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Jüdische Korrespondenz · 1918-01-03 · 1 (3.1.1918) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
1 (3.1.1918)
Date
1918-01-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz. Sit fmincii beanspruche», daß in den Schulen, in Venen ihre .Binder unterrichtet werden, der Keift herrscht, der der nationalen «beschichte entspricht, viiiöem ober diese Schule, ob Volksschule oder Kiiiniiasiiiin, die ganze Kraft des Knaben oder Mädchens beansprucht, läßt sie keine Zeit und Energie übrig für die Erlernung des lustorisch geivvrdeueii Judentums. Und der kahle und magere jüdische Religionsunterricht, der da nebenher erteilt ivicd, kann gar zu ivenig geben, zumal eine Keiintnis des Judentnius ohne Verständnis der hebräischen Sprache stets mir eine halbe sein ivird. Zudem bestellt das Judentum keineswegs aus rrgeudwelchen trockene» Klaubeuslehre» iind ausivendig gelernten Bibclversen, sondern ist der Ausdruck einer viertansendjährigen Geistes - kultnr niid einer nationalen Keschicl>te, die ihresgleichen in der Weltgeschichte nicht bat. Diese in sich aufnelnnen, dag» bedarf eS mehr als eines kalten Religionsunterrichtes. Das Judentum will gelernt, unü gefiihlt und will erlebt fein. Eine Zeitlang haben wir uns eingebildet, daß die Simultanschule unserer Jugend die Möglichkeit einer jüdischen Erziehung geben wird. Wir haben inzwischen eingesehen, daß es in Wahrheit gar keine Simultanschule gibt. Dort, wo die Btehrheit katholisch ist, ivird die Schule einen katholischen Charakter, ivv sie evangelisch ist, einen protestantischcii kreist haben. Jedenfalls ist sie immer christlich lind niemals jüdisch. Wollen wir ivieder eine Jugend mit jüdischen Kenntnissen haben, wünschen wir, daß unser Nachwuchs mehr vom Judeutniu weiß, uni seine Ehre würdig wahren zu können, so müssen mir mit voller Absicht und klarer Erkenntnis jüdische Schulen schaffen. Diese Schulen sollen keineswegs Schul» ghettvs sein, ivie dcis Schlagwort lautet, mit dem man eine gute Lache tvlmacht, ohne libcr sic überhaupt uachpidenken. Denn wir haben gar keine Absicht der Abschließung. Äiur in jüdischen Schulen kann der Sabbath beobachtet werden. Dieser nationale Ruhetag der Juden hat seine historische Bedeutung. Er hat melir zur Erhaltung des Jndcniums beigetragcn, als alle theoretischen Erorlernugeu je vermochten. Bon jüdischen Schulen aus ivürde eine Ernenernng des jüdischen Geistes ausgehen. Soweit es sich um bestimmte Zwecke handelt, haben sich auch die deutschen Juden keineswegs gescheut, besondere jüdische Schulen zu gründen. So haben die landwirtschaftlichen und Kärtnerschulen, die verschiedentlich gegründet worden sind, eine vortreffliche Wirksamkeit entfaltet, ohne daß die erwarteten schädlichen Reben- Wirkungen eingetreten wären. Sv iverden sich auch die Befürchtungen, die an die Gründung von allgemeinen, mittleren und höheren jüdischen Schulen geknüpft iverden, in nichts auflvse», wenn mau au die Verwirklichung dieser Gedanken herantritt. Rur von der nationalen jüdischen Schule dürfen >vir in Deutschland eine Erhaltung des Judentums, eine Wiederbelebung des jüdischen Geistes, eine neue Blüte jüdischer Gedanken, eine Kultur dejüdischen Herzens erwarten/' Maure. Rundschau. (Verein zur Wahrung der Interesse» des orthodoxen Judentums in Wien und Niederöstcrreich.) Der Vorstand ersucht, Zuschriften an den Obmann Herrn Bernhard Hofbauer, I.. Tuchlauben 20, zu adressieren, Geldsendungen ans (d e kt erreicln schein T-'oklkparüaÜcnü'onto i 1.176 einzuzahleu. — Von der Eröffnung des Bureaus ivird in den Bläiterii Anzeige (Die Rabbinerdeputatio» beim Kultusminister.) Bezugnehmend auf den Bericht in der letzten Rümmer unseres Blattes über die Deputation der Rabbiner beim Kultusminister sei ergänzend gemeldet, daß die Deputation aus dem Senior der galizischeu Rabbiner, Obcrrabbiner Stein-- berg-Brodh, sowie den Rabbinern Katz- Bvrszezow und Halberstamm - Sokolow be- <Die „Agudas Jisroel" und die FriedenSfrage.) Vorige Woche fand in Berlin eine von der „Agudas Jisroel" einberusene Beratung statt, welche sich mit der geplanten Aktion des orthodoxen Judentums hinsichtlich einer Vertretung bei den Friedensverhandlungcii beschäftigte. Es wurde beschlossen, zunächst eine Konferenz der orthodoxen Juden aus Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Polen, Litauen, der Schweiz etc. einznbcrufen, um diese Frage näher zu ervrtern. Da die Aussicht vorhanden ist, gar bald mit den Jude» in Rußland in Verbindung treten zu können, sollen auch die dortigen Rabbiner zu Rate gezogen iverden. Diese Konferenz soll entweder im neutralen AuSlaudc oder in Wien als Mittelpunkt, stattsinden. (Mendeie Mocher Sforim s. 31.) Wie gemeldet ivird, ist am 8, vorigen Monats in Odessa^ der berühmte nenhcbräische und jiddische Schriftsteller Salomo» Jakob Abramvlviisch, bekannt unter dem Namen „Mendele der Bucherverkaufcr", dessen achzigsier Geburtstag im vergangenen Jahre in Rußland festlich begangen ivurde, gestorben. Er war der populärste ostjudische Dichter, dessen viel gelesene Schilderungen des jüdischen Kleiustadtlebeus im russischen Ansiedelungsgebiet geradezu klassisch sind. Mendeie war 1836 in dem litauischen Orte Kvphl geboren und widmete sich zunächst dem Lchrerberufe. Ücach einem etwas abenteuerlich anmutcndeu Baganteuleben entfaltete sich seine dichterische Begabung in der herrlichsten Weise. Bekannt sind unter anderem seine Romane „Tie Klatsche", vielleicht das Bedeutendste, was die ostjüdische Literatur hervorgebracht hat, „Väter und Sohne", „Fischte der Krummer", „Die Reisen Beufaunns des Dritten", „Die Entdeckung Wolhyniens" und „Wunschstugcrl". Mau hat Mendele mit Recht als den „jüdischdeutschen Cervantes" bezeichnet, während seine Jünger den großen Humanisten in Ehrfurcht den „Seiden", den Großvater, den Ahnherrn nannten. Wir werden die Bedeutung des Verblichenen noch besonders würdigen. (Todesfall.) Im hohen Alter von 84 Jahren ist in Prag am Samstag Rabbiner Professor Salvmon Knöpfelmacher »ach kurzer Krankheit verschieden. Mit ihm ist der Senior der Prager israelitischen Religionslehrer dahingegangen. — In Wien ist Großindustrieller Kommerzialrat Salomon Rudich, Landtagsabgeordneter des Herzogtums Bukowina, Handelskammerrat, letzten Samstag im Alter von 56 Jahren gestorben. Beiblatt „Jeschurnn". Ab heutiger Nummer wird die „Jüdische Korrespondenz" regelmäßig ein Beiblalt „Jeschurun" enthalten, als Organ des Vereines „Jeschnrnn", Organisation sür die thoratreue Jugend Wiens. Dieser Verein de zweckt die Pflege jüdischen Wissens und jüdischen Geistes hauptsächlich in den Reihen der thoratreiien studierenden Jugend Wiens unter Ausschluß jedweder politischer Tendenz und entwickelt eine sehr lebhafte, fruchtbare Tätigkeit. Dieses Beiblatt dürfte sicherlich großes Interesse innerhalb aller Kreise erwecken, die Herz und Sinn für unverfälschtes Judentum haben. (Englische Wut gegen die russischen Juden in England.) Aus dem Haag ivird gemeldet: Rach der Einleitung der deutsch - russischen Wasfcustillstandsuerhaud lungeii erreichte die Erbitterung des Pöbels in Loudou-Ostend gegen die dortigen russischen und polnischen Juden einen solchen Grad, daß diese in größter Angst vor dem Ausbruch eines unerhörten Progroms schwebten. Hier eingetroffene Briefe dortiger Zionisten entschuldigen die jüdischen Sympathie bezeuguiigcu für England anläßlich der Einnahme Jerusalems mit der Notwendigkeit, dadurch die Volkswut etwas zu besänftigen. (Spital „Schaare-Zedek", Jerusalem.) Wie die Verwaltung des Spitals mitteilt, ist dasselbe unter dem Schutz des holländischen Konsuls weiterhin in vollen, Betrieb. (Orthodoxe Gemeinde in Stockholm.) Es wird allen Kennern der skandinavischen jüdischen Verhältnisse eine willkommene Kunde sein, zu hören, daß in Stockholm am 28. Oktober 11!17 ein neues prächtiges Gotteshaus der orthodoxen Gemeinde feierlichst eröffnet worden ist. Dasselbe ist unter opferfreudigster pekuniärer Betcilignng mit Hilfe der ausländischen Gesinnungsgenossen, die sich während des Krieges hier angesiedelt haben, zustandegekomineu und wird sicher ein Anlaß sein, echt jüdischen Geist hier zu verbreiten und zu vertiefen. (Pogrome in Rußland.) In einer Reihe von Städten und Märkten des Gouvernements Mohilew brache» Pogrome gegen die Juden und Gutsbesitzer aus. Tie Soldaten, die eigenmächtig die Front verlasse» hatten, plünderten die Hauser und vernichteten alles, ivns ihnen in die Hände geriet. Gegen diese Art der Pogrombewegung laßt sich, wie die Zeitungen Mitteilen, bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Rußland nichts unternehmen. Dem alten Typus der jüdischen Pogrome ähnlicher war der Pogrom in Jampol (Gouv. Podolien). Viele jüdische Häuser und Geschäfte wurden geplündert und in Brand gesteckt. An der Spitze der Holiganc — zumeist Soldaten und Bauern — stand ein Matrose, Bugan. Die Plünderungen wurden von den Husaren unterdrückt, die auch Bugan totschlugen. (Die Verschiebung des jüdischen Kongresses in Rußland.) Das Organisationskomitee des jüdischen Kongresses in Rußland veröffentlicht folgende Mitteilung: Die allgemeine Lage im Lande und die (Fortsetzung auf Seite 6.)

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