Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 5 (14.2.1918)
- Date
- 1918-02-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 5 fettiger Verantwort u n g, das die Juden umschling t 2. Die Juden gemeinschaft fordert die ungehinderte Freiheit zur pflichtgemäßen Erforschung und Erfüllung ihres offenbarten Gesetzes. 3. Sic fordert den Schutz von L eb cu u n d Eigentum, s ow ie Freilt citdergei st igenund wirtschaf tl i ch e n Entwickelung der Juden der Einzelländer gleich allen Bürgern des betreffenden Staates. 4. Die Formulierung der prinzipiellen Forderungen und die Art ihrer Durchführung muß den berittenen Vertretern der Juden der Einzellander überlassen bleiben. Die in Punkt 4 enthaltene Entschließung bezieht sich insbesondere auf die ausgiebig erörterte Frage der P e r s o n a l a u t o n o m i e, die nach Ansicht der Versammlung nicht grundsätzlich, sondern nur gemäß den besonderen Vorbedingungen in jedem Lande gelöst werden kann. Zur Palästinafrage faßte die Versammlung eine Entschließung, deren prinzipieller Teil wie folgt lautet: 1. Die Orthodoxie erblickt — unter unverbrüchlichem Festhalten an den m e s s i a n i s ch e n ZioushoffnungenderIudenheit — zu allen Zeiten in der Besiedelung des heiligen Landes dur ch Juden die Erfüllung ein er im Religivusgesetz begründeten Pflicht, deren möglichst ungehinderte und umfassende Ausführung zu sichern Aufgabe der jüdischen Gesamtheit ist. Wunsch und Wille zur Einwanderung entsprach stets dem tiefsten religiösen Sehnen der jüdischen Volksseele. 2. Die Orthodoxie erwartet, daß die Türkei diesen auf tausendjähriger religiöser Ueberliefer u n g beruhenden Palästinabe st rebun gen Vertrauen entgegenbringen und der jüdischen Einwanderung nach dem Kriege sowohl beiderAnsiedelung als bei der Entwickelung des religiösen und wirtschaftlichen Lebens im eigenen Staats interesse systematische Förderung angedeihen lassen wird. Es folgt hierauf eine Aufzählung der an die türkische Regierung im Interesse der jüdischen Siedelung zu stellenden Forderungen und der Ausdruck der Ueberzeugung, daß „mit der Zugehörigkeit des heiligen Landes zu einer reorganisierten Türkei die günstigsten Vorbedingungen für eine gedeihliche Entwicklung der palästinensischen Ansiedelung im religiösen Sinne gegeben sind." Hinsichtlich der Vertretung wurde die Bildung eines Vollzugsausschusses der jüdischarthodo.ren Hrganisatiouen im Gebiete der Wittetmächte beschlossen, in den jede der beteiligten Organisationen zwei Vertreter und zwei Stellvertreter entsendet. Der Vollzugsausschuß ernennt einen oder mehrere ehrenamtliche Geschäftsführer. DerVollzugsausschuß wurde beauftragt, zur Vermeidung jedes Gegeneinanderarbeitens der verschiedenen jüdischen Organisationen unverzüglich in Fühlung mit anderen Organisationen, welche gleiche Ziele verfolgen, zu treten, und soweit sachlich möglich, eine Verständigung mit ihnen behufs gemeinsamer Arbeit herbeizuführen. Die wegen der vorgerückten Zeit nicht mehr im einzelnen beratenen Punkte der Tagesordnung wurden dem Vollzugsausschuß zur weiteren Bearbeitung überwiesen; insbesondere sollen dabei die Berücksichtigung des S a b b a t s in der Sonntagsruhe-Gesetzgebung, die Sicherung der S ch c ch i t a, die Fragen des jüdischen Eherechts im Osten beachtet werden. Dem Vollzugsausschuß wurde ferner zur Vorberatung ein der Versammlung vorliegendes Programm zur praktischen ErezJisroel- Arbeit überwiesen. Allerhöchster Dank. Die Leitung des „Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums in Wien" erhielt dieser Tage folgende Zuschrift: Wien, 15. Jänner. Seine Exzellenz der Herr k. k. Statthalter für Oesterreich unter der Enns hat im Allerhöchsten Aufträge für die zum Ausdrucke gebrachte alleruntertänigsteLoyalitätskundgebung den Allerhöchsten Dank ausgesprochen. Hievon wird die Leitung des „Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums" zufolge Erlasses derk. k. Statthalterei vom 25. Dezember 1917, Pr.-Z. 2785/3, in Kenntnis gesetzt. Der Bürgermeister:Weiskirchner. Eine ähnliche Zuschrift ist auch der Schiff- Schul und der „Agudas Jisroel" zugekommen. Rundschau. (Eine neutrale Intervention.) Stockholm, 23. Jänner. In den nächsten Wochen soll eine aus je einem Vertreter der schweizerischen, holländischen und skandinavischen Juden bestehende Abordnung nach Berlin, Wien, Sofia und Konstantinopel reisen, um bei den Regierungen der Mittelmächte zugunsten freier wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung der jüdischen Ansiedelung in Palästina nnd für eine günstige Lösung der Judenfrage in den östlichen Ländern zu wirken. (Jüdische Handwerkerschulen.) Aus Warschau wird geschrieben: Im „Jüdischen Wort" regt der Rabbiner von Mlawa die Gründung von Handwerkerschulen im Geiste des jüdischen Religionsgesetzes an. Die Schulen sind so gedacht, daß geeignete Kinder, die Beruf und Neigung zu einem Handwerke haben, darin von religionstreuen Fachmännern 6—7 Stunden im Tage in einem Handwerke unterwiesen werden und dabei täglich auch einen zweistündigen Unterricht in Tnach, Mischna und den praktischen Dinim erhalten. Der mit diesen Fächern betraute Religionslehrer soll auch tagsüber den Lehrlingen als Berater zur Seite stehen und besonders den Sabbat zu Lernzwecken benutzen. Eine aus tüchtigen Fachmännern gebildete Kommission soll die Lehrgänge beaufsichtigen nnd Prüfungen abhalten. Den Lehrlingen, die für ihre Arbeit bereits ein Entgelt beanspruchen können, soll dieses für später gutgeschrieben werden. Der Initiator ist überzeugt, daß die Erlaubnis der deutschen Macht für dieses zukunftreiche Unternehmen zu bewirken sein wird, ebenso daß sich Philanthropen finden werden, die das nötige Geld zur Gründung solcher Anstalten in den Großstädten Polens hergeben und sie solange unterstützen, bis sie auf eigenen Füßen stehen und sich durch ihre Erzeugnisse selbst halten können. (Die Konfessionsbewegung in Preußen.) Es sind in die evangelische Landeskirche, eingetretcn (aus andern Konfessionen und Religionen) im Jahre 1900: 5948 Personen. 1905:6911,1910:7308 Personen. Die Höchstzahl der Eintritte in dem Zeitraum von 1900 bis 1914 wurde erreicht im Jahre 1911 mit 7562 Eintritten, 1912 waren es 7295, 1913 7379, im Kriegsjahre 1914, wo also schon außergewöhnliche Verhältnisse Vorlagen, 6848. Die meisten neuen Glieder erhielt die evangelische Kirche aus der katholischen Kirche. Aus dem Judentum hat die evangelische Kirche in den letzten Jahren ziemlich gleichmäßig einen Zuwachs von etwa unter oder über 300 Personen gehabt. Aber es gibt auch regelmäßig jährlich eine, wenn auch kleine Zahl von Protestanten, die ins Judentum tritt. Die Gründe sind meist völlig äußerlicher Art (meist Heirat». Die Hälfte ihrer Zahl in Preußen liefert allein Berlin. (Die Inden in Rumänien.) Der offiziösen „Pol. Korresp." wird geschrieben: „Unter der Militärverwaltung des von Oesterreich-Ungarn und Deutschland besetzten rumänischen Gebietes hat sich das Schicksal der Juden günstiger gestaltet. Nach dem Einzug der Verbündeten in Rumänien beriefen sich die Juden darauf, immer Anhänger der Mittelmächte gewesen zu sein, ferner kam der Umstand in Betracht, daß sie der deutschen Sprache kundig sind. Da die Besatzungsarmee dringend einer großen Anzahl von Dolmetschern bedurfte, wurden viele Juden für diesen Zweck in Dienst genommen. Man sieht daher Juden, denen doch in Rumänien bisher die Beamtenlaufbahn vollständig verschlossen war, vielfach bei den Militärbehörden wie bei der rumänischen Verwaltung auf Beamtenposten und anderen Vertrauensstellungen. Daraus ergibt sich natürlich im allgemeinen in der Walachei eine viel günstigere Behandlung der Juden, als sie ihnen in der Moldau zuteil wird. Ihre politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse stechen von denjenigen in der Moldau grell ab." (Ein Empfang beim türkische« Minister des Auswärtigen.) Aus Konstantinopel wird telegraphiert: Herr Rabbiner I. Horovicz aus Jerusalem wurde am 29. Jänner von dem türkischen Minister des Auswärtigen, Halil Bey, in Audienz empfangen. Rabbiner Horovicz unterbreitete Sr. Exzellenz die Wünsche der orthodoxen Judenheit im Gebiete der Mittelmächte hinsichtlich der künftigen Gestaltung der Dinge im heiligen (Fortsetzung auf Seite 6.)