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Jüdische Korrespondenz · 1918-02-14 · 5 (14.2.1918) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
5 (14.2.1918)
Date
1918-02-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz. hören. Die Hunderttausende russischer Juden sind nunmehr in der Lage, das Schwert aus der Hand zu legen. Die Juden Oesterreich- Ungarns, Deutschlands und der Türkei müssen wohl iveiter de» Kampf fürs Vaterland führen, — aber es dürften ihnen kaum noch wesentliche Teile von Stammesbrüdern gegenüberstehen, wenn es nicht der Wahnwitz Wilsons dazu bringen sollte, die Juden der Nordamerikanischen Union für fremde Interessen bluten zu lassen. Immerhin ist dieses Uebel wesentlich eingeschränkt worden. Der Friedensschluß im Osten hat auch Galizien und die Bukowina völlig freigemacht. Sie werden nicht mehr Kriegsgebiet sein, und die Flüchtlinge, die seit mehr als drei Jahren in der Fremde als nicht überall und nicht immer gern gesehene „Gäste" weilen mußten, werden jetzt die Möglichkeit haben, zu Heim und Herd zurückzukehren, ihre ruinierten Existenzen wieder aufzurichten und ein normales Leben zu führen. Es werden auch all diejenigen zu ihrer Familie zurückkehren, die der Wahnwitz des Zarismus zu „Geiseln" stempelte und in die Fremde schleppte. Mit einem Worte: Der Friedensschlnß im Osten bedeutet für die Juden aller Länder eine wahre Erlösung. Indem wir dieses freudige Ereignis in gehobener Stimmung feiern und in echt jüdischer Weise mit innigen Dankgebeten an den Herrn der Heerscharen im Himmel quittieren, vergessen wir auch nicht derjenigen, die hiezu als die Werkzeuge der göttlichen Vorsehung auserwählt waren. Wirwissenund sagen innigsten Dank den mächtigen Herrschern und den tapferen Heeren der Mittelmächte, die das große Werk geschaffen haben. Sie haben den Willen Gottes vollstreckt, indem sie den Zarismus niedergerungen habe n, sie haben sich damit ein unvergängliches Verdienst um die ganze Menschheit und um das jüdische Volk erworben. Sp ectato r. Line orthodoxe Deputation beim Kriegsminister. Wie wir bereits vor einiger Zeit berichtet haben, hat der Verband der orthodoxen Rabbiner aus Galizien und der Bukowina im November 19 l 7 eine Eingabe an das k. u. k. Kriegsministerium mit dem Ersuchen gerichtet, den Hilfsdienst leistenden jüdischen Soldaten die Ruhe am Sabbath und Feiertag zu ermöglichen. Eine ähnliche Eingabe ich auch seitens der Machsike-Hadas-Vereine in Ungarn überreicht worden. Vorigen Donnerstag hat nun eine gemeinsame Deputation, bestehend aus österreichischen und ungarischen Vertretern, diesbezüglich beim Kricgsministcr GO. v. Stöger-Steiner vorgesprochen, um eine günstige und beschleunigte Erledigung zu erbitten. An der Deputation beteiligten sich: vom galizischen Rabbinerverband die Oberrabiner Steinberg - Brody und Katz - Borszczow, von der Schiff-Schul Rabbiner Fürst, von der „Agudas Jisroel" Vizepräsident Türkl, vom „Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums" Herr Pappenheim, ferner eine größere Anzahl ungarischer Rabbiner und Vertreter der Machsike-Hadas-Vereine. Der Empfang der Deputation war ein überaus freundlicher. Der Rabbiner von Csorna hielt an den Minister eine Ansprache und überreichte gleichzeitig ein ausführliches Memorial hinsichtlich der Wünsche der glaubenstreuen Judcnschaft. Der Minister widmete den Ausführungen große Aufmerksamkeit und versicherte, daß alles, was sich nur im Rahmen der Möglichkeit tun läßt, geschehen wird, umdieberechtigteu Ansprüche religiöser Natur zu befriedigen, und zwar binnen kürzester Zeit. Oberrabbiner Steinberg-Brody unterbreitete gleichzeitig ein Gesuch hinsichtlich der Erweiterung der rituellen Menage für die Kriegsgefangenen. Der Minister versprach auch diesbezüglich möglichste Erfüllung. Hierauf verabschiedete sich die Deputation, auf welche die Zuvorkommenheit und die freundlichen Zusicherungen des Ministers einen tiefen Eindruck gemacht haben. Dankgottesdienste. Aus Anlaß des Friedens mit der Ukraine und Rußland veranstaltete der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde am Mittwoch, den 13. d., '46 Uhr abends, im Tempel der Inneren Stadt, Seitenstettengasse 4, einen Dankgottesdienst. Auch in den anderen Bethäusern finden solenne Gottesdienste statt. Besonders groß ist die Freude in den Flüchtlingskreisen, die nunmehr das Flüchtlingsleben los und die Möglichkeit haben werden, zu Heim und Herd zurückzukehren. An die Allerhöchste Kabinettskanzlei sind von jüdischer Seite Mehrere Huldigungstelegramme abgesendet worden. Line Kontroverse über „das Laus Israels". Eine verdiente Belehrung ist dem Chiefrabbi von England durch „Jewish Chronicle" zuteil geworden. Chiefrabbi Dr. Hertz hatte sich mit einer Adresse an den König Georg von England gewandt, in der er als geistliches Haupt der jüdischen Gemeinden des britischen Reiches erklärt: „Die Besetzung Jerusalems ließ die Herzen von Millionen meiner Brüder in der ganzen Welt höher schlagen . . . Das Haus Israels, das seit 2500 Jahren Jerusalem über den Gipfel seiner Freude stellte, betet glühend, daß allenthalben die heroischen Anstrengungen von Euerer Majestät Kräften schnellstens mit vollständigem und dauerhaftem Erfolg gekrönt sein mögen." Darauf hat das bekannte englisch-jüdische Organ „Jewish Chronicle" eine Zuschrift veröffentlicht, die an der Hertzschen Kundgebung folgende Kritik übt: „Bei allem Respekt vor dem höheren Wissen des Chiefrabbi, scheint das Haus Israels nichts derartiges zu tun. Es ist ein Haus, das in sich selbst geteilt ist. Was das Haus Israels in Rußland tut, weiß niemand genau. Aber das Haus Israels in Deutschland und Oesterreich und iu Bulgarien und der Türkei betet mit aller Inbrunst für die Niederlage der britischen Waffen und für den Erfolg der Feinde des Königs, und Dr. Hertz' Versicherungen gegenüber König Georg scheinen mir sehr unglücklich gewählt. Das ist weit mehr als ein Wortstreit. Es reißt die nationalen Grenzen des gegenwärtigen Krieges mitten durch und gibt vor, daß das Haus Israels eine Art internationale Loyalität hat zu jedem Lande, dem es zufällig gelingt, Palästina zu erobern. Wenn Marschall Hindenburg mit seinen Kräften eine Diversion macht, um morgen General Allenby aus Palästina herauszubringen, wäre dann der Großrabbiner von Deutschland berechtigt, seinem Kriegsherrn zu versichern, daß das Haus Israels einstimmig für den Sieg der deutschen Waffen bete?" — Diese Abfertigung des englisch-imperialistisch angehauchten Chiefrabbi von England kann nur unterschrieben werden! _ Oie russischen Juden in England. Das Wolffsche Bureau meldet: In einem vom Kommissär für auswärtige Angelegenheiten aus Zarskoje-Selo „An alle" gerichteten Funkspruch erteilt der Volkskommissär, indem er es als unzulässig erachtet, daß in England auf die russischen Bürger die Zwangszuzählung zur englischen Armee und die Delegierung zu irgend einem auswärtigen Staate, überhaupt das Recht der Zwangszuziehung russischer Bürger zum Heeresdienst angewendet werde, dem bevollmächtigten Vertreter in London Litwinow den Auftrag, der englischen Regierung vorzustellen, sie solle mitteilen, welche Schritte sie in Anbetracht der Konventionen zu unternehmen gedenke, die mit der Regierung Kerenskijs über diese Frage geschlossen worden sind. Er soll ferner die Hoffnung ausdrücken, daß es aus diesem Boden zu keinen Mißverständnissen zwischen England und Rußland kommen werde und daß England von Maßnahmen abstehen werde, die zu solchen Mißverständnissen führen könnten. Damit entsteht den zahlreichen russischen Juden in England, die in letzter Zeit in den Militärdienst gepreßt wurden, ein Helfer in der Not. Die feste Sprache Trotzkys dürfte in London respektiert werden. Konferenz der österr. Orthodoxie. Mit der Konferenz der österreichischen Orthodoxie, die in den ersten Tagen der nächsten Woche in Wien stattfindet, beginnt eine neue Epoche in der Entwicklung der glaubenstreuen Judenschaft in der Monarchie. Es wird das erste äußere Lebenszeichen desjenigen Teiles der österreichischen Judenheit sein, der sowohl vermöge seiner Zahl, wie nicht minder vermöge seines intellektuellen Gehaltes dazu berufen und prädisponiert ist, innerhalb des Judentums eine erste Rolle zu spielen, trotzdem aber infolge einer Verkettung verschiedener Ursachen und Entwicklungen bisher sich in dem Hintergrund befand und vielfach sowohl jüdischerseits wie seitens der maßgebenden Faktoren übersehen und unterschätzt wurde. Die Orthodoxie ist unstreitig der sastuud kraftvollste Teil der Judenheit, der trotz allem Wandel der Zeiten und der Verhältnisse nicht verdorrte Stamm Israels, dem noch herrliche Blüten beschieden seien. Die Orthodoxie ist es, die die größten Geister des jüdischen Volkes, die stärksten Heroen der Lehre und des Wissens hervorgebracht hat. Was außerhalb derselben zu stehen kam, ist mit der Zeft verdorrt und abgefallen. „In meinem Lager ist Israel!"

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