Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 5 (14.2.1918)
- Date
- 1918-02-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3495278-3495381-3495386--0548-3521229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 glaubt man also, daß unsere noch nicht allseits unbestritten anerkannte jüdische Nationalität auf Koste» der tief im Volke wurzelnden Religion erstarken könne? — tier können wir nur von den veränderten ältnissen, die der Weltkrieg geschaffen, eine Besserung erwarten. Stehen wir ja "jetzt im Zeichen eines jüdischen Kongresses, bei dem die zukünftige Stellung aller Parteien entschieden werden soll und bei dem sicherlich auch die Organisalion des konservativen Judentums die Initiative zu ergreifen Gelegenheit haben wird. Der Zusammenschluß der gesetzestreuen Judenschait ist in der gegenwärtigen Zeit eine dringende Notwendigkeit geworden, und in der Tat hören wir ein gewaltiges Rauschen in dem jüdischen Blätterwalde, aus dem der Geist unseres großen Samson Raphael Hirsch wieder eindringlich zu unserem Herzen spricht und mit dem geplanten Ausstieg und der Rückkehr zu den ewigen Wahrheiten — werden wir auch unfehlbar den Weg zum Herzen unserer bisher abseits stehenden Brüder finden. Run scheint eine Annäherung angebahnt; wir wollen den echt jüdischen Geist bei uns einziehe» sehen, wollen aber auch nicht an unsere Pflicht vergessen, unseren Volksgenossen, die auf dem Wege zum Judentum sich befinden, unsere Bruderhand in Treue zu reichen. Hier eröffnet sich dem gesetzestreuen Judentum eine Aufgabe, deren Erfolg: „die Wiederbelebung und Erhaltung des Judentums", gesichert erscheint, deren Erfüllung jedoch keineswegs so leicht und einfach sich gestalten wird. Zu letzterer Erkenntnis gelangte ich bei dem soeben jm Festsaale des altehrwürdigen jüdischen Rathauses abgehaltenen dritten Elternabend seitens des sehr rührigen jüdischen Erzishungsausschusses. Wieder wurde die vielumstriltene „Orthodorie" ins Tressen geführt; es wurde versucht — allerdings nicht in gehässig-böswilliger Absicht — den Nachweis der Intoleranz, der Unverträglichkeit, ja, der Unehrlichkeit des heutigen österreichisch-ungarischen glaubenstreuen Judentums zu erbringen. Es gehörte dies wohl nicht in den Rahmen des trefflichen Referats über: „Die Erziehung zum Judentum im Hause" — und es wurde gegen die erwähnten Anwürfe von berufener Seite mehr oder weniger geschickt polemisiert; doch zeigen solche Aeuherungen immerhin, wieviel es da zu verbessern gibt und welche Schwierigkeiten sich da einer Annäherung entgegen zu stellen drohen. Doch ist das traditionelle Judentum, das jetzt so oft und so gerne vom „erlebten" Judentum unterschieden wird, unbestreitbar die Wurzel des jüdischen Nationalismus, und nur die bisherige Vernachlässigung der religiösen Richtung und des Gebietes des jüdischen religiösen Lebens, sowie deren Bestrebungen, hat die heutige Uneinigkeit im jüdischen Lager verschuldet. Dieser Zustand soll nun nicht weiter anhalten. Das nunmehrige Heraustreten der hiesigen konservativ-jüdischen Partei aus ihrer jahrelangen Abgeschlossenheit, scheint mir der richtige Weg, der jetzt eingeschlagen werden soll. Die Einberufungen einer Konferenz der Orthodoxen wird von unseren Brüdern sicherlich nicht falsch aufgefaßt werden, darf keinesfalls als fortgesetzte Separation und Abschließung hingestcllt werden; vielmehr gilt diese als Vorbereitung zur geplanten Abhaltung eines allgemeinen lüdischen Kongresses — vor der kommenden Regelung der Judenfrage in Oesterreich . .. Die Erörterungen von Zukunftsfragen, die Anregungen zur Hebung des Sabbatgottesdienstes und zum religiösen Leben im jüdischen Hause usw. in den stark beluchten Mitgliederversammlungen der hiesigen „Sinai"-Vereinigung sind bei uns zunächst sicherlich geeignet, allen Zwiespalt der Parteien und die bisherige Gleichgültigkeit in religiösen Dingen zu bannen; sie sind eine sichere Gewähr dafür, daß der mit viel Mühe gesponnene Faden nicht mehr reißen wird. Fassen wir nun noch die ehrlichen Bestrebungen der nationalen sowie orthodoxen Juden näher ins Auge und urteilen wir wie außerhalb aller Parteien stehend, so werden wir eine überraschende Aehnlichkeit der Ziele — aber auch der Wege zu ihnen feststellen können. Ein Beispiel. „Die religiöse Bedeutung des Hauses im Judentum", lautet das letzthin zur Diskussion gestellte Sinai-Referat; religiöse Kindererziehung, praktisches Judentum ttn Hause — und Ergänzung des Religionsunterrichtes wurden in anregender Red« und Wechselrede als die Postulate des 'gesetzestreuen Judentums erkannt und anempfohlen ... Einige Zeit darauf. „Wie erziehen wir unsere Kinder zum Judentum", lautete der Vortrag des jüdischen Erziehungsausschusses am dritten jüdischen Elternabend; der Weg zum Judentum soll unermüdlich gesucht werden, Treue zum Judentum wird gejorderi; Haus und Schule werden als Leitmotive hingestellt; namentlich muß das Haus durchaus jüdisch sein; es wird a» die altjüdijche Erziehung, an Arba- Kanfos, Tallis und Tefillen, an die fromme Hausmutter, an Koscherfleisch, an Challa, an Freitag Abend — kurz an alles verloren Gegangene erinnert. Und der Tenor des Ganzen? Erweiterung und Vertiefung des Religionsunterrichtes, Gewöhnung der Jugend au die Sabbatheiligung . . . Wozu, frage ich nun, wird noch ein Weg zum Zusammenschluß der n i ch l o r t h o d o r e n Juden gesucht, wozu getrennt marschieren, da doch bei dem einen die Frage der Erhaltung, bei den anderen die Wiedereinführung des jüdischen Lebens augestrebt werden soll. — — —-— — — Es ist wohl nur die Enge der Straße, die gegangen werden soll; hier stoßen die bisherigen Gegensätze aufeinander, berühren sich die Erkreme zu enge, sieht sich eine „Mehrheit" vergewaltigt, entsteht „die Sorge um die Verbundenheit jüdischer Menschen"; hüben und drüben sieht man die „Macht der jüdischen Eigenart" ein, erkennt man die Wichtigkeit eines Zusammenschlusses — aber woran es dennoch fehlt — es wäre falsche Scham, dies zu verschweigen — ist, die GesamtOrganisation — die Neuorientierung. (A n m erkung der Redaktion: Wir veröffentlichen diesen Aussatz, ohne mit allen Einzelheiten desselben einverstanden zu sein, weil derselbe vornehmlich die eigenartigen Verhältnisse in Prag zur Grundlage hat. Unserer Ansicht nach kann die Orthodoxie in religiöser Beziehung keine wie immer geartete Konzession machen, selbst nicht um den Preis einer „Annäherung". Die orthodoxe Konferenz soll auch nicht die Vorstufe zum allgemeinen Kongreß sein; es ist dies eine Aktion der Orthodorie, die den Beginn einer aktiven Teilnahme am öffentlichen Leben ankündigt und die keineswegs hinter anderen Veranstaltungen zurücklreten soll. Der Gegensatz zwischen Glaubenslreue und „Nationalismus ohne Religion" ist viel stärker, als manche Kreise anzunehmen geneigt wären. Wollen die Nationalisten Zusammenarbeit, so müsien sie der Religion die ihr gebührende Stellung im jüdischen Leben einräumen.) Än die lobt. Kultusvorstehungen! Vas hohe k. u. k. Kriegsmirnftermm geruhte die rituelle Verköstigung der jüdischen Kriegsgefangenen für peffuch;n bewilligen. Nachdem die;ur Arbeit an private abkommandierten, sowie auf Einfchichten wohnenden Kriegsgefangenen nicht in Cviden; gehalten find, erincht der gefertigte Verein: Ein löblicher Vorstand wolle gütigst veranlassen, daß die betreffenden Kriegsgefangenen sich bei ihrem Lagerkommando melden oder uns Zahl und Standort anfgeben. Wien, Adar 5878, Februar 19!8. Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums für Wien und Niederösterreich. Spendenausweis für die Schulen der „Ngudas Iisroek", Wie«, IL, Große «farrgaffe Ar. 23, für de» Monat Schwat 5878. Großrabbiner Friedmann, CzortkOw K 42 20; Großrabbiner Friedmann, SadagOra K 42'—; Sammlung Heilpern, Wien K 220 —; Gesammelt durch Herrn Jsak Rapaport, Bielig, K 62-—; Landau, Berlin, K 100-—; I. Kreppet, Wien K 25 —; Halberstam. Czorna. K 24'—; Karmel, Krakau, K 20'—, Je K 15*—: Trieger, Wien; Unger, Zloczvw; Lcbowicz, Szatmar. Je K IO1—: Thumim, Przemyl; Barschok, Wien. Je K 8 —: Ekstein, Kolbuszöw; Feierstein, Potok-Zloty; Laden, Ehodorüw; Kohlt, Stanislau; Schani, ZloczOw; Kästner, Sadagüra; Jagerman», Zaleszczyki. Je E 7'—: Bakenrot, Goriicc: Jacob, Muszana. Jo K 6—: Auerbach, Zaleszczyki; Heliczer, Strzyzüw; Rosenstreich, Wien; Moszkowicz, Suczawa; Beck, Przemy-l; Goldberg, Brzczany; Sammler, Nadwurna; Kimmel, Kalnsz; Stecke!, Tarnopol; illose,ttahl, Monosterzyska; Obstfcld, Baligrod; Feigenbaum, Tarnopol; Wiesclmann, NadwOrna; Strahlberg, Beiz; Marbach, Podheice; Bkaukopf, Buczacz; Schütz, Stanislau; ffeitler, Czernowitz; Steinbcrg, Beiz; Günsberg; Schleider, Bübrka; Winter, Kolomea; Silbersici», JaworOw; Hilsenrot, Kolomea; Sammler, RadwOrna; Burdaich, Sokal; Edelstein; Sammet, Kalnsz; Danhirsch, Grodek; Jeker, Przemy»lan>>; Neuman, Lopatyn; Haber, Mikulince; Blasenstein, Horodenka; Scheier, Brody; Bursztyn, Brody. N. N. durch Beckman, Wie», K 5'—. Je K 4*50: Heilper« Czorlkow; Schwarz, Bukaczowce; Eiber, Wien. Je K 4'—: Gerner, Stanislau; Hirschhorn, Horodenka; Borucki, Odessa; Schreier, Stanislau; Litmann, Trzebina; Neuman Ezernowitz; Melamed, Dubiecko; Mermelstei», Skole; Kupternlann, Husiatyn; Äokser, Podheice; Neumann, Husiatyn; Rosenblum, Brody; Roscnseld, PrzemyZ. (ft. k. priv. Wiener Bank-Verein.) Mittels Kuitdmachung wird auf Grund der Beschlüsse der General-Versammlung und des Administrationsrates vom 12. Februar W18 den Aktionären des Wiener Bank-Berein das Bezugsrecht für die neu zur Ausgabe gelangenden 75.000 Stück Aktien mit Dividenden- Berechtigung ab 1. Jänner 1918 zum Preise von X 580'— telquel. für jede neue Aktie in der Weise eingeräumt, daß auf je 5 alte Aktien eine neue Aktie entfällt. Die Anmeldung des Bezugsrechtcs hat bei sonstigen Verlusten desselben in der Zeit vom 13. Februar bis einschließlich 23. Februar 1918 bei den Deponierungsstellen zu erfolgen. Zugleich mit der Anmeldung des Bezugsrechtes ist bei der betreffenden Stelle für jede zu beziehende neue Aktie der Betrag von K 580'— bar zu bezahlen. m „Heldolana“ erstklassiges antisBptischEs Schönheitsmittel Demnächst erscheint: luden und Judentum im ffelthriege. Von J. KREPPEL.