Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 4 (7.2.1918)
- Date
- 1918-02-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz. Lewin-Rzeszow, Pinkas Rimalt-Zolttew, Pinkas Horowitz-Bohorodczany, Josef Babad- Kalusz, Dawid Frankel-Nepolokoutz, Dawid Salberstam-Sokolow,BeiiziouKatz-Borszczow, imche Fränkel-Skawina, Chaim J.Jeruchen- Stary Sambor, Dawid Horowitz-Stanislau, Osias Pinkas Bombach-Oswiecim. Ersatzmänner: Die Herren Rabbiner: Kalman Zuckerman-Jablonow,Leiser Leiter-Trembowla, Chananje Lipe Meisels-Monasterzyska, Jsak Weidenfeld -Grzymalow, Meschulim Rath- Chorostkow, Schulim Moschkowitz-Szuczawa. Schiedsrichter: Die Herren Rabbiner: 91. Horowitz-Strzyzow, Jacob Frankel-Podgörze, Pinkas Horowitz-Zurawno, Gerschon Hager-Peczenyzin, Schmaje Stcinberg-Przemyslany, Mechel Leiter - Dunajow, Leiser Mischel-Turka a. S., Meier Schapire-Gliniany. Revisoren: Die Herren Rabbiner: Jsak iff-Tlumacz, Abraham Hager - Zablatow, haim H. Thumim-Kolomea. Des Verbandes harren große Aufgaben, und es ist zu erwarten, daß der Vorstand denselben gerecht werden wird. Die Konferenz der Orthodoxie in Frankfurt a. M. Am 29. und 30. v. M. fand in Frankfurt a. M. die über Initiative der „Agudas Jisroel" von der „Freien Vereinigung der orthodoxen Juden in Deutschland" einberufene Konferenz statt, deren Aufgabe es war, zu den aktuellen Fragen, die mit dem Friedensschlüsse im Zusammenhang stehen, Stellung zu nehmen. Die Konferenz war von Delegierten aus Deutschland, Oesterreich, sowie dem östlichen Okkupationsgebiete besucht, und die Tagesordnung umfaßte eine Reihe wichtiger Fragen, z. B. die Sicherung der rechtlichen Stellung der Juden in allen Ländern, das Palästinaproblem rc. Die Beratungen waren sehr eingehend und nahmen volle zwei Tage in Dauersitzungen in Anspruch. Es wurden mehrere Resolutionen sowie konkrete Beschlüsse gefaßt. Die Verhandlungen waren vertraulich. Ein offizieller Bericht wird ausgegeben werden. Oie deutfcheIudenheit fürdie Friedenskonferenz. Jüngsthin fand in Berlin ein Zusammenschluß der jüdischen Organisationen in Rücksicht auf eine früher oder später zusammentretende Friedenskonferenz statt, bei welcher zweifellos auch die Judenfrage zur Erörterung gelangen werde. Vertreten waren der Hilfsverein der deutschen Juden, der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, das Komitee für den Osten, die Zionistische Vereinigung für Deutschland, die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland; ferner die Großloge U. O. B. B., der Deutsch-israelitische Gemeindebund und andere auf politischen Gebieten wirkende Organisationen. Vom Deutsch-israelitischen Gemeindebund erschien Herr Professor Dr. Kalischer, vom Hilfsverein der deutschen Juden kamen die Herren Dr. James Simon, Dr. Paul Nathan, Geheimer Justizrat Cassel und Generalkonsul Landau. Vom Vorstand der Berliner Gemeinde waren die Herren Kommerzienrat Eisner, Badt, Dr. Feilchenfeld und Dr. Netter anwesend, von zionistischen Führern die Herren Rechtsanwalt Dr. Klee, aus Frankfurt a. M. Justizrat Dr. Blau und Justizrat Dr. Auerbach, von der Liberalen Vereinigung Justizrat Dr. Plonsker, vom Komitee für den Osten die Herren Professor Dr. Oppenheimer und Professor Dr. Sobernheim und viele andere prominente Persönlichkeiten. Zur Weiterführung der Aktton wurde ein geschäftsführendes Komitee bestimmt, bestehend aus Dr. Nathan und Dr. Hantke. Bezahlte Sekretäre sind Dr. Bernhard Kahn und Kurt Blumenfeld. Das Programm der Vereinigung umfaßt folgende Punkte: 1. Politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung der Juden. 2. Sicherung der Religionsfreiheit. 3. Freie Einwanderung und Entwicklung der jüdischen Kolonien in Palästina. Von zionistischer Seite wird erklärt, daß die Organisation sich trotz des Anschlusses vorbehielt, weiterhin das eigene Programm zu verfolgen. Mit der Orthodoxie werden Verhandlungen über einen eventuellen Beitritt geführt. Die Orthodoxie in der Gemeinde. Für das Verhältnis zwischen Orthodoxie und Neologie in den Gemeinden gibt cs vielerlei Formen. Die idealste Form ist die absolute Trennung in religiösen Belangen. Die weit auseinandergehenden Unterschiede im Glauben lassen ein Zusammengehen unmöglich erscheinen, da ein solches nur zur Vergewaltigung einer Seite' führen muß. Wir vermeiden die Bezeichnung Richtung oder Partei, denn für - uns gibt es nur ein Judentum, das Jahrtausende alte, das die unbedingte Verpflichtung der schriftlichen und mündlichen Lehre anerkennt. Dort wo, wie in Ungarn, die Trennung gesetzlich durchgeführt ist und zwei gleichberechtigte Organisationen bestehen, wäre ein Zusammenarbeiten auf politischem und wirtschaftlichem, oft auch auf humanitärem Gebiete möglich. Daran hindert die Herrschsucht der Neologie, die trotzdem ihre dahingehenden Bestrebungen seit Jahrzehnten fruchtlos sind, immer und immer wieder ' die Unifikation anstrebt, was nur dazu dient, die Kluft zwischen den zwei Lagern zu erweitern. Dort wo, wie in Oesterreich, eine Zweiteilung von der Gesetzgebung perhorrefziert wird, könnte das Verhältnis der türkischen Gemeinde in Wien adoptiert werden. Diese bildet einen integrierenden Bestandteil der Wiener Kultusgemeinde, ist aber vollkommen autonom. Während aber für die Zugehörigkeit zur türkischen Gemeinde die Staatsangehörigkeit (eventuell die der Eltern?) maßgebend ist, fehlt für die Zugehörigkeit zur Orthodoxie das Kriterium. Ein solches wäre vernünftigerweise die öffentliche Beobachtung der Sabbatruhe, als wichtigstes, die größten Opfer erforderndes Postulat der jüdischen Religionsübung. Ein halbwegs erträglicher Zustand hat sich in Frankfurt a. M. entwickelt. Dank der Angst, von der Hirsch-Breuer-Gemeinde absorbiert zu werden, haben die religiösen Elemente der großen Gemeinde bei letzterer weitestgehendes Entgegenkommen gefunden — absolute Selbstverwaltung der Synagoge, Aufficht überFleischregie, Spital, Versorgungs- Nr. 4 anstatt rc. So daß diejenigen konservativen Elemente, die die Austrittspflicht in Abrede stellen, sich beruhigen können, bei ihnen sei es auch koscher. Dieser Zustand ist dort, wo eine orthodoxe Kehilleh existiert, ein Attentat auf das religiöse Judentum. Die endlosen inneren Streitigkeiten lähmen ein gut Teil der Kräfte, die in einer geeinten, alle religiösen Juden umfassenden Gemeinde noch weit herrlichere Blüten treiben würden. In Bayern und Oesterreich endlich, wo der Staat die Zweiteilung nicht sanktionieren will, sind die Institutionen der Gemeinden, Schächtwesen, Wohlfahrtsanstalten u. dgl., dem frommen Juden unzugänglich, der Geist in letzteren ein zumeist areligiöser, und die Orthodoxie ist darauf angewiesen, um jeden Schächter, jedes Minjan, überhaupt jede jüdische Regung zu kämpfen, die Zeit und Mühe ihrer Führer in diesem Kampfe zu vergeuden, so daß ihr dann wenig für positive Schöpfungen bleibt. Die Fortschrittsjuden (wohl so genannt, weil sie immer weiter und weiter vom positiven Judentum fortschreiten) sind im allgemeinen politisch liberal! Daß aber der echte Liberalismus befiehlt, jedermann nach seiner Facon selig werden zu lassen, das lassen die Herren nicht gelten. Nachdem sie auch nicht einmal die hehre Ethik des Judentums, noch auch die seelische Genugtuung und Erhabenheit der Religionsübung ahnen, dünkt ihnen ein gutes Werk, die Orthodoxie mit Gewalt zu bekehren. Kennten die Herrschaften auch nur die Arbeiter- und Armengesetzgebung des Judentums, die vor Jahrtausenden schon höher standen als die heutigen liberalsten, sie würden vielleicht dem alten echten Judentum jene Achtung entgegenbringen, die zumindest zur Toleranz zwingt. Nachdem dies nicht der Fall ist, muß die Orthodoxie aus ihrer bisherigen mehr passiven Haltung hinaustreten und eine Stellung einnehmen, die ihren Interessen besser entspricht. Jehudi-Chored. Fälschungen und falsche Schlußfolgerungen. Aus der „Agudas Jisroel" in Wien schreibt man uns: Das kraftvolle Auftreten der Orthodoxie in letzter Zeit scheint einerseits gewissen zionistischen Kreisen nicht zu Gesichte zu stehen, anderseits verlegen sie sich darauf, die neue Bewegung für ihre Parteizwecke zu eskamvtieren. Die Furcht, „Kobkurrenten" zu bekommen, scheint den Beweggrund für diese Tattik abzugeben. Man will daher zunächst die Bewegung als solche diskretieren, — was aber dennoch bleiben sollte, in den Dienst der eigenen Propaganda stellen. Das Bemühen mag vom Standpuntte des Parteiegoismus sehr löblich sein, — die Orthodoxie hat aber wenig Lust, das Subjekt einer solchen Tattik zu sein, und sie sieht sich veranlaßt, dagegen öffentlich schärfste Verwahrung einzulcgen. Der Verlauf der jüngsten orthodoxen Versammlung in Wien ist im Organ der Wiener Zionisten in einer Weise geschildert worden, die an Verdrehung und Fälschung der Tatsachen sicherlich einen Rekord schlägt. Einerseits wurden den Einberufern Motive unterschoben, die sie gar nicht hegten, anderseits