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Jüdische Korrespondenz · 1918-02-07 · 4 (7.2.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
4 (7.2.1918)
Date
1918-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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indische Korrespondenz Ganzjährig k s^ha^bjährig K4)! Wochenblatt für jüdische In1er6886N. vierteljährig K 2. Einzelnummer 20 Heller. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion u. Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. Nr. 4. Wien, 7. Februar 1918. IV. Jahrgang. Konferenz der Orthodoxie in Oesterreich. Kinkadung. Der Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoM Judentums ladet hiemit zur Konferenz dn, die an den Tagen 5., 6. lind 7. Adar 5678 (17. 18. und 19. Februar d. I.) in Wie« stattfinden wird. Tagesordnung: 1. Die Orthodoxie in Oesterreich. 2. Die Orthodoxie in der Gemeinde. 3. Religiöse Jugenderziehung. 4. Organisation. 5. Die soziale Gesetzgebung und das religiöse Leben. 6. Stellungnahme zu den die Juden berührenden Friedensfragen. 7. Jischnb Erez Jisroel. Die Konferenz findet auf Grund des 8 2 des Vereinsgesetzes statt. Die auf Namen lautenden Einladungen iverden als Legitimationen dienen. Die Beratungen werden -Li« -chMsüerÄrdcht wird ausgegeben. Das Lokal, in welchem die Konferenz stattfinden wird, sowie alles Nähere, wird später bekanntgegeben werden. Sonntag, den 17. Februar, nachmittags, ivird eine Vorberatung abgehalten iverden. Die eigentliche Konferenz wird am Montag und Dienstag, 18. und 19. Februar, statt- Die Eingeladenen werden ersucht, rechtzeitig ihre Teilnahme bekanntzugeben. Sämtliche Zuschriften sind an den Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums in Wien, I-, Tuchlauben 20, zu Die Lage der rufflfchen Juden. (Originalbericht der „Jüdischen Korrespondenz".) Stockholm, 1. Februar. Dieser Tage hatte ich die Gelegenheit, mit einem soeben aus Rußland hier angelangten Juden zu sprechen, der ein Bild der dortigen gegenwärtigen Zustände entrollte, wie es schrecklicher nicht sein kann. „Das Leben in Rußland — erklärte mein Gewährsmann — ist gegenwärtig ärger als in der Hölle. Jede Ordnung, jede Sicherheit, jede Zucht und jede Autorität hat anfgehört. Die Bolschewiki haben ein Schreckensregiment etabliert, das an die furchtbarsten Zeiten des Zarismus erinnert. Wer nur halbwegs verdächtig ist, „unverläßlich" zu sein, ist buchstäblich seines Lebens nicht sicher. Aber auch — und darin unterscheiden sich die gegenwärtigen Verhältnisse von denjenigen unter der Herrschaft des Zarismus zum Un gunsten — diejenigen, die keineswegs der heutigen Regierung entgegeuzutreten beabsichtige», ja selbst die Anhänger derselben, sind keines Tages ihrer Haut sicher. Wer sich aus die Straße hinauswagt, muß dainit rechnen, sein Leben einzubüßen. Es ist furchtbar, auszudenken, in welcher Nervenanspannung man heute in Rußland leben muß. Es ist nur natürlich, daß diese Zustände auch auf die Lage der Juden äußerst ungünstig zurückwirken. Als Bürger leiden sie gleich mit allen anderen Bürgern der frischgebackenen Republik. Aber merkwürdigeriveise leiden sie heute — >vie in den Zeiten des Zarismus — noch besonders als Juden. . . . Der Umstand, daß Trotzky ein Jude ist, kommt ihnen höchst ungelegen. Er selbst, Trotzky, kümmert sich natürlich blutwenig um sein Judentum, und alle diesbezüglich verbreiteten Nachrichten gehören ins Reich der Fabel. Trotzky gebärdet sich weder als Jude noch als Russe. Er ist Revolutionär extremster Richtung, und nur vom Gesichtspunkte der sozialen Umwälzung läßt er sich seine Hrindluu^swi'jje hittipmi P»n sstrd J)k Juden, als vornehmlich zur „Bourgeoisie" gehörend, ivenig begeistert von dem Programm der heutigen Machthaber. Sie genießen als solche wenig Vertrauen, und wenn sie auch seitens der Volkskommissare nicht belästigt werden, immerhin aber sind sie hellte fast vogelfrei und jeder Willkür preisgegeben. Es ist die alte Geschichte: Trotzky kümmert sich kaum um sie, was auch seitens seiner Freunde der Fall ist. Nichtsdestoweniger werden sie für seine Handlungen verantwortlich gemacht und die Gegengruppen betrachten die Umwälzung als eine „jüdische Mache" . . . Man kann sich leicht vorstellen, welche Stimmung im Reiche gegen die Inden herrscht und unter welch steter Angst und Qual sie zu leiden haben. Die Juden Rußlands haben eigentlich diese Wendung der Dinge kommen gesehen. Als Trotzky seinen Putsch in Szene setzte, veröffentlichte das jüdische „Petrograder Tagblatt" einen Appell an -seine Adresse, in welchem er darauf aufmerksam geinacht wurde, daß er als Jude mit seinem Auftreten große Gefahren für die Juden heraufbeschwört, und er ivurde beschworen, im Interesse seiner Glaubens- und Stammesbrüder davon abzulassen. Der Appell envies sich als ein naives Unterfangen. Trotzky zögerte keinen Moment, seinem Ziele zuzustrebcn und ebensowenig rührt er jetzt einen Finger, um die Pogromseuche einzudämmen. Diejenigen Juden im Ausland und derjenige Teil der jüdischen Presse, die ob des Umstandes, daß Trotzky ein Jude sei, in eine kälberne Begeisterung gerieten, scheinen sich gar keine Rechenschaft davon gegeben zu haben, welch peinliche Folgen eö für die Juden geben könnte, falls Trotzkys Politik Schiffbruch erleiden sollte. Die ernsten russischen Juden haben sich von Anfang an ans den Standpunkt gestellt: Trotzky ist bloß zufällig jüdischer Abstammung. Er hat aber mit dem Judentum nichts gemein, und cs ist lächerlick), ihn für die Judcnhcit zu reklamieren oder sich seiner Taten zu brüsten. Heute ist er auf dem besten Wege, seine Popularität einzubüßen. Bringt er nicht den Frieden, dann dürste er sich kaum längere Zeit behaupten können. Was aber dann kommen wird — darüber kann man sich gar keine Vorstellung machen. Man braucht kein Schwarzseher zu sein, um der Befürchtung Ausdruck zu geben, die Gegner Trotzkys, zur Herrschaft gelangt, könnten an den Juden ihr Mütchen kühlen, da dock) Trotzky, zumindest dem Namen nach, ein Jude ist. Die einzige Hoffnung, daß das gegenwärtige Regime den Frieden bringen wird, ist inwischen verflogen. Trotzky scheint lieber die oziale Revolution,den großen„Kladderadatsch", anzustreben, als den Frieden. Die Unsicherheit, ui der sich die Judxp JkußlandK, befinde«, kann aber nur im Falle eines Friedens gebannt werden. Deswegen auch ist ein baldiger Friede ihr einziger Wunsch, und deswegen kann Trotzkys gegenwärtige Verschleppungstaktik in der Friedensfrage auch vom jüdischen Standpunkte nicht gebilligt werden. Eines muß klar gesagt werden: Man darf im Auslande Trotzky keineswegs für die Juden reklamieren. Er ist sozialer Revolutionär und seine jüdisck)e Abstammung ist ein bloßer Zufall. Im Sinne und im Interesse der Juden handelt er sicherlich nicht..." Z'fbni. Konstituierung des Rabdinerverbandes. Vorigen Dienstag abends fand die konstituierende Generalversammlung des neugegründeten Verbandes der Rabbiner ans Galizien und der Bukowina statt. Der Versammlung wohnten fast sämtliche in Wien weilenden Rabbiner und Rabbinatsassessoren bei. Den Vorsitz führte der Senior der galizische» Rabbiner, Oberrabbiner Abraham Steinberg-Brody, der die Versammlung begrüßte und die große Bedeutung des Verbandes hervorhob. Der Vorsitzende schloß seine Ansprache mit einen begeistert aufgenommenen „Hoch" auf den Kaiser. Die Wahl ergab folgendes Resultat: Zum Ehrenvorsitzenden wurde Oberrabbiner Leib Braude aus Lemberg gewählt. Ferner die Herren Rabbiner: Abraham Mendel Steinberg-Brody, Präsident; Meier Arak-Buczacz, Vize; Josef Engel-Krakau, Vize. Ausschußmitglieder: Die Herren Rabbiner: Gedalej Schmelkes-Przemysl, Natan

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