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Jüdische Korrespondenz · 1918-02-21 · 6 (21.2.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
6 (21.2.1918)
Date
1918-02-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 mit allen Kräften zu helfen. Das Komitee bestand aus den Herren Henry Morgenthau, Abraham Elkus, Oskar Straus. Jakob H. Schiff, Richter Otto Rosalski, Alexander Kahn aus New?)ork. Richter Julian Mack aus Chikagv und Dr. Cyrns Adler aus Philadelphia. Dr. Adler und Henry Morgenthau trugen dem Präsidenten die Wünsche des Komitees vor. Nach dem Empfang beim Präsidenten Wilson wurde der Presse folgende Publikation übermittelt: „Das Komitee bat den Präsidenten dringend, in Erwägung zu ziehen, ob die Regierung der Vereinigten Staaten ihre Hilfe für Polen nicht in der Weise ausdehnen könne, wie es für Belgien geschehen ist. Das Komitee betonte, daß cs leine Fonds und Lebensmittel durch eine Kommission zur Verteilung bringen würde, die der Präsident ernennen und die in jeder Weise als vertrauenswüidig betrachtet werden würde. Es wurde dargelegt. daß das State Departement sehr wertvollen Beistand in dieser Richtung leisten könnte. Das Komitee verließ das Weiße Haus nach einer halbstündigen Konferenz mit dem festen Vertrauen, daß der Präsident sein Aeußerstes tun werde, um diese Wünsche zu erfüllen. Präsident Wilson zeigte sich sehr freundlich und außerordentlich interessiert für diese Angelegenheit und wird voraussichtlich den Regierungsapvarat in dieser Richtung in Bewegung setzen, vorausgesetzt, daß hinreichend Transportmöglichkeiten für die Uebermittlung der Lebensmittel nach Polen vorhanden sein werden. Es steht zu hoffen, daß der Besuch ein positives Resultat haben wird. Das Joint Distribution Committee (das dieses Komitee zu Wilson entsandt hatte) besteht aus Vertretern der drei jüdischen Hilfskommissionen in Amerika: Peoples Relief Committee, Central Relief Committee und American Jewish Relief Committee. Das Joint Distribution Committee hat bis jetzt II Millionen Dollars gesammelt, wovon 9 Millionen allein im Jahre 1917 verteil! wurden. Zurzeit ist das Joint Distribution Committee mit der Aufbringung von 10 Millionen Dollars beschäftigt, von denen zwei Dritteln bereits gezeichnet sind. Bis zum Ende des Jahres 1917 dürste auch das letzte Drittel aeberft sein. Herr Julius Rosenwald hat allein 1 Million Dollar für diesen Zweck zur Verfügung gestellt." Kriegsanleihe - Zeichnungsverein „Agudas-Jisroel". Diejenigen, die Kriegsanleihe durch diese» Verein gezeichnet und inzwischen ihre Wohnung gewechselt haben, werden ersucht, dem Vereine ihre neue Adresse bekanntzugeben, da die Lombard- und Eskomtebank, die die Formalitäten der Zeichnungen für den Verein durchführt, demselben die Abrechnung für diese Mitglieder zustellt. Chronik. (Vertretung deS Judentums im preußischen Herrenhause.) In der Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses zur Borberatung der Herrenhausreformvorlage trat ein Fortschrittler dafür ein, daß die jüdischen Religionsgemelnschaften eine Vertretung im Herrenhause erhallen. Es würde als Zurücksetzung betrachtet werden, daß man die Juden auf das königliche Vertrauen verweisen wolle. Zwar habe sich die Freie Vereinigung des orthodoxen Judentums dafür ausgesprochen/ aber sie vertrete nur einen kleinen Teil der Juden. In Elsaß-Lothringen und einigen süddeutschen Staaten bestehe bereits eine Organisation des Judentums, die auch für Preußen kommen werde und der man die Präsentation übertragen könne. Minister des Innern Dr. Drews erklärte die Bereitwilligkeit der Regierung, Vertreter der Juden zur Berufung durch den König vorzuschlagen. So gut wie die 480.000 Juden könnten auch die Altlutheraner und Altkatholiken ei» Präsenlationsrecht verlangen. Ein Zentrumsredner meinte, es sei notwendig, nach dem Zentrumsantrag die Vertretung der beiden christlichen Kirchen von 16 aus 32 zu erhöhen. Gegen eine Judenvertretung hat das Zentrum nichts einzuwenden. Ein Freikonservaliver: „Wir sind bereit, dem Judentum zwei Vertreter einzuräumen, aber es muß bei dem königlichen Berufungsrocht bleiben." — Sämtliche Anträge wurden einem Unterausschuß überwiesen. (Stellungnahmedes Schweizerischen Delegiertcntages der „Agudas Jisroel" zur Palästinafrage.) Das Jüdische Preßbureau teilt mit: Die am 27. Jänner versammelten Delegierten der schweizerischen „Agudas Jisroel" »ahmen mit 28 gegen eine Stimme folgende Resolution an: „Der erste am 27. Jänner 1918 (iz Schebat 5876) in Olten versammelte Delegiertcntag der „Agudas Jisroel". Schweizer Landesorganiscttwn, begrüßt mit aufrichtiger Genugtuung die in letzter Zeit durch die Aeußerungen verschiedener Staatsmänner geweckte» Hoffnungen hinsichtlich Palästina und erwartet vertrauensvoll, daß sämtliche Regierungen das Recht des jüdischen Volkes auf freie Einivgnderung und freie wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung im Lande der Väter anerkennen werden, damit auf dem geweihten Boden des heiligen Landes das Lebest unseres Volkes im Geiste der Thora neu erblühe." Lin vergessenes jüdisches Kriegsgedicht von Moritz Veit. Das Lager schallt von mutig frohen Liedern, Als gält's ein lustiges Turnei, Doch ists ein Wettkampf, den ein Volk von Brüdern Begonnen wider Frankreichs Tyrannei. Und als der Schlachtruf nach der Väter Weise Der Krieger einig Herz bewährt, Da schlich ein Einziger aus bem Mcinnerkreisc, Ein Einziger fort, den düstrer Grani verzehrt. Ein Feiger? Nein! Mut flammt das Antlitz dir, Und doch, dein Antlitz gibt die Antwort mir. — Du bist ein Jude —- und sie haben Dein Blut gewittert wie ein Aas die Raben, Das jüdisch fremde Blut soll mit dem ihren Den deutschen Boden nicht berühren. Du bist ein Jude hohngeneckt Um des Erlösers blut'gen Mord, Aus trautem Freundesarni geschreckt Durch böser Rede giftig Wort, Bist du im trüben Morgengrauen Der Erste aus dem Schlachtgefild zu schauen. Und sieh, wie fernes Waffenblitzen Durchleuchtet es den Wald. In euren Reihen Ihr Brüder! Heute gilts, ein zweites Lützen Dem Gesicht der Freiheit und des Rechtszu weihn. Die jungen Preußen stehn, geschaart zum Streite, Lautlos vor ihrer ersten Wahlstatt da. Glück auf! Die Geisterkämpfen euch zur Seite, Sie Sanherib im wüsten Traume sah. Den Blücher schaut, der keck zu Rosse stieg, Wie gießt sein Wort in jedes Herz den Sieg! „Ob Satan knurrt, a nicht so bös gemeint, Laßt euch durch Teuselspuck nicht äffen." Mut, Brüder, Mut! tönt es von Freund zu Freund, Der Alte spricht: „Nicht alle Kugeln treffen". Der erste traf. Ohnmächtig, totenblaß, Sinkt Hauschild nieder. Schnell erlischt der Haß In Blutes Lethe. Die Gefährten dringen Hastig herbei, ihm Hilfe darzubringen, Das Blut zu stillen und mit weichen Binden Den wunden Arm dem Wackern zu umbinden. Da Plötzlich sammelt sich der irre Geist, Er blickt um sich, erkennt und reißt Sich den Verband vom Arme, den Genossen Den Grimm zuschleudernd, den er lang verschlossen. Halunken, weicht von mir! mit seinem Strahl Hat mich der Herr getroffen. Eure Wege Sind nicht die meinen. Nicht an eurer Pflege Berharrscht das heilige Wundenmal. Ihr weichen Seelen, habet Dank, Ihr laßt mich nicht für Recht und Freiheit sterben Ach Gott! — Um Freiheit werben, Es war mein Erbteil all mein Leben lang, Ich bin ein Jud; ich suche nicht den Tod, Ich harre seiner, wie mir Gott gebot. Dvch ivas ich suche, Ehr und Ruhm, Der Väter uralt Eigentum, Ist im L>pitale nicht, wo meine Kraft Verdorren soll, wie ihr gemeint." Er spricht» und hat sich mühsam aufgerasst, Er schwingt sein Schwert und stürzt sich in den Feind. Die Schlacht verrauscht. Als Mitternacht genaht Dnrchspähn die Freunde noch das blutge Feld. Beim späten Werk der Liebe wird ihr Pfad Von zwei Dörfern granscm Brand erhellt. Verbltitet auf dem Schlachtgefilde Liegt Hauschild da auf seinem Sparterschilde. Ein kaltes Granu erstickt die Klagen, Nur Totenpfleger durften sie ihm sein, Jedweder eine große Frage An Gott im Herzen, bei des Mondes Schein Im Waldesschatten senken sie ihn ein. Neue Sücher. „Gottes Volk." Von Dr. Nathan Birnbaum. Verlag R. Löwit, Wie» und Berlin, Preis K 150. — Die vorliegende Schrift von Matthias Acher ist ein religiöses Bekenntnis des Verfassers. Die Gedanken des unigeivandelten Dr. Birnbaums, der früher an der Spitze der nationalen Bewegung stand, sind aus der Ueberzeugnng entstanden, daß die historische Vergangenheit des Judentums es zum Führer des religiösen Gewissens gestempelt hat. Eine Nation ohne Religion ist im allgemeinen undenkbar, das jüdische Volk aber kann sicher nicht Bestand haben, wenn es nicht seine alte Religion zu hüten und zu schirmen weiß. Birnbaum Ivird zum Kämpfer gegen die materialistische Weltanschauung im Judentum, besonders da, wo er sich gegen die „Heidenjuden" ausspricht. Auch die „jüdischen" und „hebräischen" Dichter bekommen ihren Anteil, „David als religiöser ««d sittlicher Charakter." Von Dr. Ulrich Molsen. 1917. 63 S. Mk. 1 80. — Durch jede Buchhandlung am Platze wie durch die A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung Werner Scholl, Leipzig, Königstraße 25, zu beziehen. Inhalt: David, ein Hold, aber kein Heiliger. — Ueberblick über die verschiedenen Darstellungen und Bewertungen des Charakters Davids durch die Kritik. — Davids religiöser Charakter. — Davids sittlicher Charakter. — Ausführliche Bibliographie. Die Davids-Kritik hat sich bislang zu sehr in Extremen bewegt; während die einen 1» David den fleckenlosen Heiligen sehen zu können glaubten, haben die andern sich nicht gescheut, ihm lebe sittliche und religiöse Größe abzusprechen. Dr, Molsen hat nun den überaus dankenswerten Versuch unternommen, die über Davids religiösen und sittlichen Charakter geäußerten Urteile' einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Zunächst bietet der Berfasser einen sehr wertvollen und interessanten Ueberblick über die Geschichte der David-Kritik von der Zeit der Aufklärung an, in der mit Voltaire und Pierre Bayle die Verdammung Davids einsetzt. Eine wie traurige Verirrung jedoch diese Richtung,, der wir auch leider heute noch bei modernen Forschern begegnen, ist, zeigen die ausführlichen Darlegungen Dr. Molseris, die uns David nicht als fleckenlosen Heiligen, aber als tiefrellgiösen Menschen schildern, der trotz seiner Verfehlungen ein wahrhaft sittlicher Charakter und „ein Mann nach dem Herzen Jahves" gewesen ist. Das Buch ist wohl vornehmlich für Christen bestimmt, hat aber einen allgemeinen Wert.

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