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Jüdische Korrespondenz · 1918-01-24 · 3 (24.1.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
3 (24.1.1918)
Date
1918-01-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 3 Präsident Dr. Alfred Stern in der Plenarsitzung vom 6. Jänner 1916 für eine dreijährige Funktionsdaner gewählt wurde. (Anmeldung zum Bezüge von Mazzoth.) Der Bezug von Mazzoth für dadiesjährige Passahfest kann nur auf Grund der vom Vorstände der israelitischen Knltnsgemeinde ansgestellten Mazzoth-Bczngskarte erfolgen. Parteien, welche auf Mazzoth reflektiere», haben dies unter Benützung der hiezu bestinimten Anmeldekarten bis längstens Montag, den 28. Jänner 1918, der israelitischen Knltusgemeinde Wien bekanntzugcben. Amneidekarten sind ab Dienstag, den 15. Jänner 1918, in der Zeit zwischen 9—12 Uhr vormittags und 2—6 Uhr nachmittags unentgeltlich an nachfolgenden Stellen zu beheben: I. Seitenstettengasse 4, II. Tempelgasse 3, II. Pazmanitengasse 6, III. Untere Viaduktgasse 13, V. Sicbenbrunncngasse 1, VI. Schmalzhofgasse 3, VIII. Neudeggergasse 12, IN. Müllnergasse 21, X. Humboldgasse 27, XI. Braunhnbergasse 7, XV. Turnergasse 22, XVI. Hubergasse 6, XVIII. Schopenhauerstraße 39, XIX. Dollinergasse 3, XX. Kluckygasse 13, XXI. Holzmeistergasse 12. Die Verlautbarungen betreffs Behebung der Bezugskarten und der näheren Bestimmungen bezüglich des Mazzothverkanfes werden, rechtzeitig erfolgen. Parteien, welche nicht oder nicht rechtzeitig den Bezug anspreche», können beiin Verkaufe nicht berücksichtigt werden. (Die jüdischen Kolonien in Palästina.) Wie das Kopenhagencr Bureau der Zionistischen Organisation durch Telegramm vom 8. Jänner ans London erfährt, ist die Lage der jüdischen Kolonien Palästinas, die von den Engländern besetzt worden sind, den Umständen nach fast befriedigend. Die Regierung hat sie mit Saat für die nächste Ernte versehen. (Das erste jüdische Gymnasium in Polen.) Die Abteilung für Kultus und Unterricht erteilte, der „Godzina Polski" zufolge, dem jüdischen Mittelschulverband in Koiiin die Genehmigung zur Eröffnung eines achtklassigen jüdischen Gymnasiums, das das erste jüdische Gymnasium in Polen sein werde. An seiner Spitze steht als Direktor Herr Russak, Stadtverordneter der Stadt Lodz und jüdischer Nationalist. (Jüdische Kohlengrubenarbeiter.) Jüdischen Blättern zufolge werden seit einiger Zeit in den Kohlengruben des österreichischen Besatzungsgcbietes jüdische Arbeiter beschäftigt. Gegenwärtig arbeiten dort bereits hundert jüdische Arbeiter. (Dr. Josef Klausner), der Redakteur des „Haschiloach", wurde vom Professorcnrat der Odessaer Frauenuniversitüt zum Dozenten für jüdische Geschichte und Orientkunde ernannt. Bibelwort und Naturwissenschaften. Im Verein „Kadimah" in Zürich hielt vor kurzem Herr Dr. Lewenstein einen Vortrag über obiges Thema. Der Vortragende führte u. a. aus: Ueber die alte Frage, inwiefern die Ergebnisse der Naturwissenschaft sich im Einklang befinden oder im Gegensatz stehen zu den diesbezüglichen Darstellungen in der Heiligen Schrift, ist schon manches gesagt worden, was zum richtigen Verständnis beigetragen hat. Namentlich ist mit Recht betont worden, daß wir bei der Prüfung des Bibelwortes im Zusammenhang mit den Resultaten der Naturforschnng weder zugunsten von unbewiesenen Theorien und Hypothesen auf diese!» Gebiete zu viel in das Bibelwort hineininterpretieren sollen, noch daß wir das Wort der Bibel nicht für expansionsfähig genug erachten sollen, um nicht ganz neuen Gesichtspunkten gerecht werden zu können. Aber in fast keiner dieser Darstellungen ist genügend hervorgehoben worden, daß es znm Verständnis darauf ankommt, ob wir das Bibelwort in seiner ursprünglichen Form, also im hebräischen Gewände, zu Rate ziehen oder in einer Uebersetzung. Der Vortragende gibt verschiedene Analysen von hebräischen Worten und beweist damit, daß manche naturwissenschaftliche Tatsachen, die erst vor einigen hundert Jahren durch die Wissenschaft scstgestellt wurden, von jeher schon in der hebräischen Sprachseele lebten. So muß z. B. das Wort „Erez" von laufen, bewegen hergcleitet werden, lebt also in der hebräischen Sprachseele als eine freie Kugel, schwebend im Luftraum. — Bis vor 250 Jahren war das Wort der Schrift: „Es werde Licht", das nach dem Schöpfnngsbericht am ersten Tage entstand, überhaupt im Gegensatz zu der natnrwissenschaftlichen Ueberzeugung, denn Licht war nur denkbar als von der Sonne und von den Sternen ausstrahlend, die aber erst am vierten Tage ins Dasein traten. Als der Aether als der Träger der Lichtschwingung eingeführt wurde, konnte das Licht des ersten Tages in seiner ganzen Bedeutung erfaßt werden. Das „Wajhi chen", das wir bei den übrigen Schöpfungstagcn finden, ist beim Bericht des ersten Tages ersetzt durch „Wajhi aur", das, wie eine genaue Prüfung des Wortes lehrt, im Gegensatz zu jenem Wort nicht den stabilen, bleibenden Charakter hat. — Gegen eine solche Annahme hätte man bis zur Entdeckung des Radiums — vor 20 Jahren — den schärfsten Protest eingelegt. Es ist nun heute sicher, daß das Radium, das Stoff und Kraft zugleich ist, beim Entstehen unseres Sonnensystems das Chaos erfüllt haben muß; ebenfalls steht fest, daß diese enorme Lichtquelle durch Umwandlung der Lichtatome zu anderweitiger Verwendung im Universum ihre ursprüngliche Lichtintensität cinbüßte. Also verstehen wir „Wajhi aur" und nicht „Wajhi chen". — Nach dem Schöpfnngsbericht waren die ersten Lebewesen die Wassertiere, und nach ihnen die Vögel. Daniit, und auch mit dem Bericht des sechsten Tages, stehen die Darwinsche Theorie und der Haeckelsche Monismus in Widerspruch, denn nach ihnen haben alle Lebewesen sich auseinander entwickelt. Alle gehen nach ihnen auf eine anorganische Urform zurück, die zu einem organischen Lebewesen wurde. — Der Widerspruch zwischen diesen Theorien und dem Schöpsungsbericht der Bibel liegt nicht in der Behauptung an und für sich, daß das organische Leben und auch die Seele sich aus den anorganischen Stoffen entwickelt hat; denn auch das Wort: „Die Wasser sollen wimmeln von lebenden Wesen, und die Erde soll hervorbringen lebende Wesen", sagt dasselbe. — Der Widerspruch liegt: in der Lehre des zufälligen Entstehens; in der Ausschaltung eines göttlichen Schöpfers; in der Lehre der Abstammung von einer Universalart; und in der Lehre, daß sich der Mensch aus dem Tier entwickelt hat. — Für die ersten dieser Lehren fehlen alle Beweise; sie sind also ohne besonderes Interesse für uns. Unser Interesse wendet sich den beiden letzten zu, zu deren Stütze Tatbestände angeführt werden. _ _ (Schluß folgt.) Bernhard Schiff {. A. Am 9. d. M. starb hier plötzlich im Alter von 74 Jahren Herr Bernhard Schiff, Chef der bekannten Firma B. Schiff & Söhne. (Von uns bereits gemeldet.) Der Verblichene war ein Lieblingsschüler des Mahram Schick und Ksaw Szofer, deren Jeschibot er durch Jahre besuchte. Schon damals war er durch eisernen Fleiß, tiefe Frömmigkeit," Bescheidenheit und stete Hilfsbereitschaft geradezu ein Muster für seine Kollegen. Im Vereine mit seiner gleichgestimmten, ihm vor wenigen Jahren im Tode vorausgegangenen edlen Gattin gründete er ein echt jüdisches Haus, dessen Leitsterne Thauroh, Awandoh und Gemulus Chessed waren. Sein für alle Bedürftigen offenes Haus, seine großzügige Wohltätigkeit und seine peinliche Korrektheit in Handel und Wandel machten ihm alle Welt zu Freunden. Er war durch Jahrzehnte Verwalter der Palästina- Sammlungen, Vorsteher der Adaß Jisroel (6 Jahre Obmann), des Thorah Ez Chajim und betätigte sich überall durch angestrengte Arbeit und schrankenlose Opferwilligkeit. Besonderes Interesse brachte er dem Beth Hamidrasch der Schiffschul entgegen, dessen täglichen GeMore-Schiur.er. durch fünfzig Jahre besuchte. Ganz im Sinne seines großen Lehrers hielt er das Beth Hamidrasch für das wichtigste Element im Judentume; nur dort wird der Geist des echten Judentums gelehrt, dort wird jenes jüdische Wissen erworben, das befähigt, zu lernen, zu lehren und zu üben. Schiffs Hintritt reißt eine klaffende Lücke in die Wiener Orthodoxie; es steht zu hoffen, daß seine Kinder diese Lücke ausfüllen werden. Das Leichenbegängnis fand unter großer Teilnahme statt. Die sterblichen Ueberreste wurden in Deutsch-Kreutz bestattet. Am selben Tage starb hier ein Cousin des Verblichenen, Herr Isidor Schiff aus Deutsch- Kreutz. Der jüngste, der in einem kurzen Zeiträume weggerafften drei Brüder Schiff in Deutsch-Kreutz, deren Häuser in ganz Ungarn sich her größten Verehrung erfreuten. Waren die älteren Brüder als Talmide Chachomim, opferwillige Arbeiter für das Gemeindewohl und große Wohltäter bekannt, so zeichnete sich der jüngste durch übergroße Herzensgüte und Hilfsbereitschaft aus, die ihn zum Liebling seines Kreises machten. Statuten des Landesverbandes der Israelitischen Nultusgemeinden in Galizien. (Lchluß.1 Art. 14. Die Versammlung wählt auf drei Jahre den Präses des Vereines, zwei Stellvertreter desselben und den Sekrelär. Ebenso wählt (Fortsetzung aus Seite 6.)

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