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Jüdische Korrespondenz · 1918-01-24 · 3 (24.1.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
3 (24.1.1918)
Date
1918-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Jüdische Korrespondenz. Seite 3 stinafrage sagen: Die glaubenstreue Judenschaft braucht keineswegs irgendein Attest für ihre Liebe zum heiligen Lande, und die Herren Zionisten mögen es sich, bei aller Anerkennung ihrer Leistung für die Palästinasache, gesagt sein lassen, daß die Orthodoxie eswar, dieJahrhunderte hindurch, in den Zeiten des finsteren Mittelaltersund der für dieJuden nicht minder finsteren „Neuzeit", trotz aller Schwierigkeiten den Erez- Jisroel - Gedanken im Judentum wachgehalten hat. Wer weiß, ob die aus der Moskauer Universität gewiesenen jüdischen Studenten die Fahne Zions anfgerollt und „Beis .iakob lechu wenelchu!“ gerufen hätten, wäre nicht die von zionistischer Seite so arg verrufene „Chaluka" und die „Rabi-Maier-Baal- Hanes-Büchsen", die in jedem jüdischen Hause Jerusalem nicht vergessen ließen. In dem Moniente, da dank einer politischen Konstellation die Möglichkeit eines stärkeren Jischnb in Palästina vorhanden sein dürfte, ist die Orthodoxie keineswegs gewillt, sich in den Hintergrund schieben zu lassen, oder zu dulden, daß die moderne Kultur das heilige Land entweihe. Der verstärkte jüdische Jischnb in Erez-Jisroel muß im jüdisch-religiösen Geiste geleitet werden, sollte er Bestand haben. Palästina ist Eigentum des ganzen jüdischen Volkes, und die Orthodoxie, die das Gros desselben bildet, muß dg den ihr gebührenden Einfluß erhalten. Damit steht auch die politische Seite des Problems im Zusammenhang. D i e O r t h odoxie will das heilige Land nicht der Herrschaft der Türkei entrückt sehen, nicht bloß aus Dankbarkeitspflicht gegenüber dem türkischen Volke, in dessen Mitte und unter dessen Herrschaft die Juden seit Jahrhunderten ein ruhiges Leben führen konnten, nicht bloß aus Interesse für die Sache des Vierbundes, die eine gerechte Sache ist und den Sieg verdient, sondern auch vom jstdisch-religiösenStandpunkte. Ein Palästina, das unter der Herrschaft der Westmächte stehen wird, bürfte auch dem Einflüsse ihrer Kptltur ansgesetzt sein, die Gift für den jüdischen Geist ist. Die „Alliance Jsraelite Universelle" und die „Jca" dürften dann wieder das große Wort im heiligen Land führen, und was das zu bedeuten hat, wissen die Zionisten wohl am besten. Auch die Auswanderung der jüdischen Jugend aus Palästina, das traurigste Kapital des neuen Jischnb, dürfte bei einer englisch-französischen Oberherrschaft nur gefördert werden. Das jüdischeJnteresse gebietet es daher, das Verbleiben Palästinas unter türkischer Herrschaft zu wünschen, in der Ueberzeugung, daß der jüdische Jischub dortselbst bei einer Gewährung bestimmter Konzessionen im Sinne der Versicherung der türkischen, österreichisch-ungarischen und deutschen Staatsmänner einem Aufblühen und einer gesunden Entwicklung entgegengehen kann, ohne einem Phantom nachzujagen und englischen Bluff ernst zu nehmen. Das Programm der Orthodoxie hat auch noch den Vorteil, daß es von allen guten Juden akzeptiert werden kann. Deshalb gebührt demselben der Vorrang. Vom orthodoxen Leben. (Verein zur Wahrung der Jutereffen des orthodoxen Judentums.) Sonntag abends fand eine Vorstandssitzung dieses Vereines statt, in welcher die Stellungnahme der Orthodoxie zu verschiedenen aktu ellen Fragen eingehend erörtert und Delegierte zu der Konferenz der Orthodoxie in Frankfurt a. M. gewählt wurden. (Eine große orthodoxe Versammlung) wurde vorigen Dienstag und Mittwoch im Turnsaale (Malzgassc 16) abgehalten, um zu den Forderungen, welche jüdischerseits gelegentlich der Friedensverhandlungen vvrzubringen wären, Stellung zu nehmen. Die Versammlung, die sehr stark besucht, darunter auch seitens Delegierter von auswärts, war und die stellenweise einen sehr lebhaften Verlaus nahm, wurde vom Präsidenten der „AgudasJisroel",Herrn J.J.Thumim, eröffnet, der die Herren Schreiber und Banminger ins Präsidium, und Herrn Rabbiner Znckerberg (Jablonow) zum Schriftführer berief. Nachdem der Vorsitzende eingehend den Zweck der Versammlung erläuterte, entwickelte sich eine überaus anregende Diskussion, an der die Herren Eidinger, Schreiber, Pappenheim, Taster, Reich, Wischlitzer, Kreppet, Hauser, Bauminger, Schreiber jun., Vortrefflich re. re., wie auch die Rabbiner Schapira-Gliniany, Katz-BorszezowundArak-Buczaczteilgenommcn haben und mannigfache Anregungen und Gesichtspunkte entwickelten. Die Beratungen dauerten Dienstag bis 11 Uhr nachts, und die Versammlung mußte auf den nächsten Abend vertagt werden, da das Thema noch nicht ganz erschöpft tvar. In der Mittwoch- Versammlung wurde die Diskussion zu Ende geführt und nach der Annahme einer Resolution der Beschluß gefaßt, ein größeres Komitee zu wählen, das die Forderungen festsetzcn und entsprechend formulieren soll. In das Komitee sollen hineingehcn: drei Mitglieder aus dem Kreise der Großrabbiner, die diese selbst delegieren sollten, drei Mitglieder aus dem Kreise der orthodoxen Rabbiner, die ebenfalls aus der Mitte derselben delegiert werden sollen, sowie neun Bale-Batim, die seitens der Versammlung bestimmt wurden. Dieses Komitee, das in den allernächsten Tagen seine Arbeit aufnehmen soll, hat des Recht, sich durch Kooptierung entsprechend zu verstärken, u. zw. jede Gruppe aus ihrem Kreise in gleicher Anzahl. Die Versammlung wurde hierauf mit einem begeisterten Hoch aus Se. Majestät den Kaiser geschlossen. An die Kaiserliche Kabinettskanzlei wurde ein Huldigungstelegramm abgeschickt. — Wir werden über den Verlauf dieser Versammlung noch ausführlich berichten. (Von der „Agudas-Jisroel".) In den letzten zwei Sonntagen wurde die Propaganda-Arbeit für die „Agudas-Jisroel" fortgesetzt. Vorigen Sonntag sprachen Rabbiner Ziff-Tlumacz und Jeschiba-Leiter I. Kamelhaar, diesen Sonntag Herr Kamelhaar in verschiedenen Bethäusern. Es wurde hiebei eine größere Anzahl Mitglieder für die „Aguda" gewonnen. — Diejenigen, die Mazzot unter der Aufsicht der „Aguda" haben wollen, brauchen sich diesbezüglich bei der „Aguda" zu melden, wo die entsprechenden Anmeldungskarten aufliegen. — Das Resultat der Zeichnungen aus die VII. österreichische Kriegsanleihe durch den Kriegsanleihezeichnungsverein „Agudas-Jisroel" übertrifft alle Erwartungen. Die Endsumme erreicht die Ziffer K 860.750, ist demnach bedeutend höher als bei der VI. Anleihe. Nach wie vor schreitet die „Aguda" an der Spitze aller Kriegsanleihe- Zcichnungsvercine in der Monarchie. (Rabbinerverband.) Der Verband der Rabbiner ans Galizien und der Bukowina hält Sonntag, dcit 27. b. M., seine konstituierende Generalversammlung ab. (Die Sprach- und Bibelschule) des Kaiser Franz Josef I. Huldigungstempel, Wien, II., Pazmanitengasse 6, weist von Jahr zu Jahr eine größere Frequenz auf und ivird heuer von mehr als 400 Schulkindern besucht. Dieses Aufblühen der Schule ist zumeist auf den Umstand zurückznführen, daß der Vorstand mit dem Obmann der Schnlsektion, H. L. Adler, es sich angelegen sein läßt, die Anstalt immer mehr zu vervollkommnen. So wurde mit Beginn des Schuljahres 1917/18 die Zahl der Lehrgegenstände vermehrt, und in nächster Zeit soll behnss Unterstütznng der religiösen Erziehung der Frequentanten eine Schnlbibliotbek angeschafft tvcrden. Rundschau. (Adelsstand.) Der Kaiser hat dem Oberstleutnant Moritz Mansch, Kommandanten eines Feldhaubitzenregiments, den Adelsstand mit dem Prädikat „Edler von Leoney" verliehen. Der genannte Stabsoffizier, ein Sohn des einst in Lemberg hochangesehenen Kultusvorftehers Dr. Ludwig Mansch, ist seit Kriegsbeginn an der Front und bereits sechsmal dekoriert worden, darunter auch mit dem Orden der Eisernen Krone dritter Klasse und mit dem deutschen Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse. (Erzherzogin Angnste an de« Gräbernim Kriege gefallener Inden.) Dieser Tage erschien Erzherzogin Auguste in Begleitung des Staatssekretärs im Honvedministerium v. Tabajdy und desFeldmarschalllcutnants v. Bogath im Rakoskcreßturer israelitischen Friedhof, um das Heldengrab der im Kriege gefallenen Juden zu besichtigen. Rabbiner Dr. Moritz Weiß empfing und geleitete die hohe Frau, die sich über die sorgsame Pflege, die die Prster israelitische Chebrah Kadischah den Heldengräbern angcdeihen läßt, sehr anerkennend äußerte. (Aus der Wiener Kultnsgemeinde.) In der am 6. Jänner 1918 stattgehabten konstituierenden Plenarsitzung des Kultusvorstandes wurden gewählt: Zum Ersten Vize-Präsidenten Herr k. k. Hofrat Dr. Benjamin Rappaport, zum Zweiten Vize-Präsidenten Herr Dr. Leopold Kohn, zu Mitgliedern des Vertreter-Kollegiums die Herren: Moritz B. Eißler, Dr. Jakob Engel, Ernst Hirsch, kais. Rat Siegmnnd Kauders, Dr. Wilhelm Pappenheim, Eduard Schwarz, Leopold Simon, Dr. Markus Spitzer. Eine Neuwahl des Präsidenten hat nicht stattgefunden, da Herr

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