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Jüdische Korrespondenz · 1918-01-03 · 1 (3.1.1918) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
1 (3.1.1918)
Date
1918-01-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Organ des Vereines „Jeschurun“ ORGANISATION für die Uiorntreue -Tugend Wiens Alle Zuschriften und Anfragen sind „Jeschurun“-Prelikomitee1 Wien. l.,Sa!ztorgasse 2. Jeschurun Nr. 1. — 1918. Beiblatt der „Jüdischen Korrespondenz“. ABONNKMKNTS Pretfkomitee des Vereines „Jeschurun“ Wien, I., Salztor^asse 2. was wir wollen- Alles mailtet, wo her Glaube fohlt. Als vor 140 Jahren beit Bruder» unseres Glaubens die erste von einem Inden oerfnnte deutsche Bibelübersetzung vorgelegt wurde, ahnte wohl keiner, weder Freund noch Feind, daß mit dieser Tat eine neue Epoche in der Geschichte der Juden im Goluß eiugeleitet wurde. Der erste bedeutsame Schritt zur Befreiung der Juden aus geistigem Drucke war damit getan: durch sie lernten die Juden deutsche Sprache und weltliche Kultur fcmu’it und schätzen. Das Selbstgefühl und der Bildungstrieb wurden in Israel auss neue geweckt. Bist Recht lassen die Erforscher unserer Vergangenheit von diesem Zeitpunkte einen neuen Abschnitt unserer Geschichte anfmigen. Es war jedoch nicht der Beginn einer goldenen Blüteperiode jüdischen Hebens, auch nicht der Anfang einer Zeit des stetigen Aufstiegs. Aller Zwiespalt im Innern vielmehr, aller Haß der Parteien und der wutentbrannte Kamps der weit auSeinanderlaufeliden Ideale innerhalb des Judentums geht auf jene vermeintliche Feindschaft zurück, die zwischen Wissenschaft und Vernunft einerseits und Religion und Glaube andererseits bestehen soll. Und damals wurde der Anlaß gegeben, daß der so oft gekämpfte -stampf auch in der '.Neuzeit wieder zum Vorschein kam, um sich auf unsere Tage zu vererben: die Feindschaft scheint also eine unversöhnliche und ewige zu kein. Vergebens lebrt uns die Bibel: „ E r k e u n e u sollst du den Gott deiner Vater, um ihn anzubeteu mit ganzem Herzen," umsonst beinüht sich Hillel: „Bei den Erkenntnisloseu ist keine Scheu vor Sünde, bei den Uiimissenden keine Frömmigkeit"; auch von jüdischer Seite wurde, wen» auch in geringerem Maße, die Unvereinbarkeit von 'Wissenschaft und Religion als Dogma zu verkünden versucht. Viel schroffer war jedoch die Zurückiveisung von seiten der anderen. Und als erst zur inneren Wirkung der Geistestat noch die äußere Befreiung von Druck und Knechtschaft, von Ghetto und Judeugesetzeu hiuzukam, glaubte das „fettgewordeue" Israel seine Vergangenheit vergessen, sein Erbe verschleudern und die JdeateZeiner Väter in den Kot zerren zu dürfen, standen ihm doch die Pforten des irdischen Paradieses offen! Konnte es sich doch die Früchte der Wissenschaft, die Schätze der modernen Kultur aneignen. Es brauchte ja bloß die Hand nach ihnen auszustrecken! Die Thora der Väter war den Entcln keine Lehre mehr! Wenn schon ein moderner, nicht mehr zu unserein Kreise zu zählender Jude klagt: „Eine erschreckende Gleichgültigkeit in religiösen Dingen Iiannit sich gegriffen. I» keiner religiösen Gemeinfchait macht eine almlidie Lauheil sich bemerkbar, wie leider bei der utb,id)en und namentlich bei der Jugend"., nm wie vieles bitterer muß unsere Klage, um wie vieles scharfer unser Tadel sei». Es bedurfte der straiendeil Reaktion der letzten Jahrzehnte, nm die vom falschen Libcraiisiinis des vorigen Jahrhunderts heillos Verirrten, ivenn andi nur halbwegs zur Besinnung zu bringen, ihnen begreiflich zu machen, daß Milglied jenes Voltes zu sein, das der! Welt den reinen Gottesgedantrn gelehrt, leine J Schande' bedeute. Wir jedoch wollen mehrt wir haben unser Ziel viel iveuer gesteckt und j hoffen im Beiviißtsein unserer jnngeii straft, j dasselbe auch erreickwu zu tonnen. j Wir fragen uns: Sollen jene düstere» Proi pheten Recht behalten, die uns keinen Ausweg finden lasse» wollen zwischen Verlust! des Lebens nnd Verlust des Glaubens? I Müssen ivir wirklich in die dlistere Enge des j Ghettos zuruck, nm die Goiteslehre pflegen I und in ihrem Gei sie leben zu können? Verj trage» wir das Helle Lickit der moderuen! stnlkur und Zivilisation uickit, ohne Schaden! an unserer Seele zu nehmen? 4tcm und S tausendmal nein! j Unsere Lehre ist kein griechisches Mpsterium, l unser Leben ist kein Leisetreten und Hinterj tiirengehen. Wir beten keine Götzen au, „die! Augen haben und nicht sehen, Dhren und J nicht Horen", wir haben keine Dogmen, deren i Inhalt geheimnisvoll und unsaßbar nt. Wir haben nichts zu verbergen »nd nichts zu surchteii, wir glauben vielmehr unerschütterlich an die Möglichkeit, die Wege des ftidischeu Lebens mit den breiten Heeresstraßen der Meuschheitskultur in Parallele bringen zu können. Wir scheuen die Auseinandersetzung i mit der Modernen nicht, denn wir erkennen die Notwendigkeit, mitgeheu zu müssen, um bei der letzten Niiseinaiidersetzung mitredeu zu dürfen. „In religiösen Dingen ist das Work Glaube gleichbedeutend mit Ueberzeugung", sagt Egidv, nur die ivahrhaste, im stampft erprobte lleberzeugung jedoch halt den mächtigen Stürme»! des Unglücks, den Flute» des Uebermiitcs »nd Wohlergehens stand. Den stampf der um die Wahrheit ringende» Geister zu si»tzei>, der materiellen Kultur, man kann fast sagen Kiiliurlosigkeit unterer Tage, dc» starken ethischen und geistigen Oie- Halt unseres Gjciiibens enigegenhallen, dem stichten Spott der sich mtellekniell dniikendeii Halbgebildete» trotzen, ivas ivir Gutes und schönes in der Modernen finden imt dem Alterprobten unserer Lehre zu einem harmonischen Renen verschmelze!! - das ist der Weg der Zaknnft, das wolle» ivir! Den pruktischeii Beivei-s für die Mvglickileit der Durchfilürung dieses Programms sollen diese Blatter erbringe»: den Beweis, daß es ei» intellektuelles konservatives Judeutnm gibt und hoffentlich auch stets geben ivird! Wenn unsere Hostuiiiig in Erstillung gehen ivird, dieHosinuiig naiiilich, daß unsere Freunde und Leser auch sich selbst als Mitarbeiter an dein großen Werke der kulturelle» Wiederbelebung unserer vieliansendjahrigen und dnrcl, keinerlei Verwasteriiiigeiiverfalschleu Glaubens oicineinfdmü aiisehen »'erben, dann haben ivir nichts mehr zu furchten, daun nt uns der vereinsnalstrichlen. etiUHiiicr, fonm'ollnieu't. i caalicn. Am i'imumc ültbeitciauAtduift. Toi PinkaS eine Simm» vos Titziinq. Die iülligii m hie R-.-sl.mransi! Pmkas bmaim Jeuilreton. Aus den lg Briefen über das Judentum. Von Samson Raphael Hirsch. Vorbemerkung: Wir glauben unser Werk nicht wirksamer eröffnen zu können, als wenn wir den großen Klassiker des Thora im Derech Erez- Programmes selbst zu Worte kommen lassen. Mögen seine Worte in alle Herzen dringen und Verständnis für unser Streben erwecken! Fiiulzekuter Ariel. Sie haben sich, mein Benjamin, gelobt, nicht eher zu ruhen, als bis Sie die Erleuchtung sich errungen: nicht eher ein Haus zu gründen, als bis zu dem Wohlstand au äußern Gütern, Sie auch die inner» aus der Tauroh geschöpft, auf daß Sie nun auch würdig verwenden diese Güter nach Gottes Willen und ein Haus zu gründen vermögen im Taurohgeist und Jisroelmenschtum: es ist mir Bürge, daß ich nicht umsonst geschrieben. Kommen Sie nur, wie Sie sichs vorgeuvmmeu, daß ich Ihnen mündlich ausführe und begründe, was Sie bis jetzt nur so im Fluge und in Umristeii lernten. Doch erwarten Sie keinen unfehlbaren Meister. Redlich will ich Ihnen zeigen, >vv ich noch selbst im Dunkel und im Zweitel bin und Sie zur selbsttätigen Forschung laden. — Sie wollen mich zugleich mm der Mühe überheben, Ihren ersten Brio zu widerlegen: Sie haben ihn min schon selbst geprüft und ihn sich beantwortet: es muß mich überaus freuen, daß Sie es getan. Ich habe jedoch seine Beantwortung schon im Entwurf liegen nnd lege ihn darum somit au, bloß zur Vergleichuug mit Ihren eigenen Gedanken: erwarten Sie darum nichts mehr als Gedankensplitter. (Forttetzunq solgi.)

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