Organisationen in Oesterreich-Ungarn, der Türkei, Bulgarien hinzmvirken, so daß durch eine Verständigung dieser Organisationen unter einander alsdann die jüdischen Fragen, die durch den Krieg aufgetvorfen sind, in einheitlicher Weise seitens aller Juden der Mittelmächte behandelt werden können. Mit den Organisationen, die bisher noch nicht formell angegliedert sind, sind Verhandlungen über einen Zusammenschluß mit guten Aussichten ans einen Erfolg im Gange. Die Beratungen, in ivelcher Weise die neue Vereinigung mit dem eben gebildeten „Vollzugsausschuß der jüdisch-orthodoxen Organisationen der Mittelmächte" zusammen arbeiten kann, sind noch nicht abgeschlossen. Die Richtlinien für die Behandlung der Judenfrage im Osten und im ottomanischeu Reiche, auf Grund deren der Zusammenschluß erfolgt ist, lauten folgendermaßen: 1. Rechtliche und tatsächliche Gleichberechtigung mit allen Rechten und Pflichten als Staatsbürger. 2. Freiheit der Religivnsübung. 3. Recht auf Pflege selbständiger jüdischer Kultur. 4. Recht auf Einwanderung und wirtschaftliche Betätigung in allen Teilen des osmanischen Reiches. 5. Recht auf freie Niederlassung und Pflege selbständiger jüdischer Kultur in Palästina. Rundschau. (Dankgottesdienst.) Mster überaus großer Beteiligung fand vorigen Mittwoch abends im Tempel der Innern Stadt aus Anlaß des Friedensschlusses mit der Ukraine und der Einstellung der Feindseligkeiten mit Rußland ein feierlicher Dankgottesdienst statt, bei welchem der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde niit dem Präsidenten Dr. Alfred Stern und dem Vizepräsidenten Hofrat Dr. Rappaport, der Bethausvorstand mit dem Obmann Landesschulrat Dr. Markus Spitzer sowie die gesamte Beamtenschaft unter Führung des Sekretärs Dr. Emil Adler erschienen. Zahlreiche jüdische Vereine und Korporationen hatten Vertreter entsendet. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Taglicht, die kantoralen Funktionen versah erster Kantor Matyas. Mit der Bolkshymne schloß die Feier. (Die Rückkehr der Flüchtlinge.) Amtlich wird mitgetcilt: Infolge Meldungen und Beschwerden aus Flüchtlingskreisen, daß viele der für die allgemeine Rückkehr freigegebenen Städte und Orte Galiziens, die infolge der Kriegsereignissc zerstört ivorden, noch nicht so weit tvieder aufgcbaut seien, daß die Existenz der heimkehrendcn Flüchtlinge über den Winter genügend gesichert erschiene, sah sich das Ministerium des Innern veranlaßt, eine allgemeine Ueberprüfung des in den letzten Monaten erschlossenen Wiederausiedlungsgebietes auzuordnen. Auf Grund dieser Erhebungen, die neben den lokalen Verhältnissen auch die Frage der Ernährungsmöglichkeit umfaßten, sotvie in Anbetracht der vorgeschrittenen Jahreszeit ist das Ministerium des Innern bemüßigt, von dem mit den Erlässen vom 6. August, 28. August, 10. September, 23. Oktober 1917 für die Rückkehr allgemein freigegebenen Gebiete Galiziens bestimmte Gebiete aus der Gruppe (in die die Rückkehr Pflicht ist) auszuscheiden und in die Gruppe, in die die Rückkehr noch nicht allgemein freigegeben ist, jedoch unter bestimmten Bedingungen gestattet wird, zurückzuverlegcu. Es sind das die Städte Belz, Tnrka, Grodek - Jagiellonski, Szczerzee, der ganze Bezirk Zolkieiv und noch 59 andere Gemeinden. Das genaue Ortsverzeichnis hat die Polizeidirektion. — (Die Juden Jerusalems.) Ans Berlin wird gemeldet: Eine Anzahl von Bewohnern Jerusalems hat die Stadt vor der Einnahme durch die Engländer verlassen und sich nach Damasklis begeben. Von bekannteren Personen sind nach hier eingegangenen Nachrichten zurzeit folgende Herren in Damaskus: Prof. 'Schatz und Herr Boruchow vom Bezalet, Alter Riwkin und Grazomsky von der Bank, der jüngere Panigel, Seminarlehrer Lifschütz, Herr Schiller, Direktor des Hebräischen Gymnasiums, Herr Salomon, Lehrer des Seminars, Rabbiner Selig Lieder, Herr Farchy, Direktor der Alliauceschulen. Auch Dr. Tichy befindet sich in Damaskus. ’ (Zur Lage der Juden in Saloniki.) Der Vertreter der griechischen Regierung, Herr Vutsinas, hat kürzlich die in Zelten wohnende jüdische Bevölkerung besucht. Die ernste Lage dieser Unglücklichen machte ans ihn einen solchen Eindruck, daß er die Regierung ersuchte, das Einrückungsdekret für die jüdischen Männer vorläufig zu sistieren, um nicht den Schmerz vieler Familien noch zu vergrößern. Die Regierung willigte darin nicht ein, sodaß am 26. Kisleiv die meisten Männer einrücken mußten. — Der ganze Lehrkörper des Talmud Thora Haggadol wurde entlassen, da es in diesem Jahre nicht möglich sein wird, den Unterricht abzuhalten. Bei dieser Gelegenheit haben die Lehrer einen von den meisten Zeitungen veröffentlichten offenen Brief an den Großrabbiner gerichtet, worin ersucht wird, die Sache auch vom humanitären Standpunkt aus zu betrachten, da ja in dieser Weise über dreißig Familien ihren Unterhalt verlieren. Man hofft, daß die Entlassung aufgehoben werde. (Purischkewitsch verurteilt.) Wie das Reutersche Telegraphenbureau mitteilt, wurde der frühere Dumaabgeordnete Purischkewitsch zu vier Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Wenn er sich jedoch am Ende eines Jahres einverstanden erklärt, sich jeder Tätigkeit gegen die Bolschewiki zu enthalten, soll ihm der Rest der Strafe erlassen werden. Purischkewitsch war bekanntlich als Organisator der „Schwarzen Hundert" und Vorsitzender des „Verbandes der echtrussischen Leute" der Würgengel der Juden im zaristischen Rußland. (Neuorganisation des polnischen Rabbinerwesens.) Die jüdische Kommission beim Staatsrat hat über das Rabbinerweseu folgende Beschlüsse gefaßt: Jede Gemeinde soll einen Rabbiner haben, größere Gemeinden können nach Beschluß des Obersten Rates geteilt werden und Bezirksrabbiner sowie einen städtischen Oberrabbiner erhalten. Die Rabbiner kleiner Gemeinden werden von den Gemeindemitgliedern gewählt, die der größeren durch Gemeindevertreter und die Gemeindeverwaltung. Die Oberrabbiner werden durch ein besonderes Kollegium, dem auch Bezirksrabbiner ihrer Stadt angehören, gewählt. Alle Rabbinerwahlen bedürfen der Bestätigung durch den Obersten Rat, die der Oberrabbiner sollen von den Staatsorganen bestätigt werden. Außer den Rabbinern sind Hilfsrabbiner bei größeren Gemeinden vorgesehen, die die gleiche Qualifikation wie die Rabbiner besitzen. (Judenpogrome in Algerien.) Die in Konstantinopel erscheinende Zeitung „Aurore“ bespricht in einem Leitartikel die pogromartigen Ausschreitungen gegen die Juden in Tunis, die zu Mordtaten und Plünderungen in Sfax, Biserta, vor allem aber in der Stadt Tunis geführt und unter den nordafrikanischen Juden eine außerordentliche Beunruhigung hervorgerufen haben. Erst langsam sickert, da die französische Zensur alle Nachrichten unterdrückt hat, die ganze Wahrheit durch und man erhält einen Eindruck von dem gewaltigen Umfang der Exzesse. Die in Genf erscheinende „Revue du Maghreb“ hatte schon vor längerer Zeit die französische Regierung vergeblich darauf hingewiesen, daß die in Tunis geführte, systematische, antisemitische Kampagne zu blutigen Exzessen führen müsse. Seit vielen Monaten hetzt nämlich das offizielle Regierungsorgan, die „Depeche Tunisienne“ und das Blatt „Ovlon franeais“ in aufreizender Weise gegen die Juden. Beide Blätter stellen die Juden, obwohl sie durch Gesetz vom Heeresdienst ausgenommen sind, als Drückeberger hin und entfalten überhaupt eine konsequente antisemitische Propaganda. Die entsetzlichen Exzesse sind eine selbstverständliche Folge dieser Hetzarbeit._ vom amerikanischen Lilfsrverk für polen. „Jewish Exponent" vom 23. November berichtet: Präsident Wrljon empfing ein Komitee hervorragender jüdischer Persönlichkeiten, die ihm die Bitte der amerikanischen Judenheit überbrachten, der notleidenden jüdischen Bevölkerung Polens

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