Mannheim
Compact Memory

Jüdische Korrespondenz · 1918-02-07 · 4 (7.2.1918) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
4 (7.2.1918)
Date
1918-02-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3495278-3495381-3495385--0536-3521216
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 4 den niederen Wassertieren Millionen Jahre nötig gehabt, um es zum Wirbeltier zu bringe». Die geologischen Studien zeigen aber, daß unmittelbar über der ältesten Schicht der Erde, wo Krebse sich finden, schon Fische, also Wirbeltiere austrete», und keine Zwischen- Periode besteht, die Kunde gibt von den vielen Entwicklungsstufen zwischen Gliedertieren und Wirbeltieren. — Wenn im Bericht des fünften Tages das „Wajhi chen" fehlt, so liegt darin der Sinn, daß der Zustand, der an jenem Tage geschaffen wurde, kein bleibender fein sollte, daß also die Vogel nicht „Wassertiere sein sollten mit der Fähigkeit zu fliegen", sondern daß für sie ein anderer Zustand vorgesehen war, der sich im Segen Gottes der Vögel erklärt: Die Vermehrung der Vögel gehe fortan auf dem Trockenen vor sich. — Durch die geologischen Studien wird der Entwicklung der Dinge ans Erden, der Erde selbst und der Lebewesen selbst, Jahrmillionen zugeschrieben, — und wir schreiben nur 5678! Da haften wir an einer falschen Vorstellung, denn wir zählen 5678 Jahre nicht seit Schaffung der Welt, sondern seit Erschaffung der Menschen! — Diese Zahl ist, was den Menschen angeht, unangetastet geblieben, denn die größten Autoritäten der Wissenschaft haben die Feststellung bestätigt, daß in den Fossilien niemals Menschenreste gefunden wurden. Ob die Erde nur 5678 Jahre alt ist, ist eine Frage, die vom Bibelwort nicht so einfach beantwortet wird. Wenn die Beweise erbracht werden könnten, daß die Erde schon Millionen Jahre alt ist, dann würde sich im Bibelwort noch nichts finden, das dagegen spricht; denn da heißt es: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde". — Dieser Anfang kann Jahrmillionen zurückgehen. Eine alte Ueberlieferung berichtet, „daß Gott immer Welten geschaffen hat". Im Anfang — wann, das steht nicht geschrieben — ist diese Konstellation der Welt geschaffen worden. Der Bibelbericht über die Reihenfolge der Schöpfung: Licht — Atmosphäre — Wasser — Land — Säugetiere, ist von der Wissenschaft anerkannt. — Aber der Streit wird um die sechs Schöpfungstage geführt. Das Bibelwort endet bei jedem Tagesschluß: es ward Abend, und es ward Morgen. Für die ersten drei Tage, an denen weder Sonne noch Sterne da waren, kann es also nicht unser heutiger Tag von 24 Stunden sein. Weitere Beweise liegen in der Urbedeutung des Wortes „Erew" und „Banker". Aber es ist ja gar nicht feststehend, daß Millionen Jahre nötig waren zur Hervorrufung aller Revolutionen. Ein Beispiel aus neuerer Zeit, das gegen diese Annahme spricht, ist die Gewinnung von Graphit in einem hocherhitzten Ofen innerhalb 12 Stunden; rvährend nach Annahme der Naturwissenschaft die Natur zur Bildung des Graphits 100.000 Jahre brauchte. — Was uns heute Millionen Jahre zu erfordern scheint, kann sich damals in Stunden vollzogen haben, denn wir haben keine Vorstellung von den Kräften, die in der Natur wirksam waren, als sich noch alles im Werden befand. — Das wissenschaftliche Wissen steht nicht im Widerspruch mit dem Bibelwort; nur die beschreibende Wissenschaft behauptet viel zu wissen, was nur zu vermuten ist. Darum: Erforschen wir die Natur, aber erforschen wir auch den Urtext des Bibelwortes, denn auch dieser Urtext ist lebendige Natur! NimLschau. (Sub auspiciis regis.) Das ungarische Amtsblatt vom 28. Dezember 1917 veröffentlichte ein Allerhöchstes Handschreiben, durch welches die Bewilligung erteilt wird, an der Budapester Universität die Promotion dreier Kandidaten, unter ihnen auch die des jüdischen Advokaten Dr. Johann Vago, sub nuspieiis regte vorzunehmen. Der ungarische Minister für Kultus und Unterricht wird ermächtigt, bei diesem Akt namens Sr. Majestät zu intervenieren und den Ring des Königs zu überreichen. (Die Durchführungsverordnung zum Flüchtlingsschutzgesetz) wurde am 22. v. M. verlautbart. Im Sinne dieser Bestimmungen zur Durchführung des Gesetzes vom 31. Dezember 1917 sind zur Entscheidung in erster Instanz über die Znerkennung der Unterstützungen berufen: In Wien die Zentralstelle der Fürsorge für Kriegsflüchtlinge in Wien, beziehungsweise das Wiener Hilfskomitee für Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina oder das Hilfskomitee für ukrainische Flüchtlinge in Wien. (Chacham-Baschi Michael Papo s. A.) Am 29. Jänner verschied nach längerem Leiden der Chacham-Baschi der Wiener türkischen Gemeinde, Oberrabbiner Michael Papo s. A. im Alter von 76 Jahren. — Der Verblichene bekleidete 45 Jahre hindurch das Amt eines Oberrabbiners der türkischen Gemeinde und erwarb sich die Sympathien aller, die Gelegenheit hatten, seinen lauteren Charakter, sein jüdisches Herz und seine Eigenschaften kennen zu lernen. — Unter außerordentlich starker Beteiligung fand Freitag, den 1. d., das Leichenbegängnis statt. Nach den Trauergesängen, die Oberkantor Bauer, Kantor Altaras und Kantor Löwit angestimmt hatten, sprach Chacham Ovadia die Trauerrede. Namens des Präsidiums der türkischen Gemeinde nahm Vizepräsident' Leon Haim Abschied von dem Verblichenen. Am Grabe sprachen für die Kultnsgemeinde Dr. Spitzer, für die Angestellten der Sephardim Oberkantor Bauer, für die Rabbiner Wiens Dr. Funk und für die türkisch-israelitische Schule Herr Arditti. (Dr. Czlcnow gestorben.) Aus Kopenhagen kommt die Nachricht, daß der bekannte Führer der russischen Zionisten und Mitglied des E. A. K., Dr. Jechiel Cz l en o w, letzten Samstag in Moskau gestorben ist. Dr. Czlenow erfreute sich in der Partei und auch außerhalb derselben der größten Achtung und Wertschätzung. Sein Ableben bedeutet einen großen Verlust für das russische Judentum. (Professor Israels 70. Geburtstag.) Aus Berlin wird geschrieben: Am 2. d. M. feierte Professor James Israel, das geistige Oberhaupt der deutschen chirurgischen Urologie, seinen 70. Geburtstag. Schon frühzeitig, vor fast 45 Jahren, wandte er sich, an den Kliniken Traubes und Langenbecks gründlich vorgebildet, den mannigfaltigsten chirurgischen Problemen theoretisch und praktisch arbeitend zu. Seit dem Jahre 1887 befaßte er sich mit der Nierenchirurgie; das monumentale Werk „Chirurgische Klinik der Nierenkrankheiten" aus dem Jahre 1901 legt für die meisterhafte Beherrschung dieses Gebietes der Chirurgie das glänzendste Zeugnis ab. (Die Türkei und die Inden.) Aus Berlin wird geschrieben: Der Großwesir Talaat Pascha empfing eine Abordnung, bestehend aus den Herren Prof. Dr. James Israel, Bankier A. F. Marcus, Dr. Alfred Nossig, Kommerzienrat G. Simon und Prof. Dr. Ludwig Stein, um ihnen von den Absichten der osmanischen Regierung bezüglich mehrerer die Lage der Juden im türkischen Reiche nach Friedensschluß betreffenden Fragen Kenntnis zu geben. Dem Empfange wohnte der aus Kvnstantinvpel kürzlich eingetroffene Kammerdeputierte Emanuel Carasso bei. Die Besprechung ergab eine Uebereinstimmung in den wesentlichsten Punkten, so daß die Abordnung ihre volle Befriedigung über die Darlegungen des Großwesirs zum Ausdruck bringen konnte. (Eine Verleumdung.) Aus Budapest wird geschrieben: Das hiesige kaiserlich ottomanische Generalkonsulat ersucht die hiesigen Zeitungen, nachstehendes zu veröffentlichen: „Die Gazette de Lausanne bringt in ihrer Nummer vom 10. Dezember 1917 einen Aufsatz des Haager israelitischen Preßbureaus, den dieses angeblich auf Grund zuverlässiger Informationen der Budapester ungarischen Zeitungen erhalten hat. Der Auffatz besagt, daß die türkische Regierung, trotzdem sie den Palästinenser Juden volle Freiheit versprochen hat, mit den Juden von Jerusalem aufs unmenschlichste umgegangen sei. Da es offenkundig ist, daß die ernste und auf der Höhe ihrer Ausgabe stehende ungarische Presse solch krasse Lüge nicht veröffentlicht haben kann, halten wir es für unsere Pflicht zu erklären, daß es den Juden in der Türkei bestens geht und daß sie die größtmöglichen Freiheiten und Rechte genießen. In der Türkei hat es nie eine antisemitische Bewegung gegeben, und das ottomanische Reich war seit Jahrhunderten ein gastfreundliches Obdach, eine Heimat der in den übrigen Staaten verfolgten und aus ihnen vertriebenen Judenschaft. Es ist klar, daß bloß Agenten der Entente die „aus wohlinformierter Quelle" herrührenden Nachrichten des Schweizer Blattes verbreitet haben können, um unter den im ottomanischen Reiche lebenden Juden Mißtrauen zu säen." (Botschafter Litwinow.) Der neue russische Botschafter in London Litwinow ist Jude. 'Er lebt seit vielen Jahren in England, wo er in einem Verlagshaus angestellt war. Er stand an der Spitze zahlreicher russischer Organisationen in Großbritannien. (Palästinaflüchtlinge.) Aus Nerv Jork wird berichtet: Nach viermonatiger Leidensfahrt über Kriegs- und neutrale Länder kam die erste Gruppe von Palästinaflüchtlingen, 89 Köpfe, durchweg amerikanische Staatsangehörige, im New Aorker Hafen an. Ihre Berichte über die Zustände in Palästina stimmen sehr wehmütig. In den Kolonien stand bei ihrer Abfahrt alles in höchster Blüte und der Absatz war im Steigen begriffen, so daß die Evakuierungen einen günstigen Ertrag illusorisch machten. Die Grenelberichte der Ententepresse weisen sie mit Entrüstung zurück. Der Verein „Hachnosas Orchim" nahm sich der Emigranten mit großer Liebe und Aufopferung an. (Pogroms in Beffarabien.) Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Bern: In (Fortsetzung auf Seite 6.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.