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Jüdische Korrespondenz · 1918-02-21 · 6 (21.2.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
6 (21.2.1918)
Date
1918-02-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 6 Rabbiner Tr. Link (Innsbruck! schildert die Verhältnisse in Innsbruck und schließt sich den Ausführungen des Referenten an. Im äußerste» Teil der Mmiarchie haben die glaubenstreuen Juden einen schweren Kamps zu führen. Jahrelang konnte die Gemeinde Innsbruck keine eigene Schechita haben und auch jetzt muß sie in einer Vorstadt die Schechita vornehmen. ES gibt dort jetzt etiva 1200 Juden, zumeist aus dem Osten und ans Ungarn, vornehmlich glaubenstreue. Wie oft müssen sie buchstächlich hungern, Ivenn sie keine rituelle Kost haben. Für diese und ihresgleichen, die außerstande sind, selbst für alles zn sorgen, muß eine Organisation geschaffen iverden, damit sie leben können, rvie zu Hause. Tie Organisation, die nuinnebr geschaffen werden soll, wird ein ausgezeichnetes Arbeitsgebiet finden. Rabbiner Dr. kt o n baut Strakonitz) ergänzt diese Ausführung nrittelst einer eingehenden Schilderung der analogen Verhältnisse in Böhmen, rvv einst blühende Judengemeinden zugrunde gehen, iveil sie außerstande sind, selbst die religiösen Institutionen zu erhalten und ihnen niemand beisteht. Nur eine Zentralstelle kann da Abhilfe schaffen. Der Vorsitzende, Herr Hofbauer gibt bekannt, daß etwa 80 briefliche und telegraphische Zustimmuugskundgebnngen eingelaufen seien, darunter auch eines von dem Präsidenten der orthodoxen Kanzlei in Ungarn, Herrn Adolf Frankel, der die Konferenz im 'Jtameit der ungarischen Orthodoxie begrüßt. Es wird ferner ein Brief des Rabbiners Jeruchem-Staru-Sambvr verlesen, der feststellt, daß die galizische Orthodoxie sehr gerne mit der Orthodoxie in Westösterreich zusammenarbeiteu wolle. Man konnte in Galizien eine eigene Zentralstelle errichten, die mit derjenigen in Wien in Verbindung stehen und in allen wichtigen Angelegenheiten gemeinsam Vorgehen soll. Herr Rabbiner Flesch -Wien) referiert hierauf über „religiöse Jugenderziehung". Das schwungvolle Referat findet lebhafte Zustiinmung. (Ein Auszug gelangt in nächster Rümmer zur Veröffentlichung, t In der.Diskussion zu diesem Punkte beteiligten sich die Herren Rabbiner Dr. Landau, Kreppel, Berisch Steinberg, Dr. Beer u. a. Es werden mehrere Anregungen und Vorschläge unterbreitet, die dem Aktionskomitee zugetviesen iverden. Redakteur Kreppel legt hierauf ein ausführliches Organisationslabvrat vor, welches dazu bestimmt ist, dem Aktionskomitee als Substrat für die Organisationsarbeit zu dienen. Herr U n g a r (Prag) unterbreitet folgenden Antrag: Die Konferenz beschließt die sofort in Angriff zu nehmende Organisation sämtlicher in Oesterreich lebender gesetzestreuen Juden, wobei die in den einzelnen Kronländern, sei eS i» bestehenden Vereinigungen, sei es vereinzelt lebende Juden vertretungsweise vom Wiener Stammvereine heranzuziehen wäre», unter Bildung eines noch heute zu wählenden Aktionskomitees. Der Antrag wird angenommen. Der Vorsitzende Herr Hofbauer erklärt, daß die Wahl des Komitees am Schluffe der Konferenz vorgenommen werden wird, damit auch die anderen Punkte der Tagesordnung verhandelt werden könnten, da mehrere auswärtige Delegierte den Wunsch äußern, die Beratungen noch heute zu Ende zu führen, damit sie abreifeit könnten. Herr F elsenburg referiert hierauf über „Die soziale Gesetzgebung und das religiöse Leben". Redner schildert eingehend den Einfluß, die die obligatorische Sonntagsruhe auf die Erwerbverhältnisfe der am Sabbat ruhenden Inden ausübt und die Notwendigkeit, für dieselben Erleichterungen zu erwirken. Er bespricht auch die Pflege der religiösen Erziehung in Fachschulen re. und unterbreitet eine Reihe von Resolutionen, die allgemeinen Anklang finden. Redakteur Kreppel referiert hierauf über die letzten zwei Punkte der Tagesordnung „Die Stellung der orthodoxen Juden zur Friedeusfrage" und „Jischub-Erez-Jisroel" und unterbreitet zwei Resolutionen, die ebenfalls dem Aktionskomitee zur weiteren Behandlung zugewiesen. Die Tagesordnung ist damit erschöpft und man schreitet zur Wahl des Aktionskomitees. Es wird zunächst bestimmt, ein 30gliedriges Aktionskomitee zu wählen, von welchem 20 aus den Kreisen der Orthodoxie in Wien und 10 aus der Provinz zn entnehmen tvären. Die Delegierten aus der Provinz erklären, ihre Kandidaten nach Fühlungnahme mit ihren Gesinnungsbrüdern in der Heimat nominieren zu wollen. Es ivird ihnen somit die Nominierung von 10 Mitgliedern für das Komitee freigelassen. In Wien iverden ebenfalls im Einverständnisse mit den daselbst vorhandenen Organisationen die 20 Mitglieder des Komitees bestimmt werden. Die Beratungen sind nun zu Ende und der Vorsitzende Herr Hofbauer hält die Schlußrede, in ivelcher er seiner Befriedigung über den würdigen Verlauf der Beratungen und dem Wunsche Ausdruck gibt, die Delegierten gar bald zu einer neuen Tagung versammelt sehen zu können. Rabbiner Dr. Landau dankt dem Vorsitzenden im Namen der Delegierten für seine Mühewaltung und dem Verein für die Einberufung der Konferenz, deren Resultate fruchtbringend sein würden. Herr Dr. Rininger dankt im Namen des Präsidiums den Delegierten für ihre Mitwirkung und konstatiert nochmals, daß die Organisation keine aggressiven Tendenzen verfolgt und keine Weiterungen sucht. Nachdem noch einige Delegierte Dankesworte an den Vorsitzenden Herrn Hosbauer und an die BereinSleitung gerichtet haben, wird die Konferenz unter lebhaften Rufen: „Auf baldiges Wiedersehen!" geschlossen. Anträge, Resolutionen und Anregungen (unterbreitet der orthodoxen Konferenz in Wien und zu dem gewählten Exekütionskomitee ,»gewiesen). Zu Punkt I. Die Orthodoxie verlangt von der Gesetzgebung dte weitestgehende Rücksicht auf die Sabbatruhc, so daß jenen jüdischen Gewerbetreibenden und Handelsleuten, welche notorisch ihre Betriebe an Samstagen geschlossen halten, die möglichste Erleichterung in bezug auf die Sonntagsruhe gewährt wird. Sie verlangt ferner für jüdische Soldaten, Kranken in Sprtälern und Häftlings ganz besonders aber für Untersuchungshäftlinge, von denen in der Regel ein größerer Teil unschuldig ist, die Möglichkeit, rituelle Kost zu erhalten. Es ist die Beobachtung des Religionsgesetzes von so eminenter Bedeutung für die moralische Erhebung, vie Mißachtung desselben wirkt so aus den ganzen Menschen, daß auch der Staat ein ethisches Interesse hat, die Religiosität zu erhalten. Zu Punkt 2. Die Orthodoxie verlangt von den Gemeinden die Errichtung aller notwendigen rituellen Anstalten aus streng religiöser Basis und einen Religionsunterricht, den religiös zu erziehende Kinder ohne Bedenken genießen können, zumindest aber volle Freiheit zur Befriedigung der religiösen Bedürfnisse und nach Maßgabe der Gemeiudemittel und der Steuerleistung der Orthodoxen materielle Unterstützung hiezu. Zu Punkt 5. Den gesetzestreuen Juden, die den Sabbat heiligen, soll die Erwerbsmöglichkeit am Sonntag in der weitgehensten Weise gewährleistet werden. Die jüdischen Angestellten sollen am Sonntag zur Erfüllung ihrer Pflichten herangezogen werden dürfen, ohne daran von irgend einer Seite gehindert zu werde». Die Gründung von Handels- und Gewerbeschulen, in welchen die jüdische Jugend, ohne Unterschied ^>er Berufswahl dem Religionsunterricht zugeführt werden. Bei öffentlichen Bauten und bei staatlichen Aufträge» ist den gesetzestreuen Juden die Möglichkeitlz» geben, an der Konkurrenz teilzunehmen. Die Aufgabe unserer Rabbiner wird es fein, aufklärend zu wirken und aufmerksam zu mache», wie weit die in betracht kommenden kaufmännischen Kreise von religionsgesetzlich eingeräumten Begünstigungen Gebrauch machen können. Das Nichterscheinen eines gesetzestreuen Juden am Schabbos bei Gericht darf nicht als Versäumnis gelten. Die Erwerbsmöglichkeit jüdischer Theologen, die in einer orthodoxen Rabbinatschule oder Jeschuwo lernen, dürfen nicht hinter denjenigen Zurückbleiben, ivelche ein Rabbiner-Seminar besuchen. Zu Punkt 6. Die Orthodoxie schließt sich den von anderer Seite erhobenen Forderungen an, gelegentlich der Neuordnung der Dinge im Osten die restlose Gleichberechtigung der Juden in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht sicherzustellen. Ihrerseits fordert vie Orthodoxie noch speziell, daß den glaubenstreuen Juden die Freiheit und die Möglichkeit zur Entfaltung des religiösen Lebens und zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse im Wege einer entsprechenden Ausgestaltung der religiösen Autonomie geboten werde. Zu Punkt 7. Die Orthodoxie erblickt in der weitgehenden Förderung der jüdischen Ansiedlung in Palästina in erster Reihe die Erfüllung einer religiösen Pflicht, gkeichzeitig aber auch ein Mittel zur Hebung des jüdischen Wirtschaftslebens, Die Besiedlung Palästinas soll im Sinne und im Geiste der Religion vor sich gehen, und soll diesbezüglich der Orthodoxie auf die Gestaltung der Verhältnisse der gebührende Einfluß eingeräumt werden. Die Förderung der jüdischen Besiedlung, des heiligen Landes soll auch dazu dienen, dortselbst ein religiös-geistiges Zentrum zu schaffen, und zwar durch Gründung einer großen Jeschiwah, durch Förderung des religiösen Schrifttums, durch Erforschung der Vergangenheit Palästinas im Zusammenhänge mit dem heiligen Schrifttums. Die Orthodoxie erwartet,?aß die reorganisierte Türkei den jüdischen Palästinabestrebungen Verständnis und Vertrauen entgegenbriiigen und diese» Bestrebungen nach jeder Richtung hin wohlwollend gegenüberstehen wird. Die Förderung der Kolonisation Palästinas darf keineswegs der Erhaltung und Ausgestaltung des alten Jischuw abträglich sein. Es darf nicht übersehen werden, daß der alte Jischuw allein durch Jahrhunderte die Kontinuität zwischen den Juden der Diaspora und dem heiligen Lande aufrecht erhalten und dadurch die Grundlage für den neuen Jischuw geschaffen hat. Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands zur Wahrung der Rechte der Inden des Ostens. Nach langen eingehenden Verhandlungen kam auf Grund gemeinsam festgelegter Richtlinien, die für die Behandlung jüdischer An- (Fortsetzung auf Seite 6.)

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